„Der grüne Hedonist“ – „Wie man auf lebens- und freudebejahende Weise grün sein kann“

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Diesen Satz aus dem überaus lesenswerten Buch Alexander von Schönburgs „Grünem Hedonisten wurde ganz bewusst als Titel für meine Rezension gewählt, weil sie mit einem Satz das ausdrückt, was der Autor auf über 200 Seiten in höchst lesenswerter und zugleich lockerer und amüsanter Art und Weise behandelt. Denn sind wir nicht alle auf mehr oder weniger ausgeprägte Art Hedonisten oder vielleicht Casinospieler playjango casino oder Grenzgänger der Lust? Menschen, deren Verhalten vorwiegend von der Suche nach Lustgewinn und Sinnengenuss bestimmt ist?

Also warum nicht das eigene Streben in das Wohl unserer „Wohnstätte“, unseres Planeten und seiner Umwelt investieren? Denn, so Alexander von Schönburg: „Ich behaupte sogar, dass sich ökologisch verantwortungsbewusstes Leben überhaupt nur durchsetzen wird, wenn es Steigerung von Lebenslust verheißt und nicht mit Verboten und als Selbstkasteiung daherkommt.“ Wie der Autor, so ist sich auch die sehr geneigte Leserin dieses Buches – nämlich ich – einig, dass Lust und Spaß bedeuten kann, „verantwortungsbewusst mit Natur und Mitgeschöpfen umzugehen und nicht mehr jeden Quatsch der Konsum- und Unterhaltungsgüterindustrie mitzumachen.“ Und weiter: „Mir ist lieber, uns wird vorgelebt, dass man grün sein und sein Leben dennoch genießen kann, als dass ich mir ständig vorhalten lassen muss, ich solle Angst haben.“ Dem kann ich nur uneingeschränkt zustimmen.

In zehn Kapiteln geht Schönburg auf Veränderungsprämissen zur „Weltrettung“ ein. Angefangen über unseren Umgang mit

– ESSEN: „Man kann vereinfacht gesagt, so viel fliegen, wie man will, das fällt im Vergleich zum Fußabdruck, den unsere Essgewohnheiten hinterlassen, kaum ins Gewicht.“

– AUTOFAHREN: „der Verkauf von Elbchaussee-Traktoren, auch SUV’s genannt“, ist auf unseren Straßen derzeit bekanntlich kaum zu übersehen

– REISEN: = „eine der großen nihilistischen Bewegungen, eine der großen westlichen Epidemien bösartiger Wirksamkeit“ ….. „Thomas Cook, ein baptistischer Laienprediger und Anhänger der Abstinenzlerbewegung begann sein Geschäft damit, dass er Ausflüge für Arbeiter aus den Industriestädten hinaus aufs Land organisierte, die von Blaskapellen und Picknick begleitet wurden. Hauptziel des frommen Mannes war, das englische Proletariat für ein paar Stunden vom Trinken abzuhalten, ein Projekt, das, wie alle wissen, die schon einmal auf Mallorca waren, langfristig gründlich gescheitert ist.“

– Elektronik: wenn man auf Trockner und Geschirrspüler verzichtet, würde dies den „Strombedarf derart schlagartig nach unten korrigieren, dass alle Eisbären vor Freude Purzelbäume schlagen würden“

– Tierliebe: „Außerdem stimmt etwas zivilisatorisch nicht, wenn wir einerseits Millionen Säugetiere verhätscheln (Anm.: in Deutschland gibt es rund 34 Millionen Haustiere), Milliarden für ihr Futter und Spielzeug und Accessoires ausgeben und andererseits Schweine, deren Verwandtschaft zu uns so nah ist, dass wir sie, wenn wir ihnen begegnen, eigentlich mit Namen begrüßen und umarmen sollten, in Schlachtfabriken halten.“

bis hin zu Klamotten, Wohnen, Müll & Plastik, Sport und frischer Luft.

Das tut der Autor aber keineswegs mit erhobenem Zeigefinger. Mit viel Witz und Esprit macht Alexander von Schönburg Vorschläge und schaut auf Dinge, die man durchaus verändern könnte und kann, ohne gleich im Jutesack auf die Straße treten zu müssen oder aber zum strengen Veganer zu werden. Dabei wartet er mit jeder Menge unterhaltsam dargereichten Hintergrundwissen auf.

„Der grüne Hedonist“ liest sich weder trivial und platt, noch schwurbelt er in allzu hochgeschraubten Phrasen, sondern man erhält ein Buch, das mit einem gewissen literarischen Anspruch äußerst unterhaltsam daherkommt und eher mit kleineren großen Zielen aufwartet, statt „den Lauf der Welt und gleich das ganze Klima zu ändern“. Das Buch regt an, „vielleicht erst einmal selbst hinter sich aufzuräumen und für weniger Müll, Schall und Rauch“ zu sorgen.

Fazit: Man muss ja nicht gleich wie der Autor nach Dänemark pilgern, der sich dort für sein Buch inspirieren lassen hat. Aber dieses zu lesen und danach nicht mehr alles so weiter wie bisher zu machen, das sollte man. Selbst dann, wenn man für sein Tun behaupten kann, dass es bis dato vielleicht schon ein Hauch grüner und teurer war. Und ja, mitunter auch das schlechte Gewissen etwas drückte. Denn wenn „ich die Welt verändern will, ist es wahrscheinblich eine gute Idee, erst einmal mit meinem Mikrokosmos anzufangen. (…) Man muss ja nicht immer gleich die Welt retten. Für den Anfang genügt es, ein paar Dinge zu korrigieren, die schief sind, und die Welt damit Stück für Stück, ein bisschen besser zu machen.“, so der Autor, dem ich mich zu 100 Prozent anschließe. Denn wenn „wir, die Gruppe der Bücher Lesenden, sich halbwegs vernünftig Kleidenden und mit Messer und Gabel Essenden Bevölkerung, da nicht mit gutem Beispiel vorangeht, wer dann?“

Denn: „Nichts ist so langweilig wie das Leben im Schlaraffenland“

Alexander von Schönburg

Der grüne Hedonist

Piper Verlag, München (06. April 2020)
240 Seiten, Gebunden
ISBN-10: 3492070310
ISBN-13: 978- 3492070317
Preis: 18,00 EURO

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Heike Geilen, geboren 1963, studierte Bauingenieurswesen an der Technischen Universität Cottbus. Sie arbeitet als freie Autorin und Rezensentin für verschiedene Literaturportale. Von ihr ist eine Vielzahl von Rezensionen zu unterschiedlichsten Themen im Internet zu finden.