Erinnerungszeichen für Karoline, Klara, Isaak und Julius Bacharach

Presseinformation – Morgen,Dienstag, den 19. Juli, werden in der Frauenstraße in München Erinnerungszeichen für Karoline, Klara, Isaak und Julius Bacharach an die Öffentlichkeit übergeben. Zu ihren Ehren findet um 14 Uhr eine Gedenkveranstaltung im Innenhof der Städtischen Riemerschmid Wirtschaftsschule (Frauenstraße 19) statt. Teilnehmen werden unter anderem Stadträtin Gabriele Neff in Vertretung des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt München sowie Frau Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Im Anschluss werden die Erinnerungszeichen am ehemaligen Wohnort der jüdischen Familie in der Frauenstraße 24 eingeweiht.

Die Geschwister Isaak (*1864), Karoline (*1867) und Julius Bacharach (*1870) kamen in Fellheim zur Welt und zogen als Erwachsene nach München. Die Brüder heirateten zwei Schwestern: Isaak Bacharach 1895 Betty Heumann, Julius Bacharach 1902 Klara Heumann (*1879 in München). Diese brachte 1903 die Tochter Elsa zur Welt. Isaak und Julius Bacharach betrieben die Lederhandlung „J. Bacharach“ in der Sendlingerstraße 12, später in der Dultstraße 2a. Julius Bacharach führte zudem mit seiner Frau Klara in der Frauenstraße 24 ein Schirmgeschäft. Seit 1910 lebten sie alle in der Frauenstraße 6, ab 1928 in der Nummer 24.

Karoline Bacharach leitete jahrzehntelang die rituelle, also koschere Verpflegung im Krankenhaus links der Isar, später in der Israelitischen Abteilung des Krankenhauses München-Schwabing und pflegte Kranke. 1933 trat sie in den Ruhestand, kurz zuvor war sie ebenfalls in die Frauenstraße 24 zu ihren Angehörigen gezogen.

Ab 1933 war die Lederhandlung der Brüder Julius und Isaak Bacharach von den Boykottmaßnahmen der Stadtverwaltung gegen Juden betroffen und musste schließen. Julius Bacharach arbeitete nun ausschließlich in der Schirmhandlung. Seine Tochter Elsa emigrierte in die USA. Isaak Bacharach verstarb am 17. September 1936 in seiner Wohnung. Karoline, Klara, Julius und Betty Bacharach mussten am 14. November 1941 in das „Jüdische Übernachtungshaus“, eine Massenunterkunft für ältere Jüdinnen und Juden, in der Wagnerstraße 3 ziehen. Dort starb Karoline Bacharach am 28. Juni 1942 an einer Lungenentzündung, die wohl nicht adäquat behandelt wurde. Am 20. Juli 1942 verschleppte die Gestapo ihre Angehörigen zunächst in die „Judensiedlung Milbertshofen“ in der Knorrstraße 148, ehe sie drei Tage später in das Ghetto Theresienstadt deportiert wurden. Dort starb Julius Bacharach am 13. Mai 1943 infolge der katastrophalen Bedingungen. Die SS deportierte Klara Bacharach am 23. Oktober 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz, wo sie am 25. Oktober 1944 ermordet wurde. Betty Bacharach gelangte 1945 mit einem Austauschtransport von Theresienstadt in die Schweiz und überlebte.

Programm am Dienstag, 19. Juli 2022: 

14:00 Uhr
Gedenkveranstaltung im Innenhof der Städtischen Riemerschmid Wirtschaftsschule München, Frauenstraße 19

Manuela Baumgart, Leiterin der Städtischen Riemerschmid Wirtschaftsschule München

Stadträtin Gabriele Neff in Vertretung des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt München

Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

Henry Stern, Initiator der Erinnerungszeichen

Andrea Stadler-Bachmaier, Bezirksausschuss 1 – Altstadt-Lehel

Shmuel Aharon Brodman, Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

15:00 Uhr
Einweihung der Erinnerungszeichen am ehemaligen Wohnhaus in der Frauenstraße 24

Zu den Erinnerungszeichen:
Erinnerungszeichen werden seit 2018 an Orten angebracht, an denen Menschen lebten, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Die Erinnerungszeichen bestehen aus gebürstetem Edelstahl und sind vergoldet. Es gibt sie in zwei Ausführungen – als Wandtafeln an der Fassade und als Stelen auf öffentlichem Grund. Sie enthalten die wichtigsten Lebensdaten, Angaben zum Schicksal und – falls vorhanden – ein Bild. Durch die gelochte Oberfläche können die Informationen auch ertastet werden.

Weitere Informationen unter www.erinnerungszeichen.de und www.map.erinnerungszeichen.de

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