EU CO2-Vorgaben: Industriepolitischer Schlag gegen deutsche und bayerische Automobilhersteller

Dieselauto, Foto: Stefan Groß

Automobilhersteller
Brossardt: „Starke Belastung im internationalen Wettbewerb“

Die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. kritisiert die Entscheidung des Europäischen Parlaments, den CO2-Ausstoß von Neuwagen für die Zeit nach 2021 deutlich zu reduzieren. vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt: „Durch die Verschärfung der CO2-Reduktion werden die europäische und insbesondere die deutsche und bayerische Automobilindustrie im internationalen Wettbewerb stark belastet. Das ist ein industriepolitischer Schlag gegen unsere Leitindustrie. Die Automobil- und Zulieferindustrie ist für Bayern von essenzieller Bedeutung. Sie bietet rund 200.000 Beschäftigten Arbeit, das sind 2,7 Prozent aller Erwerbstätigen in Bayern. Dazu kommen noch einmal die gleiche Anzahl von Jobs in Handwerk, Dienstleistung und anderen Industriebranchen. Die Branche steht allein für 30 Prozent der industriellen Wertschöpfung und für fast 30 Prozent der gesamten bayerischen Exporte.“ Die Autohersteller sollen nach EU-Vorstellungen den CO2-Ausstoß ihrer Neuwagenflotte um 37,5 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 2021 senken. Für leichte Nutzfahrzeuge ist eine CO2-Senkung um 31 Prozent vorgesehen.

Brossardt weiter: „Das Ziel einer emissionsfreien Mobilität muss im Einklang mit der ökonomischen Machbarkeit stehen. Vor allem der Ausbau der Infrastruktur, eine ausgewogene Industriepolitik und Maßnahmen zur Arbeitsplatzsicherung sind hier zu nennen. Die Vertreter der EU-Kommission, des EU-Parlaments und des europäischen Rates vernachlässigen diese Kriterien allerdings.“ Brossardt verwies darauf, dass die Gesamt-CO2-Belastung nicht allein durch den Verkehr, sondern auch durch andere Faktoren wie den Gebäudebereich beeinflusst wird.

Brossardt kritisierte zudem, dass Anreize für Innovationen fehlen: „Es werden einzig die Autohersteller in die Pflicht genommen. Dahingegen müssten die Mitgliedstaaten viel stärker an der Verbesserung der Infrastruktur arbeiten, um die neuen Technologien für die Bürger auch nutzbar zu machen.“ Auch die Nutzung der CO2-Reduktionspotenziale von alternativen und regenerativen Kraftstoffen, den sogenannten E-Fuels, wurde vernachlässigt.

Brossardt zufolge ist bei der Frage der Umweltbelastung durch CO2 ein Gesamtkonzept vonnöten, das die Bereiche Infrastruktur, Stromqualität, Kraftstoffart und Antriebsart umfasst. „Gegenwärtig befindet sich die Branche im Strukturwandel. Wir müssen weltweit Leitregion für das Automobil bleiben. Der konventionelle Antrieb und insbesondere der Diesel werden auf Jahre unverzichtbar sein. Es ist der Verbrennungsmotor, der in den nächsten zehn Jahren weiter Wachstum bringen wird. Ohne den Diesel können wir auch unsere CO2-Ziele nicht erreichen. Neben dem Bekenntnis zum Verbrennungsmotor brauchen wir die Weiterentwicklung alternativer Antriebstechnologien. Diese müssen unter der Maßgabe der Technologieoffenheit stehen. Wir müssen diesen Wandel als Innovationsführer aktiv gestalten“, so Brossardt.