Fenster zum Weltraum

Lars Lindberg Christensen, Robert Fosbury, Robert Hurt Verborgenes UniversumÜbersetzung: Sybille OttersteinWILEY-VCH Verlag, Weinheim (2008)145 Seiten, GebundenISBN-10: 3527408681ISBN-13: 978-3527408689Preis: 24,90 EURO

Die letzten fünfzig Jahre waren eine ruhmreiche Zeit für die Astronomie. Zum ersten Mal in der Geschichte der astronomischen Forschung waren wir in der Lage, das Universum in allen seinen unterschiedlichen Wellenlängen, die von Himmelsobjekten abgegeben werden, ohne die negativen Auswirkungen von Absorption und Trübung der Erdatmosphäre zu studieren. (…) Dieses Buch ist ein Paradebeispiel für die Präsentation dieser Ergebnisse.

So beginnt das Geleitwort des Nobelpreisträgers für Physik 2002 – Riccardo Giacconi – zu diesem wunderschönen, großformatigen Bildband.

Die drei Autoren Lars Lindberg Christensen, Robert Fosbury und Robert Hurt führen den Leser mit phänomenalen Aufnahmen durch unser bekanntes Universum, ermöglichen einen Blick durch die neuen, nahezu exotisch anmutenden Teleskope der Neuzeit und stellen außerdem einige spektakuläre Bilder vor, „die bereits zu Ikonen der modernen Astronomie geworden sind„.

Waren noch vor einigen Jahren die Wahrnehmungen und das Verständnis der Menschen vom Universum auf „unsere Augen und unsere aus dem Gesehenen folgenden Gedanken und Ideen beschränkt„, so ist heutzutage der Blick auf das All nicht mehr nur auf das schmale Band des sichtbaren Lichts beschränkt, das die Erdatmosphäre zu durchdringen vermag. Heute ist die „Sprache des Lichts“ für die Wissenschaftler lesbar und vermittelt subtile Informationen über den Zustand und die chemische Zusammensetzung von Sternen und Nebeln.

Lindberg Christensen (Leiter des Hubble-Informationszentrums der ESA), Fosbury (arbeitet für die ESA am Projekt Hubble) und Hurt (arbeitet für das Spitzer-Weltraumteleskop und das Infrarotteleskop des NASA Great Observatory-Programm) erweisen sich dabei als großartige Übersetzer. Durch ihre Erläuterungen und vor allem durch die fantastischen Aufnahmen, erhält der Leser einen Blick ins Universum mit künstlichen Augen, „die die Farben des gesamten elektromagnetischen Spektrums wahrnehmen können (…) [Sie] erlauben es uns allen ein besseres Verständnis über unseren Platz in einem eindrucksvollen, einst verborgenen, doch jetzt offenbarten Universum zu gewinnen.

Das vorliegende Buch befasst sich in seinen neun Kapiteln jeweils mit den unterschiedlichen Aspekten des unsichtbaren Universums. Nach einer Einführung (drei Kapitel), wie der Mensch das Universum mit den Augen und mit Teleskopen auf der Erde und im All wahrnimmt, befassen sich weitere fünf Kapitel jeweils mit einem bestimmten Wellenlängenbereich des Lichts: beginnend mit dem uns bekanntesten, dem sichtbaren Licht, bis hin zu den weniger vertrauten Gebieten wie Infrarot, Ultraviolett, Radio/Mikrowellen und Röntgen/Gamma-Strahlung.

Im letzten Kapitel gelingt den Autoren ein wunderbarer Zusammenschluss der zuvor dargelegten und aufgezeigten Themen. Hier werden die vorangegangenen Einzelaufführungen zu einem zusammenhängendem Gesamtüberblick über ein Universum der vielen Wellenlängen miteinander verbunden.

Alle erläuternden Beschreibungen werden durch eine Vielzahl erklärender visueller Grafiken und natürlich den spektakulären 150 Aufnahmen begleitet – sei es nun der Blick in ein Sternenentstehungsgebiet, die herrlichen Spiralarme der „nahe gelegenen“ Galaxie Messier 81, eine beeindruckende Infrarotaufnahme des uns vertrauten, jedoch so noch nie gesehenen Sternbildes Orion, die pulsierende Aufnahme des Spitzer-Weltraumteleskops (NASA) der Großen Magellanschen Wolke, einer Satellitengalaxie unserer Milchstraße oder aber die große Andromeda-Galaxie im Ultraviolett.

Wohltuend ist zu erwähnen, dass sich trotz des für viele Leser unbekannten Terrains, die Reihe der physikalischen Fachtermini auf ein Minimum beschränkt bzw. im Glossar am Ende des Buches erschöpfend erläutert wird.

Fazit:

Unser Universum ist voller Licht …

Licht bestimmt, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen. Was fest ist und was nicht fassbar, was hell ist und was dunkel, was schön ist und was hässlich. Wir leiten diese Konzepte von visuellen Eindrücken ab. Doch da unser Sehvermögen untrennbar mit der Natur der Sonne zusammenhängt, besteht eine enge Verbindung unserer Ästhetik mit der Astronomie. Es ist daher wohl auch nicht weiter verwunderlich, dass uns Bilder des Universums derart tief in Ehrfurcht versetzen können. Und doch gibt es im Universum noch so viel mehr zu sehen, als wir mit dem bloßen Auge erkennen können…„, schreiben die Autoren, deren Worten man sich uneingeschränkt anschließen kann.

Lars Lindberg Christensen, Robert Fosbury und Robert Hurt haben einen äußerst wirkungsvollen Weg gefunden, unser Universum dem interessierten Laien zu öffnen.

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Heike Geilen
Über Heike Geilen 596 Artikel
Heike Geilen, geboren 1963, studierte Bauingenieurswesen an der Technischen Universität Cottbus. Sie arbeitet als freie Autorin und Rezensentin für verschiedene Literaturportale. Von ihr ist eine Vielzahl von Rezensionen zu unterschiedlichsten Themen im Internet zu finden.

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