Günter Grass

Wo er recht hat, hat er Recht, wo er (ver)schweigt, liegt er falsch.

Die zeternden Wehleidsbekundungen so mancher Semitophiler sind wirklich geboren aus dem Brei der „political correctness“, die jedes kritische Lüftlein gegenüber israelischen Aktionen ersticken wollen. Zur unsäglichen Siedlungspolitik, die Grass nicht einmal angedeutet hat, wird mit verdruckster Verschämtheit milde Missbilligung zum Ausdruck gebracht. Niemand wagt, das Kind beim Namen zu nennen.
Wir sind es nicht gewöhnt, ein freies Wort gegenüber Israel zu sagen, weil Deutsche immer mit dem Makel ihrer Vergangenheit behaftet sein werden. Und offensichtlich werden die Deutschen immer im nacheilenden Gehorsam tunlichst vermeiden, sich die Zunge zu verbrennen und sich von jedem dahergelaufenen devoten Politiker oder sonstigen israelaffinen Gutmenschen als „Antisemit“ brandmarken zu lassen. Wir Deutschen haben ein objektives Recht, objektives Unrecht, objektive Gefahr auch als solche zu benennen, selbst gegenüber Israel. Wenn Netanjahu mit seinem Kabinett dann die Ideologiekeule schwingt, Grass zur „persona non grata“ erklärt und mit Antisemitismus hantiert, dann ist dies ausgesprochen unsouverän, kleinkariert, demagogisch und unredlich.
Zugegeben, Grass hat ein einseitiges Bild gemalt: Die Schuld an dem politischen Chaos, das in Krieg und Vernichtung enden könnte, ist nicht Israel alleine anzulasten. Der iranische „Maulheld“ hat als erster die hassgeborene Maxime verbreitet, Israel von der Landkarte zu tilgen. Israel kann sich also auf eine legitime Selbstverteidigung berufen, wenn es von einem Erstschlag träumt.
Aber eines darf eben auch nicht vergessen werden, dass Israel in seiner menschenverachtenden Siedlungspolitik schon eine Menge kleiner Landstriche, die Palästinensern gehörten, geraubt haben. Die Politik der ethnischen Vertreibung hunderttausender Palästinenser in den späten vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts wird eine offene Wunde bleiben, die den Hass der Palästinenser, Araber und Moslems anfacht und durch Israels aktuelle feindselige Siedlungspolitik geschürt wird.
Grass‘ Angst vor einem Krieg ist legitim.
Grass beschwört uns, „den Verursacher der erkennbaren Gefahr, zum Verzicht auf Gewalt auf(zu)fordern“. Warum schont er den “Maulhelden“, der doch der Auslöser dieser potentiellen Verzweiflungshaltung ist? Das ist ihm anzukreiden.
Wie dem auch sei: Kassandra ist besser als Maul halten.

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Über Gloker Notker 13 Artikel
Notker Gloker, Jahrg. 1937, Dr. phil. Er studierte Romanistik, Geschichte, Philosophie in Köln, Wien, Montpellier, Tübingen und Aix en Provence. Ab 1974 war Notker Gloker viele Jahre an westafrikanischen Hochschulen tätig, (Didaktik, Methodik, Lernpsychologie, Deutsch als Fremdsprache für Gymnasiallehrer), danach Aufbau und muttersprachliche Neuorientierung des Grundschulwesens in der fünften Region von Mali.

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