Jeremy Corbyn tut nicht genug gegen Antisemitismus

holocaust mahnmal berlin gedenkstätte, Quelle: 3093594, Pixabay License Freie kommerzielle Nutzung Kein Bildnachweis nötig
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Der britische Oberrabbiner Ephraim Mirvis verkündet öffentlich, dass der Labour-Chef Jeremy Corbyn nicht für das Amt des Premierministers geeignet ist. Er wirft Corbyn nicht offen vor, ein Antisemit zu sein, jedoch tue dieser nicht genug gegen Antisemitismus in seiner Partei, vom bisher Vereinigten Königreich ganz zu schweigen

Cum grano salis (einfach ausgedrückt): Der britische Oberrabbiner Ephraim Mirvis hält den Labour-Chef Jeremy Corbyn für einen Judenhasser, der somit nicht für das Amt des Britischen Premierministers geeignet ist. Verallgemeinert: Judenhasser taugen nicht als Premierminister.

Auf seiner Japanreise stellt Papst Franziskus in Fukushima die Nutzung der Kernenergie in Frage. Nun sind die Aufgaben eines Papstes in Angelegenheit des Glaubens und vielleicht noch in finanziellen Angelegenheiten angesiedelt: Dürfen 80% der Gelder, welcher für die Armen gesammelt worden ist, in Luxusvillen investiert werden (Peterspfennig)? Über Fragen der Kernenergie informiere ich mich deshalb lieber bei einem integren Physiker. Ähnlich dem päpstlichen noch-nicht-Dogma der Kernenergie behauptet der britische Rabbiner, dass ein Antisemit ungeeignet ist, ein Land politisch zu führen. Deshalb hier die Überlegung, ob dies im Angesicht der Realität Bestand hat.

Das Rabbinische Dogma lautet: „Ein Antisemit ist unfähig, ein Land politisch zu führen.“ Das schließt keineswegs mit ein, dass jemand, der kein Judenhasser ist, fähig dazu ist, ein Land politisch zu führen. Genauso wie die Nutzung der Kernenergie nachteilig ist (päpstlich), ist ein Antisemit unfähig, ein Land politisch zu führen (rabbinisch). Beide Aussagen stehen auf gleichem Niveau bezüglich ihres Wahrheitswertes. Im Gegensatz zur Kernkraft brauchen wir im Falle des Antisemiten nur ein einziges Beispiel eines erfolgreichen Juden hassenden Staatsmannes, am besten von 21., zur Not auch von den letzten Dekaden des 20. Jahrhunderts. Weshalb? Im Mittelalter und zur Beginn der Neuzeit waren beinahe alle Menschen Judenhasser, sodass auch ein potentiell erfolgreicher Staatsmann gewöhnlich ein Antisemit gewesen ist. Um die Frage „Ist ein Antisemit fähig, ein Land politisch zu führen?“ korrekt zu beantworten, müssen wir dem zu beobachtenden Politiker die Möglichkeit verschaffen, kein Antisemit zu sein. So kommt beispielsweise unter allen russischen Zaren höchstens Peter der Große in Frage, der bekanntlich sein Land ausgezeichnet geführt hat.

Nehmen wir den US-Präsidenten Donald Trump, der sicherlich ein Judenfreund ist. Hier hilft uns das rabbinische Dogma nicht weiter, den es lautet, dass Antisemiten ungeeignet sind, was leider nicht immer bedeutet, das Philosemiten geeignet wären! Wir brauchen also einen Staat mit einem Antisemiten an der Spitze, der sein Land erfolgreich und gut führt. Gleichzeitig muss dieses Land zum Vergleich und zur Auswahl auch einige (wenige) nicht-antisemitische Staatschefs gehabt haben, unabhängig davon, ob sie gute oder schlechte Politiker gewesen sind. Somit fallen bereits alle arabischen Staaten aus dem Rahmen. Denn kein einziger arabischer Staat kennt im vorgegebenen Zeitraum Philosemiten in den höchsten politischen Ämtern, von Juden ganz zu schweigen.

Betrachten wir den Iran, welches auch unter dem Schah islamisch gewesen ist. Der Schah ist ein Judenfreund gewesen, gleichzeitig hat er sein Land in die Moderne geführt. Nach linkem und islamischem Verständnis ist er deshalb ein schlechter Staatslenker. Muslime, auch wenn sie keine Araber sind, bevorzugen Diktatoren, die Judenhasser sind. Somit entfallen der Iran und alle anderen islamistischen Staaten aus der Auswahl.

Diktaturen entfallen ebenfalls, weil ihre Staatslenker korrupt sein müssen. Korrupte Staatslenker sollte man nicht als für das hohe Amt als geeignet ansehen.

Es gilt, eine weitere Besonderheit zu beachten: Wenn ein Staatslenker, der primär sich nicht als Judenhasser outet, erfolglos wird und am Amt klebt, dann benötigt er Schuldige, denen er die Korruption unterschieben kann. Seit Jahrtausenden übernehmen Juden diese Aufgabe. Somit sind korrupte Politiker gewöhnlich Antisemiten. Selbst Juden in Israel.

Fazit: Der Oberrebbe hat recht. Judenhasser taugen nicht als Premierminister.

Nachtrag: Fernsehinterview des britischen Journalisten Andrew Neil mit Jeremy Corbyn. Das

(https://www.achgut.com/artikel/labour_chef_will_sich_nicht_fuer_antisemitismus_entschuldigen)

Andrew Neil: Möchten Sie diese Gelegenheit heute Abend nutzen, um sich bei der britisch-jüdischen Gemeinde für das, was passiert ist, zu entschuldigen?

Jeremy Corbyn: Was ich sagen werde, ist folgendes: Ich bin entschlossen, unsere Gesellschaft für Menschen aller Glaubensrichtungen sicher zu machen. Ich möchte nicht, dass sich jemand in unserer Gesellschaft unsicher fühlt und unsere Regierung wird jede Gemeinschaft schützen…

A.N.: Also keine Entschuldigung?

J.C.: … gegen die Beleidigungen, denen sie ausgesetzt ist, auf der Straße, in den Zügen oder in irgendeinem anderen…

A.N.: Also keine Entschuldigung dafür, wie Sie damit umgegangen sind?

J.C.: … in irgendeinem anderen Lebensbereich.

A.N.: Ich werde es noch einmal versuchen.

J.C.: Moment mal, Andrew. Darf ich erklären, was wir vorhaben?

A.N.: Das haben Sie und es wurde Ihnen viel Zeit gegeben, es zu tun. Ich habe Sie gefragt, ob Sie sich entschuldigen wollen, und das haben Sie nicht.

J.C.: Andrew, ich will nicht, dass jemand das durchmacht, was jemand anderes durchgemacht hat.

A.N.: Und das haben Sie schon mehrmals gesagt. Ich verstehe das, Mr. Corbyn. Ich habe Sie nach einer Entschuldigung gefragt. Kommen wir nun zum Brexit…

J.C.: Moment. Kann ich einfach klarstellen, dass Rassismus in unserer Gesellschaft ein totales Gift ist, …

A.N.: Das haben Sie schon mehrmals gesagt. Also, wissen Sie, wir verstehen das. Ich bestreite das nicht.

J.C.: … sei es Islamophobie, Antisemitismus…

A.N.: Und das haben Sie schon gesagt. Kommen wir nun zum Brexit.

J.C.: … oder jede andere Form von Rassismus. Und ich möchte mit jeder Gemeinschaft zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass der Rassismus eliminiert wird. Dem habe ich mein ganzes Leben gewidmet.

A.N.: Das haben Sie bereits klargestellt, und die Menschen werden sich ihre eigene Meinung bilden.

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Nathan Warszawski
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Dr. Nathan Warszawski (geboren 1953) studierte Humanmedizin, Mathematik und Philosophie in Würzburg. Er arbeitet als Onkologe (Strahlentherapeut), gelegentlicher Schriftsteller und ehrenamtlicher jüdischer Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft zu Aachen.