Lausbergs Buchtipp: „Mein alter Schwarzfernseher“

Erzählungen und literarische Groteske von Andreas H. Drescher

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Andreas H. Drescher: Mein alter Schwarzfernseher, Edition Abel, Saarlouis 2022, ISBN: 978-3-98207352-1, 24,90 EURO (D)

Diese Erzählungen von Andreas H. Drescher, freier Autor und Künstler aus dem Saarland, bedienen sich der Form der literarischen Groteske, die zwischen dem Märchenhaften, dem Politischen und dem Erotischen angesiedelt sind. Die Form ironisiert den Ablauf eines Fernsehabends aus seiner Kindheit, der mit der Märchenstunde beginnt und über Tagesschemen und Schmonzetten bis hin zum Nachtprogramm reicht. Die Texte werden in Bezug zu den Werken der Malerin Heike Puderbach gesetzt, deren Bilder mit ebenso viel Biss zwischen Bizarrem, Kindlichem und Politischem oszillieren.

Am Anfang findet sich eine Vita mit den wichtigsten bisherigen Werken Dreschers.

Die kurzen Erzählungen sind nach Themenbereichen, die sich am Tagesablauf orientieren, sortiert: Märchenstunde ab Sonnenaufgang, Boulevardmagazin, Tagesschemen, die große Schmonzette und zum Abschluss das Nachtprogramm.

Danach gibt es noch ein Glossar, das Fremdwörter erläutert oder diese in einen Zusammenhang bringt.

Das Buch ist voll von Anspielungen auf literarische Szenen, Personen und Werke, historische Ereignisse und kulturgeschichtliche Phänomene. Märchen- und Sagengestalten werden neu erlebbar. Dort wird die breite Bildung des Autors ausgestreut.

Die Ausrichtung der kurzen Episoden wechselt häufig zwischen komischen, tragisch-traurigen, verträumten und auch einigen anarchistischen Passagen. Das Spiel mit Sprache wird geschickt zum Erzeugen von Atmosphäre genutzt. Es werden auch immer wieder Perspektivwechsel eingestreut. Die Verbindung zwischen Realität und Phantasie verschwimmt, ein wenig erinnert dies an Alban Nicolai Herbsts Roman: Wolpertinger oder Das Blau.

Ein schräges Buch, das Freuden von skurriler, anspruchsvoller und alternativer Literatur bestimmt zusagen würde.

Über Michael Lausberg 469 Artikel
Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.