Reinigung ohne Wasser und Chemie: Wie moderne Verfahren Industrie & Handwerk verändern

Moderne Reinigungstechnik in der Industrie: Das Trockeneisstrahlen ermöglicht die Entfernung hartnäckiger Verschmutzungen von Maschinen und Oberflächen, ohne zusätzliches Reinigungswasser einzusetzen. Quelle Open AI

Wer in der Industrie und im Handwerk mit klassischen Reinigungsmethoden wie der Sandstrahlreinigung oder der Hochdruckreinigung arbeitet, steht oft vor erheblichen Problemen. Geräte müssen für die Reinigung stillstehen – oft ganz auseinandergenommen werden. Für die Entsorgung der Reinigungsreste gelten immer strengere Umweltauflagen und insgesamt steigt der Kostendruck aus der herkömmlichen Reinigung stetig an. Da stellt sich die Frage, ob eine hochwertige Reinigung nicht auch ohne Wasser, Chemie oder klassisches Sandstrahlgut erfolgen kann.

Darum stößt herkömmliche Reinigung an ihre Grenzen

Wer sich für eine klassische Hochdruckreinigung entscheidet, muss mit Feuchtigkeit und Korrosionsgefahr bei Werkzeugen und Maschinen rechnen. Für elektrische Anlagen ist dieses Verfahren ohnehin gänzlich ungeeignet.

Greift man eher auf die Reinigung mit einer Sandstrahlpistole zurück, besteht die Gefahr, empfindliche Oberflächen zu beschädigen. Da diese Reinigungsmethode abrasiv ist, führt die Reinigung mit Sandstrahlen auch an weniger empfindlichen Oberflächen auf lange Sicht zu höheren Verschleißerscheinungen.

Die chemische Reinigung bringt erhöhte Auflagen und Schwierigkeiten im Bereich des Arbeitsschutzes und der Entsorgung mit sich. In sensiblen Bereichen wie dem Lebensmittel- oder medizinischen Bereich sind Rückstände chemischer Reinigungsprozesse auch oft ein Problem.

Generell führt es zu Stillstand und damit zu erhöhten Kosten, wenn Maschinen demontiert und nach der Reinigung wieder zusammengesetzt werden müssen.

Trockeneisstrahlen – so funktioniert das alternative Verfahren

Wer ein Trockeneisstrahlgerät für die Reinigung verwendet, nutzt Trockeneispellets als Strahlgut. Diese bestehen aus CO₂ und haben eine Temperatur von minus 78 Grad Celsius. Sie werden per Druckluft beschleunigt und mit hoher Geschwindigkeit auf die zu reinigende Oberfläche geschossen.

Die Reinigung erfolgt durch drei konkrete Effekte. Zum einen löst die Aufprallenergie bereits einen Großteil des Schmutzes ab. Zum anderen führt der Kälteschock dazu, dass der Schmutz spröde wird. Zu guter Letzt wird das Eis beim Aufprall auf der Oberfläche schlagartig gasförmig, sodass der Schmutz abgesprengt wird. Hier spricht man von Sublimation.

Da das Trockeneis direkt in den gasförmigen Zustand übergeht, wird kein Reinigungswasser eingebracht und es bleiben keine festen Strahlmittelrückstände zurück. Der abgelöste Schmutz muss jedoch aufgenommen und je nach Art fachgerecht entsorgt werden. Je nach Umgebung und Bauteiltemperatur kann zudem Kondenswasser entstehen.

Trockeneisstrahlen wirkt bei geeigneter Einstellung deutlich weniger abrasiv als klassische Strahlverfahren mit Sand oder anderen harten Strahlmitteln. Wie schonend die Reinigung tatsächlich ist, hängt jedoch von Oberfläche, Verschmutzung und gewählten Einstellungen ab.

Einsatzbereiche in Industrie und Handwerk

Produktion

Werkzeuge, Formen und Maschinen können hier zumeist im zusammengebauten Zustand gereinigt werden. Das senkt mögliche Stillstandszeiten und damit Ausfallkosten für die Dauer der Reinigung.

Lebensmittelindustrie

Eine Trockenstrahlreinigung ist sehr hygienisch, ohne dass dabei Wasser- oder Chemierückstände auftreten könnten.

Elektrik

Auch Schaltschränke, Platinen und Kabelträger können sich je nach Ausführung für die Reinigung mit Trockeneis eignen. Gegenüber abrasiven Strahlverfahren oder wasserbasierten Methoden kann das Verfahren bei empfindlichen elektrischen Bauteilen Vorteile bieten.

Handwerk

Trockeneisstrahlen kann zur Reinigung von Fassaden, Holzoberflächen und je nach Beschichtung auch zum Entfernen von Lack- oder Farbresten eingesetzt werden. Bei Holz ist grundsätzlich auf Art und Zustand der Oberfläche zu achten; besonders bei weicheren Hölzern ist eine vorsichtige Einstellung erforderlich.

Kfz und Oldtimer

Für Reinigungen im Rahmen von Restaurierungsarbeiten oder für die Reinigung geeigneter Unterbodenbereiche kann sich die Trockeneisstrahlreinigung gut eignen.

Die Vorteile auf einen Blick

  • Die Reinigungsart ist materialschonend und nicht abrasiv
  • Es fällt kein Abwasser an
  • Es entstehen weniger oder gar keine Ausfallzeiten durch notwendige Demontagen und erneutes Zusammenbauen von Maschinen
  • Es entstehen weniger Nacharbeiten
  • Der Einsatz chemischer Reinigungsmittel kann reduziert werden

Da beim Trockeneisstrahlen kein Reinigungswasser eingebracht wird und häufig auf zusätzliche Reinigungschemie verzichtet werden kann, kann das Verfahren je nach Anwendung auch bei der Umweltbilanz Vorteile bieten.

Letztlich ist das Trockeneisstrahlen zu Reinigungszwecken längst keine kleine Nische mehr. Wenn ein Unternehmer Stillstand, Entsorgungszwänge und Chemierückstände reduzieren oder gänzlich vermeiden will, sollte er sich einmal näher mit diesem Verfahren befassen.