„Sieg Heil“ vor der Synagoge

„Das ist nicht hinnehmbar“, heißt es aus der Polizeileitung

Auf dem Weg zur Synagoge © by Hentrich&Hentrich

Seit den polizeilich technischen Problemen in Halle wird die Synagoge zu Aachen intensiv überwacht, selbst wenn sie leer steht. Da gewöhnliche Judenhasser aus Aachen dies nicht wissen, vertreiben sich die wachhabenden Polizisten im gut geheizten Polizeiwagen irgendwie die Zeit: Sie schauen Videos auf ihrem Handy an.

Das beanstandete Video stammt aus den USA und behandelt den deutschen Nationalsozialismus incl. Nazi-Jäger in den USA. Da die gebannt lauschenden Polizisten die Funkverbindung zur Polizeizentrale aus welchen Gründen auch immer nicht ausschalten, hören viele fleißige Aachener Polizisten interessiert zu. Doch das, was sie hören, erstaunt sie bass: „Sieg Heil“, „Heil Hitler“ und „Viertes Reich“! Beide Beamte, die die leere Synagoge erfolgreich bewacht haben, werden vorsorglich und schnell vom Dienst suspendiert.

In ungewohnter Geschwindigkeit wird die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Ganz anders vor einigen Jahren: Eine palästinensische Judenhasspropaganda wird in einem christlichen Aachener Haus von Hunderten Aachener positiv angenommen. Weder Polizei, noch die lokale Staatsanwaltschaft setzen sich gegen die öffentliche Verbreitung von Judenhetze ein. Denn schließlich sind die Hetzposter in Deutschland verfasst worden, während die Worte: „Sieg Heil“, „Heil Hitler“ und „Viertes Reich“ aus der Amazon-Prime-Serie „Hunters“ in den USA stammen, wo Trump herrscht. Die TV-Serie, in der Al Pacino mitspielt, hat keine rechtsextreme Tendenz, wird aber wegen realitätsfernen Darstellungen vom Auschwitz-Museum als „gefährlicher Unsinn“ kritisiert. Die Gedenkstätte Auschwitz kritisiert die Nazijäger-Serie „Hunters“ für ihre sehr grausame Szenen, die auf wahren Begebenheiten unter den echten Nazis basieren. Manche Szenen sollen sogar Holocaust-Leugnern in die Hände spielen. Das geht gar nicht!

Mit einem solchen Verhalten verstoßen die Beamten eklatant gegen ihre Dienstpflichten. „Das ist nicht hinnehmbar“, heißt es aus der Polizeileitung. Darüber hinaus ist das Abspielen solcher Inhalte vor einer Synagoge absolut geschmacklos. Konkret wird außer acht gelassen, dass die Synagoge zwischenzeitlich von vielen muslimischen Geschäften und Etablissements umgeben ist, wo solche Filmchen möglicherweise gerne gesehen werden.

Die beiden Polizisten haben bereits unmittelbar nach dem Vorfall ihre Dienstwaffen und Dienstmarken abgeben. Selbst die ansonsten gewöhnlich Israel unfreundliche lokale Presse bemerkt treffend:

Als ob „Sieg Heil“ und „Heil Hitler“ in einem Streifenwagen vor einer Synagoge nicht schon reichen würden.

Ob es sich bei den beiden Beamten um einen Einzelfall handelt, weiß man nicht, da Ermittlungsergebnisse weiterhin ausstehen. „Wir haben uns aber bewusst so früh an die Öffentlichkeit gewandt, um maximale Transparenz herzustellen“, sagt der Aachener Polizeipräsident. Er wolle um jeden Preis verhindern, dass das Vertrauen der Bürger in die Aachener Polizei durch Handlungen einzelner Beamter erschüttert werde. Das Vertrauen der Juden hat er bereits verspielt.

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Nathan Warszawski
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Dr. Nathan Warszawski (geboren 1953) studierte Humanmedizin, Mathematik und Philosophie in Würzburg. Er arbeitet als Onkologe (Strahlentherapeut), gelegentlicher Schriftsteller und ehrenamtlicher jüdischer Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft zu Aachen.