Von der Brieftaube zum Internetjournal – Wo stehen wir im Medienzeitalter?

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Nichts ist für uns selbstverständlicher als Nachrichten zu hören. Im Auto auf dem Weg zur Arbeit, beim Blick in das Smartphone oder abends vor der Lieblingsserie im Fernsehen. Doch halten uns die täglichen News wirklich auf dem Laufenden oder werden wir mit Daten gefüttert, die unser Denken manipulieren?

Der Wert der Wahrheit

Eine alte Weisheit ist, dass, wenn drei Menschen dasselbe Ereignis wiedergeben, dennoch drei verschiedene Varianten entstehen. Es liegt in unserem menschlichen Wesen begründet, Dinge so zu reflektieren, wie wir sie empfinden. Da wir alle unterschiedlich geprägt sind, tritt deshalb immer Standpunkt und Perspektive des jeweils Erzählenden zutage. Das ist auch gut so, werden doch auf diese Weise weitere Aspekte eines Vorganges oder Geschehens erkennbar. News und Nachrichten erweitern unseren Horizont und erhalten die Mündigkeit des Lesers. Doch wie kann ein Medienkonsument sicher sein, dass die Ereignisse, Fakten und Kommentare wahrheitsgemäß übermittelt werden?

Einseitig getrimmt oder allseits informiert?

Wer seinen Quellen vorbehaltlos vertraut, gerät schnell in Gefahr, sich in eine mentale Engführung hineinlotsen zu lassen. Am Beispiel der Kriegsberichterstattung während des Zweiten Weltkrieges lässt sich das gut vorstellen. Viele Menschen waren unvorbereitet über das erschreckende Ende dieses Krieges.
Reine Informationen sind neutral, sie bestehen aus nüchternen Fakten. Doch die Interpretation und Gestaltung des Hintergrundes einer Wiedergabe von Ereignissen bietet einen unerschöpflichen Spielraum, die Wahrheit zu variieren. Und damit immer die Möglichkeit, das Denken der Adressaten unterbewusst zu beeinflussen. Was kann man im Zweifelsfalle tun, um die Wahrheit hinter einem Ereignis zu erfahren?

Blick über die eigene Grenze riskieren

Was lernen wir von denen, die sich in unser Land flüchten vor Krieg, Hunger und Verfolgung? Dass man wissen muss, was um sich herum geschieht. Deshalb nutzen Migranten englischsprachige Kanäle, um weltweit relevante Informationen über das Schicksal der Zuhausegebliebenen zu erfahren oder um auf politische Veränderungen reagieren zu können. Dank Internet stehen solche externen Quellen jedem zur Verfügung, um sich etwa ein persönliches Bild über die Geschehnisse außerhalb und innerhalb Deutschlands zu verschaffen.

Sprachliche Hindernisse überwinden

Das Geschehen im eigenen Land wird bei entsprechender Bedeutsamkeit auch im Ausland reflektiert. Greift man auf eine solche Quelle zu, ergibt sich ein Problem: die sprachliche Barriere. Wer kann schon mehrere Sprachen sprechen, gar fremde Schriftzeichen entziffern? Doch für moderne Internetnutzer gibt es Hilfe durch die Übersetzungstools, die teilweise kostenlos nutzbar sind. Die Texte werden zeitnah ins Deutsche übertragen. Sicher ist die Lesbarkeit nicht so flüssig wie die eines manuell übersetzten Berichtes. Aber, es reicht, um sich ein Bild zu machen. Es ist oft überraschend, wie man anderswo die innenpolitischen Entscheidungen deutscher Politiker etwa wertet.

Öffentlichkeit lebt von News und Nachrichten

Anders als in den Tagen der Brieftaube oder des Zweiten Weltkrieges stehen Nutzern heute unendlich viele Informationsquellen zur Verfügung. Durch diese Vielfalt ist ein hoher Wahrheitsgehalt der Informationen gegeben und nachprüfbar. Das öffentliche Leben wäre undenkbar, ohne tägliche Nachrichten durch Online-Quellen, Medien oder Printmedien. Die Vernetzung der modernen Gesellschaft erfordert dennoch ein kritisches Hinterfragen. Das ist Voraussetzung für echte Demokratie und Liberalismus, nicht nur in unserem Land, sondern weltweit.

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