Wir brauchen bei der Einwanderung mehr Hochqualifizierte

Ausgang, Foto: Stefan Groß

Demographie

Gestern feierte ich meinen 40.Geburtstag. Damit bin ich eigentlich ein Mann mittleren Alters. Nicht so in Deutschland. Hier geht man auch noch mit 50 als Junger durch. Unsere Normalität hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert. In Ländern wie denen Afrikas ist die Bevölkerung im Durchschnitt wesentlich jünger. Rollatoren sowie Werbeblöcke voller Arthrose- und Prostata-Medikamente sind in jungen Kulturkreisen unüblich, hierzulande inzwischen jedoch schon. Bis zum sogenannten Pillenknick war es üblich, dass eine Familie auch in Mitteleuropa zwei bis drei Kinder zur Welt brachte. Das Durchschnittsalter lag bei Ende 20 bis Mitte 30, heute ist der Median-Deutsche Ende 40 und von Zipperlein geplagt.

Nehmen Altersbeschwerden überhand, wird man in Rente gehen müssen. Nur was, wenn zu wenig junge Leute da sind, um die vielen Alten zu finanzieren. Dann ist die Rente nicht mehr sicher. Wer heute 30 ist, wird vom Staat keine Rente erhalten, die seine Existenz sichert. Das sollte klar sein.

Verlorene Zeit

Bis 2030 sind es nur noch ein Dutzend Jahre. Dann werden die Babyboomer in Rente gehen und erhoffen sich eine monatliche Zahlung, die das Leben sichert. Ohne Reformen rauscht unser Staat allerdings eiskalt gegen die Wand. Ein Staatsbankrott in den 2030er Jahren ist nicht auszuschließen, wenn nicht dringend Reformen angepackt werden. Die Kanzlerin sprach davon, dass man in fünf bis zehn Jahren noch gut in Deutschland leben könne, wenn sie ihre Politik weiterverfolge. Und dann? Was ist in zwölf bis fünfzehn Jahren oder noch später? Pustekuchen. Da fehlt der Mut, vielleicht auch der Horizont.

Blödsinnsthemen

Umverteilung („die Schere von geht auseinander“) und Feinstaubbelastung in deutschen Großstädten sind Nebelkerzen, die nicht darüber entscheiden, ob wir auch im Jahr 2035 noch gut dastehen. Das hohe Durchschnittsalter der Wähler bedingt diese kraftlose Agenda der Großkoalitionäre. Eine überalterte und damit auch weitgehend kinderlose Gesellschaft kann sich den Luxus leisten, nach dem Motto zu leben „nach mir die Sintflut“. Diese Sintflut wird für viele in 20 Jahren zu den größten Verwerfungen führen, wenn nicht sehr bald Einwanderung Hochqualifizierter zum Thema erkoren wird.

2021 wird das nächste Mal gewählt. Dann werden noch mehr Menschen in Rente sein als jetzt. Die Wähler werden keine Reformen goutieren. Es droht ein Dauerreformstau aufgrund Überalterung des Landes. Da weite Teile Europas, nicht nur Südeuropas, sich geweigert hatten, Reformen durchzuführen, allen voran Italien und Griechenland, wird die geringe Zahl der noch gesunden Volkswirtschaften (Deutschland, Niederlande, Österreich, Luxemburg), finanziell herhalten müssen, um den Wohlstand per Umverteilung, zu gewährleisten.

2030 kommen dann zunehmend die verrenteten Babyboomer hinzu. Das wird dazu führen, dass gut ausgebildete Menschen sich zunehmend anderenorts umsehen, außerhalb der EU. Warum sollten sie in Deutschland bleiben, wenn für die vielen neuen Transferzahlung immer weniger Menschen, nämlich die jungen, gut Qualifizierten herhalten sollen?

Nettosteuerzahler werden dann so begehrt sein wie Fußballstars. Sie können sich ihre neue Heimat wählen. Kriterien werden dann geringe Steuersätze sein.

Das Problem

Das Problem ist, dass gerade die jungen High-Potentials in allen Ländern der Welt begehrt sind. Sie werden, sobald im Jahr 2030 die Demographie kippen wird, kaum noch in einem Land bleiben wollen, das sie ausschließlich zur Finanzierung heranziehen will, um ausgebliebene Reformen auf sie abzuwälzen.

Wenn nun zu den jährlich sechsstelligen Auswandererzahlen von Hochqualifizierten, die das Land ohnehin schon verlassen, noch weitere hinzukommen, weil die Aussichten zunehmend mies werden und die Finanzierung eine Zumutung darstellt, kann es schnell gehen, und das Land kollabiert.

Wenn man also heute nur Unsinnsthemen erörtert, kommt 2030 die Quittung umso heftiger.

 

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