Ampel hat keine Mehrheit mehr in der Bevölkerung

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Vor 51 Wochen wurde der Bundestag neu gewählt. Die SPD kam auf 25,7 Prozent, stieg in den Wochen nach der Wahl sogar auf fast 28 Prozent, die Union fiel von 24,1 auf 19 Prozent. Elf Monate später sieht es gänzlich anders aus. Seit Oktober verlieren SPD und FDP kontinuierlich an Zustimmung und die letzten Wochen stürzen nun auch Die Grünen ab.

Die Union macht in elf Monaten aus einem Acht-Punkte-Rückstand einen Neun-Punkte-Vorsprung vor der SPD

Auf 25,7 Prozent kam die SPD bei der Bundestagswahl am 26. September 2021 und lag damit 1,6 Punkte vor CDU/CSU, die auf 24,1 Prozent kamen. Kurz nach der Wahl stand die SPD sogar bei fast 28 Prozent, die Union fiel im Oktober auf 19 Prozent und lag damit 9 Punkte hinter den „Sozialdemokraten“. Doch seither hat sich das Bild kontinuierlich gewandelt. CDU/CSU, die mit Friedrich Merz einen neuen CDU-Vorsitzenden haben (die Vorentscheidung hierfür fiel am 17. Dezember 2021), legten langsam, aber kontinuierlich zu, die SPD fiel immer weiter ab. Inzwischen hat die Union ca. 9 Punkte Vorsprung vor der Kanzlerpartei. Die Verhältnisse haben sich in den letzten elf Monaten also komplett umgedreht.

Die Grünen waren mit ihrer Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock und all deren Fauxpas (mehrfach getürkter Lebenslauf, große Teile ihres Buches abgeschrieben, ohne dies kenntlich zu machen, sehr despektierlicher Umgang mit ihrem eigenen Kollegen Robert Habeck etc.) die letzten vier, fünf Monate vor der Bundestagswahl regelrecht eingebrochen, fielen von 26 auf unter 15 Prozent und erzielten dann mit 14,8 Prozent ein für sie enttäuschendes Ergebnis. Nach der Wahl stiegen sie leicht auf 15 bis 16 Prozent und schossen nach Russlands völkerrechtswidrigem Überfall auf die Ukraine am 24.02.2022 auf 23 Prozent in die Höhe. Dies dürfte ihrer – vor allem im Verhältnis zur SPD – klaren Positionierung gegenüber Russland und für die Ukraine geschuldet gewesen sein. Mit ihrem sturen Festhalten an der Entscheidung, mitten in der größten Energiekrise seit einem dreiviertel Jahrhundert die Laufzeiten der letzten drei deutschen Kernkraftwerke nicht verlängern zu wollen, verspielen Die Grünen nun aber wieder viel Kredit und fallen in weniger als einem Monat von 23 auf ca. 20 Prozent.

Die FDP verliert seit der Bundestagswahl vier von zehn Anhängern

Die AfD landete bei der Bundestagswahl bei 10,3 Prozent, pendelte dann viele Monate um die 10 Prozent-Marke und kann die letzten Wochen erstmals seit zweieinhalb Jahren wieder über 13 Prozent steigen.

Für die FDP sieht es dagegen zunehmend düster aus. Bei der Bundestagswahl kamen die Freien Demokraten auf ein für sie gutes Ergebnis von 11,5 Prozent der Zweitstimmen. In den ersten Wochen nach der Wahl stiegen sie sogar auf fast 15 Prozent, ein absoluter Spitzenwert für die FDP. Seither haben sie jedoch mehr als die Hälfte des Zuspruchs verloren und stehen nun bei ca. 6,9 Prozent. Selbst gegenüber dem Wahlergebnis von vor 51 Wochen bedeutet das: Die FDP hat seit der Bundestagswahl vier von zehn Anhängern verloren.

„Die Linke“ (SED) pendelt seit einem Jahr immer um die fünf Prozent herum, liegt mal knapp darüber, dann knapp darunter, nun wieder knapp darüber. Den Freien Wählern kommt bundespolitisch keine Bedeutung zu. Von der Fünf-Prozent-Hürde sind sie sehr weit entfernt.

Ampel hat keine Mehrheit mehr in der Bevölkerung

Angegeben ist für jede Partei der Wahl-O-Matrix-Mittelwert aller Institute, die – bezogen auf den mittleren Tag der Befragung – in den letzten drei Wochen repräsentative Erhebungen durchführten. Aktuell liegen elf Umfragen von zehn verschiedenen großen Meinungsforschungsinstituten vor, die diese Kriterien erfüllen. INSA veröffentlicht inzwischen jede Woche zwei verschiedene Erhebungen, einmal eine reine Online-Befragung von ca 2.000 bis 2.200 Personen und einmal eine Mix–Befragung per Telefon und per Online-Panel von ca. 1.200 bis 1.700 Personen. Aufgeführt ist für jede Partei der niedrigste und der höchste Wert dieser elf einbezogenen Befragungen (immer nur die aktuellste) sowie fettgedruckt das arithmetische Wahl-O-Matrix-Mittel aller elf Werte (in Klammer die Veränderung zum 21.08.2022):

  1. CDU/CSU: 25,5 – 30 % ==> 27,7 % (+0,7)
  2. GRÜNE: 19 – 23 % ==> 20,3 % (–2,8)
  3. SPD: 16 – 20 % ==> 18,8 % (–)
  4. AfD: 10,9 – 14 % ==> 13,1 % (+1,0)
  5. FDP: 6 – 8 % ==> 6,9 % (–)
  6. LINKE: 4,9 – 7 % ==> 5,5 % (+1,0)
  7. Sonstige: 5,5 – 9 % ==> 7,7 % (+0,1)

2022-09-18

(c) JFB

Das bedeutet, die Ampelkoalition aus SPD, Grüne und FDP hat 51 Wochen nach der Bundestagswahl keine (klare) Mehrheit mehr in der Bevölkerung. Alle drei Parteien zusammen kämen derzeit nur auf ca. 46 Prozent, die drei Oppositionsparteien zusammen auf ca. 46,3 Prozent.

Erläuterung

Diese Werte sind so zu verstehen, dass es für jede Partei bzw. für jede Bundestagsfraktion ein Fenster gibt, innerhalb dessen sie derzeit mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit läge. Die aufgeführten Zahlen stellen die Mitte dieses Fensters dar. Kleine Abweichungen von dieser Fenster-Mitte von ein bis zwei Prozent sind also jeweils in beide Richtungen möglich, bei größeren Parteien auch drei Prozent oder etwas mehr, wobei die Wahrscheinlichkeit, je weiter man sich von der Mitte des Fensters weg bewegt, immer mehr abnimmt und zwar drastisch. Abweichungen von deutlich über fünf oder gar zehn Prozent sind daher nahezu ausgeschlossen. Dies läge weit außerhalb des Fensters.

Dabei sind diese Angaben selbstverständlich keine Zukunftsprognosen, wie die Wähler in einigen Monaten oder Jahren votieren werden, sondern wie sie heute votieren würden (empirische Erfassung der Gegenwart).

Die Erhebungen dieser Institute wurden ausgewertet

Die elf Umfragen, welche ausgewertet wurden, waren (Kriterium 1: bezogen auf den mittleren Tag der Befragung nicht älter als drei Wochen, Kriterium 2: von jedem Institut immer nur die jeweils aktuellste, sofern nicht verschiedene Erhebungsmethoden vorlagen, ansonsten von jeder Erhebungsmethode die jeweils aktuellste):

  1. Ipsos, mittlerer Tag der Befragung: 03.09.2022, internetbasierte Befragung von 1.000 gezielt ausgewählten Mitgliedern einer Personengruppe (Befragten-Pool),
  2. Forschungsgruppe Wahlen (ZDF-Politbarometer), mittlerer Tag der Befragung: 07.09.2022, telefonische Befragung von 1.299 zufällig ausgewählten Personen,
  3. Allensbach (FAZ), mittlerer Tag der Befragung: 07./08.09.2021, persönlich-mündliche Befragung von 1.030 nach Quotenvorgaben ausgewählten Personen,
  4. Forsa (RTL/ntv-Trendbarometer), mittlerer Tag der Befragung: 09./10.09.2022, telefonische Befragung von 2.501 zufällig ausgewählten Personen,
  5. Wahlkreisprognose, mittlerer Tag der Befragung: 10.09.2022, Befragung von 1.300 Personen via Online Panel,
  6. Kantar/Emnid (FOCUS), mittlerer Tag der Befragung: 10.09.2022, telefonische Befragung von 1.443 zufällig ausgewählten Personen,
  7. INSA (BILD), mittlerer Tag der Befragung: 10./11.09.2022, internetbasierte Befragung von 2.039 gezielt ausgewählten Mitgliedern einer Personengruppe (Befragten-Pool),
  8. YouGov, mittlerer Tag der Befragung: 11.09.2022, internetbasierte Befragung von 1.635 gezielt ausgewählten Mitgliedern einer Personengruppe (Befragten-Pool),
  9. Infratest dimap (ARD-DeutschlandTrend), mittlerer Tag der Befragung: 13./14.09.2022, Mix–Befragung per Telefon und per Online-Panel von 1.224 Personen
  10. INSA (BILD am Sonntag), mittlerer Tag der Befragung: 14.08.2022, Mix–Befragung per Telefon und per Online-Panel von 1.476 Personen,
  11. Civey (SPIEGEL) vom 18.09.2022, 12 Uhr, mittlerer Tag der Befragung: 14./15.09.2022, Stichprobengröße: 10.021, stellvertretend für die Grundgesamtheit (volljährige Bundesbürger) in der Stichprobe zur Berechnung des repräsentativen Ergebnisses berücksichtigt wurden.

Wahl-O-Matrix, Deutschlands führendes Meta-Analyse-Tool (von JFB gegründet), das mit seiner Prognose bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg, wie auch schon bei der NRW-Wahl, mit 0,76 Prozent mittlerer Abweichung erneut näher am Ergebnis lag als sämtliche Umfrageinstitute (in Rheinland-Pfalz am drittnächsten, bei der EU-Wahl ebenfalls am drittnächsten und bei der Bundestagswahl 2017 am zweitnächsten und bei der Bundestagswahl 2021 zusammen mit Allensbach am nächsten von allen) hat damit eine breite Datenbasis von insgesamt 24.968 Befragten.

Quelle: Jürgen Fritz

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