Es gibt keine Wunder

Politische Versammlung vor dem Parlament, KI generiert

Anders als eher schlichte Marx-Rezipienten hoffen und behaupten, folgen die gesellschaftlichen Prozesse keinen zu ergründenden Gesetzen wie denen von Natur oder Physik. Das gilt auch für die weltweite Hinwendung zu autoritären Gesellschaftsmodellen.

Daher führt das von der „Zeit“ beschworene „Wunder von Budapest“  in die Irre (https://epaper.zeit.de/…/d1d6e65409f56559e172a7046dd584…). Natürlich ist es erfreulich und vernünftig, dass die Wählerinnen und Wähler Ungarns die Orban Regierung abgewählt haben. Und sicher mag der „rechtsautoritäre Glamour“ auch ein wenig verblassen, wie Mariam Lau hofft. Doch eher bleibt es eine sicher wichtige Wendung in einem normalen Prozess von Rückschlägen und Fortschritten, wie er zur Durchsetzung neuer Ordnungen gehört.

Denn die geopolitischen und gesellschaftlichen Veränderungen, die diese weltweite politische und kulturelle Revolution ausgelöst haben, sind geblieben. Andreas Rödder hast sie vor wenigen Tagen in der „Süddeutschen“ präzise zusammen gefasst: „Die 2020er-Jahre erleben eine dreifache Revolution: die eruptive Entstehung einer neuen geopolitischen Ordnung, eine neue Stufe der Digitalisierung durch KI und eine neurechte Gegenrevolution gegen die postmodern-grüne Hegemonie der 2010er-Jahre. Diese Kulturrevolution stellt zugleich die liberale Demokratie infrage, die vor mehr als 35 Jahren den Kalten Krieg gewonnen hatte“ (https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=26985315557719585&id=100000035169308).

Die bemerkenswerte Stabilität der AFD bei den deutschen Meinungsumfragen (https://www.zeit.de/…/umfragen-bundestagswahl-neuwahl…) zeigt, dass Korrekturen der bisherigen Politik schwer ausreichen werden, um den populistischen Vormarsch abzubremsen. Trotzdem ist der Versuch der schwarz-roten Koalition sinnvoll. Es gibt „kein Patentrezept“ im Umgang mit der neurechten Gegenrevolution, da sind sich Mariam Lau und Andreas Rödder einig. Letzterer fordert „authentisches Selbstbewusstsein und strategisches Denken, intellektuelle Ambition und die Bereitschaft, unorthodox zu denken – und: Mut zum Risiko. Denn Politik ist, wie Helmut Schmidt formulierte, „immer auch ein Kampfsport“. Oder, um es mit Otto von Bismarck zu formulieren: „Soll Revolution sein, so wollen wir sie lieber machen als erleiden.“ Dafür könnte Ungarn zumindest ein Beispiel sein.

Quelle: Facebook