Der Aufwärtstrend der AfD wird sich fortsetzen

AfD Quelle: ChatGPT

Die politischen Trends in diesem ersten Halbjahr 2026 waren deutlich. CDU/CSU und SPD haben Stimmen eingebüßt, Bündnis90/Die Grünen und die AfD haben an Zustimmung gewonnen. Im Meinungstrend hat die AfD die CDU/CSU und die Grünen die SPD überholt. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen, wenn die Regierungskoalition weiterhin nicht überzeugt. Die Erwartung, dass es besser wird, ist wahrscheinlich noch geringer als es die Zustimmungswerte zur Arbeit des Bundeskanzlers sind.

Immer wieder wird in der politischen Debatte über die Auswirkungen der „Brandmauer“ gesprochen und darüber, was gewonnen würde oder verloren ginge, wenn man davon abrückte. Wir haben erstmals versucht, das direkt demoskopisch zu testen und haben ein hypothetisches Brandmauer-Aus gegenüber der AfD in den Blick genommen. Wir wollten wissen, wie die Befragten derzeit abstimmen würden, wenn Neuwahlen wären und die Union nicht mehr an der Brandmauer gegenüber der AfD festhalten würde? Erste Erkenntnis: Die Wahlbeteiligung würde um etwa zweieinhalb Prozentpunkte steigen. Die CDU/CSU würde zwar 70 Prozent ihrer bisherigen Wähler, die auch ohne Brandmauer eine Partei wählen würden, halten, etwa jeden zwanzigsten aktuellen AfD-Wähler (5 Prozent) und jeden achten aktuellen FDP-Wähler (12,5 Prozent) gewinnen, aber unter dem Strich viereinhalb Prozentpunkte verlieren und auf 17,5 Prozent fallen. Auch die AfD würde einen Prozentpunkt verlieren und auf 28 Prozent fallen. Die SPD würde zwei Prozentpunkte zulegen und mit 14 Prozent die Grünen wieder überholen, die bei 13,5 Prozent blieben. Linkspartei (11 Prozent) sowie FDP (4 Prozent) würden jeweils einen halben Prozentpunkt zulegen und das BSW (4,5 Prozent) einen ganzen Prozentpunkt. Um eineinhalb Prozentpunkte stärker wären auch die sonstigen Parteien (7,5 Prozent). Da 16 Prozent der Wählerstimmen an Parteien fielen, die an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern würden, wären parlamentarische Mehrheiten bereits mit über 42 Prozent möglich. Schwarz-Rot-Grün käme auf 45 Prozent und damit – wie auch in der aktuellen Umfrage – auf eine eigene Mehrheit, ebenso wie Blau-Schwarz mit zusammen 45,5 Prozent. Rot-Grün-Rot mit zusammen 38,5 Prozent würden für eine parlamentarische Mehrheit hingegen vier Prozentpunkte fehlen.

Diese Sonntagsfrage mit Hinweis auf ein derzeit unwahrscheinliches Brandmauer-Aus fand auf der Grundlage des aktuellen Diskussionsstands statt. Sobald politische Akteure Ihre Entscheidungen und ihr Handeln erklären, findet Meinungsbildung statt. Das kann Stimmungen in die eine oder andere Richtung grundlegend verändern. Ohne die notwendige Meinungsbildungsdebatte sind Meinungsforschungsergebnisse ausschließlich ein Stimmungstest in der Jetzt-Zeit – kurzfristige Veränderungen inbegriffen.

Einfluss auf die Meinungsbildung nehmen auch diejenigen, die über politische Themen informieren. An erster Stelle kommen hier immer noch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkmedien (45 Prozent), gefolgt von Gesprächen mit anderen Personen (35 Prozent), Nachrichten-Apps und Nachrichtensammeldiensten (34 Prozent) sowie Soziale Medien (30 Prozent). Diese Durchschnittswerte verdienen den Blick auf ausgewählte Soziodemografie: Nur 29 Prozent der unter 30-Jährigen informieren sich zu bundespolitischen Themen über den ÖRR, aber 72 Prozent der über 70-Jährigen. Gut jeder zweite Unionswähler (54 Prozent) nutzt den ÖRR, aber nur gut jeder dritte AfD Wähler (35 Prozent). 24 Prozent der Unionswähler und 18 Prozent der über 70-Jährigen nutzen Soziale Medien als Informationsquelle über bundespolitisches Geschehen, aber jeweils 39 Prozent der AfD-Wähler und der unter 30-Jährigen.

Über Hermann Binkert 578 Artikel
Hermann Binkert ist 57 Jahre alt, verheiratet und Vater von vier Kindern. Der Jurist ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des Markt- und Meinungsforschungsinstituts INSA-CONSULERE. Bevor er INSA im November 2009 in Erfurt gründete, war Binkert 18 Jahre im öffentlichen Dienst, zuletzt als Staatssekretär in der Thüringer Staatskanzlei und Bevollmächtigter des Freistaats Thüringen beim Bund, tätig. Heute gehört er zu den renommiertesten Meinungsforschern Deutschlands und erhebt Umfragen für Ministerien im Bund und in den Ländern, für alle Parteien und Fraktionen, die im Bundestag und in den Landtagen vertreten sind. Wöchentlich stellt INSA die Sonntagsfrage für die Bild am Sonntag und die BILD. Das Meinungsforschungsinstitut arbeitet für viele großen Verlage, z. B. Springer, Burda, Funke, Madsack. Es führt aber auch Fokusgruppengespräche und Testkäufe durch.