Deutschsprachiger Darden-Experte zu Unternehmensmaßnahmen als Antwort auf COVID-19

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Kommentar von Anton Korinek [1], Associate
Professor of Business Administration an der Darden School of Business,
University of Virginia.

WARUM SOLLTEN UNTERNHEMEN MAßNAHMEN ERGREIFEN?

Eine der größten Herausforderungen für Unternehmen besteht vor allem
darin, die wirtschaftlichen Belange mit der Frage in Einklang zu
bringen, was ethisch gesehen die beste Vorgehensweise ist. Eine
Infektion betrifft nicht nur einzelnen Menschen, sondern birgt die
Gefahr, dass infizierte Personen die Krankheit verbreiten und ihre
Gemeinschaft den damit verbundenen erheblichen Risiken bis hin zum
vorzeitigen Tod aussetzen. Die Vorsichtsmaßnahmen im Bereich der
öffentlichen Gesundheit, die Einzelpersonen und Organisationen treffen,
haben daher eine entscheidende ethische Komponente. Ökonomen bezeichnen
diesen Aspekt der öffentlichen Gesundheit bei Infektionskrankheiten als
EXTERNALITÄT – d.h. als eine Wirkung auf andere, die ein Individuum
oder eine Organisation, die sich nur um ihr eigenes Wohlbefinden
kümmert, zu ignorieren versucht ist. (Ein typisches Beispiel für eine
andere Art von Externalität ist die Umweltverschmutzung – wenn ein
Individuum die Umwelt verschmutzt, leidet die Gesellschaft als Ganzes).
Wenn ein Individuum die Krankheit verbreitet, entstehen ihm keine
Kosten, aber sie kostet die neu Infizierten teuer. Tatsächlich gibt es
ZWEI FORMEN VON EXTERNALITÄTEN BEI INFEKTIONSKRANKHEITEN: Gesunde Menschen, die nicht genügend Vorsorge treffen, um eine Ansteckung zu vermeiden (weil sie die Risiken, die dies für andere schafft, nicht verinnerlichen), und exponierte Menschen, die nicht genügend Vorsorge treffen, um eine Verbreitung der Krankheit zu vermeiden.

Andere könnten die Idee in Frage stellen, ob man überhaupt versuchen
sollte, das Virus einzudämmen. Die Krankheit scheint nicht aufzuhalten
– sie hat sich innerhalb weniger Wochen weltweit verbreitet. Warum so
extreme Anstrengungen unternehmen und enorme wirtschaftliche Kosten auf sich nehmen, um das Unvermeidbare zu verhindern? Sind wir nicht alle in einen schlimmen Fall von Massenhysterie geraten, der noch ansteckender – und verderblicher – ist als das Coronavirus selbst? Dieses Argument vernachlässigt jedoch alle gefährdeten Menschenleben und das Ausmaß, in dem ein unkontrollierter Ausbruch die Gefahr birgt, die medizinischen Ressourcen zu überfordern und die Zahl der Todesopfer noch zu erhöhen.

UNVERHÄLTNISMÄßIGE AUSWIRKUNGEN

Was die Herausforderung, wie man darauf reagieren soll, noch erhöht,
ist die höchst ungleichmäßige Auswirkung der Krankheit auf
verschiedene Menschen. Ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen haben ein viel größeres Risiko, an COVID-19 zu sterben als andere.
Berücksichtigt man beispielsweise alle Risikofaktoren, so hat ein Mann
in den 70er Jahren mit einer Herzerkrankung, der sich mit dem Virus
infiziert, ein deutlich höheres Sterberisiko – vielleicht mehr als 25
Prozent. (Nützliche Informationen über die Sterblichkeitsrate nach
demographischen Gesichtspunkten [2] finden Sie auf der
Weltstatistikseite Worldometer).

LEHREN VON CHINA UND ITALIEN

Die Erfahrungen von Regionen, die in den letzten Wochen mit großen
Ausbrüchen von COVID-19 zu tun hatten, vor allem Wuhan und Norditalien, legen zwei Lehren nahe.

* Erstens gibt es in der Epidemiologie KEINEN PLATZ FÜR FATALISMUS.
Der Teil der Bevölkerung, der letztendlich von einer Epidemie infiziert
ist, reagiert tatsächlich recht gut auf Minderungsbemühungen. Wuhan
konnte das Virus unter Kontrolle bringen, indem er seinen Bürgern
strenge Quarantänemaßnahmen auferlegte. Italien folgte kürzlich, das
Ergebnis steht noch nicht fest.
* Zweitens besteht bei einem unkontrollierten Ausbruch aufgrund der
exponentiellen Ausbreitung die Gefahr, dass die INFRASTRUKTUR DES
GESUNDHEITSWESENS EINES LANDES ÜBERFORDERT WIRD. Etwa 15-20 Prozent der
identifizierten Fälle erfordern eine Krankenhausbehandlung. Selbst in
den USA würde ein unkontrollierter Ausbruch schnell die Kapazität der
bestehenden Intensivstationen erschöpfen. Sollte dies geschehen, würde
die Sterblichkeitsrate des Virus zwangsläufig deutlich ansteigen, da
kranke Patienten nicht mehr angemessen behandelt werden könnten. Dies
legt nahe, dass es entscheidend ist, die Ausbreitung zu verlangsamen, um
die Zahl der Patienten zu jedem Zeitpunkt überschaubar zu halten.

FRAGEN UND ANTWORTEN

Die epidemiologische Realität der Krankheit hat starke Auswirkungen auf
die Unternehmen. Die jetzt getroffenen Entscheidungen werden die Art und Weise bestimmen, wie die Beteiligten in den kommenden Wochen und Monaten arbeiten, reisen und miteinander interagieren werden, und sie werden die wirtschaftlichen Verluste bestimmen, die Unternehmen erleiden werden.
Und so sehr das Virus auch die Organisationen beeinflussen wird, so sehr
wird die Reaktion dieser Organisationen auch einen entscheidenden
Einfluss darauf haben, wie schnell und wie weit sich COVID-19 in ihren
Gemeinden ausbreiten wird und wie viele Menschen durch die Krankheit
sterben werden. Dies fügt dem Kompromiss eine entscheidende ETHISCHE
KOMPONENTE hinzu. Das Abwägen der wirtschaftlichen Auswirkungen mit dieser ethischen Dimension ist die größte Führungsherausforderung
unserer Zeit.


Links:
——
[1] https://ideas.darden.virginia.edu/anton-korinek
[2]
https://www.worldometers.info/coronavirus/coronavirus-age-sex-demographics/



Medienkontakt:
Ida Junker – Agentur: PPOOL

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