Die Frage nach dem bundesrepublikanischen Gesellschaftsmodell: Interkulturalität oder völkischer Nationalismus nach Vorbild des Ethnopluralismus?

Wie in der aktuellen Flüchtlingspolitik zu sehen, gibt es eine starke Tendenz innerhalb der bundesrepublikanischen Gesellschaft zur generellen Abwehr von Zuwanderung. Die „Das Boot ist voll“-Rhetorik und reaktionäre Begriffe wie „nationale Identität“ und „Recht auf Heimat“ ist in allen demokratischen Parteien – mal mehr, mal weniger- vorhanden. Bei Bündnis 90/Die Grünen hat sich die Kretschmann-Linie durchgesetzt, die vorbehaltlos die Politik Merkels unterstützt und auch die „Asylpakate I und II“ mitgetragen haben. In der Linkspartei sind vor allem von Sarah Wagenknecht und Oskar Lafontaine rechtspopulistische Aussagen zu hören. Die rassistische AfD konnte bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt mit migrations- und integrationsfeindlichen Themen bis vor kurzem ungeahnte Stimmengewinne verbuchen. Die Springer-Medien, allen voran die Bild und die Welt am Sonntag heizen den rassistischen Diskurs in den Medien noch weiter an. Forderungen nach Abschottung, Wiedereinführung von Grenzkontrollen, Ausbau der „Festung Europa“ und Aufstockung der Frontex-Garde sind allgegenwärtig. Die AfD möchte sogar, dass zur „Sicherung der Grenzen“ Kinder niedergeschossen werden.
Mit ihrer rassistischen Hetze ist die AfD der ideologische und praktische Wegbereiter für die zahllosen Brandanschläge und gewalttätigen Übergriffe auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte.[1] Die AfD grenzt sich von der Politik der Bundesregierung ab, der sie vorwirft, sich nicht um die „Interessen des Volkes“ zu kümmern.[2] Die Alternative soll in der radikalen Bevorzugung des nationalen Kollektivs gegenüber dem Rest der Menschheit liegen. So solle das Geld, das für die Eurorettung aufgewendet wird, lieber für Deutschland ausgegeben werden. Die AfD setzt auf die kompromisslose Abschottung des Nationalstaats. So fordert sie die Aussetzung des Schengen-Abkommens und die Wiedereinführung von Grenzkontrollen.

In Deutschland sind 2015 789 Anschläge auf Asylbewerberunterkünfte verübt worden.[3] Das geht aus einer Statistik des Bundeskriminalamts (BKA) hervor. Darunter seien 65 Brandstiftungen. Im gesamten Jahr 2014 waren es zum Vergleich sechs Brandanschläge gewesen. Die Zahl der Übergriffe hat sich damit 2015 im Vergleich zum Vorjahr mehr als vervierfacht.[4] Dass es bislang noch keine Toten gab, ist nichts als Zufall. Diese Anschläge sind als Mordversuche zu werten und sind keine Bagatelldelikte von „frustrierten Bürgern“ oder Neonazis.
Heidenau, Freital, Tröglitz Clausnitz oder Köln stehen stellvertretend für Orte rassistischer, menschenverachtender Gesinnung und Gewalt. Einer Gewalt, die durch die Beschwichtigungen von Verantwortlichen ihre Legitimation erfährt und im Netz tausendfach wiederholt wird.
In medialen bürgerlichen Diskursen über die Einwanderung geht es in vielen Fällen nicht um eine adäquate Darstellung der Einwanderungsrealität, sondern um eine Dramatisierung bzw. Skandalisierung und damit um eine Vermarktung von Bildern und Informationen.[5] Migranten werden in den Medien eher negativ dargestellt und die Einwanderungssituation wird verzerrt wiedergegeben. Migranten selbst kommen selten bis gar nicht zu Wort, meist wird über sie gesprochen als mit ihnen zu sprechen. Daher wird der Diskurs sehr stark von Vertretern der deutschen Bevölkerungsmehrheit geprägt, die ihre Vorstellungen – ob positiv oder negativ- dort mit einfließen lassen. Die Orientierung an der binären Konstruktion „Inländer-Ausländer“ ist in vielen Fällen selbstverständlich und wird nicht hinterfragt. Der kulturalistisch und ethnisch verengte Blick auf Migranten und Migration ignoriert sowohl die systemische und politische als auch die soziale Integration der Einwanderer als Mitglied der Gesellschaft.[6] Dies alles dient als Steilvorlage für die extreme Rechte, die dies nur noch zu radikalisieren braucht und die „einfache“ Lösung „Deutschland den Deutschen-Ausländer raus!“ für den vielschichtigen Komplex Migration anbietet.
Migrationsprozesse werden oft in einer Semantik der Gefahren dargestellt mitsamt dazu gehörigen Angstmetaphern. Bedrohungsszenarien in Bezug auf Einwanderung gehören seit Jahrzehnten zur politischen Kultur der Bundesrepublik. Die Politik der extremen Rechten stützt sich in ihrer Propaganda gegen Zuwanderung und eine interkulturelle Gesellschaft auf eine im öffentlichen Diskurs vertretene nationalistische Position. Argumentationsmuster des völkischen Nationalismus, rassistische Stereotype und ethnisierende Zuschreibungen von gesellschaftlichem Konfliktpotential durchziehen die dominanten bürgerlichen Diskurse, in der aktuellen Situation erst recht.
Zu diesen Argumentationsmustern gehört vor allem der Belastung-Topos. Es wird immer wieder betont, dass durch Zuwanderung die „Belastungsgrenzen“, d.h. die „Grenzen der Aufnahmefähigkeit“ oder die „Integrationsfähigkeit“ der „deutschen Bevölkerung“ oder „Deutschlands“ erreicht oder schon überschritten sind. Wo diese „Belastungsgrenzen“ liegen oder wer diese wann und warum festsetzt, wird dabei bewusst offen gelassen. Dieser emotional bestimmte Diskurs in der Migrationspolitik wird seit Jahrzehnten immer wieder von bürgerlichen Politikern zu bestimmten Hochzeiten diskutiert, was natürlich nur den extremen Rechten in ihrer Hetze gegen Migration und interkulturelle Gesellschaft in die Karten spielt. Mit dieser und anderen Argumenten wurde Anfang der 1990er Jahre auch das Asylrecht eingeschränkt und 2015 bzw. 2016 weiter verschärft. Der Sozialwissenschaftler Alexander Häusler bemerkt mit Recht: „Aus diesen Gründen haben wir es beim Rassismus nicht lediglich mit einem Phänomen zu tun, das am rechten Rand zu lokalisieren ist, sondern zugleich mit einem Problem der gesellschaftlichen Mitte.“[7]
Ein Charakteristikum der Flüchtlingsdebatte war und ist die regelmäßige Verwendung einer Wassermetaphorik, die die nach Deutschland kommenden Geflüchteten als bedrohliche, kaum aufhaltbare Naturgewalt veranschaulichte.[8] Typische Komposita waren „Asylantenstrom“, „-flut“, „-welle“ oder „-schwemme“. Die Rede von der „Abschottung“ Deutschlands und „Eindämmung der Flüchtlingsströme“, einem „Dammbruch“ oder von der „Einschleusung“ illegaler Einwanderer nehmen die Wassermetaphorik ebenso auf wie das Bild vom Fass, das überlaufe.
Der antimuslimische Rassismus zeigt sich nicht in Form von wöchentlichen Pegida-Aufmärschen, sondern ist in allen Teilen der Gesellschaft salonfähig geworden. Die Exklusionsmechanismen des antimuslimischen Rassismus schaffen eine Abgrenzung nach außen und eine Identitätsstiftung im Innern. Das „fortschrittliche und aufgeklärte Abendland“ auf der einen Seite, das von sich selbst verkörpert wird, und das „rückständige, primitive Morgenland“ auf der anderen Seite werden quasi als naturgegebener Dualismus betrachtet. Kuhn bezieht sich auf Edward Saids Erörterung des „Orientalism“, dem ein „komplexer Prozess des Fremd- uns Different-Machens, (…) eine dualistische Logik zugrunde liegt: ‚die anderen‘ und ‚das abendländische zivilisierte Selbst‘.“. Spätestens seit der westlichen Aufklärung sieht der „Okzident“ den „Orient“ bzw. „den Islam“ als unterlegen und unterentwickelt an, der der „Zivilisierung“ durch den Westen bedürfe.
Die Ursprünge dieser rassistischen Zuschreibungen muslimischer Menschen finden sich bereits im Umfeld der Kreuzzüge im 11. Jahrhundert. Im Laufe der Jahrhunderte besaßen diese Konstruktionen des antimuslimischen Rassismus immer ihre konjunkturellen Dynamiken. Der heutigen Zeit angepasst wurde nun das alte Feindbild „Islam“ reaktiviert und mit neuen „Thesen“ gefüllt. Das traditionelle Islambild bekam durch die Golfkriege und dem Anschlag am 11. September die neue Komponente des „kriegerischen Islam“.
Die ständige Wiederholung der These, die christlichen europäischen Gesellschaften müssten sich gegen einen immer als fundamentalistisch und monolithisch verstandenen Islam wehren, dient dazu, religiöse Konkurrenzangst zu nationalisieren bzw. zu ethnisieren.[9]. Der Islam wird als existenzbedrohend für die deutsche Gesellschaft und ihre „nationale Identität“ dargestellt. In all diesen Szenarien taucht ein altbekanntes Muster auf; nämlich die Zurichtung der Gesellschaft nach Carl Schmitts Prinzipien der Freund-Feind-Bestimmung[10]: Der totalitäre Islam in seinem Streben nach Weltherrschaft bedrohe das freie christlich-abendländische Deutschland und Europa.

Der Ethnopluralismus, das altbekannte Konzept der extremen Rechten, bekommt in Europa immer mehr Zustimmung. Keineswegs nur bei Migrationsfeinden, Rassisten und Radikalnationalen, sondern in allen Teilen der Gesellschaft, sogar in Teilen der Linken. Der gemeinsame Feind und der Sündenbock ist die „Völkerwanderung“ der Flüchtlinge, die Deutschland und Europa „überschwemmen“.
Seit den 1970er Jahren hat sich unter den extremen Rechten in Westeuropa das Konzept des ‚Ethnopluralismus‘ ausgebreitet Der Philosoph Alain de Benoist gilt als der intellektuelle Kopf dieser Denkrichtung, die alte biologistisch-rassistische Positionen in einem kulturellen Rassismus neu fundiert und auf die Gegenwart bezieht. Schon als Schüler war de Benoist in der 1958 verbotenen rassistischen, antisemitischen und imperialistischen Organisation Jeune Nation. Die Jeune Nation sprach sich für den Kampf gegen Kapitalismus und Kommunismus aus und wandte sich gegen den Verlust der französischen Kolonialherrschaft in Algerien.[11] Während seines Studiums der Philosophie, Soziologie, Geschichte und Verwaltungsrecht an der Sorbonne war Mitbegründer der neofaschistischen Studentenorganisation Fédération des Étudiants Nationalistes (FEN). Der extrem rechte Journalist Dominique Venner forderte bereits Anfang der 1960er Jahre eine ideologische Neuausrichtung der extremen Rechten in Frankreich, was auch de Benoist befürwortete.
Als Gegenreaktion auf die Studentenunruhen im Mai 1968 gründeten extrem rechte Intellektuelle unter maßgeblicher Beteiligung von de Benoist und Venner die extrem rechte Organisation Groupement de Recherche et d’Etudes sur la Civilisation Europeénne (GRECE) (Forschungs- und Studiengruppe über die europäische Zivilisation). GRECE war von Anfang an als elitäre Organisation konzipiert, die zu einer ideologischen Neuausrichtung der extremen Rechten beitragen wollte. Die Ideologie- und Kulturfeindlichkeit sowie kurzfristiges Strategiedenken der Alten Rechten in Frankreich sollten mit der Neugründung überwunden werden. De Benoist vertrat ideologisch einen Neopaganismus, der eine wie auch immer beschaffene polytheistische, indogermanische Ur-Religion postuliert. Diese Positionen fanden sich in der GRECE wieder: die Ablehnung der als „egalitär“ bezeichneten jüdisch-christlichen Religionstradition zugunsten einer neuheidnischen Religiösität, die Propagierung rassistischer Ideen sowie eine ideologische Mystifizierung des Indoeuropäertums zum Ursprung einer angestrebten europäischen Zivilisationsgemeinschaft wurden vertreten. 1978 wurde de Benoist von der renommierten Académie Francaise ausgezeichnet. Der Vordenker von GRECE besitzt eine große Bedeutung für die westeuropäische extreme Rechte. De Benoist ist seit Jahren regelmäßiger Autor in der rechten deutschen Zeitung Junge Freiheit. Seine 1999 auf deutsch erschienene Aufsatzsammlung „Aufstand der Kulturen“ wurden in der Edition Junge Freiheit verlegt.[12]
Der Ethnopluralismus präsentiert sich als ein Denken der Differenz zwischen Menschen. Alain de Benoist bemerkte: „Die Anerkennung der Differenz, sowohl bei einem Einzelnen wie auch bei einem Volk, ist die Anerkennung dessen, was seine Persönlichkeit, seine Identität ausmacht und den Einzelnen/das Volk unersetzlich werden läßt. Die Differenz leugnen heißt, die Menschen für beliebig auswechselbar zu halten.“[13] Durch die Tatsache untereinander verschiedener, vorgeblich in sich relativ einheitlicher menschlicher Kulturen sei die Menschheit als heterogen aufzufassen. Berührungen zwischen ethnisch bestimmten Gruppen lehnt die Neue Rechte prinzipiell ab, da Völker und Nationen durch „Vermischung“ ihre Einzigartigkeit verlören. Sie lehnen auch eine „Weltgesellschaft“ ab. Damit sind angebliche weltweite Vereinheitlichungstendenzen gemeint, die häufig als planmäßiger Vorgang dargestellt und an Organisationen wie den Vereinten Nationen festgemacht werden. Aus der Sicht von Alain de Benoist genießt das Individuum nicht Rechte aus sich selbst heraus; vielmehr werden sie durch Völker zugewiesen. Daher variieren die Rechte des Einzelnen von Volk zu Volk und können nicht weltweit gültig sein.[14] Diese Vorstellung von Kultur unterscheidet sich nur marginal vom biologischen Rassismus, da der Ethnopluralismus nach einer ‚reiner‘ genetischer, kultureller und nationaler Identität aller ‚Völker‘ strebt. Anstelle einer Höhersetzung des eigenen „Volkes“ gegenüber anderen „Völkern“ steht das nationale Selbstbestimmungsrecht und das Nebeneinander der „Völker“.
Vorgegangen wird „nach dem Schema ‚X’ den ‚X’-en“, zum Beispiel „Deutschland den Deutschen“ oder „Grönland, den Grönländern“.[15] Dabei wird fast allen Gruppen das Recht auf einen Staat zugesprochen, nur für Israelis und für US-Amerikaner gilt diese Vorstellung nicht. US-Amerikaner werden „als Eindringlinge gesehen, denen als nicht-authentische Gruppe das Existenzrecht in diesem Staat abgesprochen wird (…) Israel wird nicht als legitimer Staat anerkannt, den Israelis wird kein Ort zugeschrieben, sie sollen ‚raus‘ aus der Ordnung der Welt“. [16] Seltsamerweise gilt diese Zuschreibung nicht für Kanada, Australien oder Neuseeland, wo auch „Eindringlinge“ aus westlichen Staaten die indigene Kultur weitgehend zerstörten und eine „Vermischung“ von Angehörigen aus verschiedenen Staaten stattfand. Der Ethnopluralismus richtete sich gegen die „Fremdherrschaft“ in Europa, also gegen die Weltmächte USA und Sowjetunion, die die „Freiheit der Völker“ durch ihre „egalitaristischen Ideologien“ (Liberalismus, Kommunismus) bedrohen würden. Die „raumfremden Mächte“ sollten vertrieben werden und eine „Nation Europa“ vom Atlantik bis zum Ural geschaffen werden, die ein „Zusammenspiel“ der „europiden Völker“ gewährleisten sollte.[17] Die drei zentralen Punkte des Konzept des Ethnopluralismus sind laut de Benoist: „Wir definieren, daß eine Gesellschaft und ein Volk richtig handeln, wenn sie 1) sich ihrer kulturellen und geschichtlichen Herkunft bewußt bleiben, 2) sich um einen – persönlichen oder symbolischen – Mittler scharen, der fähig ist, Energien zusammenzufassen und als Katalysator des Schicksalswillens zu dienen und 3) den Mut bewahren, ihren Feind zu bezeichnen.“[18]
Die andere und die eigene Kultur sind für de Benoist fest determinierte Wesenheiten. Von daher erhalten die Bewahrung der Tradition und die Erhaltung der Homogenität der erinnerten Geschichte ihre besondere Bedeutung. De Benoist möchte verhindern, dass es eine „Vemischung“ der Lebens und Denkweisen zwischen den „Völkern“ gibt. Hier wird eine „Reinheit“ konstruiert, die alles „Fremde“ aussondert. Reinfeldt und Schwarz stellten fest:„Jedes Volk ist einmalig, jedes Volk ist durch jahrhundertelange, jahrtausendelange Anpassung an seine Umwelt entstanden, weshalb es zu bewahren ist. Jedes Volk hat eine einmalige Kultur hervorgebracht und diese Vielseitigkeit der Menschheit ist auch eine Voraussetzung zum Überleben. Die Vielseitigkeit der Völker sei zu bewahren, weil jedes Volk einen Wert an sich darstelle. Diese postulierte ‚Einmaligkeit der Völker‘ führt zu Praktiken des Einschlusses ,unserer‘ intern gespaltenen und widersprüchlichen Lebensformen in ein homogenes ‚Wir‘ und zum Ausschluss aller ebenso vereinheitlichten ‚Anderen‘.“[19] Daraus folgt eine „existentielle“ Anthropologie, „in der der Mensch darauf reduziert wird, als ein Reflex oder Vollzugsorgan ihm äußerlicher (geschichtlicher) Gesetze zu fungieren, die durch den überpersönlichen politischen Mythos erfunden worden sind. Diese ‚existentielle Anthropologie‘ sieht den Menschen als ewig eingewurzelt in die Geschichte und ‚den Boden‘, auf dem er siedelt. Die Nation ist der geschichtlich-politische Ausdruck dieses Verhältnisses.“[20] Die Nation und das „Volk“ sind der geschichtlich-politische Ausdruck dieser Anthropologie des Ethnopluralismus. Bezugspunkt für de Benoist ist nicht der Einzelne, sondern das Volk, das sich im Laufe der Geschichte durch die Evolution herausgebildet habe.
Für ihn ist der Begriff des Volkes „der wichtigste Begriff, wichtiger als der der Menschheit und auch wichtiger als der des Individuums.“[21] Das „Volk“ sei „mehr als die Addition von Individuen, Völker sind Wesenheiten mit eigener Persönlichkeit“[22] De Benoist benutzt auch explizit den Terminus der „Rasse“: (…) glaube ich, daß es für einen jeden Menschen gut und notwendig ist, auf seine Vorfahren, auf sein Land, auf die Leistungen seiner Rasse stolz zu sein. Ich glaube sogar, daß es für jeden Menschen normal ist, die Kultur, der er zugehört, anderen aus dem alleinigen Grund vorzuziehen, weil es seine Kultur ist und weil er ihr Erbe ist.“[23] Er spricht sich für eine „Rassenphilie“ aus: „(…) es die Vielfalt der Menschheit ist, die deren Reichtum ausmacht, und daß eine Welt, auf der man in beiden Hemisphären dieselben Städte, dieselben Gebäude, dieselben Geschäfte, dieselben Produkte, dieselben Lebensweisen wiederfände, eine unzweifelbar verarmte Welt wäre.“[24] In Anlehnung an Kant fordert er einen „territorialen Imperativ“: „Man weiß zum Beispiel, daß es zwischen den Mitgliedern einer Gruppe keine wohlgeordneten Beziehungen gibt ohne die präzise Festlegung des Territoriums eines jeden. (…) Der territoriale Imperativ“ ist wesentlich defensiv. Seinetwegen wird ein Eindringling stets mit einer größeren Erfolgsaussicht abgewehrt werden als der Gegner in jedem anderen Konflikt. Der Mensch hat einen Territorialinstinkt, und wenn wir unser Heim und unser Vaterland verteidigen, so geschieht dies aus biologischen Gründen; nicht weil wir es tun wollen, sondern weil wir es tun müssen. Die Menschen, wer immer sie seien und wo immer sie leben, sind mit einem Land, mit einem Stück Erde verbunden, das sie als das ihre ansehen; sie sind bereit, für die Erhaltung seiner Unabhängigkeit und seiner Integrität zu kämpfen.“[25]
Der Ethnopluralismus beansprucht für sich, „antirassistisch“ zu sein. Im Gegensatz zu früheren Ideologemen würde er die „Überlegenheit einer Rasse“ und ihrer Kultur, der dieser folgerichtig das Recht zuspricht, eine andere zu unterdrücken, auszubeuten oder zu eliminieren, ablehnen. Der Ethnopluralismus respektiere vielmehr die Gleichwertigkeiten der „Rassen“ und Kulturen. Der von links vertretene Antirassismus habe seinen Ursprung im Universalismus, der durch die These der Gleichheit aller Menschen Unterschiede einebne und somit den Kulturen ihre Identität nehme: „Der ‚universalistische Antirassismus‘ führt mittelbar zum gleichen Ergebnis wie der Rassismus, den er verurteilt. Er ist nämlich ebenso allergisch gegen Unterschiede, erkennt in den Völkern nur ihre gemeinsame Zugehörigkeit zur Art und neigt dazu, ihre besonderen Identitäten als vorübergehend und nebensächlich zu betrachten.“[26] An diesem Argumentationsmuster gab es radikale Kritik. Der französische Philosoph EtienneBalibar spricht in diesem Zusammenhang von einem „Rassismus ohne Rassen“ und eine Transformation der biologistischen in kulturalistische Argumentationsmuster: „Tatsächlich vollzieht sich eine ganz allgemeine Verlagerung der Problematik. Von der Theorie der Rassen bzw. des Kampfes der Rassen in der Menschheitsgeschichte – ganz gleich, ob diese auf biologische oder auf psychologische Grundlagen zurückgeführt werden – wird der Übergang zu einer Theorie der ,ethnischen Beziehungen‘ (…) innerhalb der Gesellschaft vollzogen, die nicht die rassische Zugehörigkeit, sondern das rassistische Verhalten zu einem natürlichen Faktor erklärt.“[27] Herzinger und Stein werfen de Benoist vor, dass er mit seinem Konzept des Ethnopluralismus ein Prinzip der Rassentrennung nach südafrikanischem Vorbild postuliert: „Benoist (hofft), seine Ideologie der Rassentrennung vom Faschismusverdacht befreien zu können. (…) Benoist formuliert in modifizierter Sprache nichts anderes als die wohlvertraute Volkstumsideologie, die seit der politischen Romantik das Kernstück des konservativen deutschen Antiliberalismus gewesen ist. (…) Benoist versteht es jedoch, sein Programm der ethnischen Aufteilung als ,konsequenten Antirassismus‘ auszugeben. (…) Jede Kultur behält ihre Eigenart und würde so lange bestehen, wie sie sich nicht mit fremden Kulturen vermischt. (…) Der Fremde bleibt nur ,anders‘ und somit er selbst, wenn er zu Hause bleibt.“[28]
Der Ethnopluralismus wendet sich gegen das universalistische Denken, das postuliert, Menschen seien ihrem Wesen nach gleich. Der Universalismus soll laut de Benoist für die Vermassung und damit Austauschbarkeit der Individuen verantwortlich zu sein. De Benoist wehrt sich gegen eine Vorstellung, was Individuen und nicht etwa „Völker“ zum Ausgangspunkt politischen Denken und Handelns nimmt.[29] Die hinter dem Universalismus stehende jüdisch-christliche Tradition mit ihrer Betonung der Unantastbarkeit der Würde des je einzelnen Menschen, die sich über alle Kulturen, „Völker“ und Gemeinschaften hinweg als solidarisch innerhalb einer Menschheit versteht, wird als individualistische Ideologie abgelehnt. Die allgemein gültigen Menschenrechte widersprechen diametral dem Ethnopluralismus innewohnenden zentralen Ideen des historisch gewachsenen Volkes, der gemeinsamen Kultur, Sprache und Abstammung. Pluralismusexistiert immer nur zwischen Völkern, keinesfalls darf es zu einem Pluralismus innerhalb eines Volkes kommen. SO nimmt de Benoist die Feindbestimmung Universalismus vor: „Das wesentlichste Gegensatzpaar heißt heute nationale Identität versus Entfremdung, Ethnopluralismus gegen One-World-Ideologie.“ Die Nouvelle Droite greift einen Jahrhunderte alten Disput zwischen Nominalisten und Universalisten auf. Während es für die Universalisten Allgemeines gibt, das dem Einzelnen vorausgeht und es umschließt, bestreiten Nominalisten, dass universelle Begriffe eine Realität widergeben, sondern nur nachträgliche Namen (Nomina) sind. Nominalisten behaupten, es gebe nicht „die Menschheit“, sondern nur einzelne Menschen.
De Benoist und die Nouvelle Droite übernimmt diese Kritik am Universalismus, um ihren Kampf gegen die Moderne und alle Universalismen, insbesondere christliche Ethik, Sozialismus, Marxismus, und die Ideale der Französischen Revolution zu führen.[30] Jean-Yves Le Gallou, Aktivist der Nouvelle Droite behauptete: „Eine ,universelle Logik‘, die für alle Menschen als vernünftige Wesen gültig wäre, gibt es nicht. Universelle Wertsysteme sind zu verwerfen. Etwas ist gut, wahr, schön nur für den Menschentyp, dessen ,ethnischem Substrat‘, psychischem Zustand, genetischer Zusammensetzung sowie sozialer und rassischer Umwelt es entspricht. (…) Jedem ,ethnischen Substrat‘ entspricht eine eigene Logik, eine eigene Weltsicht.“[31] Zu den wesentlichen Merkmalen der Ideologie der Nouvelle Droite zählt auch die grundsätzliche Kritik an der Vorstellung der Existenz universeller Menschenrechte.[32] Allgemeine Menschenrechte seien für die Zerstörung aller Kulturen verantwortlich, da „diese Ideologie (…) unter der Maske der Toleranz und Großzügigkeit zur Vernichtung der Völker und Kulturen führt.“ Ihnen gegenüber gelte es „die Rechte der Völker“ zu verteidigen, die jedes von ihnen auf spezifische Weise und eingebettet in einen kulturellen Kontext formulieren müsse. Der Gegner ist für de Benoist der bürgerliche Liberalismus und seine Ausprägung in den USA. De Benoist behauptete: „Liberalismus, das ist Ausstieg aus der geschichte, Verfall der Politik, Einebnung aller Grenzen und Unterschiede.“[33] De Benoist bezeichnete denLiberalismus als „kaufmännische“ Gesellschaftsform, die er von der „organischen“ unterschied.[34]
Der Liberalismus wirke als „Sinnzerstörer“ einer Gesellschaft, indem er sich „kulturellen“ und „nationalen“ Werten entgegenstelle: „Was ist heute die Hauptbedrohung? Es ist das fortschreitende Verschwinden der Vielgestaltigkeit der Welt. Die Nivellierung der Menschen, die Reduktion aller Kulturen auf eine „Weltzivilisation“ baut auf dem auf, was am allgemeinsten und gewöhnlichsten ist. (…) Von Holiday Inn bis zu Howard Johnson kann man die Konturen einer einförmig grauen Welt sich abzeichnen sehen. (…) Die Freude, die man auf einer reise empfindet, liegt darin, verschiedene, noch verwurzelte Lebensweisen zu sehen. Sie liegt darin, andere Völker nach ihrem eigenen Rhythmus leben zu sehen, Völker, die eine andere Hautfarbe, eine andere Kultur, eine andere Mentalität haben, und die auf ihre Verschiedenheit stolz sind. Ich glaube, daß diese Vielgestaltigkeit den Reichtum der Welt ausmacht und daß der Egalitarismus dabei ist, sie zu töten.“[35] Er wendet sich gegen die Menschenrechte: „Wenn der Begriff der Menschenrechte ein rein westlicher ist, kann kein Zweifel bestehen, daß seine globale Verallgemeinerung eine Einmischung von außen darstellt, eine andere Art der Bekehrung und Beherrschung, eine Fortsetzung also des kolonialen Syndroms.“[36]
Er lehnte die Gleichheit aller Menschen ab: „Ich nenne hier –aus reiner Konvention – die Haltung rechts, die darin besteht, die Vielgestaltigkeit der Welt und folglich die relativen Ungleichheiten, die ihr notwendiges Ergebnis sind, als ein Gut und die fortschreitende Vereinheitlichung der Welt, die durch den Diskurs der egalitären Ideologie, der seit zweitausend Jahren gepredigt und verwirklicht wird, als ein Übel anzusehen. Individualismus wäre nur als „Akt der Teilnahme im Leben eines Volkes“ denkbar: „Im einen Fall ist die Menschheit die Summe aller Individuen, in jedem besonderen menschlichen Wesen gleichermaßen repräsentiert: man ist zunächst , Mensch‘ und erst in zweiter Linie, wie zufällig, Angehöriger einer bestimmten Kultur oder eines bestimmten Volkes. Im anderen Fall ist die Menschheit nur die Gesamtheit der Kulturen und Volksgemeinschaften: das Individuum ist lediglich bestimmt durch seine organische Zugehörigkeit zu ihr. (…) Der Einzelmensch besteht (…) nur in Verbindung mit den Gemeinschaften, in die er eingeschlossen ist (und bezüglich derer er sich als Einzelmensch abhebt). Jede individuelle Tätigkeit stellt also einen Akt der Teilnahme im Leben eines Volkes dar. Dem Interesse des Einzelnen kommt, an sich, keine Wertschätzung zu.“[37]
Er lehnte die Gleichheit aller Menschen ab: „Ich nenne hier –aus reiner Konvention – die Haltung rechts, die darin besteht, die Vielgestaltigkeit der Welt und folglich die relativen Ungleichheiten, die ihr notwendiges Ergebnis sind, als ein Gut und die fortschreitende Vereinheitlichung der Welt, die durch den Diskurs der egalitären Ideologie, der seit zweitausend Jahren gepredigt und verwirklicht wird, als ein Übel anzusehen.“[38] Das Individuum sei dagegen durch „seine organische Zugehörigkeit zur „Volksgemeinschaft“ bestimmt: „Es gibt nämlich zwei Arten, den Menschen und die Gesellschaft zu betrachten. Entweder wird der fundamentale Wert auf das Individuum gelegt (…): das ist die christlich, bürgerliche, liberale und sozialistische Idee. Oder der fundamentale Wert sind die Völker und Kulturen, wesentlich plurale Begriffe, die eine ,holistische‘ Erklärung der Gesellschaft begründen. Im einen Fall ist die Menschheit die Summe aller Individuen, in jedem besonderen Menschen gleichermaßen repräsentiert: man ist zunächst Mensch und erst in zweiter Linie, wie zufällig, Angehöriger einer bestimmten Kultur oder eines bestimmten Volkes. Im anderen Fall ist die Menschheit nur die Gesamtheit der Kulturen und Volksgemeinschaften: das Individuum ist lediglich bestimmt durch seine organische Zugehörigkeit zu ihr. (…) Was das liberale Wirtschaftssystem einzig und allein hervorzubringen vermag, ist eine Gesellschaft, die den egalitären Ideen folgt: Ausstieg aus der Geschichte, Verfall der Politik, Einebnung aller Grenzen und Unterschiede.“[39] Laut de Benoist würde der Universalismus und der Liberalismus zum „Ethnozid, das heißt zum Verschwinden der Ethnien als Ethnien führen.“[40]
Die Nationalstaaten Europas seien durch eine gemeinsame Kultur und Geschichte von der Zeit der Jäger und Sammler bis in die Gegenwart miteinander verbunden. Das friedliche Zusammenleben sei nur dann gewährleistet, wenn jede Nation sich in einem Gebiet kulturell frei entfalten kann und eine Selbstverwaltung vorhanden sei. Auch innerhalb eines Staates könnten verschiedene Völker, die „lang eingesessen und damit territorial verwurzelt sind“, neben- und miteinander leben. Wenn dagegen durch Immigration neue Minoritäten entstehen, würden die Einwanderer stets als Bedrohung wahrgenommen werden.
Der Ethnopluralismus transportiert ein klares Freund-Feind-Denken in der Tradition des deutschen antidemokratischen Staatsrechtlers Carl Schmitt. Das Schwarz-Weiß-Denken ist in der Regel verknüpft mit Stereotypen und Vorurteilen, als Folge von Vereinfachungen. Komplexität wird reduziert durch eine scheinbar einfache Logik. In seiner Schrift „Der Begriff des Politischen“ stellt Carl Schmitt fest, dass„das Politische“ die unüberholbare Voraussetzung aller politischen und staatlichen Handlungen bedeutet. Für ihn verfügt „das Politische“ über eigene, spezifisch politische Kategorien, die relativ losgelöst sind von Ökonomie, Moral und Ästhetik: „Die spezifisch politische Unterscheidung, auf welche sich die politischen Handlungen und Motive zurückführen lassen, ist die Unterscheidung von Freund und Feind.“[41] In seinem Freund-Feind-Denken hält Schmitt nur Gruppen von Menschen oder Völker für mögliche Akteure des Politischen.
Wie Schmitt geht de Benoist von der Bejahung des Politischen aus, d.h. von der Prämisse, dass Politik wesenhaft aus Konflikten besteht. Seine Wunschvorstellung ist eine „identitäre Demokratie“, das die Verschmelzung von Regierenden und Regierten beinhaltet. Nach diesem Modell soll ein mit weitreichenden Vollmachten ausgestatteter (männlicher) Präsident den einheitlichen Volkwillen verkörpern, während dem Parlament Vollmachten entzogen werden. De Benoist trifft auch eine Freund-Feind-Unterscheidung: „Für mich ist der Feind demnach nicht ,die Linke‘ oder ,der Kommunismus‘ oder die ,Subversion‘, sondern vielmehr jene Gleichheitslehre, deren geistliche oder weltliche, metaphysische oder angeblich ,wissenschaftliche‘ Formulierung seit zweitausend Jahren ununterbrochen blühen, für die jene ,Ideen von 1789‘ nur eine Zwischenstufe darstellen, während die gegenwärtige Subversion und der Kommunismus ihre unvermeidliche Endstufe signalisieren.“[42]
De Benoist bezog sich in seinem Deutungsmuster auch auf die Ideologien von Julius Evola und Arnold Gehlen. Julius Evola (1898-1974) war ein italienischer Kulturphilosoph und metaphysischer Rassentheoretiker, der mit dem faschistischen Italien unter Mussolini sympathisierte. In seinem 1928 erschienenen Buch Imperialismo pagano (Heidnischer Imperialismus) plädierte er für einen hierarchisch aufgebauten Führerstaat und einem Reich nach dem Vorbild des antiken Römischen Reiches.[43] Er vertrat antichristliche und antisemitische Vorstellungen und neigte zu transzendentalen mythischenAuffassungen von der Ausformung eines göttlichen Menschen. Evola sah die „Rasse“ in einem transzendentalen Sinn als Kultur, Elite und Aristokratie an und forderte einen „Rassismus des Geistes und der Seele“.[44] In seiner 1936 veröffentlichten Schrift Drei Aspekte der Judenfrage erteilte er einer „vagen rassischen“ Definition des „Arier“-Begriffs eine Absage. Stattdessen definierte er „Ariertum“ als „positive und universelle“ Idee, die sich im „Göttlichen“, in der „religiösen Verehrung und Empfindung“ sowie in ihrer „Weltsicht“ gegen die „semitischen Zivilisationen“ und insbesondere die Juden richtet.[45]n Von 1931 an unterhielt Evola Beziehungen zur antidemokratischen Konservativen Revolution und zur SS. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Evola zum Vordenker des neofaschistischen Movimento Sociale Italiano (MSI), aus dem die spätere terroristische Organisation Ordine Nuovo hervorging. Seit den frühen 1980er Jahren wurde Evola Ideengeber für die metapolitisch eingestellte europäische Neue Rechte.
Laut Arnold Gehlen ist das menschliche Dasein durch die biologische Evolution, Rasse und Instinkte geprägt und vorherbestimmt.[46] Dabei wird davon ausgegangen, dass nicht nur die körperlichen Merkmale genetisch determiniert sind, sondern auch die meisten der nichtkörperlichen Eigenschaften. Der Mensch schafft sich zwar eine Kultur, ist dabei aber an die Grenzen seiner biologischen Konditionierung gebunden. Der Mensch habe nur die Möglichkeit, sich innerhalb der biologischen Voraussetzungen eine Kultur zu schaffen. Entspricht diese Kultur nicht den biologischen Naturgesetzen, führe das laut Gehlen zu destruktiver Gewalt, psychischen Störungen und Kriminalität.[47]
Laut der ethnopluralistischen Ideologie sei ein Zusammenleben unterschiedlicher ethnischer Gruppen grundsätzlich abzulehnen. Der Zuzug von Migranten müsse verhindert werden oder auf ein Minimum beschränkt werden. Die als Nicht-Franzosen konnotierten Menschen müssten Frankreich verlassen und wohin auch immer abgeschoben werden. Die Sicherung der „nationalen Identität“ führt dazu, dass de Benoist „Einwanderung eindeutig verdamme“.[48]
Die Migration von Nicht-Europäern vornehmlich nach Westeuropa „widerspreche den Naturgesetzen, da sie einerseits die Migranten ihrem natürlichen Lebensraum entwurzele und andererseits durch Migration die „biologische Substanz der Völker“ gefährdet“ werde. De Benoist führt weiter aus: (…) Ein Volk, das sich dauerhaft mit Menschen anderer Kulturen mische, werde langfristig sterben. (…) Alle Soziologen wissen, daß, wenn zwei Populationen zusammenleben, die sich vom ethnisch-kulturellen Gesichtspunkt aus deutlich unterscheiden, sobald eine gewisse Schwelle überschritten wird, daraus Schwierigkeiten aller Art resultieren: Diskriminierung, Segragation, Kulturverlust, Straffälligkeit etc. Es versteht sich von selbst, daß diese Schwierigkeiten allen betroffenen Gesellschaften tiefgehenden Schaden zufügen.“[49]
Die Ideen des Ethnopluralismus wurden vor allem von der deutschen Neuen Rechten übernommen.[50] Die Neue Rechte ist eine Strömung innerhalb der extremen Rechten in der Bundesrepublik. Die Idee einer Neuen Rechten findet heute vor allem im Umkreis der Wochenzeitung „Junge Freiheit“, der Monatsschrift „Sezession“, der Schriftenreihe „Antaios“, des „Instituts für Staatspolitik“ und des Onlinemagazins „Blaue Narzisse“ Niederschlag.Viele jüngere, akademisch gebildete Akteure, die im postfaschistischen Deutschland aufgewachsen und auch durch dieses geprägt sind, fühlen sich durch die rückwärtsgewandten Ideologien des traditionellen Rechtsextremismus nicht mehr vertreten; sie fordern eine stärkere Theoriebildung ein und gehen auf Distanz zur Verklärung des Dritten Reiches.[51]
Die rechte Zeitung Junge Freiheit (JF) beruft sich auf das Konzept des Ethnopluralismus, de Benoist war dort regelmäßiger Autor.[52] Die Junge Freiheit deckt das für politisch-kulturell orientierte Wochenzeitungen übliche Themenspektrum ab. Die Titelseite kommentiert aktuelle Ereignisse aus Autorensicht. Es folgen die Rubriken Meinung, Im Gespräch, Politik, Wirtschaft & Umwelt, Hintergrund, Kultur, Literatur, Geschichte & Wissen, Forum, Leserforum, Zeitgeist & Medien. Das Online-Archiv enthält sämtliche Artikel ab April 1997. Die Seite „Im Gespräch“ enthält jeweils ein Interview mit einer Person der Zeitgeschichte. Dabei beziehen sich diese Interviews und weitere Artikel der Folgeseiten oft ebenfalls auf Tagesthemen der Titelseite, so dass Kommentare dazu ein großes Gewicht erhalten.
2000 gründeten die regelmäßigen Autoren Götz Kubitschek und Karlheinz Weißmann das Institut für Staatspolitik (IfS), das bis 2009 eng mit der Zeitung zusammenarbeitete. Seit April 2003 gibt das IfS die Zeitschrift Sezession und die Wissenschaftliche Reihe sowie seit 2011 die Berliner Schriften zur Ideologienkunde heraus. Bis Ende 2006 erschien die Sezession als Vierteljahresperiodikum, seit der Nummer 16 vom Februar 2007 im Zweimonatsrhythmus. 2009 wurde die Website der Zeitschrift zum Internetportal erweitert. Die Zeitschrift hat nach eigenen Angaben 2.600 Abonnenten. Karlheinz Weißmann fungierte bis Sommer 2014 als „wissenschaftlicher Leiter“ des Instituts, gemeinsam mit Geschäftsführer Erik Lehnert, der seit Weißmanns Ausscheiden aufgrund inhaltlicher Differenzen alleiniger Leiter ist.
Da für einen angestrebten politischen Sturz des parlamentarischen Systems zurzeit keine historischen Gegebenheiten, wie eine Massenbewegung vorhanden sind, besteht der wichtigste taktische Ansatz der JF in dem Anspruch, „Diskurshoheit“ in gesellschaftlichen Debatten und kulturelle Hegemonie zu erringen.[53] Sie will damit in der Mitte der Gesellschaft hineinwirken und dort ihre Thesen etablieren. Sie hat den Anspruch, Diskurshoheit in gesellschaftlichen Debatten und kulturelle Hegemonie zu erringen. Erst wenn die Meinungsführerschaft errungen sei, könnten extrem rechte Parteien erfolgreich sein und die rechte Stimmung in Wahlanteile, Parlamentssitze und Regierungsverantwortung ummünzen.[54] Dabei unterstützt die Junge Freiheit die Pegida-Aufmärsche publizistisch, Götz Kubitschek trat dort sogar als Gastredner auf. Dort sieht die Junge Freiheit einen Anknüpfungspunkt zur Verwirklichung ihrer ideologischen Weltbilder.
Der Forscher Helmut Kellershohn vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) sah die Redakteure der Jungen Freiheit 1994 als „Exponenten einer breiten Strömung im Übergangsfeld zwischen Rechtsextremismus und Rechtskonservatismus“. 2007 konstatierte er, die Junge Freiheit versuche durch Themenwahl und Themenbeschreibung bisher als „konservativ“ geltende politische Positionen allmählich in Richtung eines „völkischen Nationalismus“ zu verschieben und diesen als konservative Normalität auszugeben.[55]Armin Pfahl-Traughber beschreibt die Junge Freiheit seit 1999 als Bestandteil der Neuen Rechten, die er als intellektuellen, heterogenen Teil der extremen Rechten einordnet. Sie strebe eine „Erosion der Abgrenzung“ zwischen demokratisch-konservativen, rechtsradikalen und rechtsextremen Positionen an, die rechtsextreme Positionen aufwerte, sie bekannter mache und so objektiv dazu beitrage, „Konzeptionen einer populistischen Stimmungsdemokratie mit einem starken Mann an der Spitze durchzusetzen“.[56]
Der Berliner Politikwissenschaftler Richard Stöss bezeichnet den Ethnopluralismus als Neorassismus, der eher als der traditionelle biologische Rassismus geeignet sein könnte, die Bedürfnisse breiterer sozialer Schichten nach Orientierung, Identität und Schutz in einer Situation des raschen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchs zufrieden zu stellen.[57] Die Ideologie des Ethnopluralismus will eine „nationale Identität“ ohne Bezugnahme auf den klassischen Rassismus rechtfertigen und dafür auch noch ein humanitäres Anliegen in Anspruch nehmen.[58]
Der Ethnopluralismus ist ein Ideologiemuster zur Rechtfertigung eines rassistischen Weltbildes, wo Einwanderung als bedrohlich und zersetzend für die „eigene Kultur“ angesehen wird.[59] Die räumliche Segregation nach „Rassen“ oder „Völkern“ besitzt den Charme des längst vergangenen Regimes der Apartheid in Südafrika. Rassistische Weltbilder werden auf diese Weise modernisiert und als Normalität ausgegeben.
Es ist in der Menschheitsgeschichte ein nie dagewesenes Phänomen, dass sich bestimmte Kulturen strikt voneinander unterscheiden und ein wechselseitiges Verständnis ausschließen.[60] Das Konzept des Ethnopluralismus ermöglichtdie Legitimationsfunktion für die Trennung von „Rassen“, „Völker“ und „Kulturen“.[61] Dies ist ein Versuch, die die zugehörigen Moral- und Rechtsvorstellungen gesondert zu betrachten. Die Menschenrechte wären nicht länger allgemein gültig, sondern ein von einer Minderheit entwickeltes Konstrukt, das anderen aufgezwungen wird.[62]

Vergessen scheint, dass Deutschland seit Jahrhunderten ein Ein- und Auswanderungsland ist und der kulturelle Austausch von Einheimischen und Neuansiedlern eine ständige Konstante war. Die kulturelle Entwicklung in Deutschland war niemals statisch, sondern immer in einem dynamischen Prozess.
Die Einwanderungsgeschichte in der BRD begann kurz nach deren Gründung 1949: Im Jahre 1955 hatte Deutschland ein Anwerbeabkommen mit Italien und der Türkei, 1960 mit Spanien und Griechenland geschlossen. Diese Abkommen dienten dazu, ausländische Arbeitnehmer zur Arbeit in Deutschland zu gewinnen. „Gastarbeiter“ war damals der gängige Terminus.[63] Gedacht war daran, dass die Arbeitskräfte nur eine begrenzte Zeit in Deutschland bleiben und danach in ihre Heimatländer zurückkehren. Weitere Anwerbeabkommen wurden noch mit Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und Jugoslawien (1968) geschlossen.[64] Da die Arbeitsverträge zunächst befristet waren, kamen viele Arbeitskräfte ohne Familie. Erst mit der zunehmend längeren Aufenthaltsdauer wurden auch Familien nachgeholt.
Die überwiegend männlichen, jungen Angeworbenen lebten damals ohne Familienangehörige in Baracken oder Sammelunterkünften. Sie arbeiteten meist in der Industrie auf Stellen, die wegen des relativen Überhanges an Arbeitsplätzen und des steigenden Anspruchsniveaus einheimischer Arbeitnehmer immer seltener mit diesen besetzt werden konnten. Sie halfen mit dabei, dass Westdeutschland sich wirtschaftlich stabilisierte und übernahmen die Arbeiten, für die sich kein deutscher Arbeitnehmer fand.
Die „Gastarbeiter“ übernahmen während des Wirtschaftswunders, aber auch in Zeiten der Rezessionen wichtige Ersatz-, Erweiterungs- und Pufferfunktionen. Denn zumindest theoretisch galt das „Rotationsprinzip“: Einem temporären Arbeitsaufenthalt sollte die Rückkehr in das jeweilige Herkunftsland folgen. Die Ausländerbeschäftigung war in dieser Phase an den Bedürfnissen von Wirtschaft und Arbeitsmarkt ausgerichtet.
Der Anwerbestopp von 1973 stellte dann die ausländischen Arbeitskräfte, die nicht aus einem Land der damaligen EWG stammten, vor die Entscheidung, entweder zurückzukehren oder sich auf einen längerfristigen Aufenthalt einzurichten und die Familie nachzuholen. Der Familiennachzug nach dem Anwerbestopp konnte die Rückwanderung nahezu kompensieren, so dass die Zahl der ausländischen Bevölkerung nur leicht rückläufig war. Deutlich zurückgegangen war hingegen die Zahl der ausländischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von 2,5 Millionen im Jahr 1973 auf 1,6 Millionen im Jahr 1985. Gleichzeitig ging die Erwerbstätigenquote der ausländischen Bevölkerung deutlich zurück. Anfang und Mitte der 1980er-Jahre fiel die Zuwanderung gering aus, Anfang der 1980er-Jahre war die Wanderungsbilanz sogar leicht negativ.
Bis sich die Erkenntnis und vor allem die politische Anerkennung in gewissen Teilen der deutschen Bevölkerung durchsetzten, dass Ausländer nicht nur befristet in Deutschland leben, sondern inzwischen hier ihren Lebensmittelpunkt haben, Deutschland also ein Einwanderungsland ist, hat es lange gedauert. Die erste rot-grüne Bundesregierung hat sich in der 14. Wahlperiode (1998-2002) die Zähne daran ausgebissen. Die längst überfälligen Schritte zu einer institutionellen Wende wurden aber eingeleitet.[65]
Die zuvor im Bundesministerium für Arbeit und Soziales angesiedelten Ausländerbeauftragten wurden zu Staatsministerinnen im Bundeskanzleramt und bekamen die Aufgabe, sich um die Integration der hier lebenden Migranten und Flüchtlinge zu kümmern.
Integration funktioniert vor allem deshalb nicht von allein, weil die in Deutschland West und in Deutschland Ost lebenden Ausländer über Jahrzehnte hinweg gar nicht integriert werden sollten. Ihr Aufenthaltstatus wurde als temporär angesehen und daher gehörte die Integration oder gar so etwas wie interkulturelle Bildung nicht zu den Kernaufgaben. Wobei Integration nicht als bloße Assimilation verstanden werden darf, sondern ein gegenseitiger, auf gleicher Augenhöhe bestehende Austausch.[66]
Die Migranten der deutschen Einwanderungsgesellschaft sind nicht allein so genannte Gastarbeiter, ihre Kinder und Kindeskinder. Ebenso dazu gehören Flüchtlinge und Asylsuchende, Spätaussiedler, ausländische Studierende sowie Menschen aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Zuwanderinnen und Zuwanderer können nicht über einen Kamm geschoren werden, sie haben sehr unterschiedliche Biografien, Ausbildungen, politische, gesellschaftliche und religiöse Prägungen. Insofern ist Integrationspolitik eine komplexe Aufgabe und mindestens ebenso herausfordernd ist die interkulturelle Bildung.
Von 1950 bis Mitte der 80er-Jahre übersiedelten etwa 1,5 Mio. Aussiedler in die Bundesrepublik – abgesehen von einem kurzen Hoch 1957/58 relativ gleichmäßig über die Jahre verteilt. Gegen Ende des Jahrzehnts stiegen die Aussiedlerzuzugszahlen – parallel zu jenen von Asylsuchenden – stark an.[67] Ab Sommer 1989/90 trugen ferner die zahlreichen deutsch-deutschen Übersiedler aus Ostdeutschland zu einer hohen Gesamtzahl an Einwanderern bei. Dies sorgte für politischen Diskussionsstoff im „De-facto-Einwanderungsland“ der Bundesrepublik Deutschland. 1990 reisten fast 400.000 Aussiedler bzw. ihre Familienangehörigen ein.
In der Asyldebatte 1992/1993 wurde daher die Forderung nach einer Quotierung der Gesamteinwanderungszahl laut. Das hatte auch Konsequenzen für die Aussiedlermigration: pro Jahr sollten nicht mehr als 200.000 bis 220.000 von ihnen einwandern. In den letzten Jahren haben sich die Zuzugszahlen weiter verringert. Im Jahr 2000 wurde das jährliche Kontingent nochmals halbiert.[68] Seither ist die Spätaussiedlermigration fast zum Erliegen gekommen: 2006 siedelten weniger als 8.000 Menschen nach Deutschland aus.
Angesichts zunehmend ähnlicher Probleme bei der Integration in den Bildungs- und Arbeitsmarkt sind Spätaussiedler mit anderen Neuzuwanderern gleichgestellt und werden im 2007 erarbeiteten Gesamtintegrationsprogramm der Bundesregierung berücksichtigt. Ein Ausdruck dieser Entwicklung sind die für alle Neuzuwanderer seit dem 1. Januar 2005 einheitlichen Integrationskurse.
Das größte Problem der Diskussion um Zuwanderung und Integration ist, dass es in erster Linie eine Defizitdebatte ist.[69] In den Blick genommen werden Defizite bei den Zuwanderern, hier werden besonders mangelnde Sprachkenntnisse in den Blick genommen sowie Defizite in der Mehrheitsgesellschaft und ihren Institutionen, die zu wenig auf die veränderte Bevölkerungszusammensetzung reagieren. Auch wenn es unbestritten notwendig ist, die Defizite zu benennen, verstellt diese Debatte oftmals die Chancen des Zusammenlebens, des gegenseitigen Kennenlernens und der Verständigung.
In seiner Stellungnahme „Interkulturelle Bildung – eine Chance für unsere Gesellschaft“ aus dem Jahr 2007 plädiert der Deutsche Kulturrat für einen Perspektivenwechsel von der Defizit- zur Potenzialperspektive. Es wird unterstrichen, dass die interkulturelle Bildung das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen fördert. Interkulturelle Kompetenz wird in diesem Zusammenhang als Ziel der Allgemeinbildung verstanden und nicht allein den Künsten zugewiesen.
In seiner Stellungnahme beschreibt der Deutsche Kulturrat interkulturelle Bildung so: „Interkulturelle Bildung ist auf der Seite des Individuums diejenige Fähigkeit, die die gesellschaftlich vorhandene kulturelle Vielfalt produktiv zu bewältigen gestattet. Zur politischen, juristischen und sozialen Dimension von kultureller Vielfalt kommt daher eine pädagogische Dimension. Sie ist insbesondere unverzichtbar für jedes Land, das wie Deutschland durch den internationalen Handel von Dienstleistungen und Gütern stark in den wirtschaftlichen Globalisierungsprozess eingebunden ist. Ziel ist daher auch, die Menschen in Deutschland so auszubilden, dass sie sich im Inland in internationalen Unternehmen bewähren, und im Ausland integrieren und dort erfolgversprechend arbeiten können.“[70]
Entscheidend ist dabei, dass interkulturelle Bildung nicht nur dazu dienen soll, den Zuwanderern die Integration in die Mehrheitsgesellschaft zu erleichtern, sondern vielmehr als eine permanente Aufgabe für jeden in einer globalisierten Welt betrachtet wird.[71] Gerade daher wird die interkulturelle Bildung als eine gesamtgesellschaftliche Querschnittsaufgabe verortet. Ein Exportland wie Deutschland ist in besonderer Weise darauf angewiesen, dass die Menschen interkulturell gebildet sind. Insofern ist interkulturelle Bildung auch nicht nur nachholende Integration sondern ebenso der Schlüssel für eine erfolgreiche Wirtschaft in der globalisierten Welt.
Ausgangspunkt der interkulturellen Bildung ist die Kulturkontaktthese, die besagt, dass das gemeinsame Leben von Menschen unterschiedlicher Kultur einen Lernprozess bei allen Beteiligten auslöst. Durch das Erkennen von Unterschieden und Gemeinsamkeiten können eigene bis dahin nicht hinterfragte Positionen überdacht werden und gegebenenfalls neue Lösungsstrategien erkannt werden. Dabei geht die interkulturelle Erziehung davon aus, dass alle Kulturen gleichberechtigt nebeneinander bestehen und der Lernprozess auf allen Seiten stattfinden kann.
Diesem Ansatz liegt ein dynamischer Kulturbegriff zu Grunde: Kultur wird hier als etwas verstanden, was ständig im Entstehen begriffen ist, nicht statisch verfestigt ist, sondern im Gegenteil durchlässige Strukturen entfaltet. Entscheidendes Moment dieses Entstehungsprozesses ist dabei die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen in dem oben beschriebenen Sinne. Insofern greift eine häufig angetroffene Vorstellung von interkultureller Pädagogik als einer „Ausländerpädagogik“ entschieden zu kurz. In den Schulen sind Mitschülerinnen und Mitschüler aus anderen Kulturen, insbesondere solche mit Migrationshintergrund, zwar Träger einer von der vorgefundenen unterschiedlichen Kultur; grundsätzlich aber handelt es sich um einen generellen pädagogischen Ansatz, der jegliche Differenz zwischen Menschen (also auch Geschlechterdifferenz, soziale Differenz, intellektuelle Differenz usw.) zum Gegenstand der produktiven Auseinandersetzung macht. Dieses Verständnis von Kultur steht in komplementärem Gegensatz zu dem politisch rechten Begriff der (deutschen) Leitkultur.
Die Basis für erfolgreiche interkulturelle Kommunikation ist emotionale Kompetenz und interkulturelle Sensibilität.[72]
Interkulturell kompetent ist eine Person, die bei der Zusammenarbeit mit Menschen aus ihr fremden Kulturen deren spezifische Konzepte der Wahrnehmung, des Denkens, Fühlens und Handelns erfasst und begreift. Frühere Erfahrungen werden so weit wie möglich frei von Vorurteilen miteinbezogen und erweitert, während gleichzeitig eine Haltung der Offenheit und des Lernens während des interkulturellen Kontakts notwendig ist.
Interkulturelle Kompetenzen werden nicht von feststehenden Kulturen aus definiert, sondern beziehen sich gerade auf kulturelle Differenzen, die in unterschiedlicher Weise in jeder Gruppe von Menschen vorkommen. In der Regel ist immer von Mischformen auszugehen.[73]
Und auch in den kulturellen Einrichtungen selbst spielt interkulturelle Bildung eine zunehmend wichtigere Rolle.[74] Beispiele hierfür sind Modellvorhaben wie „Kunst-Code“ der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen. In diesem Projekt wurden Vorhaben der interkulturellen Bildung in Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen evaluiert.[75]
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Spiel + Theater hat in einem Projekt eine Bestandsaufnahme der Theaterarbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund vorgelegt. Das Institut für Bildung und Kultur setzt einen Schwerpunkt im Bereich der Kulturarbeit mit älteren Menschen und hat hier das Vorhaben „Polyphonie: Stimmen der kulturellen Vielfalt“ durchgeführt. Hier sollen kulturelle Begegnungen von Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte im Ruhrgebiet geschaffen werden. Aber auch die Bibliotheken sind beispielsweise bereits seit vielen Jahren ohne viel Aufhebens im Bereich der interkulturellen Bibliotheksarbeit aktiv. Sie halten Literatur zum Deutsch lernen ebenso bereit wie Ratgeber im Umgang mit deutschen Behörden sowie dem deutschen Recht. Ebenfalls wird fremdsprachige Literatur angeboten. In anderen künstlerischen Bereichen gibt es ebenfalls zahlreiche Beispiele einer selbstverständlichen interkulturellen Bildung.
Während außerschulische Kultur- und Bildungseinrichtungen mittels attraktiver Angebote um Teilnehmende werben müssen, ist der Schulbesuch für alle Kinder und Jugendlichen im Schulalter Pflicht. Die Schule bietet daher in besonderer Weise die Chance, Kinder und Jugendliche zu erreichen, die außerschulische Angebote nicht wahrnehmen. In der Schule werden alle Kinder und Jugendlichen erreicht.[76]
Daher eignet sich die Schule besonders gut als Ort für Angebote interkultureller Bildung, die sowohl in den künstlerischen Schulfächern (Darstellendes Spiel, Kunst und Musik) aber auch darüber hinaus in anderen Fächern angesiedelt sein können. Dabei sollte insbesondere der Ethik- und Religionsunterricht zur Vermittlung interkultureller Bildung genutzt werden.
Die interkulturelle Schulentwicklung ist eine gemeinsame Aufgabe aller Lehrerinnen und Lehrer, der Erzieherinnen und Erzieher, der Schülerinnen und Schüler sowie der Eltern. Eine solche Schulentwicklung setzt eine entsprechende Aus- und Weiterbildung des pädagogischen Personals voraus.
Im Rahmen des bereits erwähnten Projektes „Strukturbedingungen für eine nachhaltige interkulturelle Bildung“ hat der Deutsche Kulturrat einen Runden Tisch mit Migrantenorganisationen ins Leben gerufen. Dieser Runde Tisch hat sich im Jahr 2010 besonders mit Fragen der interkulturellen Bildung in Kindertageseinrichtungen sowie der Schule befasst. Gemeinsam mit Migrantenverbänden wurde die Stellungnahme „Lernorte interkultureller Bildung im vorschulischen und schulischen Kontext“ verabschiedet.
Auch hier wird unterstrichen, dass es um die Entwicklung von interkulturellen Kompetenzen des pädagogischen Personals gehen muss. Darüber hinaus wird die Wertschätzung und gleichberechtigte Auseinandersetzung mit der Vielfalt der Kulturen, Traditionen und künstlerischen Einflüssen der Zuwanderer eingefordert. Diese Vielfalt sollte sich auch in den Curricula widerspiegeln. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Mehrsprachigkeit gerichtet. Mehrsprachigkeit der Kinder wird als Chance gesehen und ihre Förderung in Schulen und Kindertageseinrichtungen eingefordert.
Aber auch Deutsche oder Deutschstämmige leben in fast allen anderen Regionen der Welt – aus unterschiedlichen Gründen:[77] Manche haben sich entschlossen, auf Dauer im Ausland zu leben (Emigration). Andere wohnen in Gebieten, die früher einmal zum Deutschen Reich gehörten, aber jetzt Teil von europäischen Nachbarländern sind. Wieder andere haben aufgrund früherer Wanderungsbewegungen bereits seit Jahrhunderten ihre familiären Wurzeln dort. In der deutschen Geschichte gab es besonders starke Migrationbewegungen in Richtung Osteuropa. Als Folge höchst unterschiedlicher historischer Entwicklungen bestanden auch über den Zweiten Weltkrieg hinaus größere, zusammenhängende deutsche Siedlungsgebiete – insbesondere im Gebiet der früheren Sowjetunion, der früheren Tschechoslowakei, des ehemaligen Jugoslawiens, des heutigen Polens sowie in Rumänien und Ungarn.
Die Befürworter einer Abschottung Deutschland nach dem Motto „Grenzen dicht und alles wird gut“ übersehen oder wollen übersehen, dass die Welt nach dem Ende des Ost-West-Gegensatzes immer weiter zusammenwächst.
Im Zeitalter der Globalisierung bilden nicht mehr die Nationalstaaten, sondern die kosmopolitische Weltgesellschaft den Referenzrahmen des alltäglichen Denken und Handelns.[78] Die Bedeutung der Nationalstaaten schwindet, da sie ihre ökonomische, soziale und kulturelle Steuerungsfunktion nur noch in begrenztem Maße wahrnehmen können. Die interagierende Weltgesellschaft mit ihrer kulturellen Vielfalt kann nur durch interkulturellen Dialog und Kooperation bestehen. Der Philosoph Kwame Anthony Appiah stellt zu Recht fest: „Eine Welt, in der sich Gemeinschaften klar gegenüber abgrenzen, scheint keine ernsthafte Option mehr zu sein, falls sie es denn jemals war. Abtrennung und Abschließung waren in unserer umherreisenden Spezies schon immer etwas Anormales.“[79]
Diese neuen Öffnungsprozesse im Zuge der Globalisierung etablieren einerseits neue Ungleichheiten und Machtverhältnisse, was sich an dem augenblicklichen Siegeszug der radikalen neoliberalistischen Politik zeigt. Andererseits eröffnen sich neue Chancen und Möglichkeiten für die Entstehung einer globalen Zivilgesellschaft mit interkulturellem Charakter.[80] Es gilt aber, dass Migration, wie auch immer sie motiviert ist, beschleunigt die Globalisierungsprozesse und ist für die Realisierung der Weltgesellschaft konstitutiv. In der Zukunft wird es eher noch mehr als bisherige Wanderungsbewegungen geben, wenn die ungleiche Verteilung der Ressourcen der Welt weiter anhält und die Zahl der Kriege oder bewaffneten Konflikte nicht abnehmen.
Interkulturelles Denken wendet sich gegen alle Kulturen, Philosophien und Religionen, die glauben, allein im Besitz der einen einzigen Wahrheit zu sein. Stattdessen besteht die Notwendigkeit einer kulturübergreifende Kommunikation, die die Ebene zivilisatorischer Koexistenz überschreitet und zur gewaltfreien interkulturellen Verständigung führt.[81] Kriege in anderen Teilen der Welt sind nicht durch Militäreinsätze oder Gewalt zu lösen, sondern durch internationale Zusammenarbeit aller Staaten, die an friedlichen Lebensformen und Menschenrechten interessiert sind.[82]
Die Rückkehr zu einer imperialistischen nationalstaatlichen Politik ist die größte Bedrohung für den Weltfrieden, nicht islamistischer Terrorismus, der im angeblich im Namen einer Religion verübt wird, obwohl die allermeisten Muslime dies nicht unterstützen. Der Krieg gegen den Terror ist grandios gescheitert, wie es die Lage in Afghanistan, Irak und Libyen zeigt. Krieg ist nicht nur Terror, er züchtet den Terror. Zudem ist Krieg ist eine der zentralen Fluchtursachen, seit dem Nato-Einsatz in der Ägäis wird auch Krieg gegen Flüchtlinge geführt.
In einem Land wie Deutschland, wo Angehörige fast aller Staaten auf der Welt vorübergehend oder dauerhaft leben[83], muss Interkulturalität und interkulturelle Bildung eine Selbstverständlichkeit sein. Und zwar nicht, um Migranten etwas besonders Gutes tun zu wollen, sondern um unsere Gesellschaft zu gestalten, die sich durch kulturelle und religiöse Vielfalt auszeichnet. Der demographische Faktor, d.h. die alternde Bevölkerung mit weniger Kindern, muss durch Zuwanderung ausgeglichen werden, da sonst wirtschaftliche Nachteile und die Kapitulation des Rentensystems einhergeht.[84] Nationalistische Modelle wie sie ab Anfang des 19. Jahrhunderts üblich waren, können nicht auf die heutige Zeit übertragen werden und haben sich durch die technischen Neuerungen schon längst überlebt. Dies können also keine Zukunftsoptionen in einer differenzierten und vielfältigen Welt sein.
Da so viele menschliche Möglichkeiten des Lernens, der Entdeckung und des Erlebens erkundet werden können, ist wahrscheinlich auch der Wunsch nach der Entwicklung aller Menschen zu einer einzigen Lebensweise nicht vorhanden. Abzulehnen sind jene „preservationists“, die jede Kultur um ihrer selbst willen bewahren wollen. Allerdings haben auch die „counter-cosmopolitans“ Unrecht, die verabsolutierte und starre kulturelle Differenzen zum Maßstab erklären.
Als weiteres gilt, das was Aydan Ösuguz, Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, bemerkte: „Die EU ist multikulturell, multiethnisch und multireligiös. Unsere Grundwerte verpflichten uns und diejenigen, die bei uns eine neue Heimat suchen. Besonders schutzbedürftige Personen, wie die syrischen Flüchtlinge, sollten bereits im Libanon oder Nordafrika aufgenommen und auf sicheren und legalen Wegen nach Europa gebracht werden. Sie dürfen sich nicht mehr länger in Lebensgefahr begeben, um bei uns Asyl zu beantragen. Der aktuelle Zustrom an Flüchtlingen ist die Folge dramatischer Entwicklungen in unserer Nachbarschaft. Doch die Krisen in den Herkunftsstaaten der Flüchtlinge – wie Bürgerkriege, zerfallende Staatlichkeit, Terrorismus oder Armut – werden wir nicht mit Zäunen an den Außengrenzen der EU oder Patrouillenbooten im Mittelmeer lösen. Wir müssen die Fluchtursachen bekämpfen, nicht die Flüchtlinge!“[85]


[1] Häusler, A./Roeser, R.: Die »Alternative für Deutschland«– eine Antwort auf die rechtspopulistische Lücke?, in: Braun, S./Geisler, A./Gerster, M. (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten: Hintergründe – Analysen – Antworten. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage, Wiesbaden 2015, S. 101–128, hier S. 121
[2] Lewandowsky, M.: Eine rechtspopulistische Protestpartei? Die AfD in der öffentlichen und politikwissenschaftlichen Debatte, in: Zeitschrift für Politikwissenschaft Jahrgang 25 (2015), Heft 1, S. 119–134, hier S. 124
[3] http://www1.wdr.de/westpol-fluechtlinge-brandanschlaege-100.html
[4] http://www.derwesten.de/politik/789-anschlaege-auf-fluechtlingsheime-seit-jahresbeginn-id11365088.html#plx296536233
[5] Yildiz, E.: Stigmatisierende Mediendiskurse in der kosmopolitanen Einwanderungsgesellschaft, in: Butterwegge, C./Hentges, G. (Hrsg.): Massenmedien, Migration und Integration, Wiesbaden 2006, S. 35-52, hier S. 38
[6][6] Schmidt, S. J.: Kalte Faszination. Medien, Kultur und Wissenschaft in der Mediengesellschaft, Vellbrück 2000, S. 31
[7] Häusler, A.: „MultiKulti“ als Bedrohungsszenario in Medien der extremen Rechten, in: Butterwegge, C./Hentges, G. (Hrsg.): Massenmedien, Migration und Integration, Wiesbaden 2006, S. 109-128,hier S. 110
[8] Herzog, H./ Wälde, E.: „Sie suchten das Leben…“ Suizide als Folge deutscher Flüchtlingspolitik, Münster 2004, S. 25ff
[9] Vgl. dazu Kornexl, K.: Das Weltbild der intellektuellen Rechten in der Bundesrepublik Deutschland. Dargestellt am Beispiel der Wochenzeitschrift Junge Freiheit, München 2008, S. 533f
[10] Carl Schmitt stellte fest: „Die spezifische politische Unterscheidung, auf welche sich die politischen Handlungen und Motive zurückführen lassen, ist die Unterscheidung zwischen Freund und Feind.“ (Schmitt, C.: Der Begriff des Politischen, Berlin 1963, S 26) Schmitt beschreibt in existentialistischer Weise die Freund-Feind-Gruppierungen. Der politische Feind ist derjenige, der durch sein bloßes Dasein für jemanden zur Gefahr wird. „Der politische Feind (…) ist eben der andere, der Fremde, und es genügt zu seinem Wesen, daß er in einem besonders intensiven Sinne existentiell etwas anderes und Fremdes ist, so daß im extremen Fall Konflikte mit ihm möglich sind, die weder durch eine im voraus getroffene generelle Normierung, noch durch den Spruch eines ‚unbeteiligten’ und daher ‚unparteiischen’ Dritten entschieden werden können“ (Ebd., 27)
[11] Pfahl-Traughber, A.: „Konservative Revolution“ und „Neue Rechte“. Rechtsextremistische Intellektuelle gegen den demokratischen Verfassungsstaat, Opladen 1998, S. 131
[12] De Benoist, A.: Aufstand der Kulturen, Berlin 2003
[13] JF 3/1993, S. 6
[14] Reinfeldt, S./Schwarz, R.: ,Ethnopluralismus` made in Germany, in: Kellershohn, H. (Hrsg.): Das Plagiat. Der völkische Nationalismus der Jungen Freiheit, Duisburg 1994, S. 213-232hier S. 213
[15]Globisch, C.: 'Deutschland uns Deutschen, die Türkei den Türken, Israelis raus aus Palästina'. Ethnopluralismus und sein Verhältnis zum Antisemitismus, in: Globisch, C./ Pufelska, A./ Weiß, V.: Die Dynamik der europäischen Rechten. Kontinuität und Wandel, Wiesbaden 2011, S. 202-224hier S. 203
[16] Ebd., S. 204
[17] Reinfeldt, S./Schwarz, R.: ,Ethnopluralismus` made in Germany, in: Kellershohn, H. (Hrsg.): Das Plagiat. Der völkische Nationalismus der Jungen Freiheit, Duisburg 1994, S. 213-232,hier S. 214
[18] De Benoist, A.: Kulturrevolution von rechts, Krefeld 1985, S. 133
[19] Reinfeldt, S./Schwarz, R.: ,Ethnopluralismus` made in Germany, in: Kellershohn, H. (Hrsg.): Das Plagiat. Der völkische Nationalismus der Jungen Freiheit, Duisburg 1994, S. 213-232, hierS. 216f
[20] Ebd., S. 228
[21] de Benoist, Aufstand der Kulturen, Berlin 1999, S. 28
[22] Ebd., S. 41
[23] Ebd, S. 61
[24] Ebd.
[25] Ebd., S. 69
[26] Ebd., S. 15
[27] Balibar, E.: Gibt es einen „Neo-Rassismus“?, in: Ders./Wallerstein, I.: Rasse Klasse Nation. Ambivalente Identitäten, Hamburg/Berlin 1990, S. 23-38, hier S. 30
[28] Herzinger, R./Stein, H.: Endzeit-Propheten. Oder: Die Offensive der Antiwestler, Hamburg 1995, S. 102f
[29] Gessenharter, W.: Intellektuelle Strömungen und Vordenker in der deutschen Neuen Radikalen Rechten, in: Grumke, T./Wagner, B. (Hrsg.): Handbuch Rechtsradikalismus. Personen –Organisationen Netzwerke vom Neonazismus bis in die Mitte der Gesellschaft, Opladen, 2002, S. 189-200, S. 191
[30] Teichmann, F.: Der Ethnopluralismus, oder wohin die völkische Vielfalt führt, in: Eichberg, H.: Nationalrevolutionäre Perspektiven in der Sportwissenschaft. Reihe: Europäische Hochschulschriften, 211, Bern 1991, S. 157-199, hier S. 167
[31] Le Gallou, J.-Y.: Le sémantique générale et les methods d’évalution non aristotécienne, in: Nouvelle Ecole, Heft 16, S. 55
[32]Schmid, B.: Die Neue Rechte in Frankreich, Münster 2009 S. 20
[33] De Benoist, Kulturrevolution von rechts, a.a.O., S. 141
[34] De Benoist, A.: Die entscheidenden Jahre. Zur Erkennung des Hauptfeindes, Tübingen 1982, S. 51
[35] Ebd, S. 33
[36] de Benoist, A.: Kritik der Menschenrechte. Warum Universalismus und Globalisierung die Freiheit bedrohen, Berlin 2004, S. 73
[37] de Benoist, Kulturrevolution von rechts, a.a.O., S. 133
[38] Ebd.
[39] Ebd., S. 141
[40][40] De Benoist, A.: Kulturrevolution von rechts. Gramsci und die Nouvelle Droite, Krefeld 1985, S.57
[41] Schmitt, C.: Der Begriff des Politischen, Berlin 1963, S. 26. Dort heißt es weiter: „Politisch gesehen ist der Feind derjenige, dessen Handlungen und Interessen mit unseren Handlungen und Interessen in Konflikt geraten können, und in diesem Sinne gibt es immer einen Feind. Seine Existenz zu ignorieren oder zu leugnen, ist nur dazu angetan, gerade jene Bedingungen zu schaffen, die es diesem Feind erleichtern, die seinen Interessen entspringenden Pläne zu verwirklichen.“ (Ebd., S. 103f)
[42] De Benoist, A.: Aus rechter Sicht. Band 1, Tübingen 1983, S. 12
[43] Griffin, R.: Revolting against the modern world. Julius Evola revisited, in: Modernism and Fascism. The Sence of a Beginning under Mussolini and Hitler, Palgrave 2007, S. 15f
[44] Sheehan, T.: Myth and Violence. The Fascism of Julius Evola and Alain de Benoist, in: Social Research, 48/1981, S. 45-73, hier S. 55
[45]Ebd., S. 53
[46]Jansen, P.: Arnold Gehlen. Die Antropologische Kategorienlehre. Bonn 1975, S. 21
[47]Hagemann-White, C.: Legitimation als Anthropologie. Eine Kritik der Philosophie Arnold Gehlens. Stuttgart u.a. 1973, S. 89
[48] de Benoist, A.: Aufstand der Kulturen, Berlin 1999, S. 112
[49] Ebd., S. 65
[50] Vgl. dazu Teichmann, F.: Der Ethnopluralismus, oder wohin die völkische Vielfalt führt, in: Henning Eichberg, H.: Nationalrevolutionäre Perspektiven in der Sportwissenschaft. Reihe: Europäische Hochschulschriften, 211, Bern 1991, S. 157-199
[51] Pfeiffer, T.: Die Kultur als Machtfrage. Die neue Rechte in Deutschland, Düsseldorf o.J., S. 13
[52] Reinfeldt, S./Schwarz, R.: ,Ethnopluralismus` made in Germany, in: Kellershohn, H. (Hrsg.): Das Plagiat. Der völkische Nationalismus der Jungen Freiheit, Duisburg 1994, S. 213-232,hier S. 214
[53] Cremet, J./Krebs, F./Speit, A.: Jenseits des Nationalismus. Ideologische Grenzgänger der „Neuen Rechten“- Ein Zwischenbericht, Hamburg/Münster 1999, S. 44
[54] Pfahl-Traughber, A.: Konservative Revolution und Neue Rechte. Rechtsextremistische Intellektuelle gegen den demokratischen Verfassungsstaat, Opladen 1998, S. 84
[55] Kellershohn, H.: Volk, Staat und Nation, in: Braun, S, Voigt, U. (Hrsg.): Die Wochenzeitung 'Junge Freiheit' , Wiesbaden 2007, S. 120f
[56] Pfahl-Traughber, A.: Rechtsextremismus in der Bundesrepublik, 3. Auflage, München2001, S. 46f
[57]Richard Stöss: Rechtsextreme Parteien in Westeuropa. In: Oskar Niedermayer, Richard Stöss, Melanie Haas: Die Parteiensysteme Westeuropas, VS-Verlag 2006,S. 525
[58]Fischer, G.: Ethnopluralismus, Multikulturalismus und interkulturelle Erziehung, in: Reinalter, H./Petri, F./Kaufmann, R.: Das Weltbild des Rechtsextremismus: die Strukturen der Entsolidarisierung, Wiesbaden 1998, S. 243
[59]Kornexl, K.: Das Weltbild der Intellektuellen Rechten in der Bundesrepublik Deutschland. Dargestellt am Beispiel der Wochenzeitschrift Junge Freiheit, Freiburg 2008, S. 175

[60]Schütte, C., Intellektuellendämmerung und Völkererwachen. Die Rezeption der Nouvelle Droite in Deutschland, in: Vorgänge 31, 1992, S. 51 -60, hier S. 52
[61]Schütte, C., Intellektuellendämmerung und Völkererwachen. Die Rezeption der Nouvelle Droite in Deutschland, in: Vorgänge 31, 1992, S. 51 -60, hier S. 52
[62]Gessenharter, W./Pfeiffer, T.: Die neue Rechte: eine Gefahr für die Demokratie?, Wiesbaden 2004, S. 40f
[63] Knortz, H.: Diplomatische Tauschgeschäfte. „Gastarbeiter“ in der westdeutschen Diplomatie und Beschäftigungspolitik 1953–1973. Köln 2008, S. 26
[64] Herbart, U.: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge, München 2001, S. 38
[65] Spindler, S.: Corpus delicti. Männlichkeit, Rassismus und Kriminalisierung im Alltag jugendlicher Migranten. Münster 2006, S. 121
[66] Herbart, U.: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge, München 2001, S. 75
[67] Ingenhorst, H.: Die Rußlanddeutschen – Aussiedler zwischen Tradition und Moderne, Frankfurt am Main 1997.
[68] Heller, W./ Bürkner, H.-J./ Hofmann, H.-J.: Migration, Segregation und Integration von Aussiedlern – Ursachen, Zusammenhänge und Probleme. In: Erlanger Forschungen, Reihe A, Geisteswissenschaften, 2002, Band 95, S. 79–108, hier S. 89
[69] Knortz, H.: Diplomatische Tauschgeschäfte. „Gastarbeiter“ in der westdeutschen Diplomatie und Beschäftigungspolitik 1953–1973. Köln 2008, S. 79f
[70] Földes, C./Antos, G. (Hrsg.): Interkulturalität: Methodenprobleme der Forschung. Beiträge der Internationalen Tagung im Germanistischen Institut der Pannonischen Universität Veszprém, 7.-9. Oktober 2004. München 2007; S. 28
[71] Herbart, U.: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge, München 2001, S. 38
[72] Földes, C./Antos, G. (Hrsg.): Interkulturalität: Methodenprobleme der Forschung. Beiträge der Internationalen Tagung im Germanistischen Institut der Pannonischen Universität Veszprém, 7.-9. Oktober 2004. München 2007; S. 9
[73] Herzog, H./Wälde, E.: „Sie suchten das Leben…“ Suizide als Folge deutscher Flüchtlingspolitik, Münster 2004, S. 75
[74] Herzog, H./Wälde, E.: „Sie suchten das Leben…“ Suizide als Folge deutscher Flüchtlingspolitik, Münster 2004, S. 90ff
[75] Heller, W./ Bürkner, H.-J./ Hofmann, H.-J.: Migration, Segregation und Integration von Aussiedlern – Ursachen, Zusammenhänge und Probleme. In: Erlanger Forschungen, Reihe A, Geisteswissenschaften, 2002, Band 95, S. 79–108, hier S: 92
[76] Herbart, U.: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge, München 2001, S. 89
[77] jour fixe initiative berlin (Hrsg.): Fluchtlinien des Exils, Münster 2003, S. 66ff
[78] Herbart, U.: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge, München 2001, S. 15
[79] Appiah, K.A.: Der Kosmopolit. Philosophie des Weltbürgertums, München 2009, S. 19
[80] Häusler, A.: „MultiKulti“ als Bedrohungsszenario in Medien der extremen Rechten, in: Butterwegge, C./Hentges, G. (Hrsg.): Massenmedien, Migration und Integration, Wiesbaden 2006, S. 109-128,hier S. 119
[81] jour fixe initiative berlin (Hrsg.): Fluchtlinien des Exils, Münster 2003, S. 38
[82] http://www.faz.net/aktuell/politik/europaeische-union/gastbeitrag-die-fluchtursachen-bekaempfen-nicht-die-fluechtlinge-13597358.html
[83] Schmidt, S. J.: Kalte Faszination. Medien, Kultur und Wissenschaft in der Mediengesellschaft, Vellbrück 2000, S. 86
[84] Spindler, S.: Corpus delicti. Männlichkeit, Rassismus und Kriminalisierung im Alltag jugendlicher Migranten. Münster 2006, S. 71
[85] http://www.faz.net/aktuell/politik/europaeische-union/gastbeitrag-die-fluchtursachen-bekaempfen-nicht-die-fluechtlinge-13597358.html

Michael Lausberg
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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.

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