Kain gegen Abel – Eine tief berührende Musiktheaterproduktion von Hans-Christian Hauser

Nach der erfolgreichen Premiere am 4. Februar 2016 im Carl-Orff-Saal des Gasteig wandert ein von Hans-Christian Hauser komponiertes Musiktheaterwerk des Isny Theaterfestivals weiter nach Stuttgart, wo es am 18. März am Wilhelma-Theater unter der Schirmherrschaft vom Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann aufgeführt wird. Inszeniert wurde die anspruchsvolle Produktion „Kain und Abel“ vom Komponisten selbst mit Studenten seiner Interpretationsklasse für slawische und jüdische Musik an der Hochschule für Theater und Musik in München. In den Mittelpunkt der erschütternden Handlung rücken Euthanasie-Praktiken in der psychiatrischen Anstalt in Kaufbeuern während der NS-Zeit am Beispiel dreier Opfer: Einerukrainischen Bäuerin, die mit Elektroschock behandelt wird, einem Jungen aus dem Volksstamm der Jenischen, der mit einer Giftspritze ermordet wird und eine jüdische Dame aus guten Verhältnissen aus Memmingen, die Ihr Klavier ins Krankenhaus mitbringen darf. Diese Sopranrolle der Berta Weill wird mit Elan von Maria Anelli übernommen, während Elsa Kodega die feinfühligen Melodieeinlagen der Bäuerin interpretiert und der 15jährigebegabte Schüler Harald Pich, der den um ein Jahr jüngeren Ernst Lossa auch pantomimischideal verkörpert.
Das skrupellose Klinikpersonal spielen Studenten der Hochschule für Musik und Theater München in Begleitung von Bariton Tibor Brouwer und Sopranistin Maria Helgath. Eindrucksvoll die vom Tenor Han Bo-Jeon gesungenen, phantasiereichen biblischen Passagen, mit denen Hans-Christian Hauser das Werk im synagogal-kantoralem Stil einrahmt.
Differenzierte kammermusikalische Klangfarben bereichert um das Viola d'Amore-Spiel von Tilo Widenmayer (Bayerische Staatsoper),gehen aus dem achtköpfigen Instrumentalensemble aus Studenten der Hochschule für Musik und Theater München hervor und sorgen für eine weitere Steigerung in der Wahrnehmung eines besonders empfindlichen Stoffes durch das Publikum, das sichtlich betroffen reagiert. Verantwortlich für das klare Kostüm- und Bühnenbild zeichneten respektive Diana Leist und Erwin Hecker. Präsentiert wurde das Musikdrama vom Münchner Stadrat Marian Offman und von Frau Friederike Steinberger, Vizepräsidentin vom Bezirk Oberbayern, der das bedeutende Projekt zusammen mit der LfA
Förderbank Bayern unterstützt hat.
www.wilhelma-theater.de

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Anna Zanco-Prestel
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Dr. Anna Zanco-Prestel, hat Literaturwissenschaften (Deutsch, Französisch und Italienisch) und Kunstgeschichte in Venedig, Heidelberg und München studiert. Publizistin und Herausgeberin mit Schwerpunkt Exilforschung. U.d. Publikationen: Erika Mann, Briefe und Antworten 1922 – 69 (Ellermann/DTV/Mondadori). Seit 1990 auch als Kulturkoordinatorin tätig und ab 2000 Vorsitzende des von ihr in München gegründeten Kulturvereins Pro Arte e.V.

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