Neuguinea – uralte Mythen, geheimnisvolle Überlieferungen und Rituale

Maskenkult und Himmelsnymphen

Papua New Guinea Fahne. Bild von Kaufdex auf Pixabay.

Neuguinea ist ein Land uralter Mythen, geheimnisvoller Überlieferungen und seltsamer Rituale wie der Kopfjagd, die noch bis zu Anfang des 20. Jahrhunderts üblich war. Dieses Ritual diente nach Ansicht der Ureinwohner der Erhaltung des Lebenskreislaufes. Insbesondere beim Stamm der Asmat, die im Süden Neuguineas siedeln, ging mit der Kopfjagd ein differenziert ausgebildeter Toten- und Ahnenkult einher.

In den Flusstälern des Nordostens standen kannibalistische Rituale im Mittelpunkt des spirituellen Lebens der Ureinwohner. Dazu gehörten vor allem der Raubzug und das anschließende Gemeinschaftsmahl. Der ritualisierte Kannibalismus war in der Vorstellungswelt dieser Menschen eine Notwendigkeit, denn er symbolisierte die Tötung eines dämonischen Urzeitwesens, das die Existenz der vormenschlichen Welt bedrohte.

So sind die Ureinwohner Neuguineas auch als blutrünstige Kannibalen und Kopfjäger in die Geschichtsbücher eingegangen, welche von den barmherzigen europäischen Eroberern schnellstmöglich „zivilisiert“ werden mussten. Dies ist britischen, holländischen und auch deutschen Kolonialherren hervorragend gelungen. Die Kultur der Ureinwohner wurde durch europäische Überfremdung nahezu vollkommen zerstört, so dass die reichen Zeugnisse ihres handwerklichen und künstlerischen Schaffens heute nur noch in Museen unser Staunen erregen.

Dabei ist die Anwesenheit des Menschen auf Neuguinea seit mehr als 40.000 Jahren inzwischen wissenschaftlich belegt. Im gebirgigen Inland der Insel siedelten die Ureinwohner bereits vor 26.000 Jahren. In diesem Zeitraum passte sich die als Papua bezeichnete Bevölkerung den extrem unterschiedlichen geographischen Bedingungen an. Die Papua sprechen mehr als tausend Sprachen und orientieren sich vor allem auf das Inland Neuguineas. Sie unterscheiden sich zwar in den Formen ihrer materiellen und geistigen Kultur, dennoch lassen sich einige kulturübergreifende Kultur- und Kunstregionen erkennen, deren Grenzen oft verschwimmen und von zahlreichen Übergangsformen geprägt sind.

Vor etwa 5.000 Jahren erreichte eine neue Einwanderungswelle Neuguinea. Von Asien kommend, besiedelten diese Seefahrer, die mit ihren Auslegerbooten weit in den Pazifik vordrangen, auch die Küsten Neuguineas. Sie gehörten zur sogenannten austronesischen Sprachfamilie. Engmaschige und rituell verfestigte Handelsnetze gewährleisteten Zusammenhalt und eine weitgehende Einheitlichkeit ihrer Kultur. Aufgrund des vergleichsweise geringen Zeitraumes der Besiedelung sind in den austronesischen Gebieten entlang der Küste zahlreiche Kulturmerkmale erhalten geblieben, die in mehreren Gebieten auftreten und auf einen gemeinsamen Ursprung dieser Kultur verweisen.

Gemeinsam ist all diesen Ureinwohnern Neuguineas ein ausgeprägter Maskenkult, der sich zwar von Region zu Region unterscheidet, jedoch als typisch für die Kulturen Neuguineas angesehen werden kann. Mit diesen Masken huldigen die Einwohner Neuguineas den alten Göttern, die nach ihren Überlieferungen einst vom Himmel gestiegen sein, um die Menschen der Erde zu erschaffen.

Bei den eher pragmatisch orientierten Bergbewohnern des zentralen Hochlands trat der spirituell-religiöse Teil des Lebens hinter der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zurück, so dass sich hier nur wenige Masken finden.

Zwischen der zentralen Hocheben und dem Tiefland an der Küste nehmen die Kulturen der Bergländer eine Sonderstellung ein. In Kultdramen werden hier die mythischen Überlieferungen des Schöpfungsgeschehens veranschaulicht. Diese Dramatisierung der Mythen dient dem Erhalt der Lebenskraft, eine Vorstellung, die im Süden Neuguineas ihre Entsprechung in der Kopfjagd fand.

In Süd-Neuguinea bestimmen Kultgemeinschaften und Altersklassen die Gesellschaft, in deren Zentrum die spirituell-religiösen Aspekte des Lebens stehen. Die Vorstellungen der Bewohner sind von dem irrationalen und teilweise bedrohliche Kräften der Götter, Geister und Dämonen bestimmt, die durch Rituale und Opfer stets in Gleichgewicht gebracht werden müssen. Vor dem Hintergrund dieser Vorstellungswelt sind vor allem in Süd-Neuguinea zahlreiche Masken entstanden, die bei rituellen Tänzen und Festen Verwendung finden.

Diese Masken zeigen nun in ihrer Machart und Verwendung deutliche Spuren eines Cargo-Kultes. Cargo-Kulte bezeichnen das Verhalten von Menschen, die in den Besitz von Gegenständen einer technisierten Zivilisation gelangen oder diese gemäß dem Augenschein nachbilden, und diesen „Gütern“ (engl. Cargo) eine religiöse Verehrung entgegenbringen, da sie der Auffassung sind, dass die Gegenstände „göttlichen“ Ursprungs sind oder die Kraft der „Götter“ in sich tragen.

Die Götter- und Geister-Masken von Neuguinea zeigen Wesen mit nichtmenschliche Zügen, die gemäß der Überlieferung in grauer Vorzeit vom Himmel gekommen sein sollen, um die Menschen zu erschaffen. Jenseits aller Kultvorstellungen der etablierten Wissenschaft biete hier die Paläo-Seti-These eine rationale Erklärung für die Mythen der Ureinwohner Neuguineas. Aus der Konfrontation mit den Vertretern einer außerirdischen Zivilisation erwuchsen die Legenden um jene Götter, die von den Ureinwohnern Neuguineas noch heute in Maskentänzen und Zeremonien verehrt werden, um sie zu einer Rückkehr zu bewegen.

Solche Cargo-Kulte können jedoch auch noch in heutiger Zeit entstehen, wie folgendes Beispiel belegen soll. Der Naturforscher Frank Hurley stellte in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts fest, dass die Eingeborenen Neuguineas nicht nur ihm, sondern sogar seinem Wasserflugzeug religiöse Verehrung entgegenbrachten. Allabendlich opferten sie am Bug der Maschine ein Schwein. Das gelandete Flugzeug wurde von ihnen als „Teufel, der vom Himmel kam“, bezeichnet.

Ein weiteres Indiz für einen Kontakt mit außerirdischen Intelligenzen sind auf Neuguinea ebenso wie im indonesischen und javanischen Kulturraum kursierenden Legenden über die Himmelsnymphen. Diese mythischen Wesen, die von den Javanern Widawari genannt werden, können nach Belieben ihre Erscheinungsform wandeln. So erscheinen sie zumeist als wunderschöne Mädchen, eben als Himmelsnymphen, doch sie können auch die Gestalt von Unterweltwesen wie Fisch oder Schlange annehmen. Es ist ihnen ebenfalls möglich, sich in menschlicher Gestalt zu zeigen.

Die Widawaris sind von positiver Gesinnung. Wer es also schafft, sie durch kleine Opfergaben an sein Haus zu binden, dem sind Glück und Wohlstand gewiss. Die bekannteste Widawari ist Dewi Sri, zugleich die Göttin des lebensnotwendigen Reises. Sie soll nach der Legende aus einem Unterweltwesen entstanden sein, gelangte dann als schönes Mädchen in den Himmel und kehrte nach ihrem Tod in Form von Reis wieder auf die erde zurück. Der Überlieferung zufolge unterrichtete sie die Menschen im Reisanbau und brachte ihnen Wohlstand.

An dieser Legende zeigt sich, dass auf Neuguinea ebenso wie in Java oder Indonesien der lebensnotwendige Reis als das Geschenk gottgleicher Wesen betrachtet wird. Hier handelt es sich um die Rudimente eines Cargo-Kultes, der das Grundnahrungsmittel jener Gefilde mit den als „göttlich“ verklärten außerirdischen Besuchern in Zusammenhang bringt.

Auch die Widawaris sind nach den Überlieferungen als Wesen fremder Welten anzusehen, die einstmals auf der erde weilten und den Menschen wichtige Kenntnisse und Fertigkeiten beibrachten. In den Erzählungen und Märchen um die Himmelsnymphen spiegelt sich die ferne Erinnerung an jene Fremden wider, die im Laufe der Zeit und mit jeder neuen Geschichte immer gottgleicher wurden, in dem Maße, wie die wirklich Erinnerung an ihren tatsächlichen Besuch immer legendenhaftere Züge annahm.

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Über Thomas Ritter 85 Artikel
Thomas Ritter, 1968 in Freital geboren, ist Autor und freier Mitarbeiter verschiedener grenzwissenschaftlicher und historischer Magazine. Thomas Ritter hat zahlreiche Bücher und Anthologien veröffentlicht. Außerdem veranstaltet er seit mehr als zwanzig Jahren Reisen auf den Spuren unserer Vorfahren zu rätselhaften Orten sowie zu den Mysterien unserer Zeit. Mit seiner Firma „Thomas Ritter Reiseservice“ hat er sich auf Kleingruppenreisen in Asien, dem Orient, Europa und Mittelamerika spezialisiert. Mehr Informationen auf: https://www.thomas-ritter-reisen.de Nach einer Ausbildung zum Stahlwerker im Edelstahlwerk Freital, der Erlangung der Hochschulreife und abgeleistetem Wehrdienst, studierte er Rechtswissenschaften und Geschichte an der TU Dresden von 1991 bis 1998. Seit 1990 unternimmt Thomas Ritter Studienreisen auf den Spuren früher Kulturen durch Europa und Asien.