Peking. Schicksal und Wiedergeburt eines legendären Hamburger Segelschiffes

von Matthias Gretzschel

Matthias Gretzschel: Peking. Schicksal und Wiedergeburt eines legendären Hamburger Segelschiffes, 2. Auflage, Koehler, Hamburg 2020, ISBN: 978-3-7822-1284-4, 29,95 EURO (D)

Der in Hamburg hergestellte Segelfrachter „Peking“ war einst eines der größten und schnellsten Segelschiffe der Welt. Im September 2020 unter großem öffentlichem Interesse ist die „Peking“ nach einer jahrelangen Restaurierung zurück in seinem Heimathafen Hamburg Als künftiges Museumsschiff ist der Liegeplatz der „Peking“ direkt gegenüber der Elbphilharmonie.

In diesem Buch erzählt der Journalist und Autor Matthias Gretzschel die Geschichte der „Peking“, die das wichtigste Objekt des künftigen Deutschen Hafenmuseums in Hamburg sein wird. Der Text wird dabei von zahlreichen historischen und aktuellen Bildern begleitet.

Es gibt zwei Vorworte von Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister, und Niko Schües, Inhaber der Reederei P. Laeisz. Danach wird in chronologisch geordneten Kapiteln das Schicksal der „Peking“ nachgezeichnet.

Die Hamburger Reederei Laeisz beauftragte den Bau der „Peking“ 1909, damals für die unvorstellbare Summe von 680.000 Goldmark. Sie war als Frachtschiff vorgesehen, das besondere an ihr war, dass sie mit voller Besegelung war sie schneller als damalige Dampfschiffe war und legte binnen 24 Stunden bis zu 380 Seemeilen zurück. Sie fuhr von Hamburg über Antwerpen nach Chile, um für das Deutsche Reich Salpeter zu transportieren. In den Wirren des Ersten Weltkrieges musste sie in Valparaíso bleiben und durfte nicht mehr auslaufen. Paradoxerweise musste das Schiff nach einem Reparaturstopp in Italien von der Reederei Laeisz nach dem Ende des Krieges zurückgekauft werden. In der Weimarer Republik fuhr sie die Route Hamburg-Talcahuano, sie wurde zugleich zum kombinierten Fracht- und Schulschiff umgebaut. Die Reederei Laeisz musste als Folge der Weltwirtschaftskrise 1932 das Schiff an eine Eignergesellschaft in London verkauft. Sie wurde in Arethusa umbenannt und zu einem stationären Schulschiff umgebaut.

Sie gelangte dann 1974 in den Besitz einer Foundation. Ein Jahr später wurde ihr Rumpf von London nach New York gebracht und sie dort originalgetreu wieder hergestellt. Dort lag sie jahrzehntelang am Pier des Schifffahrtsmuseum South Street Seaport in New York. Als sie dort fast völlig verwahrlost keinen Platz mehr fand, schalteten sich offizielle Stellen aus der BRD ein.

Aufgrund der glorreichen Vergangenheit der „Peking“ wurde das Schiff gekauft, Eigentümer des Schiffes wurde aus politischen Gründen die Stiftung Hamburg Maritim. Sie erhielt im Mai 2016 den Auftrag zur Rückholung und fachgerechten Restaurierung. Nach der Überführung zur Peters-Werft in Wewlsfleth wurde dort das Schiff umfassend restauriert und im Mai 2020 an die Stiftung Historische Museen Hamburg übergeben. Am 7. September 2020 wurde die Peking nach Hamburg überführt. Sie soll dort als Museumsschiff dienen und Teil des neu entstehenden Deutschen Hafenmuseums sein.

Die Rückkehr des Segelschiffes wurde ausgelassen gefeiert: „Und diese Begeisterung wird an diesem sonnigen Septembertag von Zehntausenden geteilt, die die gesamte etwa 50 Kilometer lange Strecke zwischen Wewelsfleth und dem Hamburger Hafen an den Ufern säumen: in Glückstadt, auf der Elbinsel Krautsand, in Bützfleth, in Stadensand – überall warten Menschen, um die Heimkehr der Peking verfolgen zu können.“ (S. 164f)

In Einzelporträts werden ebenfalls die Menschen gewürdigt, die sich für die „Peking“ engagierten. Es wird auch auf die Rolle der „Peking“ als Wahrzeichen des künftigen Deutschen Hafenmuseums in Hamburg eingegangen.

Dazu gibt es großformatige Bilder, manchmal auf einer Doppelseite, die aus verschiedenen Perspektiven aufgenommen sind. Besonders die aus der Vogelperspektive sind beeindruckend.

Im Anhang findet man noch ein Personenregister und den Bildnachweis. Ein Literaturverzeichnis oder weiterführende Links fehlen leider.

Hier wird die spannende Geschichte der „Peking“ gut rekonstruiert, mit historischen und aktuellen Bildern. Es ist eine gelungene Mischung zwischen Bildband informativem Text über die Geschichte der „Peking“ und damit auch ein Stück Hamburger Hafengeschichte. Ein Stück maritimer Zeitgeschichte, das auch Lust darauf macht, nach der Freigebung für Besucher das Museumsschiff mit eigenen Augen zu sehen.

Über Michael Lausberg 440 Artikel
Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.