Politische Transformation: Humanökologie – die Welt in untergründigem Umbruch

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Wenn ich vom Lobbyismus der Konzerne spreche, dann muss ich als wichtigste Fehlentwicklung der letzten Zeit, die fast unbemerkt von der Öffentlichkeit vonstatten ging, die juristische, finanzielle und technologische Vorbereitung der Verpressung von CO2 in großem Maßstab in den Untergrund der Meere sprechen. Ohne dass die Bevölkerung im mindesten einbezogen wurde oder eine öffentliche Debatte stattgefunden hat, planen Konzerne durch sogenannte CCS-Verfahren (Carbon dioxid Capture and Storage) den Kohlendioxidausstoß von Kohlekraftwerken in den Untergrund zu verpressen. Gemäß dem deutschen CCS-Gesetz müssen Kommunen entsprechende Aktivitäten genehmigen.

Dabei ist diese Methode CO2 zu absorbieren allein schon energetisch äußerst fragwürdig. Abscheidung, Transport und Verpressung des CO2 erzeugen zusätzliche CO2-Emissionen und CCS-Kraftwerke haben einen geringeren Wirkungsgrad. Außerdem kann durch Leckage der Lager CO2 langfristig in die Atmosphäre zurück gelangen oder durch von der Verpressung erzeugte Erdbeben auch kurzfristig. Hinzu kommt aber der enorme Bedarf an mineralischen Rohstoffen für Anlagen und Pipelines. CO2-Verpressung dürfte fast so aufwendig sein wie Ölbohrung. Für Europa ist ein CO2-Pipeline-Netz von 22000 – 37000 km Länge geplant. Die ganze Debatte über die weitreichenden Technikfolgen, ob man diese Großtechnologie angesichts der schlechten ökologischen Bilanz überhaupt erlauben will und welche Alternativen es gibt, hat nie stattgefunden. Sondern mehr noch als bei den selbstfahrenden Autos haben die Politiker die Interessen der Konzerne still und leise durchgewunken. Die Vorschläge von Herrn Dr. Thilo Bode, um die Macht der Konzerne einzuhegen, die ich im zweiten der vorliegenden Serie von Essays in einem Gesamtkonzept integriert hatte, mögen langfristig richtig und wichtig sein. Aber hier sind erst einmal brennende Scheunen zu löschen. Und die Öffentlichkeit schläft einfach.

Und um von den Konzernen zu jenem Punkt zu kommen, der als singuläre Krise aus der allgemeinen systemischen Krise hervorgehen wird, nun das folgende: Was würde am Beginn einer Welternährungskrise, die sich aufgrund des Klimawandels eventuell entwickeln wird, wirklich passieren?

Nun, die ganze mediale Kamelherde würde, wenn es dann viel zu spät ist, los trappeln und hätte über Nacht plötzlich nur noch ein Thema: Die Lebensmittel werden knapp!

Und am nächsten Tag würden die Leute dann die Supermärkte stürmen und die Regale leer räumen. Die Schlangen würden bis zum Parkplatz heraus reichen. Damit würde genau das passieren, was eigentlich dann auf keinen Fall passieren darf. Der Nachfrage stünde ja ein zu geringes Angebot gegenüber. Und dies wird dann dadurch bis zu Extrem verstärkt, dass nun alle Lebensmittel bunkern und somit würden die Lebensmittelpreise in die Höhe schießen. Die Wohlhabenden würden den Ärmeren rigoros die Lebensmittel weg-kaufen.

Denn die deutsche Gesellschaft ist keine Solidargemeinschaft. Der Unterricht in Ökonomie und Ökologie hat die Schüler schon früh daran gewöhnt, fragmentarische Effizienzanalysen mit ökonomischem Konkurrenzdenken zusammen zu schlucken. Die Reaktion einer Solidargemeinschaft wäre, sich zu überlegen, wie viel denn im globalen Ausgleich mobilisiert werden kann und wie man diese Lebensmittel gerecht und gleich verteilen kann, so dass alle die Krise überleben. Aber es gibt in Deutschland – außer den Gewerkschaften vielleicht – keine Organisationen oder Institutionen, die auf eine solche Aufgabe in der Breite vorbereitet wären. Solidarität muss organisiert werden, konkurrieren kann jeder für sich alleine. Dies ist der evolutionsbiologische Nachteil der Kooperation. Und da der Kapitalismus im Grunde die Fortsetzung der biologischen Evolution im kulturellen Bereich ist, ist also eine solche Gesellschaft nicht im mindesten politisch, intellektuell oder logistisch darauf vorbereitet, die Preisspirale, die das Schlimmste an der Krise sein würde, zu verhindern.

Warum steht nicht auf jeder Weinflasche: „Alkohol kann Ihre Reservezellen im Gehirn abtöten“? Nun das ist so ähnlich, wie mit dem Rassismus. Wenn eine Gesellschaft erst einmal von einem Problem durchdrungen ist, dann können auch die Politiker nichts mehr dagegen machen. Da ist einerseits die Winzerlobby aber andererseits würde ein Aufschrei durch die Gesellschaft gehen und zwar von der Basis her. Denn Deutschland hat ein Alkoholproblem und dies kann man auch ideologisch verstehen. Das ist, was ich am Neomarxismus auch immer kritisiere, nämlich dass sie so tun, als ob die Arbeiterklasse keine Eigenverantwortung hätte.

Aber ich will hier gar nicht den Leuten Vorwürfe machen. Ich möchte einfach, dass wir – die Zivilgesellschaft – anfangen unsere Probleme selber zu lösen. Deshalb sage ich: Klimakrise jetzt!

Die Deutschen spielen doch so gerne. Computerspiele, habe ich gehört, werden doch sogar staatlich gefördert. Also schlage ich vor, machen wir doch mal ein Rollenspiel. Wir spielen Klimakrise. Also, was würden wir dann alle machen? – Wir würden Lebensmittel bunkern. Ja, ich auch, ich bin doch mit den gleichen Instinkten aus der biologischen Evolution ausgestattet, wie jeder und jede meiner Leserinnen. Nein, ich spiele hier nicht „das Gewissen der Gesellschaft“, wie Günther Grass das angeblich beansprucht hatte. Das ist ihm schlecht bekommen am Schluss. Deshalb fange ich gar nicht erst damit an. Ich kann nur einerseits als Autor mit dem Problem anders umgehen, und ja, es ist andererseits mein Verdienst, dass ich das auch mache und jetzt so wahrhaftig darüber veröffentliche.

Also wir können das jetzt noch ganz locker sehen. Wir gehen mal alle ein bisschen Lebensmittel bunkern. Und zwar so viel, dass unsere Politiker endlich zum Handeln gezwungen werden, denn ich hatte ja begründet, in der akuten Krise ist es dann keine Lösung mehr. Also wir bunkern so lange Lebensmittel, bis wir einerseits jetzt, wo es noch geht, tatsächlich besser auf eine Welternährungskrise vorbereitet sind. Dann braucht später auch niemand mit dem Zahnstocher oder der Knarre herumlaufen und andere überfallen und ihnen den Kühlschrank leer zu räumen. Sondern dies ist eine Voraussetzung mit einer solchen Krise später solidarischer umzugehen.

Bitte und was soll damit politisch bewirkt werden, mit diesem „unordentlichen“ Konsumverhalten, diesem gewissermaßen zivilen Ungehorsam, der streng juristisch gesehen keiner ist?

Nun kann man ja hier die Kritik haben, dass ich einerseits den Teufel an die Wand male, wenn es um die Folgen der CO2-Emissionen geht, aber andererseits mich CCS als der Problemlösung zur Absorption der Emissionen verweigere.

Ich möchte hierzu folgendes deutlich sagen: CCS ist eine hochgradig rohstoffintensive Großtechnologie, die daher abzulehnen ist, falls Alternativen dazu bestehen. Im Rahmen eines multidimensionalen Verständnisses der ökologischen Problematik geht es hierbei wiederum um die humane Alternative zwischen grüner Energie und Rohstoffeinsparung, nur jetzt nicht auf der Ebene der Vermeidung von Emissionen, sondern es geht um die Alternative zwischen forcierter Absorption der Emissionen und Rohstoffeinsparung.

Das kapitalistische Wirtschaftsmodell hat zur Folge, dass ein Sog nach Wachstum entsteht, um die Arbeitsplätze zu generieren, die durch das System selber – durch Rationalisierung der Arbeit – vernichtet wurden. Und die Rationalisierung richtet dabei in Form der Digitalisierung erst einmal selbst große ökologische Schäden an. Eine absurde Funktionalität. Und durch die unter dem Druck der öffentlichen Meinung eingeleiteten Maßnahmen hat sich deshalb der ökologische Schaden des Wachstums von den Klimagasemissionen auf die Rohstoffausbeutung verschoben, weil deren Verwüstungen schwerer erfassbar sind und global aus den reichen Ländern „ausgelagert“ werden können.

CCS ist dabei wieder so ein Beispiel dafür, dass Konzerne erst ökologische Schäden in großem Umfang anrichten (Festhalten an Kohlekraftwerken, Stromverbrauch der Digitalisierung), um dann noch als Klimagewinnler ein zweites mal daran zu verdienen, indem sie auf ihre Weise deren Beseitigung organisieren. Moment, wenn Kohlekraftwerke doch langfristig abgeschaltet werden sollen, warum soll dann noch ein Pipeline-Netz für CCS aufgebaut werden?

Und zu diesem groß-technologischen Wahnsinn gibt es doch tatsächlich eine angepasste, ganzheitliche Alternative, nämlich die CO2-Absorption durch Humusaufbau im Boden und durch ein globales Entwicklungsmodell ohne Vollindustrialisierung (Vermeidung zukünftiger Emissionen).

Multifunktionalität der CO2-Absorption durch Humusaufbau im Boden, neun Punkte:

1- Absorption von Emissionen in großem Umfang möglich (wie bei CCS).

2- Förderung und Erhalt kleinbäuerlicher Landwirtschaft im Globalen Süden.

3- Förderung von Ernährungsautonomie des Globalen Südens.

4- Geringer zusätzlicher Rohstoffverbrauch und Energieverbrauch.

5- Keine geologischen Risiken.

6- Unabhängigkeit von der sich heute entwickelnden Machtposition der Konzerne.

7- Unterstützung von Entwicklung ohne Vollindustrialisierung.

8- Vermeidung von Emissionen durch Erhöhung der Rentabilität der Produktion von Nahrungspflanzen gegenüber Viehhaltung, Stichworte: Bodenkonkurrenz, vegetarische Ernährung.

9- Einsparung von Phosphatdünger und Vermeidung von Stickstoffdüngung, Stichwort: Erzeugung des hochwirksamen Klimagases N2O (Distickstoffoxid) durch die Landwirtschaft.

Wenn also das finanzielle Potential von Emissionszertifikaten investiert werden soll, dann sinnvoller weise hierin. Und hier sind die Fördermittel der EU richtig untergebracht, von denen heute CCS profitiert. Und ausgehend von den geologischen Risiken fügt hier mein Unbewusstes noch hinzu, dass es mit dieser Alternative zu CCS auch viel geringere geopolitische Risiken gibt. Im Gegenteil, eine friedliche Geopolitik würde unterstützt. Hierbei sollte auch der Zusammenhang zwischen dem Erhalt von Urwäldern als CO2-Senken und der dazu passenden Agrarpolitik gesehen werden, die den landwirtschaftlichen Flächen dieselbe Funktion zuweist.

Was wir also mit zivilem Ungehorsam erreichen sollten, ist einerseits die Vermeidung einer Welternährungskrise wegen der Klimaerwärmung durch eine tief vernetzte Agrarpolitik und Entwicklungspolitik viel weiter voran zu bringen. Und zweitens ist es wirklich ratsam, sich einmal sicherheitshalber auch auf die Krise einzustellen. Dies betrifft also die Bevorratung von Lebensmitteln oder Fonds für Lebensmittel für den Fall einer Welternährungskrise. Und für die sozial Bedürftigen sollte eine Stiftung gegründet werden, die auch von der Bundesregierung befüllt wird, damit ihnen nicht jetzt vorgreifend oder in einer wirklichen Krise die Wohlhabenderen die Lebensmittel weg-kaufen können. Denn dies wäre wirklich zu befürchten und mein Aufruf ist eher eine Übung dazu, dies schon jetzt zu verstehen und zu beantworten.

Es ist doch besser, wenn jetzt alle Staaten am besten koordiniert und zeitlich gestreckt Lebensmittel bevorraten, als dass alle in der Krise zusammen loslegen und die Spekulanten das Sagen haben.

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