Stefan Groß trifft: Interview mit Markus Lüpertz: Der einzige Sinn der Kunst ist die Freiheit

Markus Lüpertz, Foto: Stefan Groß

Wie tief steckt die Malerei in der Krise?

Es ist keine Krise, es ist eine Vergesslichkeit. Zeit kann nie für Krisen verantwortlich gemacht werden. Die Malerei hat im Moment keine herausragende Bedeutung wie sie diese noch in den 50 er Jahren hatte. Wenn sie in den 50er, 60er und 70er Jahren von Kunst redeten, waren sie automatisch bei der Malerei. Heute sind sie bei ganz was anderem.

Was ist die Aufgabe der Kunst im 21. Jahrhundert?

Es gibt keine Frage der Aufgabe. Kunst ist existent wie die Lüfte; sie hat keine Verpflichtung irgendwas zu tun, sie hat keine Verpflichtung sinnvoll oder pädagogisch zu sein. Sie ist Kunst. Und Kunst ist der Inbegriff des Frei-Seins. Deswegen ist die Kunst immer die politischste, ohne dass sie über Politik reden muss. Wenn sie Kunst machen, sind sie tolerant und großzügig. Das muss man begriffen haben. Die Kunst ist nicht dafür da, irgendein Zeitgefühl zu lüften.

Was macht ein Genie, was mach den Dilettantismus aus?

Dilettanten sind wir alle. Wenn sie kein Genie haben, bleiben sie im Dilettantismus hängen.

Worin liegt für Sie das Geheimnis künstlerischen Schaffens?

Das ist ein Perpetuum Mobile. Ich habe als ganz junger Mann angefangen und das hat nie aufgehört.

Sie haben beruflich und gesellschaftlich alles erreicht, sind eine Ikone der Kunst, Professor, Magnifizenz. Hölderlin hatte einmal gesagt: Was bleibt aber stiftet der Dichter, was stiftet Markus Lüpertz?

Ich hoffe doch ein großartiges Werk

„Über Gott steht noch der Künstler“ haben Sie einmal gesagt, wie meinen Sie das?

Religion ist nicht mehr vorhanden, sie ist soziale und kriminelle Dinge verstrickt, die sie in ihrer Wertung und Ehre verletzt. Und wir als Künstler, Knechte vom lieben Gott, sind nun dazu gerufen, Gott unter die Arme zu greifen, damit die Menschen von der Seele der Natur, vom Umfeld und vom Gegenüber noch etwas begreifen.

Ist Eitelkeit eine Last oder eine Tugend?

Es ist eine Last. Sie müssen jeden morgen Frühsport machen und einen teuren Maßschneider bezahlen.

Fürchten Sie den Tod?

Ich will leben, ich hasse den Tod, weil er mich erblinden lässt. Ich vergesse ihn einfach. So lange du lebst, ist er existent, danach ist es eh egal. Ich halte es nicht mit Todesphilosophien. Nein! Der Gevatter Hein ist ein Mann, der durch meine Bilder geistert und der mir immer wieder begegnet – aber letztendlich ist er ein Problem der Lebenden.

 

Fragen: Stefan Groß

Das Interview entstand bei der Eröffnung der Ausstellung seiner Meisterschüler in der Regierung von Oberbayern, Maximilianstraße 39, München, die bis 16. Januar 2019 zu sehen ist!

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Stefan Groß
Über Stefan Groß 2000 Artikel
Dr. Dr. Stefan Groß, M.A., DEA-Master, geboren 1972, studierte Philosophie, Theologie und Kunstgeschichte an den Universitäten Jena und München. 1992 gründete er die Tabula Rasa, Jenenser Zeitschrift für kritisches Denken und 2007 die Tabula Rasa, Die Kulturzeitung aus Mitteldeutschland, 2011 Zeitung für Gesellschaft und Kultur