Ulrike Eichhorn: Palladio-Aldinen

Antike Reste, Griechenland, Foto: Stefan Groß

Palladio – mit vollem Namen Andrea della Gondola – ist am 30. November 1508 in Padua geboren. Er ist Sohn des Müllers Piero della Gondola und dessen Frau Martha. 1521 beginnt seine Lehre als Steinmetz bei Bartolomeo Cavazza. Die Lehre bricht er ab und geht nach Vicenza. Dort arbeitet er in der Pedemuro-Werkstatt von Giovanni da Porlezza und Girolamo Pittoni ca. 12 Jahre lang. Seit dem Jahr 1524 ist der junge Palladio in der Zunft der Maurer und Steinmetze aufgenommen. Spätestens 1534 heiratet er die Frau eines gewissen Marcantonio mit der er fünf Kinder fünf Kinder großzieht. Um 1538 begegnet er dem Edelmann Giangiorgio Trissino mit dem er mehrmals zu Studienzwecken nach Rom reist. Ebenso bedeutend ist die Bekanntschaft mit Daniele Barbaro etwa 1554. Im Jahr 1570 erscheint der Erstdruck von Palladios ,,I Quattro Libri dell` Architettura“ und er wird zum ,,Publico Consultente Architettonico della Republica Veneta“ ernannt. 10 Jahre später endet das Leben des viel gerühmten Architekten in seiner Wahlheimat Vicenza. Er wird dort 1580 in Santa Corona begraben.

Dies ist der dritte und letzte Band der Palladio-Aldinen, vorher erschienen „Palladio in Veneto“ und „Palladio in Rom“. In diesem Band stehen seine Projekte und Bauten im Vordergrund: „In dem Ihnen vorliegenden dritten Band der Palladio-Aldinen stelle ich Ihnen nicht nur die Werke vor, als deren Urheber Palladio gilt, sondern auch jene, die ihm zugeschrieben werden – und über deren Konstrukteure sich die Fachwelt weitgehend uneins ist.“ (S.VII-VIII)

Das Buch beginnt mit einleitenden Bemerkungen über die Person Palladios. Dann werden 100 Werke nach folgender Unterteilung vorgestellt: Villenbauten und –projekte, Stadthäuser und Fassaden, Basiliken, Bürgerhäuser und Loggien, Theaterprojekte, Portale, Sakrale Bauten und Projekte, Grabaltäre, Stadtmodell Il Gioiello Di Vincenza sowie der Entwurf der Scuola dei Mercanti.

Außerdem werden die Personen, die Palladio geprägt, gefördert, unterstützt, beauftragt und begleitet haben und insgesamt einen großen Einfluss auf ihn besaßen, näher vorgestellt. Zunächst werden die Bauherren, dann die Patriarchen und Bischöfe sowie zum Schluss seine Künstlerkollegen und Schüler präsentiert. Nach einem Nachwort findet man noch im Anhang die Lebensdaten des großen Architekten, eine Zeittafel, ein Werk- und Personenverzeichnis sowie die Quellen- und Bildnachweise.

In den 100 vorgestellten Werken sind sehr viele Grundrisse und Bilder enthalten, die das Werk Palladios schön visualisieren. Seine Förderer, Kollegen und Schüler werden immer im Zusammenhang zu ihm vorgestellt, was seine Beziehungen zu Menschen und seinen Charakter entschlüsselt. Mit Hilfe dieses Buches kann man sehr gut eine architektonische Zeitreise ins Italien des 16. Jahrhunderts angehen, es kann sehr gut als touristischer Leitfaden benutzt werden. Es ist allerdings zu empfehlen, als Ergänzung dazu auch die anderen beiden Bände zu kennen.

Ulrike Eichhorn: Palladio-Aldinen. Vol 3.: Palladios Werkschau, Edition Eichhorn, Berlin 2018, ISBN: 978-3-944377-12-4, 48 EURO (D)

Michael Lausberg
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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.