Warum Sozialisten die Kernenergie zu Recht hassen und fürchten

DDR-Sandmaennchen, Foto: Stefan Groß

Wahre Sozialisten sind aus ideologischen Gründen gegen Kernenergie. Warum?

Wenn man intensive Systeme für die Stromerzeugung – i.e. Kernenergie – nutzt, kann man in einer kapitalistischen Wachstums- und Industriegesellschaft leben, ohne auf Umweltschutz verzichten zu müssen. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Man kann den Umweltschutz nicht mehr ins Feld führen, um die Abschaffung des Kapitalismus zu fordern. Erneuerbare Energien euphorisieren die ideologische sozialistische Klimapolitik. Es geht nicht um die Rettung des Klimas oder eines sonstigen bürgerlichen Nonsenses, sondern einzig um den Sieg des Sozialismus.

Ich könnte hier enden.

Es sind Linke, Progressive und Sozialisten, die von den USA und Kanada bis Spanien und Frankreich Kernkraftwerke stilllegen wollen. Sie behaupten, dass sie zutiefst um das Klima besorgt sind. Warum wollen ausgerechnet Sozialisten Kernkraftwerke schließen und nicht die konservativ-bürgerlichen Klima-Skeptiker?

Die größten Erfolge bei der Kernenergie haben bisher Schweden und Frankreich zu verzeichnen, zwei Nationen, die von Sozialdemokraten und Sozialisten jahrzehntelang als Vorbild einer gewünschten Gesellschaftsform gehandelt worden sind.

Es ist die Kernenergie, nicht die Sonnen- und Windenergie, die die Energieversorgung radikal und schnell aus der Kohle herausführt, gleichzeitig für steigende Einkommen sorgt und somit den gesellschaftlichen Wohlstand mehrt. Allein die Kernenergie hat den Verkehr durch den Antrieb von Hochgeschwindigkeitszügen in Frankreich, Japan und China dekarbonisiert. Der Verkehrssektor trägt etwa ein Drittel zu den von Menschen verursachten Emissionen bei.

Warum will der einfache Bürger eines kapitalistischen Staates aus der Kernenergie aussteigen? Aus Unkenntnis! Nur wenige dieser Bürger wissen, dass Kernenergie die sicherste aller Energiequellen ist. Niedrige Strahlendosen sind ungefährlich, nachweislich gesundheitsfördernd. Zudem ist Atommüll die sicherste Abfallart..

Wie viel Tote sind pro Terawattstunde zu erwarten?

Kohle 244

Öl 52

Biomasse 50

Gas 20

Wasser 1

Wind 0,15

Solar 0,1

Kernkraft 0,04

Somit ist die Kernenergie die sicherste aller Energiequellen. Unwissenheit allein kann nicht die Angst vor Kernenergie erklären. Das Problem besteht darin, dass Progressive die Kernenergie mit Atombomben in Verbindung bringen. Psychologen dokumentieren seit über einem halben Jahrhundert, wie Menschen ihre Angst vor der Atombombe auf die Kernkraft übertragen. Die jüngeren Atomgegner hingegen sind eher in Angst vor dem Klimawandel aufgewachsen als in Angst vor dem Atom! Die Stilllegung von Kernkraftwerken hat sich als das schlimmste Übel für das Klima erwiesen.

Der Reiz der Erneuerbaren

Die meisten Befragten geben an, erneuerbare Energien zu bevorzugen aus demselben Grund, aus dem sie auch Bio-Produkte kaufen: Dahinter steckt ein Irrtum, der sich auf die Natur beruft.

Die Welt wird in „natürliche“ und „unnatürliche“ Dinge unterteilt. „Natürliches“ soll besser, sicherer oder sauberer sein als „Unnatürliches“. Tatsächlich benötigen Solarkraftwerke hundertmal mehr Landfläche als Kernkraftwerke und die zehnfache Menge an Rohstoffen, um dieselbe Leistung zu erzeugen. Solarkraftwerke erzeugen hundertmal mehr Abfall. Endlich wird das Bienensterben, welches die menschliche Zivilisation bedroht, mit Solaranlagen (und Mais-Monokultur) wissenschaftlich in Beziehung gebracht.

Windparks töten Hunderttausende gefährdete Vögel bedrohter Arten und tragen zur Ausrottung der Fledermäuse bei. Windparks führen zum Tod von mehr Menschen als Kernkraftwerke. Da aber Sonnenschein, Wasser und Wind uns ein gutes Gefühl vermitteln und weil wir sie aus irgendeinem Grund für natürlicher halten als Uran, gehen wir unbewusst davon aus, dass erneuerbare Energien besser für die Umwelt und dem Menschen sind. Investoren und Befürworter (Politiker) erneuerbarer Energien wissen und verschweigen, dass Solar- und Windparks schädliche Auswirkungen auf die Umwelt haben.

Solar- und Windindustrie reagieren genau so, wie es Marketingexperten gewöhnlich tun, wenn sie mit Umweltproblemen konfrontiert werden: Sie beharren darauf, dass es keine Probleme gibt. So betont die Solarlobby gern, dass gebrauchte Paneele gewinnbringend recycelt werden können und dass dies auch tatsächlich geschieht. Der Windlobby ist die Feststellung wichtig, dass gewöhnliche Hauskatzen mehr Vögel töten als Windkraftanlagen.

Doch solche Behauptungen sind irreführend. Hauskatzen töten kleine, häufig vorkommende Vögel wie Spatzen, aber keine großen, gefährdeten Vogelarten wie Adler. Und die Fachleute sind sich einig, dass es wirtschaftlich nicht lohnenswert ist, Solarmodule zu recyceln. Der Kauf von Neuware ist billiger. Viele Befürworter erneuerbarer Energien sind nur des Geldes wegen dabei und haben auch nicht die geringsten Skrupel, politische und wirtschaftliche Bündnisse mit Erdgas-Interessen einzugehen. In Deutschland ist dies allgemein bekannt.

Die meisten Befürworter erneuerbarer Energien und auch progressive, sozialistische Führungspersonen lassen sich auch durch Überzeugungen motivieren, nicht nur durch Geld.

Wie Kernenergie die erneuerbaren Energien bedroht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangt die Arbeiterklasse in den industrialisierten Ländern weltweit zum ersten Mal zu materiellem Wohlstand, was (leider) die Auffassung widerlegte, nur eine radikale, sozialistische Gesellschaftstransformation wird die Armut beenden. Kapitalismuskritiker verlagern daraufhin ihren Blickwinkel: Das Problem ist nun nicht mehr, dass der Kapitalismus in Armut führe, sondern dass Kapitalismus die Umwelt zerstört.

„Die Bedürfnisse von Industrieanlagen stehen über den Bedürfnissen des Menschen nach sauberer Luft“, schreibt der sozialistische Umweltschützer Bookchin bereits 1962. „Der Kapitalismus schafft Widersprüche nicht nur zwischen Menschen, sondern auch zwischen Mensch und Natur. Die verhängnisvollen Gesetze des Marktes haben Vorrang vor den zwingendsten Gesetze der Biologie.“

Kapitalismuskritiker haben ein riesiges Problem mit der Kernenergie. Seit den 1940er Jahren bringt die Kernenergie die Industriegesellschaft voran, reduziert die Luftverschmutzung und verringert den ökologischen Fußabdruck der gesamten Menschheit.

Das „Problem“ mit der Kernenergie ist: Kernenergie stellt unter Beweis, dass wir die Gesellschaft keineswegs radikal umorganisieren müssen, um Umweltprobleme zu lösen. Wir brauchen lediglich Kern- statt Kohlekraftwerke zu bauen. Eine sozialistische Revolution ist kontraproduktiv. Jeder ehrliche und gebildete weiß, dass der Sozialismus Umweltprobleme erzeugt.Wer dies nicht glaubt / glauben will, soll nach China, nach Venezuela, nach Russland, in die Ukraine oder in die ehemalige DDR reisen.

Man vergleiche Deutschland mit Frankreich! Deutschland hat viel von dem umgesetzt, was der Green New Deal vorsieht. Bis 2025 wird Deutschland 500 Milliarden € für erneuerbare Energien ausgegeben haben, während gleichzeitig Kernkraftwerke stillgelegt werden. Was bekommt Deutschland für seine Energiewende? Um 50 % höhere Strompreise, stagnierende Emissionen und eine Stromversorgung, die 10 mal CO2-intensiver ist als die Frankreichs.

Frankreich hingegen hat einfach Kernkraftwerke gebaut. In den letzten zehn Jahren versucht Frankreich, aus politischer Dummheit (Abhängigkeit?) Deutschland nachzuahmen. Was ist die Folge? Frankreich gibt 30 Milliarden € für erneuerbare Energien aus, die CO2-Intensität seiner Stromerzeugung steigt parallel zu den Strompreisen. Frankreich, Deutschland und andere konkrete Fälle zeigen, dass Kernenergie der einzige Weg ist, um die Energieversorgung signifikant, nachhaltig und kostengünstig zu dekarbonisieren und damit dem Klimawandel erfolgreich entgegenzuwirken.

Das Problem mit der Kernenergie ist, dass sie ohne radikale Gesellschaftstransformation auskommt. Kernenergie benötigt keine Umverteilung von Milliardenbeträgen an sich progressiv gebende Interessengruppen.

Was die Kernenergie tut, ist folgendes: Sie steigert den gesellschaftlichen Wohlstand, erhöht die Einkommen und entkoppelt die Wirtschaft von Umweltverschmutzung und Umweltzerstörung. Die Abschaffung der Kernenergie senkt die Einkommen und koppelt die Wirtschaft an Umweltverschmutzung und Umweltzerstörung.

Kein Wunder, dass die Kernenergie so sehr von Sozialisten, die auf die sozialistische Revolution setzen, und anderen verbohrten Ideologen gehasst wird!

Artikel angelehnt an

https://www.forbes.com/sites/michaelshellenberger/2019/02/14/the-real-reason-they-hate-nuclear-is-because-it-means-we-dont-need-renewables/
Nathan Warszawski
Über Nathan Warszawski 287 Artikel
Dr. Nathan Warszawski (geboren 1953) studierte Humanmedizin, Mathematik und Philosophie in Würzburg. Er arbeitet als Onkologe (Strahlentherapeut), gelegentlicher Schriftsteller und ehrenamtlicher jüdischer Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft zu Aachen.