Wie erschaffe ich eine Verschwörungstheorie? Unerhörte Aussagen der WHO

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Einer ganzen Reihe von Experten wurde inzwischen das rufschädigende Beiwort „Verschwörungstheoretiker“ angehängt. Bekanntestes Beispiel ist vielleicht W. Wodarg, vor dessen Konterfei in einem der wichtigsten deutschen Nachrichtenportale auf rufschädigende Weise geschrieben steht: „Verschwörungstheorien. Böse Mächte und trojanische Pferde“. Wer solche Verschwörungstheoretiker zitiert oder sonstwie in Umlauf bringt, gerät selbst in den Ruch, einer zu sein. Vor wenigen Wochen stellte man mich ein ein Forum vor die Wahl: Nur wenn du auf Zitate von Wodarg und Bhakdi verzichtest, kannst du bei uns veröffentlichen. Ich leistete keinen Verzicht. Hier wurde der Beitrag problemlos akzeptiert.

Es stellt sich die Frage: Wie baut man Verschwörungstheoretiker? Im Folgenden eine praktische Kurzanleitung, an deren Ende gleich zwei Institutionen als Verschwörungstheoretikerinnen dastehen:

Auf tagesschau.de heißt es am 6. Mai 2020:
„Für die WHO ist klar: Reisebeschränkungen schaden bei einer Pandemie mehr als dass sie nutzen. Das Innenministerium riegelt die Grenzen dennoch ab, kann das auf Anfrage aber nicht wissenschaftlich begründen.“

Wenn heute ein Virologe oder ein Epidemiologe oder ein anderer Facharzt sagt, Reisebeschränkungen seien unangemessen oder unverhältnismäßig, so wird er oder sie schon morgen „Verschwörungstheoretiker“ genannt werden.

Vor dem Hintergrund des aktuellen Regierungsgebarens klingt obiges Zitat überaus konspirativ. Schließlich scheint Konsens, dass die deutsche Regierung den Vorgaben der WHO folgt. Dies ist ein großer Irrtum. Folgen wir der Spur zur WHO, so werden wir in Sachen Corona-Maßnahmen tatsächlich eines Besseren belehrt, und nicht nur tagesschau.de steht als Verbreiterin von Verschwörungstheorien da, sondern auch die WHO. Dies klingt wenig überzeugend. Doch man lese:

WHO continues to advise against the application of travel or trade restrictions to countries experiencing COVID-19 outbreaks. In general, evidence shows that restricting the movement of people and goods during public health emergencies is ineffective in most situations and may divert resources from other interventions. Furthermore, restrictions may interrupt needed aid and technical support, may disrupt businesses, and may have negative social and economic effects on the affected countries.“

Vor dem Hintergrund zurückliegender Erfahrungen rät die Weltgesundheitsorganisation von Reise- oder Handelsbeschränkungen ab, da sie nicht zum gewünschten Ziel führen würden und negative Auswirkungen auf das soziale und wirtschaftliche Geschehen der betroffenen Länder haben können. Dies gelte nicht zuletzt mit Blick auf Länder, die auf Hilfslieferungen angewiesen sind.

Und, man höre und staune, nicht einmal zur Einführung einer Maskenpflicht rät die WHO (in meinem Wohnort, Hamburg, am 27. April 2020 eingeführt):

„A medical mask is not required if exhibiting no symptoms, as there is no evidence that wearing a mask – of any type – protects non-sick persons.“

Offensichtlich weichen die oben zitierten Auffassungen der WHO zur Corona-Epidemie von denen der Bundesregierung auf ganz eklatante Weise ab. Und zwar auf eine derart gravierende Weise (in Deutschland gab oder gibt es ja Reisebeschränkungen und eine Maskenpflicht), dass die Bundesregierung die WHO zu einer Verschwörungstheoretikerin erklären muss. Aber Vorsicht: Wer das Wort „Verschwörungstheoretiker“ zur Denunziation abweichender Meinungen zu häufig benutzt, gerät irgendwann selbst in den Verdacht einer zu sein. Die Bundesregierung als Gesamtverschwörer?

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Über Karim Akerma 60 Artikel
Dr. Karim Akerma, 1965 in Hamburg geboren, dort Studium u.a. der Philosophie, 1988–1990 Stipendiat des Svenska Institutet und Gastforscher in Göteborg, Lehraufträge an den Universitäten Hamburg und Leipzig, Tätigkeit als Übersetzer aus dem Englischen, aus skandinavischen und romanischen Sprachen. Wichtigste Publikationen: „Verebben der Menschheit?“ (2000) sowie „Lebensende und Lebensbeginn“ (2006).