150 Jahre Bernheimer Jubiläumsausstellung

Die mit der Rückgabe von 121 Werken an die Freimaurer begonnene Restitutionsaktion von NS-Raubgut durch die Bayerische Staatsbibliothek (S. Restitution von NS-Raubgut an die Freimaurer in Tabula Rasa Nr.94 (12/2013) fand am 18.März 2014 ihre Fortsetzung. Dr. Franziska Bernheimer nahm 7 Bände aus der Reihe „The Spanish Series“ von Albert F. Calvert entgegen, die die Geheime Staatspolizei Ende 1938 aus dem Besitz ihres Vaters Dr. Ludwig Bernheimer (1906-1967) beschlagnahmt und anschließend an die Bayerische Staatsbibliothek übergeben hatte, die sie als „Geschenke“ in den eigenen Bestand aufnahm. Die Konfiszierung war im Rahmen eines breitangelegten Beutezuges erfolgt, dem 68 jüdische in München ansässige Familien zwischen November 1938 und Februar 1939 zum Opfer fielen. Zu den Prominentesten gehörte die Familie Bernheimer, deren traditionsreiches Geschäftshaus am Lenbachhaus in der Novemberpogromnacht 1938 mutwillig zerstört wurde. Daraufhin folgte die Verhaftung von Kurt, Ludwig, Otto und Paul Bernheimer, die mehrere Wochen im KZ-Dachau inhaftiert wurden sowie eine weitere Razzia von Kunstobjekten und Wertgegenständen in den Wohnungen von Ernst, Ludwig und Otto Bernheimer.
Bei der offiziellen Restitution äußerte Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB) Dr. Rolf Griebel sein Bedauern für die „Hintergründe und Umstände“, wie die Bücher „ins Haus gelangten“ und „ebenso für die damalige Verstrickung in das geschehene Unrecht.“ Durch ihre 2003 aktive und in Eigeninitiative begonnene Suche nach Raubgut in ihren Beständen bemüht sich die BSB, ihren Beitrag zur Umsetzung in die Praxis der „Erklärung von Bund, Ländern und Kommunen zur Auffindung und Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes“.

Im kommenden Mai 2014 feiert die Familie Bernheimer das 150. Jubiläum ihrer 1864 von Lehman Bernheimer gegründeten Kunsthandelsfirma mit einer Ausstellung in den eigenen Räumen in der Briennerstr. 7. Gezeigt werden exemplarisch Objekte aus verschiedenen Sammelgebieten, auf denen sie in der Vergangenheit tätig war: Kunsthandwerk, Möbel, Asiatika und Tapisserien. Schwerpunktmäßig konzentriert sich die Schau auf das Gebiet, auf dem der international tätige Kunsthändler Konrad O. Bernheimer mit Galerien in München und London Herausragendes leistet, nämlich auf dem Gebiet der Altmeistergemälde. In die Arbeit der nächsten Generation führen wiederum einige Beispiele aus der Fine Art Photography Collection der Tochter Bianca Bernheimer, die eine Auswahl von Bildern aus dem frühen 20. Jahrhundert
und aus Werken zeitgenössischer Künstler vorstellt.
Einblicke in die bewegte Geschichte der berühmten Kunsthändlerdynastie, die bis in die 30er Jahre eine eminente Rolle im Münchner Kulturleben spielte, gewährt die Familienbiographie „Narwahlzahn und Alte Meister“ , die Konrad O. Bernheim anläßlich des Jubiläums vorlegt. Sie spannt den Bogen von den Aufbaujahren der Firma am Lenbachplatz bis zur erzwungenen Emigration nach Venezuela, wo er selbst geboren wurde, und von der Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit in der Nachkriegszeit in München bis heute.
Konrad O. Bernheimer ist Eigentümer und Chairman von Colnaghi in London, der 1760 gegründeten ältesten Galerie der Welt. Als Chairman der Pictura ist er für die internationale Kunstmesse TEFAF in Mastricht tätig. Er ist d.h. der Initiator der Kunstmesse High Lights, die seit dem letzten Jahr in der Münchner Residenz stattfindet. Er wurde vor Kurzem mit dem Verdienstorden am Bande der BRD ausgezeichnet. Lesungen aus seiner Autobiographie werden im Rahmen der Ausstellung stattfinden, die vom 9. Mai bis zum 26. Juli andauert.
www.bernheimer.com

Links:
http://www.zeit.de/2014/02/rettung-konrad-bernheimer
http://www.tabularasa-jena.de/artikel/artikel_5127/

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Anna Zanco-Prestel
Über Anna Zanco-Prestel 178 Artikel
Dr. Anna Zanco-Prestel, hat Literaturwissenschaften (Deutsch, Französisch und Italienisch) und Kunstgeschichte in Venedig, Heidelberg und München studiert. Publizistin und Herausgeberin mit Schwerpunkt Exilforschung. U.d. Publikationen: Erika Mann, Briefe und Antworten 1922 – 69 (Ellermann/DTV/Mondadori). Seit 1990 auch als Kulturkoordinatorin tätig und ab 2000 Vorsitzende des von ihr in München gegründeten Kulturvereins Pro Arte e.V.

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