Alte Pinakothek | Van Dyck

Anthonis van Dyck, Selbstbildnis, um 1615 Öl auf Eichenholz, 43 x 32,5 cm © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste, Wien

ERÖFFNUNG | 24. OKTOBER 2019, 19.00 | in der PINakothek der Moderne

AUSSTELLUNGSDAUER | 25. OKTOBER 2019 BIS 02. FEBRUAR 2020

Anthonis van Dyck – in ganz Europa wurde er gefeiert für seine Porträts von Fürsten, Feldherren, Künstlern und Schönheiten seiner Zeit. Sie alle wurden von ihm unvergleichlich lebendig und zugleich repräsentativ ins Bild gebannt. Doch der Weg zum Ruhm war kein einfacher: Seine künstlerischen Anfänge standen im Zeichen des berühmten Peter Paul Rubens, dem gleichermaßen bewunderten wie fast übermächtigen Vorbild, das seine frühen Historienbilder prägte. Erst in Italien, unter dem Einfluss der venezianischen Malerei, von Tizian und Tintoretto, fand er seinen eigenen Weg.

Die Ausstellung bringt dem Besucher eine Künstlerpersönlichkeit nahe, die auf der Suche war, im Ringen mit der eigenen Kreativität und den künstlerischen Zielen. Die intensive Auseinandersetzung mit den Vorbildern führte letztlich von der Historien- zur Porträtmalerei, mit der Van Dyck zu einem der bekanntesten und gefragtesten Maler seiner Zeit aufstieg. Der hohen Nachfrage begegnete er mit effizienten Produktionsmethoden und einer arbeitsteilig organisierten Werkstatt, und so tritt er uns nicht nur als Künstler, sondern im gewissen Sinne auch als Unternehmer vor Augen.

Die hier präsentierten Einblicke in eine Künstlerpersönlichkeit beruhen auf den Ergebnissen eines mehrjährigen Forschungsprojekts zum Münchner Van Dyck-Bestand, welches der Ausstellung vorausging. Dessen Ziel war es, zu einer genaueren zeitlichen Einordnung der Gemälde zu kommen, die Entwicklung der spezifischen künstlerischen Handschrift nachzuvollziehen und daraus Kriterien zur Unterscheidung von eigenhändigen Werken und denen der Werkstatt abzuleiten. Anhand von Röntgenaufnahmen und Infrarotreflektogrammen, die in der Ausstellung gezeigt werden, lässt sich insbesondere an den frühen Historiengemälden nachvollziehen, wie Van Dyck Kompositionen entwickelte, wieder verwarf und überarbeitete, bis das Ergebnis seinen Vorstellungen entsprach. Die Erkenntnisse über die Bildgenese und die Arbeitsmethoden ermöglichten zugleich einen Einblick in eine der produktivsten Künstlerwerkstätten des 17. Jahrhunderts.

Mit rund 100 Exponaten, darunter zahlreiche Leihgaben von Museen und Privatsammlungen in Europa und den USA, zeichnet die Ausstellung die künstlerische Entwicklung von Van Dyck nach. Die erste Sektion ist den früh entstandenen Werken gewidmet. Es handelt sich überwiegend um Historiengemälde, die den Einfluss von Rubens verraten. Kennzeichnend für diese Schaffensphase ist die komplexe Werkgenese, die in der Ausstellung auch durch Zeichnungen und Skizzen anschaulich wird.

Die nach dem Italienaufenthalt entstandenen Werke stehen im Mittelpunkt der zweiten Sektion: Vor allem die Mariendarstellungen reflektieren die künstlerischen Impulse, die Van Dyck von Tizian empfangen hatte. Die zahlreichen Bildnisse aus dieser Zeit markieren jedoch auch eine Neuorientierung in seinem künstlerischen Schaffen. Seine Porträts kennzeichnet eine sensible Beobachtung der Persönlichkeit, die er zugleich mit geradezu sinnlich wahrnehmbaren Stoffen und in einem repräsentativen Dekor zu inszenieren wusste. Dies belegen auch die in der Münchner Sammlung in eindrucksvollen Beispielen vertretenen Künstlerbildnisse. Ihnen ist die dritte Sektion der Ausstellung gewidmet.

Die zehn Grisailleskizzen aus dem Münchner Bestand, die mit dem monumentalen Projekt der „Ikonographie“ in Verbindung stehen, eröffnen die vierte Sektion: Sie reflektiert die Arbeitsprozesse innerhalb der Werkstatt von den eigenhändigen Vorlagen Van Dycks bis zur abschließenden Ausführung im Kupferstich oder in der Radierung. Ebenso wie die Reproduktionsgraphik hatten auch die zahlreichen, von besonders qualifizierten Werkstattmitarbeitern angefertigten Repliken einen entscheidenden Anteil an der Verbreitung von Van Dycks Œuvre, steigerten so seinen Ruhm und sicherten sein künstlerisches Nachwirken.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Kuratorin der Ausstellung und Projektleitung: Dr. Mirjam Neumeister

Wissenschaftliche Mitarbeit: Dr. Julia Thoma

Verantwortliche für das Forschungsprojekt: Dr. Mirjam Neumeister, Eva Ortner, Jan Schmidt

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Anthonis van Dyck, Selbstbildnis, um 1615

Öl auf Eichenholz, 43 x 32,5 cm

© Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste, Wien

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