Anmerkungen zum Glaubensstreit in der Kölner Fußballarena

Ob Frank Schaefer seine gegenwärtige Situation als Glaubensprüfung empfindet, ist öffentlich nicht bekannt. Es würde aber nicht verwundern, wenn auch diese Frage demnächst in der Öffentlichkeit diskutiert würde. Schließlich wurde vor rund zwei Wochen – wohlgemerkt ohne Not und ohne Beteiligung des beliebten Kölner Fußballtrainers – dessen tiefempfundene christliche Glaubensüberzeugung in die Öffentlichkeit gezerrt. Dies ist eigentlich nicht weiter schlimm. Schließlich steht ein überzeugter Christ eben auch dann zu seiner Überzeugung, wenn es notwendig ist, von seinem persönlichen Glaubensbekenntnis öffentlich Zeugnis abzulegen. Was aber schlimm und verantwortungslos ist im vorliegenden Fall, ist die Tatsache, dass sich Verantwortliche des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln öffentlich darüber Gedanken machten, in wie weit das Glaubensbekenntnis des Trainers eine Belastung für den stark abstiegsbedrohten Club aus der Rheinmetropole sei. Befeuert wurde diese unsägliche Spekulation bis hin zum Glaubensstreit zudem noch durch bestimmte Kölner Boulevardmedien, die ohnehin seit Jahren tagtäglich aus Gründen der Selbsterhaltung auf ihrer ersten Sportseite stets eine neue FC-Sau durch die Domstadt treiben – und sei sie noch kleiner als ein Ferkel.
Nun ist der mehrfache Familienvater Frank Schaefer, der wegen seiner Bodenständigkeit und den zwischenzeitlich so schon lange nicht mehr erlebten Heimspielfestspielen und der damit fast schon gesicherten Klassenzugehörigkeit zu Deutschlands höchster Fußball-Liga bei den Fans schon Kultstatus erreicht hatte, entnervt und konsequent mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. „Jetzt hilft nur noch beten“, titelte ein Boulevardblatt perfide, scheinheilig und geradezu despektierlich am Tag nach dem Vulkanausbruch am Clubheim im Kölner Grüngürtel. Wie groß muss bei Frank Schaefer die menschliche Enttäuschung sein, dass er diesen Schritt gegangen ist! Schließlich hatte er wenige Tage zuvor noch angekündigt, zumindest bis zum Saisonende auf der Trainerbank sitzen zu bleiben.
Der sympathische 47-Jährige, der insbesondere in seiner Familie sowie darüber hinaus auch in einem Bibelkreis verwurzelt ist, ist einfach zu anständig für ein Geschäft, von dem er selbst einmal gesagt hat, dass ihm dabei manche Mechanismen anwidern. Seinen Rücktritt habe er, so Schaefer, aus Liebe zu seinem Verein getroffen, damit der 1. FC Köln in den verbleibenden drei Spielen die nötigen neuen Impulse bekomme, um den Klassenerhalt doch noch zu schaffen. Dass Schaefer bei seinem Abschied auch nicht die leisesten Andeutungen, Kritik oder Vorwürfe hinsichtlich der Verwerfungen innerhalb des Managements und über die schleichende Demontage seiner Person über die Lippen gekommen sind, zeugt von menschlicher Größe und Würde. Das ist wohl auch als Ausweis des christlichen Menschenbildes zu verstehen, dem sich der glaubensstarke kölsche Jung‘ verpflichtet fühlt. Ein bemerkenswerter Vorgang in einem schnelllebigen Geschäft, dass immer mehr die grundlegenden Werte und Tugenden aus den Augen verliert. Klar, dass einer wie Frank Schaefer da nicht mehr mitgehen konnte. Chapeau!

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Constantin Graf von Hoensbroech
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Constantin Graf von Hoensbroech absolvierte nach dem Studium ein Zeitungsvolontariat über das "Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses - ifp". Nach Stationen in kirchlichen Medien war er u. a. Chefredakteur von "20 Minuten Köln", Redaktionsleiter Rhein-Kreis-Neuss bei der "Westdeutschen Zeitung", Ressortleiter Online bei "Cicero" sowie stellvertretender Pressesprecher der Industrie- und Handelskammer zu Köln. Seit März 2011 ist er Mitarbeiter der Unternehmenskommunikation der Rheinland Raffinerie der Shell Deutschland Oil GmbH.

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