Antisemitismus im 21. Jahrhundert. Virulenz einer alten Feindschaft in Zeiten von Islamismus und Terror

Holocaust-Mahnmal Foto: Stefan Groß

Marc Grimm/Bodo Kahmann (Hrsg.): Antisemitismus im 21. Jahrhundert. Virulenz einer alten Feindschaft in Zeiten von Islamismus und Terror, De Gruyter Oldenbourg, Berlin Boston 2018, ISBN: 978-3-11-053471-9, 119,95 EURO (D)

Antisemitismus ist in der BRD, Europa und in der Welt erschreckend weit verbreitet, er zeigt sich nicht nur in Diskriminierungen und Gewalttaten, sondern oft auch unterschwellig im Alltag. Dieser Sammelband von hochrangigen Wissenschaftlern beschäftigt sich dessen Virulenz im 21. Jahrhundert. Er erscheint in der Reihe Europäisch-Jüdische Studien des Moses-Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien. 

Das Themenfeld wird nach einer Einleitung der Herausgeber über die Perspektiven und Kontroversen der Antisemitismusforschung im 21. Jahrhundert in vier Themenblöcke mit Essays unterteilt.

Zunächst geht es um theoretische und konzeptionelle Überlegungen wie die Definitionskontroversen über Antisemitismus, „Israelkritik“ und deren Grenzen, zum Verhältnis von Antisemitismus und Sexismus und die Verbindungslinien und Unterschiede zwischen Shoah und Porajmos. Anschließend folgen Essays zum islamischen Antisemitismus: Dabei werden der muslimische Antisemitismus in Europa, der Forschungsbereich des islamischen Antisemitismus in der BRD, das Verschwörungskonstrukt des „jüdisch-westlichen Krieges gegen den Islam“, Antisemitismus und Antizionismus unter südasiatischen Muslimen und Antisemitismus im Iran seit 1979 behandelt. 

Weiter geht es mit Antisemitismus in der öffentlichen Diskussion. Dabei werden die Abwehr der Antisemitismuskritik bei der Debatte um Günter Grass, antiisraelische Schuldprojektionen zur Erzeugung eines positiven Selbstbildes an zwei Beispielen, antisemitistische Argumentationsmuster in der deutschsprachigen Medienberichterstattung über Israel, mediale Judenbilder und das Motiv des „rechtsbrechenden Juden“ in der Diskussion um kulturell-religiöse Vorhautbeschneidungen erörtert. 

Der Antisemitismus in politischen Bewegungen wird in Form von vier Beiträgen über dem aktuellen Stand der Maßnahmen der EU gegen Antisemitismus, antisemitistische Verschwörungstheorien in der Protestbewegung der Mahnwachen für den Frieden, die Nähe von Russland zu extrem rechten und antisemitischen Parteien in Europa und Antizionismus an Universitäten in den USA. 

Im Anhang findet man noch die Biografie der Autorinnen und Autoren sowie ein Personenregister.

Zahlreiche sozialwissenschaftliche Studien der jüngeren Vergangenheit haben gezeigt, dass sich Antisemitismus nicht nur in der extremen Rechten, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft findet. Daher ist die Herangehensweise mit dem Schwerpunkt Antisemitismus in der öffentlichen Kommunikation zu loben. 

Der Bereich des islamisch motivierten Antisemitismus ist lange Zeit vernachlässigt worden, nimmt jedoch im Buch zu starken Raum ein. Die meisten antisemitischen Straftaten in der BRD werden immer noch von extremen Rechten begangen, dies kommt in den Beiträgen aber nicht zum Ausdruck. Dabei wären Antisemitismus in der AfD, Antisemitismus in Publikationen der extremen Rechten oder der Antisemitismus bei Pegida und seinen Ablegern äußerst spannend.

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Michael Lausberg
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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.