Corona – Filmbrancheninfos #11

Mit „Das nenne ich Glamour!“ von Rüdiger Suchsland

Bildquelle: creative_designer auf Pixabay

Seit gestern sollen die Hilfen fließen. Derweil schafft die Diskussion ums Kurzarbeitergeld weiter Unsicherheit, und manche halten es gar für Zeit, den Stillstand zu beenden. Die gute Nachricht: Die Lage der Filmarbeiter ist Dauerthema in den Medien.

Die Kurve zeigt weiterhin steil nach oben, die Diskussion, wie es weitergehen soll, ist schon im Gange. Der Virologe Alexander Kekulé macht Vorschläge, wie der Stillstand beendet werden könne.

Die Produzentin Meike Kordes mahnt, die Zeit nach der Krise nicht aus den Augen zu verlieren – und schon jetzt geplante Fördersitzungen abzuhalten.

Die Corona-Epidemie kostet zahlreiche Leben, die drohende Wirtschaftskrise aber auch, meint der Regisseur Dietrich Brüggemann („3 Zimmer Küche Bad“) in seinem Blog. Das zweite Szenario hält er „für deutlich gravierender“. 

Covid-19 ist schlimm. Manche meinen, es gibt Schlimmeres, und möchten sich dem Coronavirus mit dem Wirtschaftswunder entgegenstemmen. »Ein interessantes Experiment!“ meint Thomas Fischer in seiner „Spiegel“-Kolumne.

Politik in Zeiten von Corona darf sich nicht in Krisenbewältigung erschöpfen. Sie muss auch Zukunft gestalten, meint der Politik-Professor Hans-Jörg Sigwart: Die aktuelle Krise erfordere eine demokratische und eine zur Utopie fähige Politik .

Damit all die Anzeigen und Anträge möglichst schnell bearbeitet werden, hat die Arbeitsagentur in Hamburg inzwischen die 40-Stunden-Woche für ihre Mitarbeiter aufgehoben. Freiwillige durften auch am Samstag arbeiten, die zuständige Abteilung wurde mit Kollegen aus anderen Bereichen verstärkt. Trotzdem dauere es 10 bis 15 Werktage, bis Unternehmen eine Rückmeldung bekommen.

Die Kinos sind seit zwei Wochen geschlossen, aber schon bahnen sich große Veränderungen an: Die Branche hat Existenzängste, Spendenaktionen werden gestartet und Festivals finden online statt: Wie sich die Filmbranche gegen die Krise wehrt.

„Kino kommt zurück“, da sind sich die Betreiber einer neuen Plattform sicher. Unter dem Hashtag #zurückinskino sammeln sie Ideen von Kinos für Kinos, die durch die Krise helfen sollen. 

Läden zu, Partys abgesagt, Aufträge weg: In der Corona-Krise hoffen viele Freiberufler auf die Idee eines Bedingungslosen Grundeinkommens. Eine Petition sammelt hunderttausende Unterschriften, und ein Berliner Verein verlost jetzt 30 mal 6.000 Euro.

In Österreich ist die Filmbranche am Limit: „Wir brauchen ein Budget für den Notfall“ mahnt Roland Teichmann, Chef des Österreichischen Filminstituts.

Drehstopp, Verschiebung, ausbleibende Honorare – wie die Corona-Krise TV-Autoren trifft, beschreibt der „Tagesspiegel“.

Die meisten Gewerke am Set haben meist nur befristete Verträge und zählen nicht als Soloselbständige. Darum haben sie bislang auch keinen Anspruch auf staatliche Zuschüsse. Auch Kurzarbeitergeld kommt für viele von ihnen nicht in Frage, denn viele Produktionen wurden einfach gestoppt und die Beschäftigten nach Hause geschickt, berichtet der RBB.

In Babelsberg stehen rund 800 Filmschaffende im Regen. In den Studios sollten in diesen Wochen zwei Hollywood-Blockbuster gedreht werden. Hinter den Arbeitstiteln verbergen sich „Die Matrix 4“ (Regie: Lana Wachowski, Produktion: Warner Brothers) und „Uncharted“ (Regie: Ruben Fleischer, Produktion: Warner Brothers). Wie die meisten Filmproduktionen im Land, wurden auch diese in der vorvergangenen Woche gestoppt. 

Während jedoch in deutschen Filmproduktionen Kurzarbeit-Modelle versucht werden, wurden rund 800 Filmschaffende außerordentlich gekündigt. So die Darstellung der Betroffenen. Rund 330 von ihnen haben sich unter dem Titel „Wir sind Babelsberg“ zusammengetan. In einer Online-Pressekonferenz informierten sie heute über ihre Lage: Demnach sei die Aufforderung zur Kündigung von den amerikanischen Produzenten ausgegangen. Diese Erklärung hätten die Filmschaffenden von der Geschäftsleitung von Studio Babelsberg erhalten. Das Studio ist, wie bei seinen internationalen Großprojekten üblich, über Tochtergesellschaften als Koproduzent beteiligt. Dadurch erhalten die Produktionen auch Unterstützung aus dem Deutschen Filmförderfonds 2 (DFFF 2). „Uncharted“ hat unter dem Arbeitstitel „Girona“ mehr als 21 Millionen Euro zugesprochen bekommen, für „Matrix 4“ sollen es unter dem Arbeitstitel „Project Ice Cream“ sogar 25 Millionen Euro sein – die Liste des DFFF führt diesen Film noch nicht auf. Zwei Gesprächsrunden mit Studio Babelsberg seien bislang gescheitert, so die Filmschaffenden. Das Studio beruft sich auf die Arbeitsverwaltung Brandenburg. Carl Woebcken, Vorstandsvorsitzender der Studio Babelsberg AG, erklärte heute: „Da angesichts der aktuellen Lage nicht mit Sicherheit prognostiziert werden kann, wann, ob oder in welchem Umfang die Arbeiten wieder aufgenommen werden können, mussten die zeitlich befristeten Arbeitsverhältnisse der freien Filmschaffenden gekündigt werden. Leider steht uns für die zeitlich befristeten Arbeitsverhältnisse das Instrument der Kurzarbeit nach heutigem Kenntnisstand nicht zur Verfügung. Wir sind im ständigen Dialog mit den betroffenen Filmschaffenden und unseren langjährigen US-amerikanischen Partnern und bemühen uns mit Nachdruck, Lösungen zu finden.“ 
Die Interessengemeinschaft „Wir sind Babelsberg“ habe sich „gegenüber der Presse hierzu teilweise mit falschen und unzutreffenden Behauptungen geäußert“, so Woebcken. Nach Darstellung der betroffenen Filmschaffenden habe das Studio erklärt, dass man die US-Produzenten in Hollywood nicht erreichen könne. Außerdem hätten sie noch keine Auszahlung der zugesagten Filmförderung erhalten. 
Zumindest im Falle von „Matrix 4“ dürfte ein Teil des Geldes schon abgerufen werden, denn es wurde bereits in der zweiten Woche gedreht, erklärten die Filmschaffenden in ihrer Pressekonferenz und erinnerten an die öffentliche Zusage der Kulturstaatsministerin („Wir lassen niemanden im Stich!“) und die versprochenen schnellen und unbürokratischen Hilfen. Die Filmschaffenden hoffen auf ein neuerliches Gespräch mit Ergebnis. „Wir wollen mit Studio Babelsberg gemeinsam als Stimme gehört werden, um auf die besonderen Bedingungen in der Branche aufmerksam zu machen“, betonten sie. Es sei „wichtig, dass nicht nur Firmen, sondern auch Filmschaffende unterstützt werden.“ 
Ende dieser Woche will man die „Konsequenzen ziehen“. Was heißen könnte: klagen. Sonst laufen die Widerspruchsfristen aus, und die Kündigungen wären wirksam. Für die Filmschaffenden von „Wir sind Babelsberg“ die schlechtere Lösung: „Die Gerichte sind, soweit wir wissen, momentan immer weniger imstande, schnell Verfahren zu führen. Viele wären daher vermutlich schon pleite, bevor es zu einer gerichtlichen Einigung kommt.“

Die Corona-Pandamie belastet auch Studio Hamburg. Die NDR-Tochter hat alle TV- und Kinoproduktionen auf Eis gelegt, da keine Dreharbeiten im öffentlichen Raum stattfinden dürfen, und will ab April Kurzarbeit anmelden. Betroffen sind rund 500 Mitarbeiter*innen.

Die Bundesregierung verspricht, freischaffende Kreative nicht im Stich zu lassen. Die aktuellen Vorschläge sind aber viel zu bürokratisch. Künstler brauchen ein Äquivalent zum Kurzarbeitergeld – und das wäre ganz einfach, schreibt die Kunstzeitschrift „Monopol“.

Vor „falschen rechtlichen Hinweisen“, warnt der Bundesverband Schauspiel (BFFS). Die würden zur Zeit an mehreren Stellen gegen den neuen Kurzarbeits-Tarifvertrag „gestreut“, von Personen, die „nicht über die notwendige fachliche Kompetenz verfügen.“
Das Problem ist uns bekannt, wir hatten darum am Freitag in der Brancheninfo empfohlen, erst die Einschätzung aus der Branche abzuwarten, insbesondere die Stellungnahmen der anderen Berufsverbände. Auf offene Fragen und Unklarheiten hatte in den vergangenen nicht nur ein Fachanwalt für Arbeitsrecht hingewiesen – auch ein Anwalt, der die Seite der Produzentenallianz vertritt, nannte die Umsetzung der Vereinbarungen »nach wie vor sehr problematisch.“ 
Da beide offenbar über die notwendige fachliche Kompetenz für ihre Kritik verfügen, ist die Antwort auch heute nicht klar, zugleich reißen die Fragen von Seiten Betroffener nicht ab. Gerne würden wir gemeinsam Licht ins Dunkel bringen und den BFFS darum gebeten, auf die angesprochenen Kritikpunkte zu antworten. Eine Entgegnung lag uns bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Der BFFS hat aber für Mittwoch eine Online-Pressekonferenz mit dem komplettem Vorstand angesetzt, um die aktuelle Lage für Schauspieler*innen in Deutschland darzustellen.

Zum Abschluss für heute unser Blog: 

„Das nenne ich Glamour!“

Wenn der Notfall da ist, kann man ihn nicht vorbereiten. Handeln kann man aber trotzdem: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 06. Von Rüdiger Suchsland

„Unsere Körper pulsieren im Beat der Angst.“
Sasha Marianna Salzmann 

Hattet ihr, liebe Leser, ein angenehmes Wochenende? Wie ist es auf der Insel namens Corona-Island? Sonnig am Samstag, kalt am Sonntag. Wer hat den Online-Gottesdienst besucht, für wen war es ein Werktag im Heimat-Büro, äh Home Office? Wer ist rausgegangen und wer kommt schon auf zweistellige Tage im geschlossenen Pandemie-Knast? In den 70er-Jahren kam bei der politischen Linken, die mit den „politischen Gefangenen“ der RAF sympathisierte, der Ausdruck „Isolationsfolter“ auf. Wenn man denen gesagt hätte: Das ist doch „Social Distancing“, das würde uns allen ganz gut tun, hätte es zynisch geklungen. Heute meinen das nicht wenige ernst – jedenfalls den letzten Satz. Bin gespannt, wann der Ausdruck „Isolationsfolter“ wieder in Mode kommt. Kann nicht mehr lange dauern – wetten das?
Und für wen ist Corona-Island wie ein Gang in eine riesige Bibliothek oder Mediathek? Oder bleibt man einfach im Bett? Schon Lagerkoller? 

Ein bisschen entwickelt man wohl auch das Gefühl einer Weltraumfahrt: Völlig losgelöst, von der Erde, fliegt das Raaaaauuuumschiff …“ Man kann sich verlieren – keine Ground Control für den Major Tom in uns allen. Das Lied von David Bowie habe ich am Samstag gehört, ein Lokal, das in Berlin-Mitte Straßenverkauf macht, hatte gedacht: Da machen wir doch gleich noch Samstagsnachmittagsdisko für die ganze Straße.Immerhin war die Musik gut.
Wenn es so etwas geben sollte, wie eine Corona-Ästhetik, die sich langsam formt, dann gehören zu der neben den neuen Moden des Ausgehens, vor allem dem neuen Charme des Maskentragens und der Gesichtsvermummung – erlesene Bemalungen für Atemschutzmaske, Designermasken zum Kaufen oder Stoffe für den selbstgebastelten OP-Mundschutz, etwa aus Seide – auch die Farbe der Einmal-Gummihandschuhe, mit der Obst und Gemüse eingepackt wirkt. Wichtiger aber: Das plötzlich die technische Qualität bei Interviews im Rundfunk und Fernsehen, oder bei der Übertragung während Online-Meetings niemanden mehr interessiert. 
Das Downgraden aller geschmacklichen Maßstäbe, das gerade stattfindet, könnte eine Chance sein, darf sich aber nicht gegen die Kunst selbst richten und zu einem ästhetischen Populismus und einer Lidl-Version von Kunst führen.

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Natürlich sind das alles alles Luxusprobleme. Luxuswahrnehmungen. An denen zumindest ich, keine Frage, meinen Anteil habe. Und mich zugleich deswegen über mich selbst ärgere. Weltentfremdung ist auch Selbstentfremdung, kein Ichgewinn. 
Zugleich habe ich den Eindruck, dass sich neben den Diskurs der Mediziner und Virologen, der den Anfang von Corona und dem sich langsam steigernden Ausnahmezustand dominierte, und dem zweiten, der Debatte um Wirtschaftlichkeit und Effizienz, die letzte Woche aufkam, und bei der vor allem nach den materiellen Kosten des Ausnahmezustands gefragt wurde, und erste, noch holzschnittartige Exit-Strategien in den Medien debattiert wurden, nun in dieser Woche allmähliche eine dritte Ebene in die Medien-Diskurse Einzug hält, ohne das die anderen verschwinden: Die soziale, gesellschaftliche Ebene. Die immateriellen, nicht in nackten Zahlen berechenbaren Kosten der Pandemie, für die Psyche, für die Familien, für die Kinder. 
Ein ziemlich trauriges Gespräch hörte ich heute Morgen dazu im Deutschlandfunk. Dort wurde Susanna Krüger, Geschäftsführerin der Organisation „Save the Children“ interviewt, und erklärte: „Für manche Kinder ist Schule der einzige sichere Ort„. Die momentane Situation verschlimmere die Lage für viele Jugendliche und Kinder. 

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Um „nackte Zahlen“ geht es trotzdem oft in diesen Tagen. Nackte Zahlen können erschüttern, sie können auch trösten. Neben den Zahlen, die viele von uns derzeit auf der Seite der Johns-Hopkins-University nachlesen, gibt es eine nicht weniger interessante Aufstellung auch das Worldometer. Auch jenseits von Corona erfährt man hier viel und ohne dauernde Werbung und Angeboten für Updates – übrigens stehen hier auch viele Zahlen jenseits der Pandemie

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Ich möchte bei dieser Gelegenheit alle Leser daran erinnern, dass man Bücher und DVD nicht bei Amazon bestellen muss. Andere Dinge übrigens auch nicht. Amazon verdient sich gerade auch ohne Euch dumm und dämlich. Allein am heutigen Montag hat die Amazon Aktie 50 Euro zugelegt. Das sind zwar nicht wahnsinnig viel, weil eine einzige Amazon-Aktie 1.784 Euro kostet, waren also „nur“ 2,9 Prozent gewonnen. Letzte Woche wurden Milliardengewinne pro Tag seit Beginn von Corona gemeldet – ganz so ist es über den kompletten Monat nicht, da zwischendurch auch ein heftiger Börsenkrach zu verzeichnen war. Trotzdem sind dies insgesamt schöne Tage für alle, die bei Amazon arbeiten. Noch schöner wäre es, wenn die Mitarbeiter davon etwas abkriegen würden. Aber das Wichtigste ist: Wenn ihr Bücher und DVDs bestellen wollt, dann gibt es andere Möglichkeiten. Wer unbedingt im Internet bestellen muss, und den klassischen Buchhandel nicht unterstützen will, oder zu denkfaul ist, um sich kurz zu überlegen, in welchen Buchhandlungen um die Ecke man bestellen könnte, der sollte – wenn schon, denn schon – bei booklooker bestellen. Wer antiquarische Bücher bestellen will, der kannn gut bei ZVAB, der „Zentralstelle für antiquarische Bücher“ recherchieren; dann aber sollte man nicht bei ZVAB bestellen, sondern direkt bei den Antiquariaten und Buchhändlern, die dort aufgeführt sind. Das ist ein kleiner Schritt mehr Arbeit, aber er bringt den Buchhändler sofort, je nachdem, bis zu 30 Prozent mehr Geld. 
Am besten aber ist es natürlich, direkt bei dem Buchhändler zu bestellen, bei dem man hoffentlich auch sonst einkauft. So kann man Menschen, die man kennt und mag direkt unterstützen. Denn diese ganzen kleinen Buchhandlung müssen früher oder später zumachen, wenn ihnen der Umsatz wegbricht. Bei Berliner Buchhandlungen kann man Bücher sogar direkt bestellen und abholen.
Da ich mal annehme, dass ziemlich viele unserer Leser in Großstädten leben, habe ich zumindest mal für die vier größten Großstädte Buchhändler aufgeführt, die aus meiner Sicht unterstützenswert sind, und bei denen ich, wenn ich in der jeweiligen Stadt bin, gerne einkaufe. Jeder der möchte, kann mir natürlich auch weitere Buchhändler ihres oder seines Vertrauens zu mailen. 
In Berlin, wo Buchhandlungen ja noch aufhaben: OcelotPro qmBücherbogen.
In München das Optimal (auch ein toller Plattenladen)
In Hamburg die Heinrich-Heine-Buchhandlung.
In Köln Buchhandlung Klaus Bittner

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Ein Schulfreund von mir, der Jura studiert hat, sagte zu mir, nachdem er durch sein erstes Stastsexamen geflogen war und ein paar Monate lang intensivst einen neuen Anlauf nahm: „Jetzt macht Jura erst richtig Spaß!“ Ich habe mir diesen Satz über ein Vierteljahrhundert gemerkt, weil er mir wie eine prototypische Formulierung aller Schönredner vorkam, all jener, die noch die deprimierendsten Erfahrungen in eine Botschaft aus Optimistismus und Hartnäckigkeit verwandeln – kontrafaktisch versteht sich, gegen jede Lebensrealität, denn ich habe das Gefühl dass jener Schulfreund bis heute nicht Jurist aus Leidenschaft ist, sondern weil er sich nicht eingestehen mochte, dass ihn das eigentlich nicht interessiert. 
„Jetzt macht Jura erst richtig Spaß!“ daran musste ich denken, als ich im Berliner „Tagesspiegel“ die Schlagzeile las: „Der Shutdown als Chance„. Solches, … pardon: Gerede, hört man zur Zeit schon viel zu oft. Der Text, der sich dahinter verbirgt, ist dann in diesem Fall allerdings viel facettenreicher und interessanter, als man fürchtet. Schon arg alarmistisch in der Rhetorik, wenn es da heißt: „Die Bewährungsprobe findet jetzt statt. Alles, was wir zu tun haben, haben wir jetzt zu tun.“ (das ist allerdings ein Zitat von Christina Thürmer-Rohr: „Abscheu vor dem Paradies“, 1987). 
Die Schriftstellerin Sasha Marianna Salzmann erklärt, was die Kulturszene aus ihrer Sicht in der Krise tun kann, und fordert von Kulturschaffenden, jetzt „Solidarität zu zeigen und sich für Grundrechte einzusetzen.“

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Hier ein Ausschnitt aus dem „Appell“ (militärisches Wort übrigens) genannten Text, und gutes Schlusswort für heute: 
„Wie wird die Welt aussehen im Herbst? … Es ist zu spät, sich auf einen Notfall vorzubereiten, wenn er da ist. Er legt lahm und zeigt die ohnehin versehrten Stellen. Die Krise funktioniert wie die Krise einer jeden Beziehung. Und so sind wir unter Schock, aber nichts überrascht. Die Krise, die die Pandemie über uns bringt, funktioniert wie die Krise einer jeden Beziehung: Man hat schon vorher von den Problemen gewusst, konnte sie aber entweder verdrängen oder kleinreden. 
(…)
Und diejenigen, denen schon immer langweilig war, die schon immer glaubten, Probleme lägen außerhalb der europäischen Grenzen in Ländern mit schwer einprägsamen Namen, stellen sich auf dauerhaftes Netflix-Streaming, endloses Gaming und photogene Lethargie ein. Daran ändern auch die Bilder des Militärkonvois mit Särgen auf dem Weg von Bergamo nach Modena gar nichts.
Wer immer nur an den eigenen Arsch denkt, deckt sich mit Klopapier ein. 
(…)
Und wir, die Kunst- und Kulturschaffenden, haben die Zeit, uns dafür einzusetzen, oder mehr noch: Es ist unser Job, Zusammenhänge anschaulich zu machen und Fragen aufzuwerfen. Wir könnten einfordern, dass neben bedingungslosem Grundeinkommen auch eine globale Krankenversicherung Gegenstand der politischen Debatten sein muss. Wir brauchen diese Grundrechte nicht nur für Deutschland. Dass die kaputtgesparten Gesundheitssysteme in Ländern wie Spanien und Italien mit der Herausforderung durch Corona nicht fertigwerden, ist auch eine Folge der europäischen Austeritätspolitik. Sie schlägt nun wie ein Pendel auch Richtung Deutschland zurück. 
Wir sind ineinander verflochten wie Zöpfe. Und wem die Forderung nach Solidarität zu viel Eso-Kram ist, wird vielleicht das Argument verstehen, dass Deutschland nicht allein aus Altruismus die Nachbarländer in dieser Krise unterstützt und Beatmungsgeräte nach Italien liefert. Kein Land wird allein virusfrei, ganz egal, wie lange die Grenzen geschlossen bleiben. Übertragen wir diesen simplen Fakt auf unsere unmittelbare Umgebung.
Wie in Beziehungen, von denen man glaubte, sie lägen in Scherben, und die nun, in der Krise, doch wieder Bestand haben, können wir anfangen, uns um die Bereiche zu kümmern, die vorher außerhalb unseres Sichtfeldes lagen. Es kann, muss aber nicht notwendigerweise die nächste Serien-Empfehlung sein, es kann auch ein Zettel im Hausflur sein, auf dem man Hilfe anbietet. 
Wir haben maßgeblichen Anteil daran, wie die Welt Herbst aussieht.
(…)
Wir könnten den Institutionen, mit denen wir arbeiten, schmackhaft machen, es genauso zu halten wie die Filmfestspiele in Cannes, die nach mühseligem Hin und Her nicht nur das Festival absagten, sondern ihren Veranstaltungsort Obdachlosen zur Verfügung stellten. Das nenne ich Glamour.“

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Bleibt gesund und bis morgen
Euer Crew United Team

Brancheninfo von crew-united und cinearte, erschienen auf out-takes

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