Der 8. Mai erscheint Gauland (AfD) nicht zum deutschen Feiertag geeignet

Zum Ende des 2. Weltkrieges in Europa vor 75 Jahren

Bild von bernswaelz auf Pixabay

Denn der 8. Mai 1945, der Tag, der das Ende des 2. Weltkrieges in Europa besiegelt – im Pazifik soll er noch einige Monate andauern – ist auch der Tag der Niederlage des Deutschen Reiches mit großen Gebietsverlusten im Osten. Für überlebende Juden und anderen KZ-Insassen ist der 8. Mai 1945 hingegen der Tag der Befreiung.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland, der die Hälfte aller Juden in Deutschland vertritt, kritisiert die Äußerung Gaulands. Gaulands Betrachtung finde man häufig unter Neonazis, die die Deutschen als Opfer darstellen.

Das Thema ist zu wichtig, um es dem Zentralrat der Juden in Deutschland zu überlassen.

Zuvor: Bis heute wird in Russland der Tag des Sieges über den Faschismus am 9. Mai gefeiert, früher auch gemeinsam mit den mit der Sowjetunion zwangsverbündeten Staaten Osteuropas. Dieser 9. Mai symbolisiert das Ende des deutschen Nationalsozialismus, jedoch gleichzeitig den Beginn der kommunistischen Unterdrückung in Osteuropa. In Weißrussland ist der 9. Mai wie in Russland ein Feiertag. In den Niederlanden wird der Befreiungstag am 5. Mai begangen, in Frankreich – mit Unterbrechungen – erneut am 9. Mai. In Berlin (West + Ost) neuerdings und zunächst Corona-einmalig am 8. Mai 2020 und zwar wegen der Befreiung Berlins (West < Ost) vom Nationalsozialismus.

Für die den 8. Mai 1945 überlebenden KZ-Häftlinge und ihren lebenden Nachkommen ist der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung. Die Befreiten und ihre Nachkommen leben verstreut auf der ganzen Welt, insbesondere in Israel, aber auch in Deutschland. Ob sie ein Interesse daran haben, dass der 8. Mai in Deutschland als Feiertag begangen werden soll, kann und will ich nicht entscheiden. Hier darf jeder seine Meinung äußern, sogar die Äußerung seiner Meinung dem Zentralrat der Juden in Deutschland überlassen.

Für die wenigen Deutschen und Österreicher, die den 8. Mai 1945, bewusst erlebt haben, ist (wäre) der 8. Mai weniger ein Tag der Befreiung als eher peinlich. Denn bis zu diesem Tag (8.5.1945) sind sie die allermeisten Deutschen und Österreicher treue Anhänger des Nationalsozialismus gewesen; und am nächsten Tag bereits Befreite! Befreit wovon? Von der Schuld an den Qualen unschuldiger Untermenschen? Von der Schuld an der Vernichtung unzähliger Staaten? Von der Schuld an der Tötung unzähliger Menschen? Was wollen diese Wenigen oder ihre Nachkommen feiern? Vielleicht wollen die Nachkommen diesen Tag still gedenken? Vielleicht wollen sie die deutschen Gebietsverluste im Osten als gerechte Strafe akzeptieren? Oder wollen sie die Bewohner der ehemaligen Ostblockstaaten um Verzeihung bitten, dass ihre Vorfahren die kommunistische Diktatur erst ermöglicht haben? Gleichgültig, was die Nachkommen der Schuldigen bevorzugen: Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern und für eine Entschuldigung ist es zu spät.

Es bleibt das Gedenken, dass sich eine solche Menschen verachtende Politik nicht und nirgendwo wiederholen möge. Doch selbst demokratische Politiker paktieren weiterhin mit den Teufeln: im Iran, in der VR China, in Venezuela, in Nordkorea … Warum nur den Massenmörder und Hitlerverehrer Stalin angreifen?

Zudem sollte der vielen Flüchtlingen gedacht werden, die auf Grund der im Deutschen Reich demokratisch gewählten Nationalsozialisten ihre Heimat verloren haben. Nicht nur Deutsche, auch viele Polen mussten vor dem Feind (Freund) fliehen.

Es besteht die große Gefahr, dass Neonazis sich mit einem offiziellen Gedenktag den Hitlerismus schön- und kleinreden. Brauchen wir für den 8. Mai einen arbeitsfreien Feiertag? Wir sollten lieber an diesem Tag ohne Bezahlung etwas Gutes und Notwendiges tun. Der 8. Mai erscheint Gauland nicht zum deutschen Feiertag geeignet. Mir auch nicht.

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Nathan Warszawski
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Dr. Nathan Warszawski (geboren 1953) studierte Humanmedizin, Mathematik und Philosophie in Würzburg. Er arbeitet als Onkologe (Strahlentherapeut), gelegentlicher Schriftsteller und ehrenamtlicher jüdischer Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft zu Aachen.