Diana Iljine im Interview – 33. Internationales Festival der Filmhochschulen München

Wie sieht für Sie ein erfolgreiches Festival der Filmhochschulen aus?

Das Publikum kommt in Scharen, die Bude ist voll, die Studenten feiern und schauen gegenseitig alle ihre Filme an – und am Ende der Woche gibt es Preise für die besten Filme und alle freuen sich miteinander.

Was ist für Sie ein Highlight des Internationalen Festivals der Filmhochschulen?

Es gibt unglaublich interessante neue Formen des Films. Wir zeigen beispielsweise einen Film zur Eröffnung „Noah“, der fast ausschließlich auf dem Computerbildschirm spielt – und das ist sehr spannend. In einem ukrainischen Film geht es um einen uralten Bus, der seit den fünfziger Jahren immer wieder repariert wird. Beim Film „Warrior“ dreht sich alles um einen jungen Mann, der einen Drogenentzugbei Schamanen durchgemacht hat und darüber vor der Kamera so packend berichtet, dass man nicht wegsehen kann. Und das sind nur einige der Highlights.

Wie unterscheidet sich das Internationale Festival der Filmhochschulen in München vonFestivals anderer Filmhochschulen?

Wir haben eine große Tradition, denn uns gibt es bereits sehr lange. Es gibt viele berühmte Filmemacher, die beim Festival erstmals ihre Filme präsentierten und danach sehr berühmt geworden sind. Ich nenne stellvertretend Caroline Link,Lars von Trier und Florian Henckel von Donnersmarck.
Von anderen Festivals unterscheidet uns z. B., dass unser Programmkomplett moderiert wird von zwei tollen Moderatoren, die mit unheimlicher Freude, Humor und Ernsthaftigkeit agieren. Das gefällt den Studenten sehr gut, besonders reizt es sie jedoch, wenn sie im Anschluß die Möglichkeit haben, über die Filme gemeinsam zu sprechen, diese zu besprechen.

Was ist das „Doppelte Auswahlverfahren“ des Internationalen Festivals der Filmhochschulen?

Wir haben zunächst die Auswahl der Filmhochschulen, die jeweils pro Schule nur 70 Minuten an Filmen. Dies ist die erste Auswahl. Hier zeigt sich, wen die Hochschulen präsentieren wollen, wer repräsentativ für die jeweilige Hochschule ist. Unter diesen vielen Einsendungen wählt dann, in einem zweiten Schritt, eine Profijury aus Filmjournalisten, Filmemachern und anderen Filmexperten die Filme aus, die wir dann zum Festival präsentieren. Der Vorteil hierbei: Es handelt sich um eine unabhängige Jury – und im Ergebnis haben wir eine Vielzahl toller Filme.

Wie begegnen Sie der neuen medialen Welt, mit Gaming, Filmen, wie „Noah“, die schon vor dem Festival im Internet zu sehen sind, kostenlosen Film-Downloads usw. in der Ausrichtung des Internationalen Festivals der Filmhochschulen?

Ich beschäftige mich seit langem mit dem Thema Film, auch als Einkäuferin. Die Exklusivität hat und wird immer eine große Rolle spielen. Persönlich freue ich mich einfach über jeden Film der eine große Zuschauerschaft erfährt. Wenn dieser inhaltlich und auch technisch gut und anspruchsvoll ist, wenn wir fest von seiner Qualität überzeugt sind, ist es für uns nicht so relevant, ob der Film schon im Netz gelaufen ist. Bei „Noah“ beispielsweise sind die Juroren von den qualitativen Aspekten so überzeugt gewesen, dass wir diesen Film auch zeigen, selbst wenn er schon im Internet zu sehen ist. Dagegen achten wir beim FILMFEST MÜNCHEN Ende Juni selbstverständlich auf die Exklusivität. Hier sind wir streng, denn dann müssen es mindestens Deutschlandpremieren sein, wenn nicht Europa- oder gar Weltpremieren.

Es besteht die Tendenz immer mehr Filme im Internet anzusehen. Wie begeistern Sie das Publikum, damit es vermehrt ins Kino geht?

Das ist die große Diskussion unserer Zeit. Ich halte natürlich die Kinofahne ganz hoch und freue mich immer, wenn viele Menschen ins Kino kommen. Eine Besonderheit am Hochschulfestival ist es, dass Publikum und Filmemacher gemeinsam Filme auf einer großen Leinwand sehen können. Mir geht es – in erster Linie – um gut erzählte Geschichten und darum, dass die Studenten, und sie können das hervorragend, ihre Form für eine Geschichte finden. So sehr mir als Festivalchefin daran gelegen ist, dass Filme im Kino zu sehen sind, habe ich nichts dagegen, wenn der Film eine breite Zuschauerschaft im Internet findet. Als Festivalchefin und leidenschaftliche Cineastin bin ich aber nachhaltig daran interessiert, dass die Instanz Kino der Dreh- und Angelpunkt bleibt.

Welche Verbindung besteht zwischen dem Internationalen Festival der Filmhochschulen und dem Filmfest München?

Wir haben oft das Glück, dass Studierende und Filmschaffende hier, beim Festival der Hochschulen, erstmalig ihre Filme zeigen. Zumeist verlieben sie sich dann auch in München. Und um so mehr freut es uns, wenn sie später mit ihren langen Filmen wieder zum ‚großen’ Filmfest zurückkommen. Zuerst also beim Studentenfestival und dann beim Filmfest – schöner kann es für uns nicht sein. Das Festival der Filmhochschulen bleibt ein Impulsgeber, ein ganz toller Hebel für das Filmfest München.

Wie steht es um die Finanzen der beiden Festivals?

Derzeit gibt es positive Tendenzen bei unseren Gesellschaftern, worüber ich mich sehr freue, das Festival gemeinsam in eine Richtung zu bewegen, so dass wir uns finanziell auch mit anderen messen können. Es gibt ja eine Vielzahl von internationalen Festivals, die über viel höhere Budgets als wir verfügen –und ich glaube, dafür machen wir einen ganz tollen Job. Aber es gibt durchaus Bemühungen bei unseren Gesellschaftern und Aufsichtsräten, uns hier für die Zukunft noch wettbewerbsfähiger aufzustellen.

Gibt es etwas, was Sie uns bereits jetzt über das Filmfest München 2014 verraten?

Wir sind in Planung und werden es auch, wie jedes Jahr, schaffen, einige Highlights zu präsentieren und ein tolles internationales Programm zusammenzustellen. Was den deutschen Film angeht, gelten wir als „hub of German film“ und viele Filme wie „Oh Boy“ zum Beispiel finden vom Filmfest Münchenaus ihren Weg in die Welt, in die Kinos und auf die Festivals.

Welche war Ihre erste Begegnung mit dem Filmfest München?

Ich habe als Studentin auf dem Filmfest München gejobbt und Karten an der Vorverkaufsstelle verkauft. Dann bin ich Stück für Stück aufgestiegen und habe in der Zeit viele Stars betreut. 1992 hatte ich das Glück, Audrey Hepburn kennenzulernen, insgesamt waren das wundervolle Erlebnisse, die mich früh an das Filmfest München gebunden haben. Um so mehrgenieße ich es jetzt, dass ich nach vielen Jahren zum Filmfest wiederals Leiterin zurückgekehrt bin.

Herzlichen Dank für das Gespräch, das Sophie Adell und Dr. Dr. Stefan Groß führten.

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