Die Eifel mit Umgebung: eine wunderbare Krimikulturlandschaft

Lesenswert: Tote Biber schlafen nicht von Olaf Müller

Eifel. Bild von Thomas Hendele auf Pixabay

Eifelkrimis sind etwas besonderes. Nicht nur als Fernsehfilme (Mord mit Aussicht), sondern auch in Buchform. Die Eifelkrimis frönen einem bestimmten Witzverständnis, welches außerhalb der Eifel nur unvollkommen – so überhaupt – erfasst wird. Dafür sind die Abläufe der Geschichten etwas langsamer als der erfahrene Krimifan es außerhalb der Eifel (und Bayerns) erwartet. Doch allein wegen den wundervollen Beschreibungen der Natur sind Eifelkrimis lesenswert. Für den Hartgesottenen gibt es Eifelkrimis-Wanderwege über 20 km!

Tote Biber schlafen nicht
von Olaf Müller
Gmeiner-Verlag (Juli 2020)
247 Seiten 12 €
ISBN-13: 978-3839227664

Die behandelten Verbrechen sind hochaktuell; der Hambacher Forst ist hochkriminell! Selbst das schöne Eifelstädtchen Nideggen wird mehrfach erwähnt, wobei der Doppelkreisel im Doppelkreisverkehr nur unzureichend gewürdigt wird. In keiner Kleinstadt findet der Fahrkunst-Interessierte einen solch ausgereiften Doppelkreisel! Heute merkt man dem Doppelkreisel nicht mehr an (oder doch?), dass es sich einst um eine politische Fehlinvestition handelt, deren gefährlichen Folgen für den Rursee die Eifeler mutig und beharrlich verhindert haben. Doch dies ist einem anderen Buch vorbehalten.

Keine Vorurteile, sondern Realität:
In keinem anständigen Eifel-Haushalt darf das Abonnement der „Landlust“ fehlen. Der Name des wunderbaren, von Menschenhänden angelegten Rursee, lautet korrekt: Amazonas der Eifel. Die Eifeler Beamten, aber auch deren Bürgermeister, trinken den in ganz Deutschland bekannten Beamtenlikör, noch besser bekannt unter „Sechsämtertropfen“.

Der spannende Kriminalroman spielt hauptsächlich in Aachen statt. Bekanntlich liegt diese Stadt nicht in der Eifel, sondern in der Voreifel! Der Leser erfährt, dass der Aachener katholisch, trinkfest und arbeitsscheu ist, was auf den Eifeler nicht zutrifft. Die höchste Ehre für jeden Aachener ist es, ein Jahr lang Karnevalsprinz zu sein! Nicht einmal der Bischof kann sich daran messen!

Nun zum Inhalt: Aachener Kommissare essen gewöhnlich im Restaurant griechisch und einseitig. Obwohl heute politisch inkorrekt, suchen sie das Café zum Mohren auf, welches noch heute so heißt!!! Ein Jahr Malediven kosten so viel wie ein Reihenhaus in Vossenack. Die Geschichte selbst ist zu spannend, als dass ich mehr verraten will, außer dass Biber eine Hauptrolle spielen. Es ist ein Kriminalroman, der den Interessierten über Aachen und die Eifel die Augen öffnet.

Lesenswert!

Über Nathan Warszawski 520 Artikel
Dr. Nathan Warszawski (geboren 1953) studierte Humanmedizin, Mathematik und Philosophie in Würzburg. Er arbeitet als Onkologe (Strahlentherapeut), gelegentlicher Schriftsteller und ehrenamtlicher jüdischer Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft zu Aachen.