Die Spur der Templer

Templerkreuz in Rennes le Chateau. Bild: Thomas Ritter

„Reisen kommt fast einem Gespräch mit Menschen aus anderen Jahrhunderten gleich.“ – Descartes

Um die Existenz des Templerordens ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden. Kein anderer der geistlichen Ritterorden ist mit einem solchen Nimbus des Geheimnisvollen und Übernatürlichen umgeben. Zweihundert Jahre lang – vom 12. bis zu Beginn des 14. Jahrhunderts – prägten die Templer das abendländische Geistes- und Kulturleben entscheidend mit. Als Wirtschafts- und Finanzmacht waren sie zu ihrer Zeit unübertroffen. Es heißt, daß der Orden zu seiner Zeit die Errichtung der riesigen Kathedralen finanzierte, deren Architektur ein ganzes Zeitalter kennzeichnete. Militärische Schlagkraft, Effizienz und ein ausgeprägter Korpsgeist ließen die Templer zu einer Elite werden, die ihresgleichen Abendland suchte.

Der Mönchsritterorden wurde offiziell am 13. Januar 1129 – nicht 1128, wie lange behauptet wurde – in Frankreich geschaffen, aber sowohl um seine Entstehung als auch um seine spätere Tätigkeit ranken sich zahllose Legenden. Verbürgt ist, daß sich bereits in den Jahren 1118/19 im Heiligen Land unter Führung der normannischen Adligen Hugo de Payns und Gottfried de Saint-Omer neun Ritter zu einer Art Polizeitruppe zusammenschlossen, welche „nach Kräften für die Sicherheit von Straßen und Wegen sorgen“ wollten – insbesondere „für den Schutz der Pilger“. Bisher konnte noch kein Historiker zufriedenstellend erklären, wie Hugo de Payns und seine acht Gefährten diese schwierige Aufgabe bewältigen wollten, aber auch in den darauffolgenden Jahren schien die Sicherung der Straßen und Wege im Heiligen Land wohl das perfekte Alibi für die tatsächlichen Aktivitäten dieser Ritter zu bleiben.

In Wahrheit aber unternahmen sie ausgedehnte Reisen, wobei sie diplomatische Kontakte knüpften und regelrechte archäologische Ausgrabungen durchführten. Auffällig war besonders, daß sie sich an keiner militärischen Auseinandersetzung beteiligten, sondern viel lieber alte Ruinen erforschten.

Alle neun Gründungsmitglieder des Templerordens waren mit dem Grafen Hugo von Champagne verwandt oder aber dessen Landsmänner. Dies ist vor allem deshalb äußerst bemerkenswert, weil der Grafenhof der Champagne in Troyes zu den aufgeklärtesten Herrschaftszentren des Mittelalters gehörte und sich dort bereits seit dem Jahr 1070 eine angesehene Schule für talmudische und esoterische Studien – Zeichen einer für diese Zeit beispiellosen religiösen Toleranz und des Interesses an den Wissenschaften – befand.

Noch vor der offiziellen Anerkennung der Templer auf der Synode von Troyes im Jahr 1129 erhielten sie auf Betreiben ihres Gönners Bernhard de Fontaine – einen später heilig gesprochenen Zisterziensermönch, der die Abtei von Clairveaux gegründet hatte und zu den bedeutendsten Wortführern und geistigen Architekten des Christentums in jener Epoche gehörte – reiche Schenkungen in Form von Geld, Gütern und vor allem Ländereien. Im Jahr 1128 erließ Bernhard von Clairveaux schließlich ein Traktat, welches er „Das Lob der Neuen Miliz“ betitelte und mit dem er die militant religiösen Ziele der Templer zum Ideal und zum Inbegriff aller christlichen Werte erhob.

Ein Jahr zuvor waren alle Gründungsmitglieder des Templerordens nach Frankreich zurückgekehrt, und bereits in der ersten Regel des neu gegründeten Ordens schrieb Bernhard von Clairveaux: „…mit Gottes Hilfe…ist das große Werk vollendet worden…“. Welchen Sinn sollte diese Aussage haben, wenn sie sich auf die Aktivitäten der Templer zwischen 1118 und 1127 bezog? Was war in diesem Zeitraum Bedeutendes geschehen? Hatten sie etwa im Heiligen Land statt „die Pilger zu schützen“ etwas unendlich Wertvolles gesucht und gefunden, von dem Hugo de Payns während seiner Teilnahme am ersten Kreuzzug erfahren hatte?

Darüber kursieren die seltsamsten Spekulationen. Man spricht von der Bundeslade, dem Heiligen Gral oder dem Grab Christi, aber die Ereignisse, welche unmittelbar nach der Gründung des Ordens begannen, werfen ein völlig anderes Licht auf diese Frage. Mit dem Auftauchen der Templer in West- und Mitteleuropa begann nahezu übergangslos jenes Zeitalter, das wir heute als „Gotik“ bezeichnen und das vor allem in der sakralen Architektur seine eindrucksvollen Spuren hinterlassen hat. Zu jener Zeit entstanden etwa die Kathedralen von Chartres, Reims und Sens, um nur einige zu nennen. Scheinbar aus dem Nichts wurden die mit der Errichtung solcher Bauten verbundenen mathematischen, bautechnischen und logistischen Leistungen vollbracht. Woher stammte das Wissen und woher kamen die Mittel zum Bau dieser Kathedralen?

Bis zur heutigen Zeit umgeben zahllose Rätsel und Geheimnisse den Orden, der inzwischen zumindest als Finanzier und wahrscheinlich auch als die Quelle der Ideen und Pläne dieser imposanten architektonischen Leistungen anerkannt wird.

Die Überlieferungen berichten von riesigen Mengen an Gold- und Silberbarren, heiligen Gefäßen und nicht näher bezeichneten Wertgegenständen, die sich im Besitz der Templer befunden haben sollen. Oft ist auch die Rede von einem „geistigen Schatz“ und von uraltem Wissen, das aus dem alten Ägypten stammen dürfte und sich auf die Geheimnisse der Baumeister der Pharaonen bezieht.

Es ist also kein Wunder, daß Bernhard von Clairveaux die „neue Ritterschaft“ so über alle Maßen lobte. Gelangten doch er und seine Zisterzienser durch den Fund der Templer ebenfalls in den Besitz dieses umfangreichen, uralten Wissens, welches sich bei kluger Nutzung als Trumpfkarte im Kampf um geistliche Autorität und weltliche Macht erweisen würde.

In den Jahren nach der Ordensgründung wurden am Hof zu Troyes jedenfalls zahlreiche sehr alte hebräische Texte übersetzt, wozu manchmal sogar Rabbiner aus dem Hochburgund hinzugezogen werden mußten. Dies mag als Beleg für die hier vorgetragene These gelten.

Aus den Statuten des Templerordens geht hervor, daß sie beabsichtigten, ein vollkommen reformiertes Abendland zu schaffen – ein Europa unter administrativer Verwaltung des Ordens, das feudale Strukturen und deren Hemmnisse für Wirtschaft und Handel nicht mehr kannte – also eine Vorwegnahme der heutigen Europäischen Union. Doch die Ideen der Templer zielten weit über das Alltagsleben und die Geschäfte hinaus. Es sollte sich gleichzeitig um ein spirituelles Europa nach dem Vorbild des Ordens handeln, stark und einheitlich nach außen, um sich seiner Feinde zu erwehren und nach innen stets so gestaltet, daß der Einzelne niemals so viel Macht auf sich vereinigen konnte, daß er sie hätte mißbrauchen können. Vielleicht sollte am Ende dieses Weges sogar nach der Wiedergewinnung des Heiligen Landes eine Art Eurasischer Union und die Aussöhnung der drei großen alten Weltreligionen – Judentum, Christentum und Islam – stehen.

In den darauffolgenden Jahren nahm der neu gegründete Templerorden einen ungeheuren Aufschwung, der wohl selbst die Erwartungen seiner Gründer übertraf. Die Mönchsritter schufen in Europa zahllose befestigte Häuser – Komtureien genannt – welche schon bald für die Entwicklung und die weitere Expansion des Ordens unentbehrlich werden sollten. Wenn jemand den Wunsch verspürte, Templer zu werden, wandte er sich an die nächste Komturei und überschrieb dem Orden seinen Besitz, wodurch sich aufgrund der zahlreichen Schenkungen das Vermögen der Templer erheblich vermehrte.

In Europa bauten die Templer ihre so rasch gewonnene Vormachtstellung auf sämtlichen Gebieten immer weiter aus, und nach und nach wurden sie so zu einer einflußreichen Macht von internationalem Rang. Im Jahr 1139 bestimmte Papst Innocenz II. sogar, daß der Orden keiner weltlichen oder geistigen Macht außer dem Papst selbst Gehorsam schuldete. Damit wurde den Templern vollkommene Unabhängigkeit von allen Königen, Fürsten und Äbten gewährt, so daß sie keinerlei Einmischung seitens politischer oder geistlicher Würdenträger mehr zu befürchten hatten. Das enthob den Orden jeglicher territorialer Eingrenzung, machte ihn zum Herren über ein autonomes, internationales Reich und ließ ihn zum Diplomaten auf höchster Ebene und zum Mittler zwischen Adel und Monarchen und zwischen den christlichen und sarazenischen Herrschern in Palästina werden. Später entwickelten sich die Templer durch das Verleihen großer Geldsummen außerdem zu Bankiers aller europäischen Königshäuser und zu den einflußreichsten Geldwechslern ihrer Epoche. Selbst die Einführung des Schecks, wie wir ihn heute kennen, geht auf die Templer zurück.

In England wurde der Meister des Tempels stets zu den Sitzungen des Parlaments eingeladen und galt darüber hinaus als Oberhaupt aller kirchlichen Orden im Land. Aber auch in der islamischen Welt waren die Templer überall geachtet und angesehen, und in manchen Gebieten zahlte man ihnen sogar Tribut.

Bald schon galt der Templerorden als Umschlagplatz für neue Ideen und Gedanken, übte ein regelrechtes Monopol über die beste und modernste Technik seiner Zeit aus und förderte die Entwicklung des Vermessungswesens und der Kartographie, ebenso wie den Straßenbau und die Schiffahrt. Der Orden besaß eigene Häfen und Werften, und seine Flotte zählte zu den besten ihrer Zeit. Die Templerschiffe gehörten zu den ersten, die mit Magnetkompassen ausgerüstet waren. Manche Historiker sind sogar zu der Auffassung gelangt, daß die Templer in der Wendezeit zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert bereits Schießpulver für Kriegszwecke einsetzten und ihre Galeeren mit den ersten primitiven Geschützen bestückten. Außerdem gibt es durchaus ernst zu nehmende Hinweise darauf, daß die Westflotte des Ordens von ihrem Heimathafen La Rochelle aus bereits in der Lage gewesen sein muß, den Atlantik zu überqueren und Handelsbeziehungen mit den Völkern Mittel- und Südamerikas unterhielt.

Aber auch auf dem Gebiet der Pflege Verwundeter und der Heilung von Krankheiten waren die Templer mit eigenen Ärzten, Chirurgen und Heilerinnen federführend in Europa, und all diese erstaunlichen Leistungen und Erfolge machten es dem Orden möglich, fast zwei Jahrhunderte lang die Geschichte des Abendlandes entscheidend mit zu prägen.

Doch wie sein Aufstieg, so war auch der Fall des Ordens von Geheimnissen umgeben. Weder das enorme Barvermögen noch die Ordensarchive fielen den Häschern des Königs von Frankreich  bei der Verhaftung der Templer im Jahr 1307 in die Hände. Der einstmals mächtige Orden verschwand binnen kurzer Zeit von der Bühne der Geschichte – ganz so, als habe es ihn nie gegeben. Doch auch heute noch kursieren Gerüchte über seinen Fortbestand.

Einige Historiker sind deshalb zu der Meinung gelangt, entweder habe dieser Schatz der Templer nie existiert oder aber er sei vor der Verhaftungswelle von den Templern in Sicherheit gebracht worden. Es gibt in der Tat Hinweise darauf, dass eine Gruppe von Rittern um den Schatzmeister des Ordens systematisch ihre Flucht vorbereitete. Deshalb sollte es nicht überraschen, das sämtliches Barvermögen und die mit Sicherheit recht umfangreichen Ordensarchive spurlos verschwunden sind. Einem durchaus glaubhaften, aber von keiner weiteren historischen Quelle bestätigten Augenzeugenbericht des verhafteten Templers Jean de Chalons zufolge soll bereits Anfang Oktober 1307 zumindest der Schatz des „Temple“ von Paris aus der Hauptstadt auf einem Konvoi schwerer Lastwagen herausgeschmuggelt worden sein. Jean de Chalons sagte dazu vor den Inquisitoren aus:

„Ich habe am Abend vor der Razzia, am Donnerstag, den 12. Oktober 1307, selbst drei mit Stroh beladene wagen gesehen, die kurz nach Einbruch der Nacht den Tempel von Paris verließen, und Gèrard de Villiers und Hugo de Chalons, die dazu 50 Pferde führten. Auf den Wagen waren Truhen verborgen, die den gesamten Schatz des Generalvisitatos Hugo de Pairaud enthielten. Sie nahmen Richtung auf die Küste, wo sie an Bord von 18 Schiffen des Ordens ins Ausland gebracht werden sollten.

Diese Wagen transportierten den Schatz und wohl auch die Ordensarchive nach La Rochelle an der Atlantikküste. Die Stadt war eine Gründung der Templer und ihr bedeutendster Hafen an der Westküste Frankreichs. Hier wurden dann die Wertgegenstände und Dokumente an Bord von 18 Galeeren gebracht, die zur sagenumwobenen Westflotte des Ordens gehörten. Die Schiffe verließen mit unbekanntem Kurs den Hafen von La Rochelle und sind seither verschollen. Mit ihnen verschwanden etwa 1.300 Templer – Ritter und einfache Bedienstete des Ordens – im Dunkel der Geschichte. Den Häschern des Königs muss diese kleine Flotte jedenfalls entkommen sein, denn es fehlen jegliche Berichte darüber, dass sie aufgebracht worden wäre. Folgt man dem Historiker Mahieu, so könnten die 18 Galeeren den Atlantik in Richtung Mexiko überquert haben. Demzufolge hätten die flüchtigen Templer in Mittelamerika eine neue Heimat gefunden und dort vielleicht sogar den Traum eines eigenen Ordensstaates verwirklichen können. Aber gibt es denn wirklich Hinweise darauf, dass Angehörige des Ordens den Atlantik überquerten und Amerika erreichten?

Am Beginn des 17. Jahrhunderts verfasste der zum Christentum übergetretene aztekische Chronist Francisco de San Anton Munon Chimpalpahin Chuauhtlehuanitzin die Geschichte eines mexikanischen Volkes, der Nonohualca Teolixca Tlacochcalca. Nach den Angaben von Francisco de San Anton kamen die Angehörigen dieses Stammes aus einem Land namens Tlapallan Nonohualco. Von Interesse ist vor allem die Übersetzung dieses Namens. Tlappallan lässt sich mit „Land im Osten“ (S. Rendon, 1965), „Land der Morgenröte“ oder „Land des Orients“ (W. Krickeberg, 1965), „Land jenseits des Meeres“ (B. da Sahagun, 1829) oder „Osten inmitten des Wassers“ (E. Beauvais, 1902) übersetzen. Francisco de San Anton schreibt dazu:

„Als die Nonohualca Tlacochcalca das Land Tlapallan verließen, überquerten sie das große Meer, den großen Ozean.“

Der Chronist lässt keinen Zweifel daran, dass die Nonohualco Tlacochcalca wirklich aus einem Land jenseits des Atlantik, also aus Europa, gekommen sein müssen. Der erste französische Übersetzer der Chronik, Renè Simèon, erwähnt darüber hinaus, dass die Einwanderer sur le coquillages, „auf Muscheln“ fuhren. Dies mag wohl auf den ersten Blick seltsam erscheinen, doch Simèon schreibt:

„Die Verwendung einer solchen Vokabel für Schiff kann uns nicht besonders verwundern, die wir das Wort coque (Schale, Nussschale) im gleichen Sinn für ein Schiff verwenden – ein Wort, das vom Lateinischen concha (Muschel) hergeleitet ist.“

Im Deutschen findet sich eine Parallele dazu in dem Begriff Kogge, mit dem die mittelalterlichen Handelsschiffe der Nord- und Ostsee bezeichnet werden.

Nonohualca wird übersetzt als „Land der Stummen“ oder „Land derer, die eine andere Sprache sprechen“ (Krickeberg, 1956). Auch dies deutet auf Einwanderer aus Europa hin. Allein ist es für eine Kolonisierung durch die Templer jedoch kein ausreichendes Indiz, da offensichtlich mehrere Landungen von Europäern zu verschiedenen Zeiten stattgefunden haben.

Umso bedeutsamer ist die Analyse des Stammesnamens, den Francisco de San Anton nennt. Der aztekische Chronist bezeichnet die aus dem Osten gekommenen Einwanderer als Nonohualca Teolixca Tlacochcalca. Die Vokabel Tlacochcalca setzt sich aus drei Wortstämmen zusammen, zum einen aus tlacochtli, was „Pfeil“ oder „Waffe“ bedeutet, aus calli, was sich mit „Haus“ übersetzen lässt, und aus ca, der Mehrzahl von catl, also „Personen“ (des Hauses). Tlacochcalca heißt demzufolge „Personen oder Leute vom Haus der Waffen“, oder kürzer ausgedrückt, – „Soldaten“.

Teolixca leitete sich ebenfalls aus drei verschiedenen  Worten her: tèotl heißt „Gott“, ixtli bedeutet „Antlitz“, doch ebenso auch „Bote“ oder „Gesandter“. Die Silbe ca wiederum ist der Plural von catl, also wiederum „Personen“ oder „Menschen“. Die Einwanderer waren also „von Gott gesandte Soldaten aus einem Land jenseits des östlichen Meeres“.

Eine solche Bezeichnung wäre für einen geistlichen Ritterorden wie die Templer durchaus zutreffend, genügt jedoch nicht als alleiniger Beweis für die Identität der Einwanderer.

Die Nonohualca Teolixca Tlacochcalca werden jedoch auch als Tecplantlaca bezeichnet. Auch dieser Begriff wird aus drei Wortstämmen gebildet. Tecpan heißt „Tempel“, abgeleitet von tecuhtli, also „Herr“. Pantli bedeutet „Mauer“ oder „Pavillon“. Tacatl nimmt wiederum auf „Personen“ Bezug. Tecplantlaca lässt sich also mit „Leute vom Haus des Herrn“ oder „Leute vom Tempel“ übersetzen – oder kurz gesagt als „Templer“.

In dieser letzten Bedeutung muss der Name der Tecplantlaca verstanden werden“, schrieb Eugene Beauvois bereits 1902.

Selbst die drei wichtigsten Anführer der Einwanderer werden von Francisco de San Anton beschrieben. Einer von ihnen wurde tetzauhquiacuili genannt, der „Ehrwürdige Mönch“. Dann gab es noch xochpoyo, den „Prediger“ und caccole, „den mit den schlechten Schuhen“. Diese Bezeichnungen weisen auf mönchisch lebende oder einem Mönchsorden angehörenden Personen hin.

Nach Francisco de San Anton sollen diese „Soldaten vom Tempel“ in zwei Einwanderungswellen in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts nach Mexiko gekommen sein. Da die Chronik des christianisierten Azteken erst reichlich vierhundert Jahre später entstand, bleibt fraglich, ob die darin genannten exakten Zeitangaben (1272 und 1294) wirklich zutreffen. Es existieren keine anderen schriftlichen Quellen mehr aus dieser Zeit, da die meisten Unterlagen während der E Eroberung Mexikos von den Conquistadoren vernichtet, wurden, die glaubten, damit ein gottgefälliges Werk zu tun. Die Wissenschaft verfügt heute nur noch über drei originale Maya-Handschriften.

Trotz der spärlichen Quellenlage kann davon ausgegangen werden, dass die von Francisco de San Anton beschriebenen „Templer“ den amerikanischen Kontinent in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erreichten.

Über ihre Ankunft in Amerika weiß der aztekische Chronist folgendes zu berichten:

„Sie erreichten festes Land an einem Punkt, wo sich die Mündung eines sehr großen Flusses befand, dem sie an seinen Ufern bis dahin folgten, wo der Fluß seine erste Biegung tat. Dann verließen sie das Ufer des Flusses und marschierten in östlicher Richtung weiter…“

Wer von La Rochelle aus in See geht, wird durch den Einfluss des Kanarenstroms und des Nordäquatorialstromes sowie der günstigen ganzjährigen Passatwinde relativ sicher und schnell den Atlantik überqueren und die karibische Inselwelt erreichen können. Thor Heyerdahl bewies mit seinem Schilfboot RA II, dass eine solche Reise auch mit einfachen Hilfsmitteln innerhalb von zwei Monaten zu bewerkstelligen ist. Die Templer verfügten über robuste und äußerst seetüchtige Galeeren, so dass ihre Überfahrt wesentlich kürzer gewesen sein dürfte.

Bei dem „großen Fluss“, vom dem bei Francisco de San Anton die Rede ist, könnte es sich um den Mississippi handeln, wenn man davon ausgeht, dass die Templerflotte, geleitet durch Wind und Meeresströmungen, schließlich den Golf von Mexiko erreichte. An einem Nebenfluss des Mississippi, dem Arkansas, existiert noch heute ein Ort, dessen Bezeichnung an den Heimathafen der Westflotte des Templerordens erinnert. Dieser Ort heißt Little Rock. La Rochelle und Little Rock haben die gleiche Bedeutung als Bezeichnung einer landschaftlichen Gegebenheit. Beide Begriffe lauten ins Deutsche übersetzt „kleiner Felsen“. Vom Unterlauf des Mississippi aus erkundeten die Templer offenbar die Gebiete der heutigen Südstaaten der USA. Doch schließlich kehrten sie zu ihrem ursprünglichen Landplatz an der Mündung des Flusses zurück, und lichteten erneut die Anker. Die Templer erreichten mit südöstlichem Kurs daraufhin die Insel Acihuatlmichintlaco. Wahrscheinlich statteten sie dem heutigen Kuba einen Besuch ab. Danach segelten die Schiffe der „Leute vom Tempel“ wieder in westliche Richtung und erreichten schließlich das Land der Tolteken. In Tullan, der Hauptstadt des gastfreundlichen Volkes, verbrachten die Einwanderer drei Jahre. Danach stießen sie auf ihren Erkundungen bis zum Chalco See vor, unterwarfen die ansässige Bevölkerung und errichteten schließlich ein eigenes kleines Reich. Über das von den Templern errichtete Herrschaftsgebiet schrieb Francisco de San Anton:

„Obwohl sich seine Ausdehnung nicht entfernt mit derjenigen der mexikanischen Förderation vergleichen konnte, der es später angeschlossen wurde, stellte es doch einen recht eindrucksvollen Verband in einer Breite von 100 bis 150 Meilen dar.“

Bei dem erwähnten Chalco-See könnte es sich um ein Gewässer in der Nähe der Maya-Metropole Tikal handeln. Damit ließe sich das ehemalige Reich der Templer im Gebiet des heutigen Guatemala lokalisieren. Damit hatten die Templer in Mittelamerika etwas verwirklicht, das ihnen in Europa versagt geblieben war. Sie gründeten hier einen eigenen, unabhängigen Ordensstaat. Nun findet die Aussage Jean de Chalons, dass die Schätze der Templer auf Schiffen ins Ausland gebracht worden seien, in den geschilderten Tatsachen ihre Bestätigung. Es gab in Europa kein Land – auch nicht das den Templern wohlgesonnene Portugal – welches hinreichend Schutz für die wertvollen Besitztümer des Ordens geboten hätte.

Es erhebt sich in diesem Zusammenhang die berechtigte Frage, warum wir nicht mehr über diese Zeit der Templer in Mittelamerika wissen, oder warum bislang noch keine archäologischen Funde gemacht wurden, welche eine Anwesenheit des Ordens bezeugen. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass die Herrschaft der Templer schon nach wenigen Jahrzehnten zu Ende gegangen sein muss. Als Mönche hatten sie auch gelobt, ehelos zu leben. Selbst wenn dieses Gelübde nur für die unmittelbaren Angehörigen des Ordens und nicht auch auf die Sergeanten und den zivilen Troß galt, so waren sie doch insgesamt mit Sicherheit zu wenige, um zu einer dauerhaften Umorientierung der Gesellschaft und zu auch noch nach Jahrhunderten spürbaren Veränderungen hätten beitragen können. Auch die Wikinger Leif Eriksons, deren Kolonie in Nordamerika ja etwa 400 Jahre lang bestand, waren nicht in der Lage, die einheimische Kultur nachhaltig zu beeinflussen.

In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, als vielleicht noch konkrete Erinnerungen und Dokumente existierten, wurde das Land von den Azteken überrannt, die alles vernichteten, was auf eine Geschichte vor dem Beginn ihrer Herrschaft hätte hindeuten können. Nach ihnen kamen zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Spanier, und löschten alles aus, was ihnen „heidnisch“ erschien.

Immerhin mag als Indiz für eine Anwesenheit der Templer die Tatsache gelten, dass die spanischen Conquistadoren unter der einheimischen Bevölkerung immer wieder hellhäutige und sogar rothaarige „Indianer“ vorfanden. Der Urbevölkerung war das Symbol des Kreuzes ebenfalls vertraut, jedoch nicht in der klassisch – christlichen Form, sondern eben als Tatzenkreuz. Dieses Enblem der Templer wurde von den Maya und Azteken als „Kreuz der vier Weltgegenden“ bezeichnet.

Doch nicht nur in Mexiko finden sich Spuren der Kriegermönche, sondern auch in Asien, genauer gesagt, im Herzen Indiens. Dort existieren eindeutige Indizien dafür, dass die Templer am Bau und an der Gestaltung einer der ältesten und berühmtesten Städte Südindiens maßgeblichen Anteil hatten. Diese Stadt heißt Vijayanagara – die „Stadt des Sieges“. Sie erlebte ihre Blütezeit als Hauptstadt des mächtigsten Hindu-Reiches von Südindien und als religiöses sowie politisches Zentrum der Region von der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts an bis zum Jahr 1565, als die Stadt von moslemischen Angreifern erobert und zerstört wurde. Nach dieser Niederlage wurde sie nie wieder aufgebaut. Ihre Ruinen blieben fast vierhundert Jahre lang vergessen und unbeachtet.

Obwohl die herausragende Bedeutung von Vijayanagara für die Geschichte Indiens unumstritten ist, haben bisher nur wenige Historiker und Archäologen diesen einzigartigen Ort besucht. Wer jedoch dorthin kommt, wird sich dem Zauber des vergangenen Ruhmes und Glanzes der alten Hauptstadt nicht entziehen können, den man noch heute auf dem gesamten Gelände leicht nachempfinden kann.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Hauptstädten der früheren Hindu-Königreiche, von denen nur noch vereinzelte Monumente übrig geblieben sind, finden sich hier eine beachtliche Anzahl von Überresten der verschiedensten Gebäude inmitten einer faszinierenden Landschaft, die von imposanten Granitfelsen geprägt wird und eine natürliche Festung bildet. Trotzdem errichteten die damaligen Bauherren eine komplette Zitadelle mit gewaltigen Mauern, Toren und Wachtürmen, aber auch kunstvolle Paläste und Pavillons, Freilichtbühnen, Festplätze, königliche Bäder, Ställe und Lagerräume. Das fast schon modern zu nennende Bewässerungssystem sucht unter den Anlagen der damaligen Epoche vergeblich seinesgleichen. Aber auch zahlreiche einzigartige Tempel und Schreine, die den verschiedenen Göttern der Hindus gewidmet sind, wunderbare Skulpturen und Reliefs machen diesen Ort zu einer Schatztruhe für jeden, der sich für die Geschichte und die Kultur Südindiens interessiert.

Es gibt nur wenige ähnlich gut erhaltene Fundstellen auf der Welt, die uns auf einem so umfangreichen Areal Einblick in die Ausmaße, die Pracht und die Vielfalt eines ehemals geistigen und kulturellen Zentrums wie Vijayanagara vermitteln. Immerhin bedecken die bisher ausgegrabenen Ruinen bereits eine Fläche von 33 qkm. Wenn wir die Überbleibsel der vielfältigen militärischen, königlichen, zivilen und religiösen Bauten genau betrachten, gelingt es uns tatsächlich, eine ungefähre Vorstellung von dieser Stadt zu erlangen, die einst so lebendig und bedeutend war und in der mehr als eine halbe Million Menschen lebten.

Die Ausgrabungen dauern weiter an, und sicher brauchen die Archäologen aus Indien und aus zahlreichen anderen Ländern der Erde noch viele Jahre, bis sämtliche Gebäudeteile und Kunstwerke wie etwa wertvolle Töpfereien, Stein-, Metall- und Glasbearbeitungen freigelegt und geborgen sein werden und bis mit Hilfe der historischen Aufzeichnungen ein genaues Bild des damaligen Lebens an diesem Ort gezeichnet werden kann.

Dass Vijayanagara inzwischen von der UNESCO zu einem Bestandteil des Weltkulturerbes erklärt wurde und entsprechend geschützt und restauriert wird, war mit Sicherheit eine gute und wichtige Entscheidung.

Nach einer fast einen ganzen Tag dauernden Fahrt von Bangalore, der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Karnataka nach Hampi, einem Marktflecken bei Vijayanagara über holprige Straßen, durch quirlige Dörfer voller fröhlicher, gastfreundlicher Menschen in bunten Kleidern, durch leuchtend grüne Reisfelder und Palmenhaine, vorbei an riesigen Stauseen und imposanten Felsen konnte auch ich mich von der Faszination dieses einmaligen Ortes gefangen nehmen lassen. Dabei hatte ich zunächst nur eine ziemlich wage Vorstellung von den Ausmaßen der alten Hauptstadt, von der Abdul Razzaq, ein Reisender aus Persien im Jahre 1443 sagte:

„Ich sah eine riesige, wundervolle Stadt mit ihren zahllosen Einwohnern und einen gerechten und Ehrfurcht gebietenden König, dessen Reich sich über Tausende von Meilen ausdehnte. Die verschiedenen Teile seines Imperiums entwickelten sich allesamt prächtig, und er besaß etwa dreihundert Häfen. Zu seinem Hofstaat gehörten tausend Elefanten von der Größe eines Berges und dem Ausdruck eines Dämons. Es war die Stadt Vijayanagara…., und es gibt keinen vergleichbaren Ort auf dieser Welt.“

Als ich zum ersten Mal selbst das Ausgrabungsareal betrat, begann ich zu verstehen, was dieser Reisende einst gefühlt und gemeint haben musste. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, wie unsagbar beeindruckend diese Stadt in ihrer Blütezeit gewesen sein muss. Von einem der noch recht gut erhaltenen Gebäude am Eingang zu den königlichen Palästen aus versuchte ich, mir einen allgemeinen Überblick zu verschaffen, was aber schon daran scheiterte, dass sich die Ruinen nicht nur bis zum Horizont, sondern noch weit darüber hinaus erstreckten.

So war ich dann zwei ganze Tage lang unterwegs in der „Stadt des Sieges“, und wenn mir dafür kein Wagen zur Verfügung gestanden hätte, wäre es selbst in dieser Zeit unmöglich gewesen, auch nur annähernd zu begreifen, welche Kunstwerke, Schätze und Geheimnisse dieser Ort dem aufmerksamen Besucher bietet. Diese zwei Tage wurde für mich zu einer atemberaubenden Entdeckungsreise in eine vergangene Epoche, die ich so bald wie nur möglich wiederholen und weiter ausdehnen werde.

Bereits auf der Fahrt zu den Ausgrabungsstätten waren mir die gewaltigen und bizarr erscheinenden Felsformationen überall entlang des Weges aufgefallen, welche die Stadt umgeben und auf seltsame Art schon von weit her den Weg dorthin zu weisen scheinen. Nun stellte ich fest, dass sich diese riesigen Granitbrocken, die oft so unwirklich übereinander gestapelt sind, dass sie allen Gesetzen der Physik zu trotzen scheinen und an einen Spielplatz von Riesen oder vielleicht sogar an gewisse gewaltige Markierungen denken lassen, auch überall innerhalb der Stadt und zwischen den Ruinen befinden.

Bei ihrer näheren Betrachtung überraschten mich die eindeutigen Bearbeitungsspuren auf fast jedem dieser Steine, klare Hinweise auf regelmäßige Einschnitte und sogar Bohrungen. Die Kanten einiger Felsbrocken ähnelten dem äußeren Rand von Zahnrädern, und irgend jemand hatte wohl einst versucht, sie zusammenzufügen. Aber wer sollte die Kraft haben, das bei dieser Größe und bei dem enormen Gewicht der Felsen zu bewerkstelligen? Selbst der stärkste Kran unserer heutigen Zeit stünde damit sicher vor einem gewaltigen Problem.

Aber es sollte noch spannender werden. Wie in der Gegend um Mahabalipuram in Tamil Nadu, wie auf der Mittelmeerinsel Malta und an zahllosen anderen Orten der Erde wiesen auch diese gigantischen Felsbrocken vollkommen glatte und teilweise sogar verglaste Schnittflächen auf. Wie diese zustande kamen, blieb bis heute ein Rätsel. Die einzige denkbare Lösung, welche mir dazu einfiel, war die, dass die Steine zur Zeit ihrer Bearbeitung weich und formbar gewesen sein mussten und jemand so etwas wie ein riesiges Messer angesetzt hatte. Eine solche Vermutung findet ihre Bestätigung in zahlreichen lokalen Legenden.

Noch unter dem Einfluss der zyklopischen Steinbearbeitungen stehend, erreichte ich schließlich eine Plattform, von der aus man einen herrlichen Überblick über den Bereich der alten Tempel von Vijayanagara hat. Aber schon nach den ersten Schritten stutzte ich. Hier musste es sich um zwei nebeneinander und teilweise sogar übereinander angeordnete Anlagen handeln. Mein einheimischer Führer bestätigte diesen Eindruck, aber die unterschiedlichen Materialien und Baustile genügten eigentlich schon für sich als Beweis dafür, dass hier mindestens zwei verschiedene Architekten aus vollkommen unterschiedlichen Epochen ihre Visitenkarten hinterlassen haben.

Auch hier, wie an so vielen anderen bekannten Kulturstätten, wurden die deutlich älteren und viel dauerhafteren Bauwerke mit einer weitaus komplizierteren Bautechnik aus gewaltigen Monolithen errichtet, während die neueren Abschnitte aus einzelnen Steinen gemauert und viel anfälliger gegen natürlichen Verfall und schädliche Umwelteinflüsse sind. Wie lässt sich die Tatsache erklären, dass die früheren Bauherren die schwierigeren und selbst heute kaum nachvollziehbaren Baumethoden wählten, während ihre Nachfolger Generationen später anscheinend nicht mehr über das dafür nötige Wissen und die rätselhaften Technologien verfügten?

Bevor ich weiter über diese Fragen nachdenke konnte, fiel mir etwas ins Auge, das ich hier an diesem Ort mitten im Süden des indischen Subkontinents niemals erwartet hätte – die älteren Tempel der riesigen Anlage trugen Aufsätze, die in ihrer Form eindeutige Abbilder der mittelamerikanischen Maya-Pyramiden sind. In einem der Tempel stieß ich dann sogar noch auf eine Wandzeichnung, welche die verschiedenen Pyramidenformen der einzelnen Kontinente in einem einzigen Symbol zu vereinen scheint. Was wollten die Erbauer damit sagen? Soll uns dieses Symbol einen Hinweis auf die schon vor Jahrtausenden bestehenden Verbindungen zwischen den Völkern und Kontinenten dieser Erde geben und uns zeigen, dass es einst Hochkulturen gegeben hat, die der unseren ebenbürtig oder sogar überlegen waren?

Der indische Architekt Ganapati Sthapati entdeckte in alten Schriften, die sich mit dem Thema „Vastu“ – der vedischen Architektur – beschäftigten, Hinweise auf Verbindungen nach Mesoamerika. Als Begründer der vedischen Architektur und Astronomie wird Maya Danava genannt. Er entwickelte ein mathematisch begründetes System der Architektur, das in Indien bis heute sowohl beim Bau von Häusern als auch bei der Konstruktion von Tempeln Verwendung findet. Den Überlieferungen des alten Indien zufolge soll Maya Davana in der Zeit zwischen 10.000 und 3.000 v. Chr. gelebt haben.

Jenseits aller Legenden erbrachte die Expedition des Architekten Sthapati nach Mexiko im Jahr 1995 eindeutige Hinweise für Kontakte zwischen den Bewohnern der Maya-Reiche und den drawidischen Kulturen Südindiens. Die Maya-Tempel tragen nicht nur den Namen des Schöpfers der vedischen Architektur, sondern wurden auch nach den gleichen mathematischen Formeln und geometrischen Gesetzmäßigkeiten errichtet. Das südindische Maß der „Kushku-Elle“ findet sich vor allem in der mexikanischen Region Kishku wieder. Neben architektonischen Parallelen weisen auch linguistische Übereinstimmungen auf einen Kontakt Maya Danavas oder seiner Nachfolger mit der Maya-Kultur hin. Das Wort „Citrambalam“ beispielsweise, das soviel wie „heiliger Raum“ bedeutet, hatte in Alt-Mexiko die gleiche Bedeutung wie im drawidischen Indien.

Selbstverständlich wollte ich von meiner Entdeckung eine Fotodokumentation anfertigen. Durch den Sucher der Kamera bemerkte ich jedoch etwas, das mir den Atem stocken ließ un d die Maya-Pyramiden noch übertraf: Am Fuße eines dieser Bauwerke lag – leicht angelehnt – ein schweres, gleicharmiges Kreuz aus Stein – das dem berühmte Kreuz der Templer zum Verwechseln ähnlich sieht! Wie kommt ein solches „Templerkreuz“ nach Indien? Gemäß der offiziellen Geschichtsschreibung waren die Templer niemals dort. Oder doch? Im ersten Augenblick wagte ich noch nicht, an eine tatsächliche Verbindung zu glauben, denn wenn es sie wirklich gab und sich eine solche Verbindung beweisen lässt, muss zumindest ein Teil der mittelalterlichen Geschichte Europas und Asiens neu geschrieben werden. Lag dieses Kreuz also nur zufällig dort?

In Laufe meiner weiteren Untersuchung der Tempel und Ruinen stieß ich auf so viele eindeutige Beweise, so dass ich schließlich jeden Zweifel oder Zufall völlig ausschließen konnte. Im Innenhof eines Tempels fand ich mehrere gewaltige Steinplatten, die mit einem Relief verziert waren, in dessen oberer linker Ecke sich wiederum das Tatzenkreuz der Templer befindet, und selbst die Säulen sämtlicher erhaltener Tempel – und das übrigens nicht nur in Vijayanagara – beinhalten bei genauerem Hinsehen in der Mitte nach allen Seiten hin sichtbar das Symbol dieses geheimnisumwitterten Ordens.

Die Krönung dieser Entdeckungen bildete dann ein weiteres Templerkreuz als Bestandteil einer Darstellung des damaligen Lebens – mitten in einer vollkommen realistisch abgebildeten Jagdszene. Hier war es direkt eingearbeitet in das alte Kunstwerk – und das gut erhalten und eindeutig erkennbar. Spätestens an dieser Stelle wurden auch meine allerletzten Zweifel beseitigt. Die Künstler, die der Nachwelt so realistische und unverkennbare Abbildungen von den Menschen, Tieren und Landschaften ihrer Zeit hinterlassen haben, und auf deren beeindruckenden Reliefs nicht ein einziges, winziges Detail sinnlos oder überflüssig ist, haben ganz gewiss nicht ausgerechnet dieses Templerkreuz ohne eine bestimmte Absicht in diese Szene einbezogen.

Aus dieser Schlussfolgerung entstanden neue Fragen. Nach dem bisherigen Kenntnisstand der Historiker hat es keinerlei Verbindungen zwischen dem Orden der Tempelherren und Indien gegeben. Doch wenn man bedenkt, dass nach den Erkenntnissen einiger indischer Historiker wie Dr. M. S. Nagaraja Rao die Geschichte Vijayanagaras sogar bis in das 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung zurück reicht, so erscheint ein Kontakt zwischen den Rittermönchen und den Angehörigen der mittelalterlichen Hindu-Kultur zumindest theoretisch denkbar.

Bestätigt werden diese Vermutungen durch einige Legenden, die noch heute unter der Bevölkerung in den indischen Bundesstaaten Kerala, Karnataka und Maharashtra kursieren. Diese Legenden berichten von weißen bärtigen Männern, die lange Zeit vor den Portugiesen von Westen auf großen Schiffen über den Ozean kamen. Sie sollen von den einheimischen Herrschern die Erlaubnis erhalten haben, sich im Lande niederzulassen, und allmählich in der Bevölkerung aufgegangen sein. Es heißt, dass die fremden Einwanderer zur Zeit der ersten Moghulherrscher ins Land kamen. Dies würde auf eine Periode am Ende des 13. oder zu Beginn des 14. Jahrhunderts hindeuten.

In Europa gab es nur ein einziges Land, in dem die Templer nicht verfolgt wurden – in Portugal. Nach der Orden durch einen Beschluss des Konzils von Vienne am 3. April 1312 aufgelöst worden war, wandelte der portugiesische König die Gemeinschaft der Templer in seinem Land in den Christusorden um. Dieser Orden übernahm später die Verwaltung der portugiesischen Kolonien und existierte bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts als weltlicher Verdienstorden mit drei Klassen.

Auch die von König Heinrich dem Seefahrer in Sagres gegründete nautische Forschungsanstalt wurde vom Christusorden verwaltet. Vasco da Gama, der „Entdecker Indiens“, gehörte dem Christusorden an. Auch seine Schiffe segelten auf den Expeditionen von 1498 und 1502 / 1503 unter dem roten Tatzenkreuz. Während die Templer 200 Jahre vor ihm selbst als Verfolgte in der Hoffnung auf Zuflucht nach Indien kamen, hegte Vasco da Gama ganz andere Absichten. Doch lassen wir den portugiesischen Christusritter selbst berichten:

„Wir segelten in fünfzehn Tagen über den großen Golf (den Indischen Ozean) und sahen am 21. August des Jahres 1502 das Land Indien. An dem Lande entlag nach Arabien liegt die Stadt Mekka, wo Mohammed begraben liegt. Wir fuhren vorbei an einer Stadt namens Goa. Da ist ein König, der achttausend Pferde und siebenhundert Elefanten für die Schlacht gerüstet hat. Jede Stadt hat dort ihren eignen König. Wir nahmen vor der Stadt Goa vierhundert Schiffe, schlugen die Bemannung tot und verbrannten die Schiffe.

Am 11. September sind wir dann in das Königreich Kanamer gekommen. Da warteten wir die Schiffe von Mekka ab. Das sind die Schiffe, die die Spezierein (Gewürze) in unser Land bringen. Wir wollten sie vernichten, damit der König von Portugal allein die Spezereien holen kann.

Am 27. Oktober kamen wir an das Königreich Kalikut. Da legten wir uns mit unserer Macht vor die Stadt, kämpften drei Tage lang, fingen viel Volks und hängten sie an die Schiffsrahen.

Am 2. November fuhren wir an eine Stadt namens Cuschin (das heutige Conchin), und zwischen den beiden Städten liegt die Christenstadt Cranaganur. Die Christen sind gute Christen, sie treiben an Heiligentagen keinen Kauf und Verkauf und essen und trinken auch mit niemandem, außer mit Christen. Sie kamen auf unsere Schiffe und bewirteten uns aufs beste.

In Cuschin gingen wir an Land, um mit dem König zu verhandeln. Unsere Herren haben mit dem König über Handel und Spezereien gesprochen. In der Stadt Kulang kamen viele Christen und brachten uns zwei Schiffe mit Spezereien. Es sind der Christen wohl 25.000. Sie zahlen eine Kopfsteuer wie bei uns die Juden.“

Aus dem Bericht Vasco da Gamas geht eindeutig hervor, dass es an der Westküste Indiens bereits größere christliche Gemeinden gab, die friedlich mit den Hindus lebten. Da Vasco da Gama diese Glaubensbrüder als gute Christen bezeichnet, handelte es sich wohl um Anhänger der katholischen Glaubensrichtung des Christentums. Hätte es sich um äthiopische, koptische oder gar orthodoxe Christen gehandelt, wäre der Portugiese sich vorsichtiger mit seiner Wortwahl gewesen. Das Logbuch Vasco da Gamas bezeugt also, dass das Christentum den Inder bereits vor der „offiziellen“ Entdeckung ihres Landes vertraut war. Da ihnen auch die Tatzenkreuze auf den Segeln der portugiesischen Schiffe bekannt waren, können diese Umstände als weitere Indizien für die These gelten, dass die Templer bereits 200 Jahre vor Vasco da Gama Indien erreichten und hier sesshaft wurden.

Verbindet man nun die Erkenntnisse des Historikers Jaques de Mahieu über den Aufenthalt der Templer in Mittelamerika mit den Aufzeichnungen Vasco da Gamas und den Entdeckungen von Vijayanagara, so ergibt sich daraus eine faszinierende Hypothese.

Wenn die Templer kurz vor ihrem endgültigen Untergang in Europa mindestens 18 große Schiffe und eine unbekannte Anzahl von Begleitfahrzeugen zur Verfügung hatten, um ihr herausragendes geheimes Wissen in Form von Aufzeichnungen oder Daten egal welcher Art fern von der Heimat in Sicherheit zu bringen, wäre es dann sinnvoll gewesen, alle Schiffe in die gleiche Richtung zu führen? Eigentlich ist es doch viel logischer anzunehmen, dass die Templer diese Elite ihrer Flotte in zwei oder vielleicht sogar in drei Gruppen aufteilten, die mit jeweils einem Teil der kostbaren Fracht völlig verschiedene Himmelsrichtungen ansteuerten. Schließlich wussten die Templer genau, dass ihre Feinde ihnen dicht auf den Fersen waren und dass sie ganz sicher auch auf dem Meer weiter verfolgt werden würden. Sie konnten also nicht ausschließen, dass ein Teil der Flotte aufgebracht und vernichtet werden würde, wie es im Mittelmeer dicht unter der italienischen Küste auch durchaus geschehen ist. Hätten es Menschen ihrer Intelligenz in dieser Situation tatsächlich riskiert, alle Schiffe gemeinsam zum gleichen Ziel aufbrechen zu lassen? Ganz gewiss nicht!

Wir wissen seit der Recherche de Mah ieus zwar mit ziemlicher Sicherheit, dass einige der verschollenen Galeassen die mittelamerikanische Küste erreicht haben müssen, doch wie erklären wir dann die eindeutigen Hinweise auf die Anwesenheit der Templer in Südindien? Ist vielleicht ein anderer Teil der Flotte nach Osten gefahren, hat schließlich den Subkontinent angesteuert und in Vijayanagara einen Unterschlupf, ein neues Zuhause und sicher auch gelehrige und wißbegierige Schüler gefunden? Sind wir heute endlich reif dafür, die uns dort von den Templern hinterlassenen Hinweise zu verstehen? Haben wir dann auch den Mut, die Geschichte umzuschreiben und zu korrigieren? Bleiben wir also neugierig und halten wir die Augen offen! Auch am Ende dieses scheinbar so nüchternen Jahrtausends birgt unsere Welt noch unendlich viele Geheimnisse, die es zu enträtseln lohnt, und manchmal erzählen uns uralte Steine die aufregendsten Geschichten, wenn wir ihnen nur aufmerksam zuhören – so wie in Vijayanagara.

Literaturverzeichnis

Redaktion esotera: Parallelen zwischen Indien und Mexiko, Rubrik: Tatsachen, die das Weltbild wandeln, in esotera, Heft 8/98, Freiburg, 1998

Fritz, John M. und Michell, George: City of Victory – The Medieval Hindu Capital of Southern India, Aperture Foundation, Inc., New York 1991

Heyerdahl, Thor: Laßt sie endlich sprechen, Langen Müller, München, 1997

Mahieu, Jaques de: Knights Templar in America, Morrow & Company, New York, 1972

Ritter, Annett & Thomas: Rennes-le-Chateau – Das Geheimnis der Pyrenäen, CTT-Verlag, Suhl 1999

Sippel, Hartwig: Die Templer – Geschichte und Geheimnis, Amalthea bei Herbig

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Über Thomas Ritter 60 Artikel
Thomas Ritter, 1968 in Freital geboren, ist Autor und freier Mitarbeiter verschiedener grenzwissenschaftlicher und historischer Magazine. Thomas Ritter hat zahlreiche Bücher und Anthologien veröffentlicht. Außerdem veranstaltet er seit mehr als zwanzig Jahren Reisen auf den Spuren unserer Vorfahren zu rätselhaften Orten sowie zu den Mysterien unserer Zeit. Mit seiner Firma „Thomas Ritter Reiseservice“ hat er sich auf Kleingruppenreisen in Asien, dem Orient, Europa und Mittelamerika spezialisiert. Mehr Informationen auf: https://www.thomas-ritter-reisen.de Nach einer Ausbildung zum Stahlwerker im Edelstahlwerk Freital, der Erlangung der Hochschulreife und abgeleistetem Wehrdienst, studierte er Rechtswissenschaften und Geschichte an der TU Dresden von 1991 bis 1998. Seit 1990 unternimmt Thomas Ritter Studienreisen auf den Spuren früher Kulturen durch Europa und Asien.