Die AfD erreicht im ARD-DeutschlandTrend 28 Prozent und damit ihren bisherigen Höchstwert in dieser Erhebung. CDU und CSU kommen auf 21 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2025 war die Union noch deutlich vor der AfD gelegen.
Je häufiger die AfD in Erhebungen an erster Stelle steht, desto stärker verändert sich die politische Kommunikation. Themen, die sie setzt, werden von anderen Parteien aufgegriffen, Abgrenzungsformeln werden verschärft oder relativiert, und Koalitionsfragen drängen sich in Debatten, die eigentlich Sachfragen betreffen. Demoskopie wirkt damit zurück auf die Politik, die sie misst. Der konkrete Vorgang erscheint vor diesem Hintergrund in einem anderen Licht; er ist weder bloße Technik noch schon das Ende der Debatte.
Im ARD-DeutschlandTrend vom 6. August liegt die AfD bei 28 Prozent, die Union bei 21 Prozent. Die AfD gewinnt gegenüber dem Vormonat einen Punkt, CDU und CSU verlieren einen. Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 hatte die Union 28,5 Prozent erreicht, die AfD 20,8 Prozent. In der aktuellen Sonntagsfrage ist dieses Verhältnis damit nicht nur enger geworden, sondern umgekehrt. Diese Rückkopplung ist riskant. Parteien können versucht sein, kurzfristig auf Stimmungswerte zu reagieren und dabei langfristige Positionen aufzugeben. Gerade für Regierungsparteien ist Stabilität jedoch ein Wert. Der DeutschlandTrend sollte ernst genommen werden, ohne dass er zum täglichen Regierungsprogramm wird.
Die SPD liegt unverändert bei zwölf Prozent, die Grünen bei 15 Prozent, die Linke bei elf Prozent und die FDP bei vier Prozent. Andere Parteien kommen zusammen auf neun Prozent. Die Daten beruhen auf einer repräsentativen Befragung von 1.297 Wahlberechtigten zwischen dem 3. und 5. August. Bei großen Anteilswerten muss eine Schwankungsbreite von ungefähr drei Punkten berücksichtigt werden.
28 Prozent sind der bisherige AfD-Höchstwert in dieser Reihe
Die ARD bezeichnet den Wert von 28 Prozent als höchsten jemals im DeutschlandTrend gemessenen Wert für die AfD. Das ist ein Befund über diese konkrete Umfrageserie, nicht automatisch über alle Institute. Für die politische Debatte ist die Richtung dennoch eindeutig: Die Regierungsparteien haben seit der Bundestagswahl an Zustimmung verloren, während die AfD deutlich hinzugewonnen hat. Sonntagsfragen messen Wahlabsichten unter einer hypothetischen Bedingung. Sie prognostizieren nicht präzise ein künftiges Wahlergebnis. Bis zu einer Bundestagswahl können sich Themen, Kandidaten und Mobilisierung verändern. Der aktuelle Abstand ist dennoch politisch relevant, weil er die Ausgangslage für die drei Landtagswahlen im September und für die strategischen Debatten in der Union verschärft.
Die Bundestagswahl 2025 gab der Union einen deutlichen Vorsprung vor der AfD. Wenn sich dieses Verhältnis in einer Sonntagsfrage umkehrt, ist das politisch mehr als eine normale Schwankung. Es zeigt, dass ein Teil des Vertrauens, das CDU und CSU bei der Wahl erhielten, innerhalb kurzer Zeit verloren gegangen ist, während die AfD weiter mobilisieren konnte. Warum Wähler ihre Präferenz ändern, lässt sich aus einer einzelnen Umfrage nicht ablesen. Wirtschaftslage, Migration, Regierungskonflikte und allgemeine Unzufriedenheit können zusammenwirken. Wer aus dem Wert eine einzige Ursache ableitet, macht aus Demoskopie eine Erzählung, die sie selbst nicht liefert.
Für die Union entsteht ein strategisches Dilemma
Je stärker die AfD wird, desto schwieriger wird die Frage, wie CDU und CSU auf sie reagieren. Eine härtere Abgrenzung kann Wähler zurückholen oder gerade diejenigen entfremden, die Zusammenarbeit auf bestimmten Feldern befürworten. Eine inhaltliche Annäherung kann eigene Positionen schärfen, birgt aber das Risiko, die AfD politisch weiter zu normalisieren. Gleichzeitig muss die Union als Regierungspartei Ergebnisse liefern und kann nicht nur Oppositionsrhetorik übernehmen. Die sieben Punkte Abstand im DeutschlandTrend sind deshalb weniger ein Endzustand als ein Warnsignal. Entscheidend wird sein, ob sich der Trend über mehrere Erhebungen und Institute hinweg bestätigt und wie sich die Werte bis zu den nächsten Landtagswahlen entwickeln.
Die nächste Wahl wird nicht im Bund, sondern in den Ländern vorbereitet
Bundesweite Sonntagsfragen erhalten große Aufmerksamkeit, doch politische Dynamik entsteht oft über Landtagswahlen. Dort können hohe AfD-Werte konkrete Regierungsbildungen erschweren und parteiinterne Strategiedebatten beschleunigen. Ergebnisse in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern oder Berlin werden deshalb auch auf die Bundesparteien zurückwirken.
Für die Union ist das besonders relevant. Sie muss gleichzeitig eine Bundesregierung tragen und in Ländern gegen eine starke AfD antreten. Das erschwert den klassischen Wechsel zwischen Regierungs- und Oppositionsrolle. Gelingt es der CDU in Ländern, eigene Mehrheiten zu stabilisieren, kann das den Bundestrend relativieren. Scheitert sie, dürfte der Druck auf die Berliner Parteiführung wachsen. Ob daraus eine tragfähige Veränderung wird, entscheidet sich nicht in der Überschrift, sondern in der Wirkung.
