FASZINATION DER WÜSTE – Unterwegs auf dem SHVIL ISRAEL

Shvil Israel, Quelle: Israelische Kultusgemeinde

Tausend Kilometer lang ist SHVIL ISRAEL, der ISRAEL NATIONAL TRAIL, einer der spektakulärsten Fernwanderwege der Welt, der nach Vorlage vom „Appachlahtian Trail“ in den USA seit 1995 auf Anregung des Journalisten Avraham Tamiz den Norden von Israel mit dem Süden verbindet. Der Pfad, der bei guter Kondition in durchschnittlich drei Wochen zu Fuß zurückgelegt werden kann, wurde von „National Geographic“ in die Liste der besten 21 Wanderwege der Welt aufgenommen. Er beginnt in der Nähe vom DAN Kibbutz im Norden Israels und endet in südlichen Eilat. Er verläuft innerhalb der so genannten „Grünen Linie“, auch „Grenze von 1967“ genannt, die als Demarkationslinie zwischen Israel und den im Sechs-Jahre-Krieg eroberten Gebieten gilt. In einer ausführlichen Reportage mit Bildern und Kurzfilmen in der „Israelitischen Kultusgemeinde“ berichteten Paula Zimmermann-Targownik und Daniel Targownik über die abenteuerliche Wanderung, die sie von Tel Aviv bis nach Eilat im Frühjahr dieses Jahres führte. Sechs Wochen lang waren sie allein unterwegs, zunächst durch grüne Flächen und üppige Wälder, die, klug vorausblickend, im Laufe der Jahre in der Mitte des Landes gepflanzt wurden. Eine herrliche Vegetation unterbrochen hier und da von Steinen, die an Denkmälern oder Ereignissen erinnern, die das High-Tech-Land Israel immer wieder an seine fünftausendjährige Geschichte zurückführen. Der Weg führt zunächst nach Jerusalem und dann weiter gegen Süden. In Neve Shalom finden die Wanderer eine Friedensoase, in der Mönche und Juden zusammenleben und auch zusammen begraben liegen. Hier und da stoßen sie auf Gedenktafeln für gefallene Soldaten aus den zu vielen Kriegen, die Israel in der jüngsten Geschichte erleben musste. Auf ihrem Weg finden sie Sehenswürdigkeiten aller Art: von der Beduinenstätte zum Dorf mit der höchsten Akademiker-Rate im ganzen Land, fast alle –wie sie erfahren – Apotheker oder dergleichen. Wegzeichen mit drei Streifen in Orange, Blau und Weiß kennzeichnen den Weg und geben auch Rätsel auf, falls sie von Gräsern bis zur Unkenntlichkeit bedeckt sind. Paula und Daniel laufen allein, sind in Wirklichkeit nie allein. Der Fernwanderweg wird vom einem scheinbar sehr effizienten „Israel Trail Commitee“ betreut. Die zwei Wanderer bekommen eine Liste von Adressen freiwilliger Mitstreiter, die bereit sind, sie für die Nacht aufzunehmen und zu versorgen. Gastfreundschaft als oberstes Gebot. Zum Beispiel in der Hütte eines Wissenschaftlers, der an einer Linse tüftelt, die – wie man hört – sich selbst scharf stellt. Er nimmt sie auf und kocht ein Abendessen für sie. Ihr „Streetfood“ besteht sonst aus Couscous mit Kabanossi oder Kichererbsen.

Zwischen Arad und Eilat erwartet sie der unwegsamste Abschnitt ihres Parcours. Die Wüste Negev hält sie von nun an in ihrem Griff. Die Landschaft wird zunehmend rauer und kahler. Da sie nicht genug Wasser mit sich tragen können, folgen sie den Anweisungen der „Trail Angels“, die sie per Whatsup zu verborgenen hölzernen Depots führen, wo Pet-Flaschen, auf sie warten. Einmal, wenn der Hunger sich besonders stark bemerkbar macht, kommt Unerwartetes zum Vorschein. Vom Ast eines Baumes sehen sie plötzlich eine Tasche mit Brot und Lebensmitteln hängen. Ein Wunder in der Wüste wie zu biblischer Zeit! Oder eher ein Zeichen menschlicher Fürsorge und Solidarität in einem Land, in dem die Erfahrung der Not und der Entbehrung immer noch gegenwärtig ist. Sie übernachten im Freien, unter einem kleinen Zelt, das sie nun neben ihren schweren Rucksäcken in dem Vortragsaal ausgestellt haben. Über Stahl- und Strickleitern erreichen sie schließlich die Berge vor Eilat und blicken in die Ferne, wo eine blaue Bucht am Roten Meer in der Sonne erstrahlt. Die sechswöchige Exkursion geht dem Ende zu. Ein Erlebnis, das ihren Blickwinkel verändert hat, das sie Vieles in Frage stellen lässt. Die Erinnerung an weite atemberaubende Landschaften, an seltsame Begegnungen mit Menschen in den Wäldern und in der Wüste wird sie über lange Zeit begleiten. Israel ist ein Land, das fasziniert… durch seine Schönheit, durch seine kulturellen Schätze aber auch durch die Offenheit und Hilfsbereitschaft seiner Bewohner.

Veranstalter: Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern.

Unter dem Motto „Story Telling“ findet am 2. September 2018 am Jakobsplatz der alljährliche„Europäischer Tag der Jüdischen Kultur“ mit Synagogenführungen, Stadtrundgängen und koscheren Delikatessen statt. Näheres unter www.ikg-m.de

 

Anna Zanco-Prestel
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Dr. Anna Zanco-Prestel, hat Literaturwissenschaften (Deutsch, Französisch und Italienisch) und Kunstgeschichte in Venedig, Heidelberg und München studiert. Publizistin und Herausgeberin mit Schwerpunkt Exilforschung. U.d. Publikationen: Erika Mann, Briefe und Antworten 1922 – 69 (Ellermann/DTV/Mondadori). Seit 1990 auch als Kulturkoordinatorin tätig und ab 2000 Vorsitzende des von ihr in München gegründeten Kulturvereins Pro Arte e.V.