Gibt es eigentlich noch so etwas wie Qualitätsjournalismus?

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Ach ja, Journalismus. Berichterstattung. Objektivität? Subjektivismus? Gibt es eigentlich noch so etwas wie Qualitätsjournalismus? Kommt drauf an, möchte man sagen. Worauf? Na, was man unter Qualität versteht oder verstehen will. Früher, das mag lange her sein, da unterschied man noch zwischen möglichst objektiver, nachrichtlicher Berichterstattung einerseits und möglichst meinungsstarker Kommentierung. Das hatte etwas mit Respekt vor den Lesern zu tun, mit Anstand und Wertschätzung. Dem Leser traute man ein eigenes Urteilsvermögen zu – weshalb man ihm ja auch die möglichst objektive Nachricht getrennt von der subjektiven Meinungsäußerung auf einem Silbertablett anbot. Damals, als man so noch Volontäre ausbildete, war man noch davon überzeugt, dass Medien vor allem die Aufgabe haben, die Wirklichkeit so abzubilden, wie sie ist, auf dass die Empfänger dieser Informationen sich ein möglichst maßstabsgetreues Bild von der Wirklichkeit machen können. Damals, da waren Journalisten noch so etwas wie Diener des Informationsaustausches. Damals.

Und heute? In Zeiten, in denen moralinsaure Medialtotalitarismen allenthalben jegliches Hysteriepotential zu vervielfachen verstehen, schwingen sich so manche Medienleute gerne auf selbst gebastelte Kanzeln der Belehrung, ob von oben gnädigst und mit der Aura der ansonsten jedermann verweigerten und abgesprochenen Unfehlbarkeit regelrecht abzukanzeln. Was nicht in das Mainstreamnarrativ passt, verdient noch nicht einmal den Informationstransport zu den Lesern, denen man aus Sorge um eigene Urteile und aus Angst vor Selbstdenken die eigene Horizontenge journalistisch aufzwängt. Lies und friss – oder halt die Klappe!

Besonders perfekt beherrscht man diese Informationsverweigerung offenbar, wenn etwa Hans-Georg Maaßen auftritt. Der Mann hatte die Herrscherin in Berlin und deren Sprachrohr vor Jahresfrist gereizt und herausgefordert, weil er die Wahrheit sagte, während andere Indizien für Hetzjagden in Chemnitz behaupteten, ohne dafür je den Beweis angetreten zu haben. Der aber, der nachweislich nicht gelogen hatte, musste gehen – oder wurde gegangen. Das allgemeine Narrativ duldet halt keine Aufklärung.

Da mögen Veranstaltungen mit Maaßen manche „Journalisten“ überfordern. Erst recht, wenn diese sich auszeichnen durch eine wertschätzende Dialogkultur, durch gelebte Demokratie und angstfrei praktizierte Meinungsfreiheit der alles andere als dumpfen Teilnehmer. Der ehemalige Präsident des Verfassungsschutzes, dessen Stärke die unaufgeregte nüchterne Analyse ist, passt offenbar nicht in enge Wahrnehmungsgrenzen mancher Schreiberlinge. Noch dazu, wenn er bei der WerteUnion spricht, die ja ohnehin verteufelt werden muss, weil sie nichts als klare Positionen der echten CDU vertritt. Adenauer, Barzel und auch Strauß wären heute dort engagiert. Frei nach AKK könnte man sagen: Es gibt nur eine wahre CDU – und das ist die WerteUnion.

Wenn dann – als pars pro toto – im Bonner General-Anzeiger jemand von Maaßen als „Rechtsaußen“ schreibt und etwas anderes „berichtet“ als das, was die 150 Teilnehmer der Veranstaltung tatsächlich erlebten, wenn man bei der Lektüre des „Berichts“ den Eindruck gewinnen muss, hier hatte jemand seine verklebte Sicht bereits zu Papier gebracht und kam nur, um noch ein paar Zitate passend einzubauen, dann wissen zumindest die Teilnehmer anschließend, was gedruckte Fakenews sind und wie weit Journalisten vom Journalismus entfernt sein können. Was man früher eine „Ente“ nannte, ist heute längst ein „dicker Hund“. Wobei es auch Vergleiche gibt, die jeden guten Hund beleidigen.

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Über Martin Lohmann 39 Artikel
Martin Lohmann studierte Geschichte, Katholische Theologie, Philosophie und Erziehungswissenschaften in Bonn. Er war Redakteur der Wochenzeitung "Rheinischer Merkur", Ressortleiter "Christ und Welt", stellv. Chefredakteur des "Rheinischen Merkur", Chefredakteur der Rhein-Zeitung und Moderator der Livesendung "Münchner Runde" von 1996-2002.