Corona in Marokko – ein aktueller Reisebericht

Der Tod ist eine Sache, das andere die Geschichten

Bild: Michael Gallmeister

Die schwierige Anreise

Geisterflughafen, leere Passagen, mehr Polizeikräfte als Fluggäste, sie ermahnen jeden der auch nur einen Zentimeter die Maske falsch trägt, kontrollieren wahllos Fluggäste und auch ein paar Landstreicher die sich längerfristig am Flughafen aufhalten wollen.

Die Papierdiskussion wegen PCR, sie finden die entsprechende Buchstabenfolge nicht, bis eine Vorgesetzte das ganz klein Gedruckte entdeckte. „Na da fällt Ihnen aber ein Stein vom Herzen“ meint die Frau am Schalter, ich kontere „no panic on the titanic“…

Mit einer netten kleinen marokkanischen Verkäuferin im Dutyfree Shop geplaudert, die meinte, das wäre eine kluge Entscheidung von mir da die Lage in Marokko entspannter sei als in Deutschland…

Der volle Mond scheint auf die Wolken unter mir, durchsetzt von wenigen lichtdurchbrochenen Strahlen, welche die hell beleuchtete, im Einschlafen begriffene Zivilisation gen Himmel wie Stossgebete schickt.

Der Flug nach Casablanca war ca. zur Hälfte gefüllt, kaum Menschen über 60 an Bord. Und schon in Casablanca am Flughafen wird das Maskentragen von den Einheimischen nur noch symbolisch gehandhabt. 

In Casablanca am Terminal für die Inlandflüge kommt ein riesengrosser goldener Pfahl aus dem Himmel konisch herab mit der Spitze auf das Modell der neuen Moschee weisend, wie ein Damoklesschwert. Im Flug nach Agadir stechen die schneebedeckten Gipfel des Atlas im Mondlicht aus den Wolken.

Die Fahrt vom Flughafen nach Sidi Ifni gestaltet sich wie schon erwartet schwierig, nachts um 1 Uhr, der Taxifahrer musste sich erstmal von der Gendamerie eine Genehmigung zum Verlassen der Region ausstellen lassen. Ab 21.00 Uhr gilt Ausgangssperre bis 5 Uhr morgens, die Strassen leer, Tankstellen geschlossen, alles tot, keine Möglichkeit auch nur irgendwo eine Flasche Wasser zu kaufen, von Brot mal ganz zu schweigen. Dauernd in jeder Kleinstadt Polizeikontrollen.

Der Taxifahrer war wohl lange nicht nach Sidi Ifni gefahren, so landeten wir versehentlich am Aglou Strand, wieder eine Polizeikontrolle. Eine halbe Stunde forderten sie ihn auf alle möglichen Papiere vorzuzeigen, endlich hatten sie was gefunden, der Verbandskasten fehlte, also 50 Dirham, natürlich ohne Quittung. Der Fahrer meinte später zu mir, sie wollten argumentieren ich hätte eine Unterkunft in Agadir nehmen müssen und erst um 5 Uhr morgens die Fahrt zu meinem gebuchten Hotel antreten, alles Unfug.

So kam ich denn endlich nachts um 3 – 4 Uhr in Suerte Loca meinem kleinen altspanischen Terassenhotel in Sidi Ifni an.

Kuriose Umkehr der Verhältnisse

Früher war das Gesicht der meisten Frauen in Marokko bis über die Nase verschleiert, verhüllt. Heute müssen es die meisten Männer in Marokko unter Strafe selber tun, derweil die Frauen oft ganz ohne Maske durch die Gegend laufen ohne von Polizisten belästigt zu werden. In Europa ist es verbreiteter Konsens, das Maskentragen im wesentlichen die Anderen vor Infektion schützt, hier in Marokko sieht es in der Praxis genau umgekehrt aus, die welche den Virus für sehr gefährlich halten, meist Ältere, tragen ganz akkurat die Maske bis über die Nase, die Meisten anderen nur symbolisch, so als wenn es jeden selbst überlassen ist zu entscheiden ob er sich vor dem Virus schützen möchte oder eben nicht.

Überhaupt herrscht hier in Marokko eventuell auch religiös bestimmt eine Schicksalsgelassenheit, vor welcher die ganzen Massnahmen nicht so ernst genommen werden, da Inschalah, wie es Gott gefällt, die Wege sowieso vorherbestimmt sind.

Doch wenns um den Tod geht, kann man sich auf die Gewohnheiten nicht mehr verlassen sondern die verlassen einen Stück um Stück. Und unberechenbar, unvorhersehbar und ausserhalb der eigenen Regie kommt der Tod, wie man eben auch geboren wird. In unserer heutigen Coronatraumwelt denkt man selbst dem Tod ausweichen zu können, ihn zu regulieren in seine Alltagsgepflogenheiten einpassen zu können.

Lächerliche Vorstellung, als wenn ca. 3000 Jahre geistesgeschichtliche Entwicklung eine überflüssige Schimäre gewesen wäre. Wie sagte mir ein marrokanischer Bekannter: „Der Tod ist eine Sache, das andere die Geschichten.“ Muss da an den armen Esel in Gülmin denken, ca. 500 kg auf 1 ES (Eselstärke). Bei dem war aber wahrscheinlich auch der Coronasicherheitsabstand gewährt, man urteile selber ob es der Norm entspricht …

Nach all den Erlebnissen, Bekanntschaften und dem lockeren Umgang frage ich mich, wenn all die Lockdown Massnahmen so wichtig und effektiv wären, wie dargestellt, dann müssten z.B. in Marokko bei der eher symbolischen Befolgung von Masken und Abstand sowie geöffneter Gastronomie, vollen Bussen, Läden, Friseure und Hotels und sogar halb legal geöffneten Bars die Menschen hier wie die Fliegen sterben, was nicht der Fall ist. 

Bild: Michael Gallmeister

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