Corona und die Kulturszene

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Als der Luftkrieg über Großbritannien tobte, wurde der damalige Premierminister Winston Churchill aufgefordert, die Kulturausgaben zu Gunsten des Verteidigungshaushalts zu kürzen. Er antwortete trocken: »Und für was kämpfen wir dann?« Churchills Zitat ist ein wichtiger Impuls für unseren Umgang mit Kultur in Krisenzeiten, meint unser Autor Andreas T. Sturm.

Die Corona-Krise schränkt das öffentliche Leben so ein, wie keine andere Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Winston Churchill ist bis heute nicht nur als Kriegspremier mit seiner Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede bekannt, sondern er war auch leidenschaftlicher Maler und profilierter Schriftsteller, der 1953 sogar mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde. Churchill wusste damit nicht nur um die Bedeutung der Kultur für eine Gesellschaft, er hatte sicher auch die Überlebensfähigkeit englischer Kulturschaffender vor Augen, dazu mehr am Ende des Artikels.

Wenn es um das Überleben Kulturschaffender und unseres Kulturbetriebs geht, sind zwei Aspekte zentral: Zum einen die Unterstützung Kulturschaffender und Kultureinrichtungen durch den Staat, Organisationen und Privatpersonen, aber auch die innovativen Ideen der Kulturszene.

Unterstützung Kulturschaffender und Kultureinrichtungen

»Der Preis der Größe heißt Verantwortung« (Winston Churchill)

Churchills Weigerung, Kulturausgaben zugunsten der Kriegskasse zu kürzen, muss heute noch Vorbild sein. Die Kulturszene darf nicht weniger Nothilfen erhalten als andere Branchen. Nicht nur, dass auch in der Kulturszene Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen wie in jedem anderen Wirtschaftsbereich; ein Bankrott von Theaterstätten, Theatergruppen, Künstlern, würde langfristige Auswirkungen haben, es würde Jahre dauern, bis das kulturelle Leben auf einem Vor-Corona-Stand wäre. Damit würden wertvolle Entwicklungen verpasst und das kulturelle Leben um Jahre zurückgeworfen werden.

Neben staatlichen Hilfen gibt es Aktionen wie #WeKickCorona, eine Initiative von Leon Goretzka und Joshua Kimmich, der sich eine Vielzahl von Sportlern angeschlossen haben und für karitative Einrichtungen Geld sammeln, darunter auch kulturelle Einrichtungen. Bisher kamen 3,7 Millionen Euro zusammen.

Leon Goretzkas Statement gilt: »Weil die Gesundheit über allem steht, ist jetzt Solidarität im Kleinen wie im Großen notwendig. Jeder kann helfen.«

Ja, jeder kann helfen, sie können Künstler unterstützen, indem sie auch in Krisenzeiten Tonträger (oder MP3-Downloads), Bilder oder DVDs verkaufen.

Innovative Idee der Kulturszene

«Ein Optimist sieht eine Gelegenheit in jeder Schwierigkeit; ein Pessimist sieht eine Schwierigkeit in jeder Gelegenheit.« (Winston Churchill)

Viele Künstler und Kulturstätten versuchen auf kreativen Wegen das Beste aus der Krise zu machen. Vielleicht ergeben sich hier sogar neue Chancen. Das Globe London bietet zur Corona-Zeit wechselnde Shakespeare-Produktionen frei verfügbar auf der Homepage und auf YouTube an. Auch im deutschsprachigen Raum gibt es solche Angebote. Der österreichische Kabarettist Michael Niavarani, der das Globe Wien betreibt, meldet sich regelmäßig mit Podcasts und sein Theater stellt ehemalige Produktionen frei verfügbar auf die Homepage.

Autoren, Schauspieler, Musiker nehmen Podcasts auf, veranstalten Online-Lesungen und Watch-Parties auf Facebook oder Instagram.

Winston Churchill hatte als Shakespeare-Fan sicher die Überlebensfähigkeit der englischen Kulturszene vor Augen. Die Corona-Epidemie ist vergleichbar mit Pestausbrüchen zu Shakespeares Zeit, damals starben zu Pestzeiten bis zu 40% der Bevölkerung. Es ist vollkommen klar, dass Theater mit ihren 3000 Zuschauern auf engstem Raum geschlossen werden mussten. Die monatelangen Theaterschließungen stellten die Schauspieler und Autoren vor existenzielle Nöte. Während sich Schauspieler als Wanderschauspieler über Wasser hielten, sicherte sich Shakespeare mit Auftragsdichtungen Einnahmen (Vgl. »Aus Pest wird Poesie« Kapitel 1, »Das Shakespeare-Prinzip« WOLL-Verlag, 2019).

Geschichten wie diese können für Mut und Inspiration sorgen. Apropos Geschichten, mittlerweile gibt es Zweifel an der Authentizität von Churchills Zitat. Ein gesicherter Ausspruch Churchills vor Kriegsbeginn in der Royal Academy (30 April 1938) zeigt aber, dass die unbedingte Erhaltung der Kultur dem Geiste des großen britischen Staatsmann entspricht.

Ein Winston Churchill einwandfrei zugeschriebenes Zitat lautet: »Man löst keine Probleme, indem man sie aufs Eis legt.« Das gilt auch für unsere Kulturszene. Unterstützen Sie deshalb unsere Kulturschaffenden und kulturellen Einrichtungen, meistens genügt ein Blick auf deren Homepage, ein Kauf eines Tickets für eine Veranstaltung im Herbst oder ein Blick in den Online-Shop, mittlerweile gibt es auch Apps um Kulturschaffende, Kulturevents und Händler vor Ort zu unterstützen (z.b. www.wetzlar-kauft-lokal.de).

Ein Zitat, welches vielen bedeutenden Menschen zugeschrieben wird, kam wohl zumindest auch Winston Churchill in Anbetracht seines eigenen Lebenswegs über die Lippen und das ist meine Botschaft an alle Leser:

» Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.«

Lassen Sie uns zusammen aufstehen!

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