Das christliche Antisemitismus-Gen

Judengasse in Salzburg, Foto: Stefan Groß

Aus:

Hyam Maccoby: Ein Pariavolk
Hentrich und Hentrich Verlag Berlin; 1. Mai 2019
ISBN-13: 978-3955653071
224 Seiten    24,90€

(Fortsetzung)

Obwohl Hyam Maccoby im Alter von 80 Jahren bereits im Jahre 2004 verstirbt, bringen seine Bücher weiterhin neue Erkenntnisse, die für viele äußerst unangenehm bis schmerzlich sind und die sie somit nicht hören und schon gar nicht akzeptieren wollen. Dabei geht es nicht allein um die Vergangenheit, sondern auch um die Zukunft. Christen verfolgen Juden über zwei Jahrtausende hinweg. Doch nun werden vermehrt Christen in Asien und Afrika verfolgt: nicht von Juden, sondern von Muslimen. Mancher Leser wird an göttliche Gerechtigkeit glauben wollen. Doch der gegenseitige tödliche Hass der (monotheistischen) Religionen ist allzu menschlich. Gott ist als Narrativ notwendig, keineswegs in seiner Funktion als real existierender Weltenschöpfer.

Warum gibt es einen christlichen und nun auch einen muslimischen Judenhass, jedoch so gut wie keinen buddhistischen oder animistischen Antisemitismus? Antijudaismus und Antisemitismus sind der Hass auf Juden, weil sie Juden sind. Verschiedene Worte werden zu verschiedenen Zeiten benutzt und sagen alle dasselbe aus: Judenhass! Möglicherweise werden bald neue Wortkombinationen erfunden oder entdeckt werden, um dem faulen Zauber einen wissenschaftlichen Anstrich anzudichten. Es gibt keinen real existierenden Unterschied: Jacke wie Hose, Hitler wie Luther! Die Worte werden gewählt, wie sie am besten klingen, um eine möglichst große Anzahl Anhänger zu rekrutieren.

Beginnen wir mit der Historie, die wir so gut es uns gelingt von Narrativen reinigen werden. Vor 2.000 Jahren entsteht eine neue Religion, die sich später weltweit durchsetzt: das Christentum. Dieses Christentum ist eine Nachfolgereligion des Judentums. Die „neuen“ Juden, dekadente hellenisierte Juden, zum Judentum konvertierte Heiden, selten gewöhnliche Juden, müssen nun beweisen, dass ihre Religion, die später den Namen „Christentum“ erhalten wird, besser als die ursprüngliche Religion, also das Judentum, ist. Sollte die neue Religion (Christentum) genauso wertvoll (oder wertlos) wie die alte Religion (Judentum) oder gar wertloser sein, verliert das gerade gegründete Christentum seine Existenzberechtigung und Existenz.

Im Römischen Reich leben etwa 50 Millionen Menschen, davon etwa 15 Millionen Juden, die zu 80% als zum Judentum konvertierte Heiden sind. Das Judentum scheint damals eine Modereligion gewesen zu sein, etwa wie heute der Menschen gemachte Klimawandel. Nur etwa 3 Millionen sind geborene Juden. Deshalb ist heute im Judentum das Missionieren verboten. Die meisten missionierten Juden übernehmen das Christentum, das neue Judentum, da das Christentum einfacher und angenehmer als das Judentum ist: die jüdischen Speiseverbote, die strengen Feiertage, die vielen Gebete … Seit dem Untergang des Tempels in Jerusalem durch die Römer dürfen Juden nicht mehr opfern, sie müssen deshalb meist stehend stundenlang beten …

Nach wenigen Jahrhunderten haben sich die Christen im Römischen Reich durchgesetzt. Aus welchen Gründen auch immer gelingt es den Christen nicht, das Judentum auszulöschen. Daraus entsteht die christliche Tugend, nämlich die zur Schau gestellte „Duldung“ der Juden unter den christlichen Herrschern, auf dass kein Christ auf die Idee komme, Jude werden zu wollen. Das Los, dass die Christen (bis heute) den Juden zuteilen, ist die Verachtung ihrer Religion und ihres Lebens, nicht nur des religiösen! Die Christen können deshalb derart verächtlich und unmenschlich mit Juden umgehen, weil es ihnen gelingt, das Römische Reich zu christianisieren und die Juden als kleine Minderheit an den Rand der Gesellschaft zu drücken. Wäre es anders gekommen, dann hätte Abraham Hiedler (jidd.: Hutmacher) die Christen verbrannt. Doch dem ist augenscheinlich nicht so!

Der ausgezeichnete Stratege und selbsthassende Jude Paulus versteht es ausgezeichnet, einem das Wort im Munde zu verdrehen. Er gibt vor, ein gesetzesfrommer Jude und Pharisäer zu sein, und behauptet gleichzeitig und ohne rot zu werden, dass das Christentum, die neue und wahre Religion ist, da die Juden sich nicht an die von Gott verordneten Gesetze der Thora halten. (Seit dem 10. Jahrhundert behaupten die Muslime als neue wahre Religion den selben Unfug von den Christen.) Die Thora wird zum veralteten Alten Testament. Das Neue Testament ist hingegen das einzig wahre Testament, welches Gott den Menschen nun aufdrängt. Der Sieg der Christen über das Judentum muss als Wahrheitsbeweis des Gott gewollten Christentums genügen.

Paulus kommt den heidnischen Römern entgegen, indem er ihnen erklärt, dass ein Mensch Gott (Teil Gottes?) werden kann, wohl wissend, dass die streng monotheistischen Juden dies ablehnen werden. Nun entsteht das christliche Narrativ, dass die Juden und nicht die heidnischen Römer, also die späteren Christen, Gott Jesus umgebracht haben. Deshalb sind nun die Christen das wahre Volk Israel, die wahren Juden. Die verbliebenen alten verstockten Juden sind des monotheistischen Teufels, die man quälen und töten darf (oder muss), denn Gottesmörder verdienen es nicht besser.

Die Juden verstehen diese paulinische Logik nicht. Denn erstens kann man Gott nicht ermorden und zweitens haben die Römer, also die späteren Christen, Jesus umgebracht. Doch das ändert nichts daran, dass die Juden gemäß christlicher Lehre drangsaliert werden müssen. (Muslime behaupten, dass Jesus nicht am Kreuz gestorben ist).

Da die Christen manche biblische Gebote allzu eng auslegen, werden die Juden mit der Zeit eine wirtschaftliche Notwendigkeit, die die Katholische Kirche bei Bedarf protegiert. Das bedeutet nicht, dass die Kirche keine Juden verfolgt, so dies notwendig erscheint. Notwendig ist es immer dann, wenn man die Juden nicht mehr braucht, z.B. wenn sie ihr Geld wiederhaben wollen, womöglich noch mit Zins und Zinseszinsen. Somit handelt Mario Draghi mit seiner Nullzinspolitik, die Europa in die Armut führen wird, CHRISTLICH!!! Nicht ihn darf man verfluchen, sondern die Juden vom Broadway.

Wie bereits geschrieben: Es hätte auch andersherum kommen können. Für eine neue Religion wie für eine neue Politik ist es besser, wenn sie sich durchsetzt. Eine Nachfolgereligion ist nur dann erfolgreich, wenn sie sich als einzige durchsetzt.

Nun gibt es in Deutschland und anderswo Vereinigungen, die nach dem Holocaust eine Annäherung zwischen Christen und Juden erzwingen wollen, obwohl diesem Vorhaben jegliche Basis und Logik fehlt. Interessant ist die Feststellung, dass unter den Juden dieser Christlich-Jüdischen Gesellschaften sich einige ehemalige Christen befinden, die bald erkennen, dass sie von den wahren Christen nicht als vollwertige Partner anerkannt werden. Während die Juden in diesen Vereinigungen lediglich verlangen, nicht unterdrückt zu werden, i.e. Gleichberechtigung, verlangen die Christen von den Juden, ihren Glauben zu modifizieren, nämlich dass die Juden nicht besser, sondern schlechter als die Christen sind, zumindest jedoch, dass die Christen das wahre Volk Gottes und den Juden zumindest ebenbürtig sind. Diese Christlich-Jüdischen Gesellschaften verlangen also von den Juden, auf ihre Rechte zu verzichten, die sie nicht einmal im Holocaust haben abgeben müssen, da es den Nazis gleichgültig gewesen ist.

Doch das sind Narrative. Die meisten Juden glauben nicht an Gott. Juden, die trotzdem an Gott glauben und sogar daran, dass sie Gottes Volk sind, diskutieren darüber nicht mit Christen.

Wir fassen zusammen und erkennen: Nachfolgereligionen versuchen alle Funktionen und Notwendigkeiten der Vorgängerreligionen zu übernehmen, um sich der Vorgängerreligionen zu entledigen. Wenn der Nachfolgereligion dies nicht gelingt, verliert sie die Notwendigkeit der Existenz, d.h. sie verschwindet.

Der Islam ist die Nachfolgereligion des Christentums und weit weniger des Judentums. Deshalb werden in islamischen Ländern bis heute Christen aus religiösen Gründen verfolgt. Verbliebene Juden werden in islamischen Staaten aus politischen Gründen verfolgt. Der Islam versteht sich vor allem als Nachfolgereligion des mächtigen, zahlenmäßig Milliarden zählenden Christentums – nicht des schwachen 15-Millionen-Judentums – und verfolgt deshalb die vielen Christen und nicht die wenigen Juden! Die Christen hoffen ihrem gottgewollten Schicksal zu entgehen, indem sie sich den Muslimen anbiedern und mit ihnen offen ihren Judenhass teilen. Es wird ihnen nichts nützen.

Es ist wohl eine Gott gewollte Fügung, dass die vom Christentum entfremdeten und abgefallenen Europäer Muslime in die EU holen, auf dass sie die Christen verfolgen. Der Islam ist eine junge und lebendige Religion, der die Zukunft gehört. Die neue europäische Gegenreligion in Form der Klimareligion wird unter dem Islam in sich zusammenbrechen: Grün ist die Farbe des Propheten!

Die derzeitige Hauptaufgabe der verantwortlichen Juden in Deutschland und der EU sollte die religiöse Zusammenarbeit mit Muslimen sein. Es geht nicht um den Erhalt einer wie auch immer zusammengezimmerten Demokratie. Der Islam als Nachfolgereligion des Christentums braucht das Judentum genauso wenig wie das Christentum das Judentum braucht, wenn der Islam die politische und gesellschaftliche Macht erlangen will. Deshalb sollen die Juden sicherheitshalber den muslimischen Machtbereich Europa verlassen. Auch die USA scheinen für freie Geister unsicher geworden zu sein. Es macht keinen Sinn, sich mit einer untergehenden Religion zu verbünden.

Fazit:

Es liegt in der Natur der Sache, dass Nachfolgereligionen ihre Vorgängerreligionen bis aufs Blut bekämpfen. Das Judentum überlebt aufgrund seiner Unbedeutendheit lange im christlichen Europa. Erst mit der Verbreitung des politischen Christentums, dem Nationalsozialismus, droht dem Judentum das Ende.

Das europäische Christentum wird mit wenigen Ausnahmen an den politischen Rand gedrängt. Es wird untergehen. Der Islam als christliche Nachfolgereligion wird den Platz des Christentums einnehmen. Der Islam wird das Christentum genauso erfolgreich verdrängen wie einst das Christentum das Judentum.

Fraglich ist, ob die neue grüne Klimareligion den Kampf gegen den Islam aufnehmen wird. Die Klimareligion sieht sich nicht im Widerspruch zum Islam. Bezüglich der Demokratie ähneln sich Islam und Klimareligion: Beide sind bereit, über Leichen zu steigen, um ihre Gott/Klima gewollten Ziele zu verwirklichen.

Auf das Judentum kommen schwierige Zeiten zu, die die Juden aufgrund ihrer geschichtlicher Erfahrung meistern können. Eine Verbrüderung mit einer seiner Nachfolgereligionen ist für das Fortbestehen des Judentums kontraproduktiv.

Über Nathan Warszawski 535 Artikel
Dr. Nathan Warszawski (geboren 1953) studierte Humanmedizin, Mathematik und Philosophie in Würzburg. Er arbeitet als Onkologe (Strahlentherapeut), gelegentlicher Schriftsteller und ehrenamtlicher jüdischer Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft zu Aachen.