Das Guggenheim Museum Bilbao installiert ein beeindruckendes Werk von Lucio Fontana im Atrium

Installation view. Guggenheim Museum Bilbao, 2021, Foto: Erika Ede © Fondazione Lucio Fontana, Bilbao, 2021

Das Guggenheim Museum Bilbao enthüllt die Installation eines spektakulären Werks von Lucio Fontana in seinem Atrium, das die Museumsbesucher in den nächsten drei Jahren genießen können. Die Neonstruktur für die neunte Mailänder Triennale (Struttura al neon per la IX Triennale di Milano), die der große italienisch-argentinische Künstler 1951 schuf, ist ein Werk, das gleichzeitig als Zeichnung, Skulptur, Lichtdesignobjekt und ausdrucksstarke, in der Luft eingefrorene Geste betrachtet werden kann. Das Privileg, es ausstellen zu dürfen, resultiert aus der außergewöhnlichen Partnerschaft zwischen der Fondazione Lucio Fontana in Mailand und dem Guggenheim Museum Bilbao.

Die Komplexität dieses Werks, das Teil der 2019 stattfindenden Ausstellung Lucio Fontana. On the Threshold gezeigt wird, setzt sich mit einem außergewöhnlichen Gesprächspartner auseinander: dem von Frank Gehry entworfenen Gebäude, dessen auf Papier gekritzelte Skizzen an Fontanas Raumarabesken erinnern. Das beeindruckende Neon spielt aufgrund seiner Leuchtkraft und schieren Größe mit Perspektive und Distanz und intensiviert die Erfahrung des Betrachters mit der Architektur, die sowohl innerhalb als auch außerhalb des Museums wahrnehmbar ist.

Lucio Fontana (geb. 1899, Rosario, Argentinien – gest. 1968, Varese, Italien) machte während seiner gesamten Karriere den Raum zu einem Thema, das er ständig untersuchte und meditierte, und er thematisierte ihn in verschiedenen Kontexten und unter Verwendung unterschiedlichster Materialien. Nachdem er die Bewegung der Spatialisten eingeleitet hatte und 1947 nach Italien zurückgekehrt war, wandte sich Fontana allmählich der radikalen Abstraktion und dem Experimentieren zu. Als Pionier in der Nutzung des leeren Raums als Generator und einzigartige Komponente von Kunstwerken war Fontana eine Schlüsselfigur in der Entwicklung mehrerer Avantgarde-Gruppen – einschließlich der internationalen Gruppe Zero – und diente als Prüfstein für namhafte Künstler der nachfolgenden Generationen, darunter Yves Klein, Jorge Oteiza und Jesús Rafael Soto. Obwohl er für seine flammenden monochromen, geschnittenen und punktierten Leinwände weltberühmt war, betrachtete sich Fontana immer als Bildhauer und näherte sich jedem Werk mit einer vollständigen Erfahrung von Farbe und Geste, Zeit, Tiefe, Volumen, Material und Licht.

In den Worten des Präsidenten der Fondazione Lucio Fontana, Paolo Laurini: „Das Neon, das für die Neunte Mailänder Triennale 1951 geschaffen wurde, kann ohne weiteres als eines der repräsentativsten und ikonischsten Werke von Lucio Fontana betrachtet werden, ein perfektes Beispiel für seine bahnbrechende Kreativität.“ Die Präsentation dieses Werkes im Atrium des Guggenheim-Museums Bilbao ist nach Laurinis Meinung außergewöhnlich, denn „der Künstler hatte immer eine besondere Beziehung zu Architekten, deren räumliches Empfinden er sehr schätzte. Die verblüffende Selbstverständlichkeit, mit der Fontanas Installation in Bilbao mit der faszinierenden Architektur von Frank Gehry in Dialog tritt – und dabei provokante und neuartige Visionen und Perspektiven bietet – lässt uns denken, dass diese Arbeit hier ein ideales Echo finden würde.“

Neon Structure für die Neunte Mailänder Triennale ist einer der markantesten Ausdrücke für die Konvergenz von Kunst und Technologie im 20. Jahrhundert. Aus einem für die ästhetischen Kriterien seiner Zeit überraschenden Material gefertigt, entstand das Werk aus einem konkreten Auftrag für das Vestibül der Mailänder Triennale 1951. Mit seiner räumlichen Neonzeichnung reagierte Fontana möglicherweise auf die berühmten „Lichtzeichnungen“, die Pablo Picasso 1950 in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Gjon Mili anfertigte. Im Gegensatz zur Verwendung des elektrischen Lichts als „exotisches“ Material in der traditionellen Kunst, mit seinen hunderten von Metern verdrehten, chaotischen Neons, suggerierte Fontana eine Tour de Force der damaligen Leistungsfähigkeit der Industrie. Damit setzte er eine der Proklamationen des Spatialistischen Manifests von 1948 in die Tat um: „Mit den Mitteln der modernen Technik werden wir am Himmel künstliche Formen / erstaunliche Regenbögen / leuchtende Plakate erscheinen lassen.“ Zugleich verband sich in ihm unvermutet die barocke Ästhetik, die er seit seiner Jugend so sehr bewundert hatte, mit dem Technologieprogramm des Raumfahrtzeitalters.

Im Bild:
Installationsansicht. Guggenheim Museum Bilbao, 2021
Lucio Fontana (1899-1968)
Neonstruktur für die Neunte Mailänder Triennale (Struttura al neon per la IX Triennale di Milano), 1951/2019
Glasrohr und Neon
280 x 1000 x 1200 cm
Foto: Erika Ede
© Fondazione Lucio Fontana, Bilbao, 2021

Pressemitteilung Guggenheim

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