Der Friedensnobelpreis und Obama

Schade Obama, die Chance in Oslo haben Sie vertan!

Ein bisschen entschuldigend erklärte der Sprecher des Friedensnobelpreiskomitees in Oslo heute die Verleihung der weltweit höchsten politischen Auszeichnung an den US-Präsidenten.
Obama war kurz nach Oslo gereist, um den Preis entgegen zu nehmen und hielt eine seiner inzwischen austauschbaren Reden zur Weltpolitik und speziell zu seiner Sicht auf unvermeidbare Kriege. Das Kriegsthema bot sich angesichts des Friedensnobelpreises zwingend an.
Obama, der selber, wohl nicht zum ersten Mal, sagte, dass er den Preis nicht verdient hätte, ist damit endgültig bei seinem Vorgänger, dem allseits verhassten George W. Bush angekommen, von dessen Politik sich die Seinige kaum unterscheidet. Nur: Obama hat den inzwischen schon ein wenig häufig gequälten völlig neuen Politik-Stil. Das sei nun einmal ein Wert an sich.
Während die Welt noch im abebbenden Obama-Fieber schwelgt, sieht es eine Mehrheit der US-amerikanischen Wähler inzwischen offenbar so, dass der Friedensnobelpreis für Obama nicht oder noch nicht fällig ist.
Einen Preis, der für eine besondere mondiale Leistung vergeben wird, in einen Preis der guten Hoffnung zu verwandeln ist eine problematische Sache. Insbesondere gibt es kaum einen Anhaltspunkt dafür, dass ein solcher Motivationspreis nötig oder überhaupt nützlich wäre. Vielleicht wirken Vorschusslorbeeren sogar kontraproduktiv.

Obama wird zunehmend als Schönschnacker wahrgenommen

Obama hat im Iran Hoffnungen der Opposition geweckt, die im Juni 2009 massenhaft für die Demokratie und Freiheit auf die Straße ging, und er hat diese Hoffnungen der Opposition, die mit seinem Slogan „Change“ und „Yes, wie can“ auf den Lippenmutig gegen das Regime aufstand,enttäuscht.
Obama enttäuscht auch die Hoffnungen derer, die im Iran jetzt politisch verfolgt werden und mit zum Teil schon vollstreckten Todesurteilen bedroht sind. Deswegen hatte die Autorin in einem anderen Text vor kurzer Zeit dafür plädiert, dass Obama wenigstens in seiner heutigen Dankrede den Preis auch der von ihm geweckten Opposition im Iran widmen würde. Stattdessen hielt Obama Reden über gerechtfertigte Kriege und das allesabstrakt bis zum Anschlag.
In den USA sinkt Obamas Sympathiekurve schneller als bei früheren Präsidenten nach dem ersten Amtsjahr und Obama wird zunehmend als Schönschnacker wahrgenommen. Und er hat, auf deutsche Verhältnisse umformuliert, die ersten „Landtagswahlen“, in denen er sich persönlich ins Zeug legte, verloren.
Warum diese Unfähigkeit in Europa und auch in Deutschland Obama realistischer zu sehen, als in den USA selber? Die Reden von Obama sind so stereotyp in Form, Vortragsweise und irgendwie auch im Inhalt, dass ein bisschen Langeweile aufkommt: schon wieder so ein gigantischer Auftritt, bei dem alles und nichts gesagt wird und bei dem neuerdings immer mehr Bescheidenheit und Demut demonstriert wird: Obama ist ein fader Visionär.

Obama wirkt lasch, etwastraurig und ein bisschen angestrengt.

Obama fehlt politische Power und ihm fehlt die Begeisterung, die er früher bei anderen ausgelöst hat. Die konkreten Ideen die Welt neu zu erfinden, das war ja sein eigentliches Versprechen, kommen ihm nicht.
Denjenigen, die alles entschuldigen und die jetzt sagen, man hätte Obama mit dem Friedensnobelpreis einen Schaden zugefügt, in dem man ihn zu hoch gelobt hätte, muss man sagen, dass Obama mit einem solchen Weltforum, das ihm dieser Preis eröffnet, das auch er nicht jeden Tag hat, hätte mehr angefangen haben können.
Statt seinen Afghanistan-Krieg zu legitimieren, hätte er vielleicht konkrete Fehler seiner Präsidentschaft und Fehler durch Unterlassen eingeräumt haben sollen. Seine bisher verfehlte Politik in Bezug auf die Opposition im Iran bot Gelegenheit Fehler einzuräumen und es ist ein aktueller Fehler der Obama-Rede in Oslo, dass er das Thema der Menschenrechtsverletzungen in all den Ländern in keinster Weise angemessen beim Namen benannt hat, mit denen alle Politiker dieser Welt allzu gern Geschäfte machen und deren Unrechtssysteme sie nur hinter vorgehaltener Hand oder nur diplomatisch zurück haltend beim Namen nennen.
Obama ist gewählt worden, weil die Menschen sich von ihm einen neuen Stil und vor allem neue Inhalte versprachen. Dazu gehörte vor allem ein kompromissloses Eintreten für Menschenrechte.
Worin unterscheidet sich Obamas Politik in konkreto von der seines Vorgängers? Oslo hat auf diese Frage keine Antwort gegeben.

Mit freundlicher Genehmigung von Bettina Röhl (www.welt.de)

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Über Röhl Bettina 12 Artikel
Bettina Röhl, geboren 1962, ist eine deutsche Journalistin und Publizistin. Sie studierte in Hamburg und Perugia Geschichte und Germanistik. Seit 1986 arbeitet Bettina Röhl als Journalistin, unter anderem für die Zeitschriften Tempo, Welt, Vatikan-Magazin und Spiegel TV.

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