Ein New Yorker in Traunreut

Vor der 2016 eröffneten Halle 4 des Museums-Geländes: John Chamberlains Skulptur „Hairlesschiffon“, Foto: Hans Gärtner.

Etwas verwundert stellt man fest, dass auf der doch so respektabel langen und mit Berühmtheiten moderner Kunst bestückten Liste „Kunstbegegnung für Kinder 2023“ des Museums DASMAXIMUM der Name fehlt, der auf dessen Werbe-Broschüre als erster genannt wird: John Chamberlain. Und der sich – anders als etwa Andy Warhol oder Joseph Beuys – für junge Leute am besten eignet. Ab 27. Januar bis 18. November konnten/können Kinder von ca. 8 bis 14 Jahren ein ganz besonderes kostenfreies Angebot wahrnehmen: weltberühmte Künstler und eines oder mehrere ihrer Werke hautnah kennenlernen. Die Begegnungen finden, das sei hervorgehoben, mit Originalen statt, also nicht etwa mit Kopien oder Repliken. Allein insofern ist die genannte Familien-Aktion eine Seltenheit. Und nicht weniger rar ist, dass sie mitten im Urlaub-begehrten Oberbayern stattfindet.

Der in New York groß gewordene John Chamberlain (1927 bis 2011) ist abstrakter Expressionist. Er belebte die Dada-Kunst neu und inspirierte wesentlich weltweit die Pop-Art. Schon allein mit den Namen, die er seinen fröhlichen, beschwingten, sich vor gewagten, überraschenden Farbkombinationen oft geradezu überschlagenden Arbeiten gab: zu Deutsch etwa „Loreleis Leidenschaft“, „Schusters Messer“ oder „Großmutters Hut“. Seine monumentale Sitz-Landschaft heißt „Wiley`s Islands“. Sie besteht aus Polyurethan-Schaum. Als der Künstler noch ein Jungspund und unbekannt war, verarbeitete er schon gerne Autoblech. Dabei benutzte er Metallpressen ebenso wie Schweißbrenner.

Die Sachen des witzigen John Chamberlain bringen erfahrungsgemäß Kinder nicht nur zum Lachen, sie reizen sie auch, ihr Smartphone als Fotoapparat zu benutzen, um sich ein paar Bilder mit ins Kinderzimmer zu nehmen. Riesengroße Gebilde aus Aluminium wie die herrlich „verwurschtelten“ Arbeiten „Burntpiano“ und „Hairlesschiffon“ stehen im Außengelände des weitläufigen Traunreuter Museums an der Fridtjof-Nansen-Straße. Sie sind also leicht zugänglich und lassen sich problemlos nicht nur mit Kindern, sondern auch mit Rollstuhlfahrenden „besuchen“. John Chamberlain wollte Skulpturen absichtlich gewissermaßen „action“ verpassen. Gerade seine sogenannten „Foil-Sculptures“ aus weiß Gott wie langen und kühn gedrehten Foliensträngen mit ihren Schalltrichter-Enden und gerade oft von Kindern sofort entdeckten Greifarmen erfüllen diesen Anspruch.

Erwachsene, die Kinder ins Traunsteiner Museumsgelände begleiten – die  Teilnahme an einer Führung muss telefonisch 08669 / 1203713 oder per Email mail@dasmaximum.com erfolgen – haben die Chance, wesentliche moderne Künstler kennenzulernen: von Andy Warhol bis Maria Zerres, von Georg Baselitz bis Joseph Beuys. Zwei Termine, die noch frei sind: Uwe Lausen (21. Oktober) und 18. November (Dan Flavin).

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Über Hans Gärtner 461 Artikel
Prof. Dr. Hans Gärtner, Heimat I: Böhmen (Reichenberg, 1939), Heimat II: Brandenburg (nach Vertreibung, `45 – `48), Heimat III: Südostbayern (nach Flucht, seit `48), Abi in Freising, Studium I (Lehrer, 5 J. Schuldienst), Wiss. Ass. (PH München), Studium II (Päd., Psych., Theo., German., LMU, Dr. phil. `70), PH-Dozent, Univ.-Prof. (seit `80) für Grundschul-Päd., Lehrstuhl Kath. Univ. Eichstätt (bis `97). Publikationen: Schul- u. Fachbücher (Leseerziehung), Kulturgeschichtliche Monographien, Essays, Kindertexte, Feuilletons.