„Ich als Mensch“ von Miriam Cahn

Foto: Angelika Weber, Depot der Bayerischen Staatsbibliothek

Miriam Cahn. Ich als Mensch. Hirmer, München 2019, ISBN: 978-3-7774-3359-2, 39,90 EURO (D)

Die schweizerische Künstlerin Miriam Cahn zählt zu den spannendsten Künstlerinnen der Gegenwart. Sie ist vorwiegend eine figurative Malerin, aber auch andere künstlerische Ausdrucksformen wie Kohle- und Bleistiftzeichnungen, Pastellzeichnungen, Rauminstallationen und Performances gehören zu ihrem Werk. Ihre vielen Schaffens- und Entwicklungsperioden werden in der Ausstellung „MIRIAM CAHN. Ich ALS MENSCH“ im Haus der Kunst in München vom 12.7. bis 27.10. 2019 gezeigt. Davor war die Ausstellung im Berner Kunstmuseum zu sehen. Dies ist der gleichnamige Katalog zur Ausstellung.

Cahn wurde von der Friedens- und Frauenbewegung in der Nachkriegszeit geprägt, dort war sie selbst lange Jahre involviert, was auch ihre Motive und ihre künstlerische Arbeit beeinflusste. Ob Genderthemen, feministische Gesellschaftskritik, die Entblößung von Machtkonstruktionen, Migration, Krieg und dessen Folgen oder neuerdings auch das Thema von Geflüchteten nach Europa. Ihre Basler Protestaktion unter dem Motto mein frausein ist mein öffentlicher Teilwird vielen Kunstkennern noch im Gedächtnis sein. Ihr wohl bekanntestes Werk atombombe (blutungsarbeit) aus dem Jahre 1999 ist natürlich ebenfalls zu sehenwieihre zwei Zyklen über den Golfkrieg und dem Krieg auf dem Balkan.

Nach einem Vorwort stellt Jana Baumann die Entwicklung neuer Körperbilder im künstlerischen Werk Cahns dar, die auch gleichzeitig als neue Menschenbilder fungieren, dar. Danach folgen die Werkzyklen eingeschlossen in mich selberund mein frausein ist mein öffentlicher Teil. Anschließend stellt Adam Szymczeyk ihre Beziehung zum Judentum und dem Phänomen der Flucht dar. Danach werden filmische Werke, frühe Werke von 1978 bis 1994 und Atombomben gezeigt. Weiter geht es einem Essay von Natalia Sielewicz, die sich mit der Enthebung der Selbstbezogenheit von Cahns visuellen Werken auseinandersetzt. Tess Edmonson beschäftigt sich danach mit Sex, Macht und Gewalt in den Bildern Cahns. Es folgen die Werke zwischen 1994 und 2018. Zum Schluss kommt Miriam Cahn in einem Gespräch mit Patricia Falguieres, Elisabeth Lebovici und Natasa Petresin-Bachelez über ihr Leben, ihren intuitiven Stil und ihre Werke zu Wort.

Im Anhang findet man noch eine kurze Biografie der Künstlerin, ihre Ausstellungen, Literatur, ein Werkverzeichnis und Informationen über die Autorinnen und Autoren des Bandes. 

Dies ist eine gelungene Gesamtschau des vielgestaltigen Werkes von Miriam Cahn aus fünf Jahrzehnten, das sowohl von Brüchen als auch von Kontinuitäten gekennzeichnet ist. Gleichzeitig ist es eine Würdigung ihrer Lebensleistung, die noch lange nicht abgeschlossen ist. Ihre Arbeiten sind Exponate einer politischen Kunst, die dem Kunstbetrieb aber auch der Gesellschaft kritisch den Spiegel vorhält. Sie sind nicht moralisierend, aber immer emotional, besonders in ihrer Farbwahl der späteren Werke.

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Michael Lausberg
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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.