„STERN“-Stunde für Bayerns Staatsbibliothek

Depot der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB), Aufnahme von Angelika Weber

15 Millionen Bilder von Fotografen des Magazins „STERN“ aus den Jahren 1948 bis 2001, gesammelt in einem analogen Fotoarchiv, sind ab sofort ihr eigen. Ein Geschenk des Verlags Gruner & Jahr von immensem Wert ist in bayerischen Staatsbesitz übergegangen. Acht Lkw brachten die Ladung, verpackt in 2316 Kisten, von Hamburg nach München. Im Außenmagazin Neufahrn ruhen fürs Erste  die drei Archive aus der Hansestadt: in 2200 Leitzordnern auf 181 Regalmetern Negative, in 1400 Kartons Dias und Abzüge, die weitere 920 Archivkartons füllen.  

Generaldirektor Klaus Ceynowa, der erfolgreiche Drahtzieher in einer „Win-Win-Situation“ sondergleichen, konnte seinen bisherigen Bilder-Bestand von „nur“ 2 1/3 Millionen erheblich erweitern. Angesichts des ihm zugesprochenen Materials spricht er euphorisch vom visuellen Gedächtnis der Bundesrepublik und des weltpolitischen Geschehens der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der deutsche Fotojournalismus sei in einzigartiger Weise in der BSB dokumentiert. Die Klärung von Nutzungsrechten – nicht zuletzt für Publikationen und Ausstellungen der Fotografen selbst – wird Gegenstand notwendiger Gespräche sein müssen. In Planung: den nunmehr merklich angewachsenen Bilder-Bestand der BSB zügig zu digitalisieren.

Kunstminister Bernd Sibler kann nicht umhin, dem Hamburger Verlag Gruner & Jahr, der den seit 70 Jahren bestehenden „STERN“ herausbringt, für das Vertrauen zu danken, den Hamburger Bilderschatz nach Bayern gegeben zu haben. „Ich glaube“, so der ehemalige Deutsch- und Geschichtslehrer Sibler, „es ist ein Rockzipfel der Geschichte, den wir mit diesem Bildmaterial zu greifen bekommen“. Fotos seien spezielle historische Quellen. Sie kommunizierten direkt, brächten Botschaften, Ereignisse und Emotionen auf den Punkt und prägten sich dem Betrachter ein.

Mit Emotionen hält einer der zehn namentlich benannten bedeutenden „Stern“-Fotografen stellvertretend für seine (nebenbei gesagt: ausschließlich männliche) Kollegen – von Hanns-Jörg Anders über Harald Schmitt bis Jay Ullal – nicht hinterm Berg. Peter Thomann, 79, erinnert bewegt an  37 Jahre Festanstellung als leidenschaftlicher „STERN“-Fotograf. „Ein Traumjob war das!“, resümiert er seine Tätigkeit und urteilt wohl auch im Sinne seiner Kollegen: „Wir profitierten von der Blütezeit der Printmedien“. Zum Erhalt der Bilddokumente in der BSB kann Thomann nur erfreut und zustimmend sagen: Besser in einem Lagerhaus als im Hamburger Hafen gelandet.

Depot der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB), Foto: Angelika Weber

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Prof. Dr. Hans Gärtner, Heimat I: Böhmen (Reichenberg, 1939), Heimat II: Brandenburg (nach Vertreibung, `45 – `48), Heimat III: Südostbayern (nach Flucht, seit `48), Abi in Freising, Studium I (Lehrer, 5 J. Schuldienst), Wiss. Ass. (PH München), Studium II (Päd., Psych., Theo., German., LMU, Dr. phil. `70), PH-Dozent, Univ.-Prof. (seit `80) für Grundschul-Päd., Lehrstuhl Kath. Univ. Eichstätt (bis `97). Publikationen: Schul- u. Fachbücher (Leseerziehung), Kulturgeschichtliche Monographien, Essays, Kindertexte, Feuilletons.