Utrecht, Caravaggio und Europa. Katalog zur Ausstellung in der Alten Pinakothek München

Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Utrechter Museum

Michelangelo Merisi, gen. Caravaggio „Medusa“, sogenannte „Medusa Murtola“, 1596/97 Leinwand auf Pappelholz, Durchmesser 44,68 cm Privatbesitz

Utrecht, Caravaggio und Europa. Katalog zur Ausstellung in der Alten Pinakothek München, Hirmer, München 2019, ISBN: 978-3-7774-3132-1, 45 EURO (D)

Diese Ausstellung in der Alten Pinakothek München wurde in Zusammenarbeit mit dem Utrechter Museum konzipiert und widmet sich der Kernperiode des europäischen Caravaggismus, der Zeit von 1600-1630. Es werden diejenigen 78 Gemälde der Maler gezeigt, die in Rom mit dem Werk Caravaggios in Kontakt gekommen sind. Der überwiegende Teil der Leihgaben aus rund 50 Museen, kirchlichen Einrichtungen und von Privateigentümern weltweit wird das erste Mal in Deutschland zu sehen sein.

Der italienische Maler Michelangelo Merisi da Caravaggio lebte von 1573 bis 1610 und wird generell zu den Hauptvertretern des früheren Barock gezählt. Seine Werke entstanden in einer Zeitspanne von mehr als zehn Jahren und zählen heute zu den bedeutendsten Schätzen der Kunstgeschichte. Er gilt als der Begründer einer Malerei, die besonders an natürlicher Darstellungsweise orientiert war und welche dem bis dahin üblichen Symbolismus Einhalt gebot. Den Kunstwerken wurde eine eigene Sprache verliehen, die sich in der unmittelbaren Direktheit der Thematik äußerte. Der Betrachter sollte die Bilder weniger durch seinen Intellekt, sondern mehr durch die Sinne erfahren.

Damit dieses Ziel erreicht werden konnte, waren die naturalistische Wirkung klarer Formen und der innovative Umgang mit der Technik des Chiaroscuro, welche miteinander kontrastierende Licht- und Schattenflächen hervorbrachte, von großer Bedeutung. Aufgrund seiner überaus realistischen Darstellungsweise, die auch vor religiöser Thematik nicht Halt machte, sah sich Caravaggio schon bald scharfer Kritik ausgesetzt, die ihm mangelnden Respekt für die Heiligen der Kirche und fehlendes Talent unterstellte. Doch schon zu Lebzeiten sollte seine Malerei überaus ruhmreich werden. Caravaggio verlieh seinen Figuren eine faszinierende Würde und Tiefe, die es vorher in dieser Form nicht gegeben hatte. Seinen Bewunderern erschien es so, als habe er die Kraft und die Überzeugung der Hochrenaissance verinnerlicht, ohne aber ihre Idealisierung fortzusetzen.

Seine Werke, von neuartigem Realismus und mysteriösem Licht gekennzeichnet, waren stilprägend für viele Künstler aus Italien, Frankreich, Spanien und den Niederlanden. Die Werke der Utrechter Caravaggisten stehen dabei im Fokus. Die drei jungen Utrechter Maler Hendrick ter Brugghen (1588-1629), Gerard van Honthorst (1592-1656) und Dirck van Baburen (um 1595-1624) trafen in Rom erstmals auf die Gemälde Caravaggios.

Ihre Bilder unterscheiden sich signifikant von denen der französischen, flämischen, italienischen und spanischen Caravaggisten. Durch eine direkte Gegenüberstellung mit den Bildern ihrer europäischen Kollegen wird der besondere Stil der holländischen Maler auf eindrucksvolle Weise sichtbar, aber: „Der intensive Austausch dieser zu gleichen Zeit in Rom tätigen Künstler ist in ihrem Schaffen sichtbar.“ (S. 17) Außerdem sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu Caravaggio deutlich gemacht werden.

In der Ausstellung, die vom 17.4.2019 bis zum 21.7.2019 andauert, sind neben Gemälden von Caravaggio selbst wie sein „Hl. Hieronymus“ aus dem Kloster Montserrat bei Barcelona oder die „Grablegung Christi“ aus den Vatikanischen Museen in Rom Gerard van Honthorsts „Konzert“ aus der National Gallery of Art in Washington und dessen „Enthauptung des heiligen Johannes“ auch Gemälde von Orazio Gentileschi, Bartolomeo Manfredi, Jusepe de Ribera, Valentin de Boulogne zu sehen. Dies ist der offizielle Ausstellungskatalog mit 330 farbigen Abbildungen. Er ist in deutscher Sprache erschienen und vereinigt eine Sammlung von Essays von führenden Experten auf diesem Gebiet.

Nach Vorworten beschäftigt sich Marten Jan Bok mit der geistesgeschichtlichen Entwicklung der Stadt Utrecht Anfang des 17. Jahrhunderts. Auch in folgenden Essay von Helen Langdon wird auf die Situation in Rom und die dortige Zusammenballung der Künstler aus verschiedenen Teilen Europas eingegangen. Dann steht das Leben und Werk der Utrechter Caravaggisten im Mittelpunkt, was von Liesbeth M. Helmus bearbeitet wird. Ihr Zusammenspiel mit Auftraggebern, Kunstmarkt und Sammlern behandeln danach Bernd Ebert und Susanne Hoppe. Die spezifisch niederländische Interpretation und Weiterführung von Caravaggios Werken durch die Utrechter Caravaggisten insbesondere in der Technik und dem Ausdruck wird dann von Ashok Roy skizziert. Dann folgt der Hauptteil, der Katalog der ausgestellten Werke mit inhaltlichen Erläuterungen. Im Anhang findet man noch die Künstlerbiografien und ihre hier ausgestellten Werke, eine opulente Literaturliste und einen Bildnachweis.

Die Essays stehen auf einem hohen Niveau und spiegeln die augenblickliche Forschungslage zum Caravaggismus wider. Ein einleitendes Essay über den neuartigen Malstil von Caravaggio fehlt allerdings, dies kann nicht für alle Leser vorausgesetzt werden. Ein Register zum schnellen Nachschlagen ist ebenfalls nicht vorhanden. Die Bilddarstellungen hier in diesem Katalog sind sehr scharf und transportieren gut die Technik und die Farbpracht der Bilder.

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