1. Demokratiekonferenz in Leipzig diskutiert 20 Jahre demokratische Erneuerung

Zwanzig Jahre nach den friedlichen Montagsdemonstrationen treffen sich vom 22. bis 24. Oktober hochrangige Gäste aus Politik, Wissenschaft und Bürgergesellschaft in Leipzig. Auf der 1. Internationalen Demokratiekonferenz ziehen sie kritisch Bilanz und diskutieren die Potenziale und Perspektiven der demokratischen Entwicklung in Europa. Oberbürgermeister Burkhard Jung begrüßt neben Kanzleramtschef Thomas de Maizière unter anderem auch den ehemaligen Außenminister der Tschechischen Republik Karel Schwarzenberg in Leipzig.
„Die Stadt Leipzig und seine Bürger sind bis heute geprägt von den Ereignissen im Herbst Ž89, mit denen sie entscheidend zum Ende der DDR beigetragen haben“, betont Oberbürgermeister Burkhard Jung die Rolle der Stadt Leipzig während der Friedlichen Revolution. „Die friedlichen Montagsdemonstrationen waren auch Vorbild für die demokratischen Bewegungen in Mittel- und Osteuropa. Mit der 1. Internationalen Demokratiekonferenz trägt die Stadt Leipzig dem vor 20 Jahren gesetzten Impuls daher Rechnung.“
Die Internationale Demokratiekonferenz Leipzig widmet sich dem Leitthema „Demokratie im 21. Jahrhundert – Bilanz und Perspektive“. Prof. Dr. Günther Heydemann dazu: „In dem Ruf ‚keine Gewalt!’ kam in der erfolgreichsten Revolution der deutschen Geschichte der Wille zur Errichtung einer demokratischen Zivilgesellschaft zum Ausdruck, in der Interessenkonflikte friedlich gelöst wurden. Inwieweit sich die damaligen Wünsche erfüllt haben, inwieweit sie enttäuscht wurden, sind wesentliche Fragen, die gerade auch im Hinblick auf die Entwicklung in Osteuropa seit 1989/90 vergleichend diskutiert werden sollen.“ Antworten auf diese und andere Fragen suchen renommierte Forscher und prominente Redner aus Deutschland und dem europäischen Ausland am 22. und 23. Oktober im Leipziger Gewandhaus.
Vor allem der jungen Generation aus Deutschland und dem europäischen Ausland bietet die Internationale Demokratiekonferenz Leipzig eine Plattform zum politischen Diskurs. Am 24. Oktober erörtern die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Themen der Konferenz in Workshops und präsentieren die Ergebnisse in Straßenaktionen einer breiten Öffentlichkeit. „Demokratie ist ein Prozess, an dem alle gesellschaftlichen Gruppen beteiligt sind. Es sind vor allem die jungen Menschen, die das vor 20 Jahren begonnene fortführen“, betont Dr. Georg Girardet, Koordinator der Konferenz. „Die junge, nach der politischen Wende aufgewachsene Generation ist heute mit den klassischen Formen politischer Partizipation oft schwer zu erreichen und soll daher besonderes Gehör finden.“

Veranstalter
Die Stadt Leipzig veranstaltet die Internationale Demokratiekonferenz in enger Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Kooperationspartnern, u. a. mit dem Bundesministerium des Inneren, dem Freistaat Sachsen (Sächsische Staatskanzlei, Staatministerium für Wissenschaft und Kunst), der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Forschungsinstitut der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, den Universitäten in Leipzig und Halle, dem Theodor-Heuss Kolleg der Robert- Bosch Stiftung, der Bürgerstiftung Leipzig und dem Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen.

Statements zur Konferenz
Bundesminister Dr. Thomas de Maizière, Chef des Bundeskanzleramtes
„In diesem Jahr feiert Deutschland zwei denkwürdige Jubiläen. Vor 60 Jahren trat das Grundgesetz in Kraft. Damit war das Fundament für eine demokratische und freiheitliche Entwicklung der Bundesrepublik gelegt. Vor 20 Jahren fiel endlich die Berliner Mauer. Das machte den Weg frei für die Wiedervereinigung unseres Landes.
Dieses Glück ist historisch untrennbar mit Leipzig verbunden. Hier begann mit Friedensgebeten und Kerzen in der Nikolaikirche sowie den Montagsdemonstrationen die friedliche Revolution in der DDR. Deshalb ist Leipzig ein würdiger Ort, um über die Grundlagen unserer Demokratie nachzudenken, kritisch Bilanz zu ziehen und Perspektiven für eine lebendige Demokratie in Deutschland und ganz Europa aufzuzeigen.
60 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland und 20 Jahre nach dem Mauerfall zeigt sich: Unser Land ist in guter Verfassung. Heute leben alle Deutschen in Freiheit, Einheit und Demokratie. Das ist Grund zu Freude und Dankbarkeit. Das ist auch eine große Verpflichtung für uns alle. Denn Pluralismus und Gewaltenteilung, Parlamentarismus und Rechtsstaatlichkeit, Mehrheitsprinzip und Minderheitenschutz – all diese Grundlagen unserer Demokratie müssen immer wieder neu mit Leben erfüllt werden.
Demokratie lebt vom Mitmachen. Die Leipziger Konferenz ‚Demokratie im 21. Jahrhundert’ kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten – besonders mit Blick auf die junge Generation.“

Karel Schwarzenberg, ehemaliger Außenminister der Tschechischen Republik und
EU-Ratsvorsitzender a. D.

„Friedlich, sanft, samten – mit diesen Worten werden die einzigartigen Revolutionen in Deutschland und Osteuropa im Herbst 1989 treffend beschrieben. Ausgehend von den Montagsdemonstrationen in Leipzig formierte sich ein zivilgesellschaftlicher Aufbruch über Ländergrenzen hinweg. Es war der Mut von engagierten Bürgerinnen und Bürgern, der die alten politischen Systeme zu Fall brachte und den Weg frei machte für eine demokratische Erneuerung hin zu einem vereinten friedlichen Europa. Heute, 20 Jahre später, ist es Zeit Bilanz zu ziehen und nach vorne zu blicken. Die 1. Internationale Demokratiekonferenz Leipzig bietet eine erstklassige Gelegenheit dazu.“

1. Demokratiekonferenz in Leipzig diskutiert 20 Jahre demokratische Erneuerung

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