„Es war doch nur eine Frau!“ – Frauenhass bei Sexualdelikten von Zuwanderern?

Frauenkopf, Foto: Stefan Groß

Die Häufung von Gewalt- und Sexualdelikten durch Flüchtlinge ist eine der größten Herausforderungen seit der Flüchtlingskrise im Jahr 2015. Spätestens seit der Kölner Silvesternacht (Silvester 2015) ist dieses Thema höchst virulent und beeinträchtigt massiv das Sicherheitsgefühl der deutschen Staatsbürger. Deshalb ist die Migrationspolitik ein Thema mit großer Sprengkraft bei Wahlen und bei Koalitionsverhandlungen. Den Auftakt zu einer ganzen Reihe von sehr spektakulären und skandalträchtigen Sexualdelikten durch Flüchtlinge bildete in Freiburg der Mord an der 19-jährigen Medizinstudentin Maria Ladenburger durch den afghanischen Flüchtling Hussein Khavari.

Hussein Khavari – der Mörder der Freiburger Medizinstudentin Maria Ladenburger

Am 16. Oktober 2016 wurde die Leiche der 19-jährigen Medizinstudentin Maria Ladenburger im Freiburger Fluss Dreisam gefunden. Die gerichtsmedizinische Untersuchung ergab die Todesursache Ertränken. Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass die Studentin vor ihrem Tod schwer vergewaltigt wurde und offensichtlich bewusstlos absichtlich ins Wasser des Flusses Dreisam gelegt wurde. Als Tatverdächtiger wurde der afghanische Asylbewerber Hussein Khavari ermittelt, der in Freiburg bei einer Pflegefamilie wohnte und als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling galt. Erst im Verlauf des Prozesses sollte sich herausstellen, dass viele der Angaben des Tatverdächtigen nicht der Wahrheit entsprachen. Auch seine Altersangabe war gelogen. Der Prozess am Freiburger Landgericht dauerte etwa ein halbes Jahr (September 2017 bis März 2018). Im Verlauf der Ermittlungen stellte sich heraus, dass Hussein K. bereits wegen eines schweren Gewaltdeliktes vorbestraft war. Auf der Insel Korfu, auf der er als Flüchtling zuerst in Europa lebte, hatte er im Mai 2013 eine Studentin überfallen, über eine Klippe mehr als zehn Meter in die Tiefe geworfen und schwer verletzt. Er wurde wegen versuchten Totschlags und Diebstahls zu einer Haftstrafe von zehn Jahren verurteilt. Durch das Amnestie-Gesetz der Regierung von Tsipras im Oktober 2015 wurde er freigelassen und kam schließlich nach Deutschland. Dort machte er falsche Angaben zu seiner Identität und bezüglich seines Alters. Er wurde als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling einer Pflegefamilie zugeteilt.

„Es ist doch nur eine Frau!“-

Die Täter-Worte als Überschriften in Medienberichten

Durch mehrere Verhaltensweisen hat sich Hussein K. im Verlauf des Prozesses zusätzlich sehr unbeliebt gemacht: Zum einen wurden durch die gerichtsmedizinischen Gutachten deutlich, dass Hussein K. die Medizinstudentin sehr brutal vergewaltigt hat und ihr schwere innere Verletzungen zugefügt hat. Bei einem Freund prahlte er kurz nach der Tat und sagte zu ihm, er habe gerade eine Frau „wie ein Tier vergewaltigt“. Der Freund sagte dies vor Gericht aus. Bei der Obduktion zeigte die Leiche von Maria L. ausgeprägte Bisswunden in der Wange sowie in der Brust- und Unterbauch-Region. Weiterhin erzählte er diesem Freund, er habe in der Mordnacht noch ein weiteres Opfer im Visier gehabt, eine Chinesin, die er habe „vergewaltigen und ficken wollen“. Von großer Bedeutung wurde jedoch ein Satz, den die griechischen Polizisten im Gerichtssaal berichteten, die damals auf Korfu Hussein K. vernommen haben. Er sagte: „Was soll das denn alles, es war doch nur eine Frau!“ Dieser Satz schlug bei den deutschen Medien ein wie eine Bombe. Gibt man in die Suchmaschine Google die Worte „Es war doch nur eine Frau“ ein, so folgen mehr als zehn Zeitungsartikel über den Mord von Hussein K., die diesen Satz als Überschrift tragen. Offensichtlich ist dieser Satz zu einem Symbol für Frauenhass und Verachtung des weiblichen Geschlechts geworden. Hussein K. sagte ja zu seinem Freund, er habe eine „Frau wie ein Tier vergewaltigt“. Das Brutale und Animalische hat er in den sechs Monaten des Prozesses immer wieder zum Ausdruck gebracht.

Das Gutachten des Psychiaters Hartmut Pleines

Für das Landgericht Freiburg hat der erfahrene Psychiater Hartmut Pleines den Täter Hussein K. begutachtet. Er stellte bei ihm eine große Neigung zu schweren Straftaten gegen Frauen fest. Er habe frauenfeindliche Einstellungen, die fest in seiner Persönlichkeit verankert seien. Außerdem zeigt er deutliche sadistische Tendenzen und habe eine Faszination für Macht- und Dominanzphantasien Frauen gegenüber. Es ist nicht überraschend, dass Hussein auch seinen psychiatrischen Gutachter angelogen hat wie zuvor die Grenzbeamten, die BAMF-Mitarbeiter, die Jugendamt-Mitarbeiter und die Polizei. So behauptete er dem Gutachter gegenüber, er habe noch nie pornographische Bilder gesehen und sich noch nie selbst befriedigt. Die Polizei fand jedoch auf seinem Smartphone hunderte Pornoaufnahmen, überwiegend mit sadomasochistischen Inhalten.

Wissenschaftliche Aufarbeitung und internationale Resonanz

Der Mordfall von Hussein K. an Maria Ladenburger hat nicht nur die deutsche Bevölkerung schockiert, er ist auch international zur Kenntnis genommen worden. Im Dezember 2016 erschienen darüber Berichte in der „Washington Post“ und in der „New York Times“. Die Islam-Wissenschaftlerin und Professorin Susanne Schröter veröffentlichte im „Merkur“ (14.6.2018) eine Analyse zu dem Mordfall. Susanne Schröter ist Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI). Ihrer Untersuchung gab sie ebenfalls den Titel „Es war doch nur eine Frau“ und betonte den Frauenhass des Täters sowie die kulturellen Wurzeln bei Sexualdelikten von muslimischen Tätern. Sie bezog sich dabei auf sehr renommierte arabische Autoren, die ähnlicher Meinung seien, so der algerische Schriftsteller Kamel Daoud, der aus Syrien stammende Politikwissenschaftler Bassam Tibi und der Islamismusforscher Hamed Abdel-Samad mit ägyptischer Herkunft. In ihrem FAZ-Artikel „Wie viel Islam steckt in sexuellen Übergriffen?“brachte sie die Problematik nochmals pointiert auf den Punkt. Sie hob darinhervor, dass in muslimischen Ländern eine hohe kulturelle Akzeptanz für sexuelle Übergriffe bestehe. Dies werde besonders in Ägypten deutlich, wo etwa 95 Prozent der Frauen angeben, schon einmal sexuell belästigt worden zu sein. Der sehr bekannte und angesehene algerische Journalist und Schriftsteller Kamel Daoud verfolgt ähnliche Argumentationsstränge. Sein Roman „Der Fall Mersault“ aus dem Jahre 2016 erhielt drei hohe Literaturpreise und wurde in fast dreißig Sprachen übersetzt. Daoud kritisiert hier die Naivität des Westens, der oft die Unvereinbarkeit westlicher und islamischer Kultur verleugne. Viel beachtet und diskutiert wurde sein FAZ-Artikel „Das sexuelle Elend der arabischen Welt“ (vom 18.2.2016). Dort ist zu lesen:

„Der Andere kommt aus jenem riesigen schmerzvollen und grauenhaften Universum, welches das sexuelle Elend in der arabisch-muslimischen Welt darstellt, mit ihrem kranken Verhältnis zur Frau, zum Körper und zum Begehren. Ihn aufzunehmen heißt noch nicht, ihn zu heilen. Das Verhältnis zur Frau ist der – zweite – gordische Knoten in der Welt Allahs. Die Frau wird verleugnet, abgewiesen, getötet, vergewaltigt, eingeschlossen oder besessen.

Längst keine Einzelfälle mehr …

Im Jahr 2016 war die deutsche Flüchtlingspolitik noch stark von der „Willkommenskultur“ geprägt. Dass Flüchtlinge krimineller sein könnten als Deutsche, das war damals fast ein Tabu. Wer dies für möglich hielt, wurde als Rassist beschimpft oder mit Rechtsradikalen, AfD oder Pegida in eine Reihe gestellt. In den Medien hieß es: Der Freiburger Sexualmord war ein schrecklicher Einzelfall! Der damalige Innenminister Thomas de Maizière, der ja der für viele Flüchtlingsfragen zuständige Minister war, äußerte wiederholt im Fernsehen, dass Flüchtlinge nicht krimineller seien als Deutsche. Doch dann häuften sich die Berichte über Sexualdelikte durch Flüchtlinge. Im August 2017 kam es zu einer Gruppenvergewaltigung in Dessau. Vier junge Männer aus Eritrea vergewaltigten eine 56-jährige Frau. Kurze Zeit später – am 27. Dezember 2017 – wurde die 15-jährige Mia V. in Kandel (Rheinland-Pfalz) von einem mutmaßlich minderjährigen afghanischen Flüchtling erstochen. Die AfD gründete das Bündnis „Kandel ist überall“ und rief zu einer Demonstration auf, zu der rund 4000 Teilnehmer kamen. In den folgenden Wochen kam es zu weiteren Demonstrationen. Nun war das Thema „Sexualdelikte durch Flüchtlinge“ in den Medien ganz anders präsent. Die Diskussionen waren mittlerweile stark kontrovers, radikalisiert und instrumentalisiert. In der Zeit der Mordtat von Kandel lief gerade vor der Jugendkammer des Landgerichts Freiburg der Prozess gegen Hussein K. wegen seines Mordes an Maria Ladenburger. Der Prozess dauerte etwa ein halbes Jahr (September 2017 bis März 2018) und war sehr häufig Thema in den Medien. Im Juni 2018 wurde die Leiche der 14-jährigen Susanna F. in Wiesbaden gefunden. Sie war vermisst gemeldet. Nach dem Obduktionsbericht ist sie erwürgt worden. Nach einer Flucht in sein Heimatland ist der irakische Flüchtling Ali B. verhaftet worden. Er hat die Tat gestanden. Der Prozess hat noch nicht begonnen. Bei diesen spektakulären Mordfällen waren Täter und Opfer meistens jünger als zwanzig Jahre! Nun häuften sich von Jahr zu Jahr Berichte über Vergewaltigungen von jungen deutschen Frauen durch Flüchtlinge. Ein Blick in die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) kann hierüber Aufschluss geben.

Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PSK)

Von 2014 bis 2017 stieg die Zahl der wegen Vergewaltigung bei der Polizei angezeigten Flüchtlingen von 322 auf 1495. Das ist eine Steigerung von etwa 370 Prozent. Dieser Anstieg ist noch für die ersten Jahre nachvollziehbar, da ja in den Jahren 2015 und 2016 sehr viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Mittlerweile leben in Deutschland etwa 1,6 Millionen Flüchtlinge, das entspricht einem Anteil von zwei Prozent der Gesamtbevölkerung. Im Jahr 2015 wurden nach der PKS 456 Vergewaltigungen durch Flüchtlinge angezeigt, im Jahr 2016 waren es bereits 878. Der Anstieg von 2016 auf 2017 – in Zahlen von 878 auf 1495 – ist jedoch sehr auffällig und bemerkenswert. Hierzu besteht ein regelrechter „Erklärungsnotstand“, denn im Jahr 2017 sind ja deutlich weniger Flüchtlinge in Deutschland eingewandert als in den Jahren 2015 und 2016. Aufschlussreich erscheint der Vergleich mit den anderen Tatverdächtigen für das Delikt Vergewaltigung. Insgesamt verzeichnet die PKS für das Jahr 2017 9.414 Vergewaltigungen. Davon waren 5.931 deutsche Tatverdächtige, 1988 Nicht-deutsche ohne Zuwanderer (z.B. EU-Bürger anderer Staaten) und 1.495 waren Zuwanderer. Diese hatten damit einen Anteil von 15,9 %, obwohl sie nur 2 % der Gesamtbevölkerung ausmachen. Die Flüchtlinge sind also bei den Vergewaltigungen überproportional als Tatverdächtige registriert. Die Deutung dieser Ergebnisse ist höchst komplex und wird auch unter den Kriminologen kontrovers diskutiert. Eines wird durch die Daten der PKS sicherlich deutlich: Es sind keine Einzelfälle mehr!

 

Zitierte Literatur:

Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat. Bericht zur Polizeilichen Kriminalstatistik 2017

Daoud Kamel, Das sexuelle Elend der arabischen Welt. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.2.2018

Kensche Christine, „Das ist doch nur eine Frau“, sagte Hussein K. Mordprozess in Freiburg. DIE WELT vom 25.1.2018

Schröter Susanne, „Es war doch nur eine Frau“. Gastbeitrag im Merkur vom 14.06.2018

Schröter Susanne, Wie viel Islam steckt im sexuellen Übergriff? Kölner Silvesternacht. Interview von Thomas Thiel. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.1.2016

Soldt Rüdiger, „Es war doch nur eine Frau“. Prozess gegen Hussein K. FAZ vom 26.1.2018

Walburg Christian, Migration und Kriminalität- Erfahrungen und neuere Entwicklungen. Walburg C. Bundeszentrale für politische Bildung. 22.10.2018. https://www.bpb.de/politik/innenpolitik/innere-sicherheit/272522/migration-und-kriminalitaet

 

Anschrift des Verfassers:

Prof. Dr. med. H. Csef, Schwerpunktleiter Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Zentrum für Innere Medizin, Medizinische Klinik und Poliklinik II, Oberdürrbacher Straße 6, 97080 Würzburg

E-Mail-Adresse: Csef_H@ukw.de

 

 

 

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Über Herbert Csef 27 Artikel
Prof. Dr. Herbert Csef, geb. 1951, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychoanalytiker. Studium der Psychologie und Humanmedizin an der Universität Würzburg, 1987 Habilitation. Seit 1988 Professor für Psychosomatik an der Universität Würzburg und Leiter des Schwerpunktes Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums. Seit 2009 zusätzlich Leiter der Interdisziplinären Psychosomatischen Tagesklinik des Universitätsklinikums. Seit 2013 Vorstandsmitglied der Dr.-Gerhardt-Nissen-Stiftung und Vorsitzender im Kuratorium für den Forschungspreis „Psychotherapie in der Medizin“. Viele Texte zur Literatur.