„CDU pur“ taugt nicht zum Regieren
In der CDU brodelt es. In einer umfangreichen Recherche berichten gleich vier Redakteure der FAZ darüber und kommen zum Ergebnis: „Der Frust in der CDU ist groß. Manche reden nur hinter vorgehaltener Hand darüber. Andere, wie der frühere hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, sprechen es offen aus. „Friedrich Merz ist Opfer seiner eigenen Ankündigungspolitik“, sagt der Christdemokrat. „Es war ein Fehler, als CDU-Vorsitzender alles anders machen zu wollen.“ Einerseits habe Merz bei seinen Anhängern Erwartungen geweckt, die er nicht halten konnte. Andererseits hätten sich jene abgewendet, die mit der bisherigen Regierungsarbeit der CDU zufrieden waren“ (https://zeitung.faz.net/data/824/reader/reader.html…).
Trotz erster Schritte von Merz wie dem Besuch der SPD-Fraktion „hört man aus der CDU auch den Vorwurf, dass es dem Kanzler inklusive seines Umfelds weiterhin an Einsicht mangele. Merz liebe den staatsmännischen Auftritt, wird gelästert: große Reden über die Weltpolitik, am liebsten vor Industrievertretern, von denen er sich hernach bequatschen lasse. Deutlich weniger ausgeprägt sei sein Interesse an den Niederungen der Politik, sei es in Form handwerklicher Details oder in Form von Terminen mit Bevölkerungsgruppen, die nicht einen Konzern leiten. Deswegen entgleiten dem Kanzler so viele Prozesse, deswegen ist er so unbeliebt, lautet die Analyse.“
Volker Bouffier, zwölf Jahre Ministerpräsident in Hessen, „erkennt eines der großen Probleme seiner Partei in falschen Erwartungen. Nach langer Zeit in Koalitionen und vielen Kompromissen habe es nach dem Abschied von Angela Merkel einen „Überdruck in der Partei“ gegeben. „Daraus entstand das Missverständnis: ‚CDU pur‘ ist die Verballhornung eines Wunsches nach programmatisch reiner Lehre. Das taugt aber nicht zum Regieren“.
Er warnt seine Partei eindringlich davor, „die Koalition mit der SPD aufzukündigen, um kompromissloser auftreten zu können. „Eine Minderheitsregierung ist ein Blick in den Abgrund“, sagt Bouffier. „Denn sie bedeutet de facto eine Zusammenarbeit mit der AfD. Das stellt alles infrage, wofür die CDU steht: Westbindung, Europa, Sicherheit.“
