Neue Umfrage zur Führungskompetenz: AfD liegt vorn – doch viele Bürger trauen keiner Partei Deutschland zu

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Unabhängig von der Frage, für wen man stimmen würde, wenn am Sonntag Bundestagswahlen wären, wollten wir wissen, welcher Partei man alles in allem am ehesten zutraut, Deutschland kompetent zu führen. Mehr als jeder Fünfte (21 Prozent) konnte keine Partei nennen, acht Prozent der Befragten machten keine Angaben oder wussten nicht, was sie antworten sollten.

Fast jeder Vierte (23 Prozent) nannte die AfD, jeder Siebte (14 Prozent) die CDU, jeder Elfte (9 Prozent) die SPD, acht Prozent Bündnis90/Die Grünen, sieben Prozent die Linkspartei, vier Prozent die CSU und jeweils zwei Prozent das BSW, die FDP und eine andere Partei. Damit fällt der Zuspruch zur Führungskompetenz der Parteien noch niedriger aus als die Zustimmung bei der Sonntagsfrage. 87 Prozent der AfD-Wähler halten die von ihnen bei Wahlen favorisierte Partei auch kompetent das Land zu führen, 58 Prozent der CDU/CSU-Wähler sagen das bezogen auf die CDU, weitere 16 Prozent bezogen auf die CSU. Fast drei Viertel der Unionswähler (74 Prozent, kumuliert) gehen also davon aus, dass die Schwesterparteien, die sie wählen wollen, auch die nötige Kompetenz zur Führung des Landes haben. Unter Grünen- und Linke-Wählern sind es nur jeweils 62 Prozent, die ihren Parteien diese Führungskompetenz zutrauen, 59 Prozent der Wähler der SPD, 57 Prozent der Wähler des BSW und 46 Prozent der Wähler der FDP trauen den Parteien, die ihre Stimme bekommen, die Kompetenz zu, Deutschland zu führen. Wer selbst die eigenen Wähler nicht wirklich überzeugt, dem fällt es wahrscheinlich noch schwerer, Wähler anderer Parteien für sich zu gewinnen.

Der Podcast des Podcasters Ben Berndt („ungeskriptet“) mit dem AfD-Politiker Björn Höcke stieß auf großes Interesse. Auch 15 Prozent der von uns Befragten haben ihn zumindest teilweise angehört. Für 72 Prozent der Befragten, die den Podcast hörten, hat sich an ihrem Bild über Höcke durch den Podcast nichts geändert: 43 Prozent davon hatten eine gute Meinung über Höcke und die ist geblieben, 29 Prozent hatten eine schlechte Meinung über ihn und die ist auch geblieben. Weitere zwölf Prozent hatten eine gute Meinung über ihn und die ist schlechter geworden, elf Prozent hatten eine schlechte Meinung über ihn und die ist besser geworden. Unter dem Strich hat Björn Höcke seine Fans überzeugt, seine Gegner bestätigt und diejenigen, die ihre Meinung änderten wiegen sich gegenseitig auf. Die Stimmung kippt nicht durch einen Podcast, dessen Aufrufzahlen durch die Decke gehen, in die eine oder die andere Richtung. Die Zugriffe zeigen das große Interesse an Information. Der mündige Bürger nutzt die Informationsmöglichkeiten, die er bekommt. Es ist aber deutlich wahrscheinlicher, dass er seine Meinung behält als dass er sie ändert. Die Kritiker werden nicht überzeugt, die Fans aber munitioniert und beide Seiten wahrscheinlich motiviert, für die jeweils als richtig erachtete Position zu streiten.

Über Hermann Binkert 567 Artikel
Hermann Binkert ist 57 Jahre alt, verheiratet und Vater von vier Kindern. Der Jurist ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des Markt- und Meinungsforschungsinstituts INSA-CONSULERE. Bevor er INSA im November 2009 in Erfurt gründete, war Binkert 18 Jahre im öffentlichen Dienst, zuletzt als Staatssekretär in der Thüringer Staatskanzlei und Bevollmächtigter des Freistaats Thüringen beim Bund, tätig. Heute gehört er zu den renommiertesten Meinungsforschern Deutschlands und erhebt Umfragen für Ministerien im Bund und in den Ländern, für alle Parteien und Fraktionen, die im Bundestag und in den Landtagen vertreten sind. Wöchentlich stellt INSA die Sonntagsfrage für die Bild am Sonntag und die BILD. Das Meinungsforschungsinstitut arbeitet für viele großen Verlage, z. B. Springer, Burda, Funke, Madsack. Es führt aber auch Fokusgruppengespräche und Testkäufe durch.