Saudi-Arabien – die größte Massenhinrichtung: Ein barbarischer Rekord

blut tatort mord gewalt blutfleck spuren delikt, Quelle: fantareis, Pixabay License Freie kommerzielle Nutzung Kein Bildnachweis nötig

Saudi-Arabien hat 81 Menschen wegen unterschiedlicher Verbrechen hingerichtet ­– an einem einzigen Tag. Es war die größte Massenhinrichtung seit Langem. Damit sind schon jetzt bereits mehr Menschen hingerichtet worden als in den beiden Vorjahren.

Seit Jahren beklagen Menschenrechtler immer wieder die hohe Zahl an Exekutionen in Saudi-Arabien. Das Land gehört zu den Ländern mit den meisten Hinrichtungen weltweit. 2019 waren nach Recherchen von Amnesty 184 Menschen – teils auch öffentlich – exekutiert worden, was international große Empörung ausgelöst hatte. Dem Königreich wurde damals vorgeworfen, dass die die meisten der Männer keine fairen Prozesse bekommen hätten und Geständnisse auch durch Folter erzwungen worden seien. Der Großteil der Hingerichteten gehörte der schiitischen Minderheit an. Im folgenden Jahr 2020, als die Saudis den G20-Vorsatz übernommen hatten, sei – so Amnesty ­–­ lediglich eine „kurze Atempause der Repression“ im Golfstaat gewesen. Danach wwaren wieder mehr Menschen hingerichtet worden, allein zwischen Januar und Juli 2021 gab es 40 Exekutionen.

Nun hat Saudi-Arabien hat nach eigenen Angaben an einem einzigen Tag 81 Menschen exekutiert. Ein barbarischer Rekord: Beobachter sprechen von der größten Massenhinrichtung in der jüngeren Geschichte des Königreichs. Die Hinrichtungen wurden am 12. März vollstreckt, nachdem die Todesurteile durch Dekrete des Königshauses bestätigt worden waren. Die Zahl der Exekutierten lag höher als bei einer Massenhinrichtung Anfang 1980 von mutmaßlichen Teilnehmern des Sturms auf die Große Moschee in Mekka. Damals waren 63 Personen geköpft worden. Die jetzt Hingerichteten seien wegen unterschiedlicher Verbrechen verurteilt worden, ließ das saudische Innenministerium über die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA verlautbaren. Wie die Männer diesmal getötet wurden, wurde nicht mitgeteilt.

Menschenrechtsgruppen werfen Saudi-Arabien, wo Kronprinz Mohammed bin Salman mit aller Härte gegen politische und religiöse Meinungsäußerungen vorgeht, eklatante und permanente Menschenrechtsverletzungen vor. Mindestens 3000 politische Inhaftierte sitzen in Saudi-Arabien nach Schätzungen von Amnesty International in Gefängnissen des Landes. Erst von wenigen Tagen war der Blogger Raif Badawi nach Jahren aus einem Gefängnis freigekommen. Der Gründer eines Online-Forums war 2012 wegen »Beleidigung des Islam« angeklagt und später zu 10 Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt worden. 50 der Peitschenhiebe hatte er 2015 erhalten. Trotz seiner Freilassung darf er die nächsten zehn Jahre das Land nicht verlassen (um endlich seine Frau und seine Kinder wiederzusehen, die mittlerweile in Kanada im Exil leben). Auch ist es ihm verboten, in der Zeit keinerlei Online-Medien nutzen. Das totalitäre Königreich erklärt, es schütze mit Strafen und Repressionen wie im Fall Badawi seine nationale Sicherheit gemäß seinen Gesetzen.

Mohammads Plan heißt „Vision 2030“. Alle Wirtschaftsbereiche außerhalb des Energiesektors will er den kommenden Jahren massiv ausbauen ­­­­ und zahlreiche deutsche und europäische Unternehmen unterstützten ihn gerne dabei. Seit Jahren schätzen sie das Land als verlässlichen und solventen Kunden. Business first! Menschenrechtverletzungen, Repression und Hinrichtungen? Darüber wird schamvoll, aber konsequent geschwiegen. Auch jetzt. Aus der Wirtschaft ist bislang kein Wort zu den Massen-Exekutionen im Land ihrer Geschäftspartner zu vernehmen. Und auch die Politik schweigt. Wieder einmal.

Buch-Hinweis:

Helmut Ortner
OHNE GNADE – Eine Geschichte der Todesstrafe
Mit einem Nachwort von Bundesrichter a. D., Prof. Dr. Thomas Fischer
Nomen Verlag,  240 Seiten, 22 Euro

NEU am 25. März im Handel:

Über Helmut Ortner 21 Artikel
Geboren 1950 in Gendorf/Oberbayern und aufgewachsen in Frankfurt am Main. Schriftsetzerlehre, anschließend Studium an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main, Schwerpunkt Grafik-Design. Es folgt Wehrdienstverweigerung – und Zivildienst. Danach journalistische Lehrjahre: Redakteur, Chefredakteur (u.a. Journal Frankfurt, Prinz). Ab 1998 selbständiger Printmedien-Entwickler mit Büro in Frankfurt. Konzepte und Relaunchs für mehr als 100 nationale und internationale Zeitschriften und Zeitungen, darunter Magazine wie Focus, chrismon, The European und Cicero, sowie Tages- und Wochenzeitungen, u.a. Das Parlament, Jüdische Allgemeine, Frankfurter Rundschau, Allgemeine Zeitung, Wiesbadener Kurier, Darmstädter Echo, De Lloyd Antwerpen, NT Rotterdam sowie Relaunchs in London, Wien, Sofia, Warschau und Dubai. Zahlreiche Auszeichnungen (u.a. European Newspaper Award, Hall of Fame, CP Award Gold). Daneben journalistische Beiträge zu politischen und gesellschaftlichen Themen, veröffentlicht in div. Tageszeitungen und Magazinen. Erste Buchveröffentlichung 1975, seither mehr als vierzig Veröffentlichungen. Übersetzungen in bislang 14 Sprachen (2018). Zahlreiche Preise und Einladungen: Stadtschreiberpreis der Stadt Kelsterbach, Lesereise Goethe-Institut Südamerika, Teilnahme an Buchmessen in Havanna, Istanbul und Buenos Aires sowie Lit.Col. Köln 2017. Zuletzt Lesereisen nach Lissabon, Turin, Tokyo. Helmut Ortner lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und in Darmstadt. Er ist passionierter Radrennfahrer, Eintracht Frankfurt-Fan und Pat Metheny-Liebhaber.